DBT Newsletter #21/2018

Digitaler Wandel sitzt Bankern im Nacken

Große Tech-Konzerne drängen ins Bankgeschäft, Foto: APA (dpa)






Der digitale Wandel kostet in den Banken Arbeitsplätze. Weiter rückläufig sein wird die Beschäftigung voraussichtlich im Zahlungsverkehr, bei Retailkundenbetreuung oder im Treasury. Neue Jobs entstehen bei IT, Datenmanagement oder Produktentwicklung. Damit Banken weiter eine Daseinsberechtigung haben, müssen neue Geschäftsmodelle her, besagt eine Studie von KPMG.

„Die zündende Idee, wie ein neues Narrativ aussehen soll, sehen wir noch nicht“ sagten die Vorsitzende der Privatangestelltengewerkschaft GPA-djp, Barbara Teiber, und die Vizedirektorin der Arbeiterkammer Wien, Maria Kubitschek, vor Journalisten. Bis jetzt werde hauptsächlich an Arbeitsplätzen gespart, würden Filialen zugesperrt. „Für uns kein nachhaltiges Geschäftsmodell.“ Diese Entwicklung nähre Widerstand bei den Betroffenen und die Skepsis, ob der digitale Wandel gelingen kann.

Im Auftrag von AK und GPA-djp hat das Beratungsunternehmen KPMG zwischen März und August 2018 eine Studie erstellt. Ermittelt werden sollte, in welchen Bankbereichen neue Beschäftigung entsteht und wo es weiter abwärts geht. Vier Technologien – nämlich Künstliche Intelligenz, Biometrie, Blockchain und Cloud – werden nach Angaben des KPMG-Experten und Autors Alexander Lippner Betrieb und Vertrieb und damit die ganze Wertschöpfungskette der Banken beeinflussen.

Bots sammeln Bilanzinformationen

Kaum ein anderer Wirtschaftsbereich steckt bereits tiefer im digitalen Wandel als die Banken. Monotone und Routine-Arbeiten würden automatisiert. Immer mehr Backoffice-Aufgaben lassen sich durch Maschinen erledigen: In der Bilanzanalyse für das Kreditrisiko könne, so prognostiziert die KPMG-Studie, beispielsweise ein Bot Bilanzinformationen sammeln und auswerten, Künstliche Intelligenz die Analyse übernehmen. Was der Bilanzanalyst mit der freiwerdenden Zeit mache, werde von seiner Begabung abhängen, meint Lippner. Er könne die Firmenkundenberatung unterstützen, in andere Branchenzuständigkeiten wechseln oder selber in die Steuerung der neuen Technologie einsteigen.

„Es werden Jobs wegfallen, aber neue Beschäftigungen entstehen“, ist man bei KPMG überzeugt. „Wir sehen, was den österreichischen Markt betrifft, keine revolutionäre Entwicklung, sondern eher eine evolutionäre.“ In den vergangenen 10 bis 15 Jahren hätten Finanzkrise, regulatorische Flut, Strukturänderungen und Filialschließungswellen viel verändert. Seit 2008 sind in Österreich unterm Strich rund 6.000 Bankjobs abgebaut worden. Die Arbeitnehmervertreter hoffen, dass nach den letzten großen Abbauschritten in Großbanken jetzt der Turnaround erreicht ist.

Einkaufen ohne Bezahlvorgang

Große Tech-Konzerne drängen derzeit ins Bankgeschäft und zwingen die klassischen Finanzhäuser, ihre Geschäftsmodelle zu ändern – und dies in rasantem Tempo, sagte KPMG-Experte Lippner. Ein Muster für innovative Tech-Modelle in einer „Bank 2025“ sieht er unter anderen auch in einer „unsichtbaren Bank“, wo Finanzdienste automatisch im Hintergrund laufen. In Singapur etwa komme eine Lebensmittelhandelskette ohne Bezahlvorgang aus, da das Zahlungssystem mit dem Regalsystem verbunden ist. Betrieben wird das System von einer Bank, die Dienstleister für diese Einzelhandelskette ist.

