DBT Newsletter #22/2018

Studie: Macht von Internetkonzernen steigt

Ruf nach stärkerer Regulierung wird lauter, Foto: APA (AFP)








Internet-Plattformen wie Facebook, Google und Co. sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Inzwischen häufen sich aber die Bedenken. Eine neue Studie der Technischen Universität (TU) Wien im Auftrag der Arbeiterkammer zeigt, wie mächtig einige der Internetriesen geworden sind und plädiert für eine stärkere Regulierung der Großkonzerne.

Laut der Untersuchung fallen vier der fünf größten Unternehmen weltweit in die Kategorie der Internetplattformen. Sieben der zwölf höchstbewerteten Unternehmen der Welt kommen aus der digitalen Wirtschaft. Erst im August hat Apple als erstes Unternehmen die 1-Billion-Marke durchbrochen. „Die ökonomische Macht der Internetkonzerne hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Facebook, Google und Co. zählen heute zu den zentralen Konzernen weltweit“, erklärte Studienautor Leonhard Plank von der TU Wien.

Daneben würden diese Unternehmen auch oft langfristig überdurchschnittliche Gewinne erzielen. Bestehen solche überdurchschnittlichen Gewinne systematisch über einen längeren Zeitraum, sei dies ein Hinweis auf fehlenden Wettbewerb, heißt es in der Studie. Allein Google könnte mit seinen enormen Rücklagen alle 20 im ATX notierten Unternehmen aufkaufen, Apple sogar Firmen wie Samsung, Shell oder Pfizer. Dies zeigt laut Studie deutlich, welche ökonomische Macht mit diesen Reserven verbunden ist. Oftmals würden die Rücklagen zum Aufkaufen anderer Unternehmen und damit potenzieller Konkurrenz verwendet. Während die Konzentration und die Profite in der IKT-Branche steigen, nimmt die Zahl der Markteintritte ab.

Die Internetplattformen würden auch zusehends versuchen, ihre eigene Infrastruktur aufzubauen, um sich dadurch von Konkurrenten abzuschotten. So baue sich beispielsweise Google mit seinem Browser, seinem Betriebssystem, seinen Glasfasernetzen und Rechenzentren ein eigenes privates Internet auf, heißt es in der Studie. Konsequenz davon sei aber, dass Informationen künftig nicht mehr über die öffentliche Infrastruktur fließen und dadurch die ökonomische Macht der Internetkonzerne weiter ausgeweitet werde.

Einfluss auf Denken und Handeln

Die Macht der Internetriesen hätte aber nicht nur ökonomische, sondern auch politische Konsequenzen. Viele der Plattformen würden laut Studie zunehmend in gesellschaftliche Bereiche eindringen und bewusst wie unbewusst das Denken und Handeln der Menschen beeinflussen. Problematisch sei auch, dass die Internetkonzerne durch ihre steigende Marktmacht Rahmenbedingungen für soziale und politische Kontexte setzen. Teils hätten sie sogar die Tendenz, die Richtung des öffentlichen Diskurses zu bestimmen. „Vor allem die demokratiepolitische Problematik macht die Notwendigkeit deutlich, regulierend einzugreifen", so Plank.

Die Studie stellt vor diesem Hintergrund einige Vorschläge vor, wie man das Feld der Internetplattformen regulieren könnte. Vorgeschlagen wird beispielsweise, horizontale Fusionen in den gleichen bzw. ähnlichen Branchen stärker zu beschränken (z.B. Facebooks Übernahme von Instagram bzw. WhatsApp) und vertikale Fusionen generell zu verbieten. Zudem könnten künftig auch die Kriterien zur Fusionskontrolle erweitert werden. Neben etablierten Kriterien wie den Umsatzanteilen sollten vor allem die Nutzerzahl und die Auswirkungen der Konzerne auf die Medienvielfalt als Kriterien eingeführt werden.


Generation Kurzfilm: Jugendliche machen sich ihr Programm selbst

 Video on Demand hilft beim Kampf gegen die Langeweile, Foto: APA (AFP)





Das lineare Fernsehen spielt für junge Medienkonsumenten eine immer geringere Rolle. Sie unterhalten sich auf Online-Plattformen mit überwiegend kurzen Videoclips. Nachrichten erreichen sie aber dennoch, oft mehrmals täglich. Dies geht aus der Studie „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im VOD-Zeitalter" im Auftrag von KommAustria und RTR hervor.

Dass die Jungen immer seltener vor dem Fernseher sitzen, kann man in zahlreichen Untersuchungen nachlesen. Bernhard Heinzlmaier, dessen Institut für Jugendkulturforschung die umfangreiche Studie erstellte, hatte dafür bei der Präsentationsveranstaltung eine stichhaltige Begründung parat: „Die 16- bis 29-Jährigen haben die Präferenz, sich ihr Programm selbst zu machen. Diese Gruppe hat einen extrem hohen Autonomieanspruch." Dies gelte umso mehr für höher gebildete Personen.