Auch FinTechs machen Banken Geschäfte streitig. FinTechs könnten für Kleinstlösungen Vorreiter sein, nicht aber für den breiten Einsatz. „Es wird kein FinTech die österreichische Bankenlandschaft revolutionieren“, prognostiziert der KPMG-Berater. „Acht von zehn FinTechs wollen mit Banken kooperieren.“


Österreichische Robotik- und KI-Strategie kommt 2019

Roboter-Ratsvorsitzende Köszegi plädiert für mehr Aufklärung, Foto: APA (Archivbild/Müller)












Im Sommer kommenden Jahres soll Österreich eine nationale Strategie in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) bekommen. Das kündigte Infrastrukturminister Norbert Hofer in Wien an. Man werde die Inhalte davor in einem „breiten Diskurs“ auch mit der Bevölkerung abstimmen, sagte er vor Journalisten.

Eine Basis für die Strategie bildet ein Weißbuch des Österreichischen Rats für Robotik und Künstliche Intelligenz, das von Hofer und der Ratsvorsitzenden Sabine Köszegi von der Technischen Universität (TU) Wien präsentiert wurde. Rund um Ostern 2019 soll ein „Stakeholder-Prozess“ folgen, „in Alpbach werden wir Ergebnisse präsentieren“, so Hofer.

Nachdem Robotik und KI „unser Leben mehr und mehr beeinflussen werden“, gelte es Österreich „als Mitspieler“ auf dem Gebiet weiter zu etablieren. Was die Bemühungen der öffentlichen Hand betrifft, „stehen wir nicht bei null“, sagte Hofer. Seit 2012 habe etwa das Infrastrukturministerium, das auch den „Robotik-Rat“ als Beratungsgremium eingerichtet hat, rund 210 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung (F&E) von KI investiert. In vielen Bereichen gebe es bereits viel Expertise im Land.

Die deutsche Regierung will im Rahmen ihrer kürzlich präsentierten KI-Strategie bis zum Jahr 2025 zusätzlich drei Milliarden Euro investieren und rund 100 neue Professuren einrichten. Hofer kann sich vorstellen, dass die Dotation der österreichischen Strategie – entsprechend der Bevölkerungszahlen – bei etwa einem Zehntel der deutschen Gesamtausgaben liegen könnte, wie er auf Nachfrage erklärte.

Algorithmen transparenter machen

Damit künstlich intelligente Systeme entwickelt werden können, müssen diese trainiert werden, menschliches Verhalten zu verstehen und selbstständig auszuführen. Dazu braucht es Daten, anhand derer gelernt werden kann. Entsprechend wichtig sei es, sich genau zu überlegen, wie mit sensiblen Daten von Bürgern umgegangen wird, so Köszegi. Im Rahmen des Weißbuchs, das „einen ersten strategischen Rahmen“ für die österreichischen Zukunftspläne bilde, habe man daher stark auf ethische Aspekte und das Recht auf Schutz der Privatsphäre geachtet. Zudem bedürfe es Anstrengungen, um nachvollziehbar und verständlich darzustellen, wie Algorithmen, die in Zukunft deutlich mehr Entscheidungen treffen oder beeinflussen werden, zu ihren Vorschlägen und Beurteilungen gelangen.

Angesichts von Studien, die etwa den Wegfall von zehn bis 15 Prozent der Arbeitsplätze in industrialisierten Ländern durch Robotik und KI prognostizieren, sei es auch wichtig die Bevölkerung zu informieren und aufzuklären, betonten Köszegi und Hofer. Denn Ergebnisse dieser Prognosen stünden auch Expertisen gegenüber, die davon ausgehen, dass in etwa gleich viele, allerdings „andere Arbeitsplätze“ mit neuen Anforderungen neu geschaffen werden. Dementsprechend habe man im „White Paper“ neben „Technologie, F&E und Wirtschaft“, „Arbeitswelt und Qualifizierung“, „Gesellschaft und Recht“ auch „Bewusstseinsbildung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“ als Haupt-Handlungsfelder definiert.

Service: Das „White Paper“ kann auf der Website des „Robotik-Rates“ heruntergeladen werden: www.acrai.at


Google-Manager: Österreich braucht mehr Risikofreudigkeit

Schmidt setzt auf Tempo und Unternehmertum, Foto: APA (Schlager)







„Europa als globaler Innovation Leader – Traum oder mögliche Realität?“: Darum ist es bei einem Digitalisierungsgipfel der WU Wien gegangen, der von „ThinkAustria“, dem Thinktank im Bundeskanzleramt, mitveranstaltet wurde. Kanzler Sebastian Kurz und Eric Schmidt, Aufsichtsrat bei der Google-Mutter Alphabet und Ex-Google-CEO, sprachen über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für Europa.

„Wenn ich als Amerikaner Europa anschaue, dann ist es stolz, aber es bewegt sich zu langsam in einigen Bereichen“, sagte Schmidt. Es brauche viel mehr Software-Entwickler, denn diese würden die Zukunft entwickeln. Die Universitäten hätten sehr gute Abgänger, aber am System hake es, kritisierte der Manager.

Seine Lösung habe zwei Ansätze: Freies Unternehmertum und Künstliche Intelligenz. Entrepreneure müssten bereit sein, Risiken einzugehen. „Viele europäische Länder sind aber sehr risikoavers“, so Schmidt. „Scheitern gehört dazu. Wir stellen viele Leute ein, die sind schon pleite gegangen mit ihren Firmen. Wir sagen: Daraus müssen sie etwas gelernt haben.“ Für das Unternehmertum und die Gesellschaft sei die Freiheit eine grundlegende Notwendigkeit. „Entrepreneure kommen nicht nur von Universitäten. Sie kommen von überall her, oft nicht aus privilegierten Familien, sind Waisen, sind Immigranten“, betonte der Google-Mann. „Man braucht sie, weil sie etwas starten.“

Künstliche Intelligenz als Coach

Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz wiederum gehörten ebenso im Sinne eines nachhaltigen Wachstums genutzt – aber auch im Sinne der Sicherheit, sprach Schmidt das automatisierte Fahren an. Hier gehe es um viele Bereiche wie etwa Transport, Medizin, Mathematik, chemische Industrie und mehr. Künstliche Intelligenz könnte auch als Coach dabei helfen, Schüler durch die schwierigen Mathematikschuljahre zu bringen, dachte Schmidt an. Das könne auch bei bildungsfernen Familien sehr helfen.

Europa sei nicht mehr so sehr „Innovationleader“, wie es schon einmal der Fall war, bedauerte Kurz. Aufgrund der Entwicklung der vergangenen Jahre müsse man zugegeben, dass Europa zurückgefallen sei. „Die gute Nachricht ist, es muss nicht so bleiben.“ Die Voraussetzungen für mehr Innovationen seien gegeben, sprach der Politiker „Friede, Freiheit und relativen Wohlstand an“. Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group, die Leiterin von ThinkAustria, sagte, dass die Veranstaltung die erste des Thinktanks sei. Es gehe darum, „über den Tellerrand zu denken“. „Wenn es uns nicht gäbe, gebe es auch diese Veranstaltung nicht“, bedankte sie sich bei Kurz, der die Denkfabrik eingerichtet hat.

 

Aus der Wissenschaft:

Trust in Robots: Vortragsreihe an der TU Wien

Mensch und Roboter Hand in Hand – wie schaffen wir das?, Foto: Pixabay






Wie können Menschen und Roboter am besten zusammenarbeiten? Eine Vortragsreihe über technische, psychologische und soziale Aspekte der Robotik startet an der TU Wien. Um auszuloten, wie man Roboter am besten einsetzen kann und wo die Grenzen ihrer Möglichkeiten liegen, wurde an der TU Wien auch das Doktoratskolleg „Trust Robots“ gestartet, an dem Forschungsgruppen aus den Fakultäten für Informatik, Maschinenwesen und Betriebswirtschaften, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Architektur beteiligt sind.

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