Auch eine veränderte Aufmerksamkeitskultur konstatiert der Jugendforscher nicht nur bei der ganz jungen Zielgruppe. Die „deep attention" – lange Konzentration auf einen Sachverhalt oder ein Medium – sei bald Geschichte. „Hyper attention" präge heute die User: der schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben mit simultanem Medienkonsum. Dementsprechend konsumieren die Jungen auch selten abendfüllende Videos, sondern vor allem kurze Clips von wenigen Minuten – Stichwort Katzenvideos oder auch Highlights von Sportübertragungen.

Niedrige „Monotonie-Toleranz"

Unterhaltung ist das Hauptmotiv dafür, Video on Demand hilft beim Kampf gegen die Langeweile. Die junge Generation habe eine niedrige „Monotonie-Toleranz", sagte Heinzlmaier. Wissensaneignung spielt aber laut Studie ebenfalls eine große Rolle, etwa Tutorials. Im Gegensatz zum klassischen, linearen Fernsehen hat der Video-Konsum eine geringere soziale Komponente, das heißt, die User sind dabei überwiegend alleine.

Für die Sorge, dass diese jungen Konsumenten in einer Katzenvideo-Blase verschwinden und mit seriösen Informationen gar nicht mehr erreicht werden können, bietet die Studie indes keinen Anlass. Als „wesentliches Ergebnis" wird in der Studie hervorgehoben, dass „auch junge Menschen, also die Gruppe, die am stärksten in den digitalen Wandel involviert ist, noch sehr regelmäßig Nachrichten rezipiert". Und das durchaus mit einem Bewusstsein für Quellenkritik und Qualität der Informationen: Der ORF und einzelne Zeitungen wurden demnach als besonders glaub- und vertrauenswürdig eingeschätzt. Auch versteckte Werbung werde wahrgenommen, so ein weiteres Ergebnis.

Maximale Fragmentierung

Für die Studie wurde im Frühling 2018 eine Befragung mit 800 Teilnehmern durchgeführt, außerdem wurden Fokusgruppen veranstaltet. Susanne Lackner, stellvertretende Leiterin der Medienbehörde KommAustria, bezeichnete sie als wichtiges Instrument, um eine neue Medienwelt der „maximalen Fragmentierung" zu erforschen: „Es ist ein Paradigmenwechsel aufgetreten, und zwar, wie ich glaube, einer, wie wir ihn seit der Verbreitung des Fernsehens nicht mehr gekannt haben."

Die Medienregulierer müssten dem Rechnung tragen, wobei die Grundsätze – von Jugendschutz über Schutz der Menschenwürde, Verbot von Hass und Diskriminierung oder die Trennung von Werbung und Inhalten – unabhängig vom Verbreitungsweg gelten würden. „Inhaltlich brauchen wir das Rad nicht neu zu erfinden", sagte Lackner. „Es geht darum: Wie transponieren wir es in die neue digitale Welt?“

Service: Die Studie kann unter https://www.rtr.at/de/inf/Studie_VOD-Zeitalter2018/Studie_VOD-Zeitalter.pdf heruntergeladen werden.


Rekordinvestitionen in europäische Start-ups

 Heuer sind 17 neue „Einhörner“ entstanden, Foto: APA (Fohringer)






Die Investitionen in europäische Start-ups haben heuer laut einer Studie den Rekordwert von rund 23 Mrd. Dollar (rund 20 Mrd. Euro) erreicht. 2013 seien es erst 5 Mrd. Dollar gewesen, schreibt der Wagniskapitalgeber Atomico in seinem jährlichen Bericht zur europäischen Tech-Industrie.

Europa habe in den vergangenen 15 Jahren 61 neue Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar hervorgebracht. Allein heuer überschritten den Angaben zufolge 17 Firmen diese Marke.

Zugleich hätten europäische Start-ups ein Diskriminierungsproblem. Rund 93 Prozent der Investitionen seien an Firmen mit nur aus Männern bestehenden Gründerteams geflossen – wie schon in den Vorjahren. 46 Prozent der Frauen, die in der europäischen Tech-Branche arbeiten, erklärten, dass sie Diskriminierung erlebt hätten. Im deutschsprachigen Raum war der Anteil mit 62 Prozent überdurchschnittlich hoch. 

 

Aus der Wissenschaft:

TU Wien: Die Digitalisierungs-Uni macht Tempo mit Strategie

 TU Wien mit Digitalisierungsstrategie als Vorreiterin, Foto: Pixabay





Für die Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie in Forschung, Lehre und Verwaltung hat die TUW ab 1.1.2019 einen Vizerektor für Digitalisierung und Infrastruktur. Mit dieser kürzlich verabschiedeten Digitalisierungsstrategie sind die Rahmenbedingungen für einen alle Angehörigen der TU Wien einbeziehenden und zentral koordinierten, digitalen Transformationsprozess innerhalb der Universität gesetzt. Als technische Universität hat die TU Wien die besten Voraussetzungen, ihre Rolle als innovativer Treiber der digitalen Transformation innerhalb der Gesellschaft noch präziser zu definieren. Die Stärken der TU Wien wie Exzellenz, Internationalität, Interdisziplinarität, Diversität und ihre Präsenz im urbanen Raum, werden bei diesem Transformationsprozess bestmöglich genutzt und ausgebaut. 

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