DBT Newsletter #18/2018

Microsoft Österreich sieht Aufholbedarf bei Künstlicher Intelligenz

Zu wenig Nachdruck aus Chefetagen, Foto: APA (dpa)





Das Thema Künstliche Intelligenz ist zwar bei Österreichs Firmen angekommen, aber der Einsatz ist noch zu wenig selbstverständlich. Zu oft haben die Österreicher Angst, von Maschinen ersetzt zu werden, darum werden Lösungen oft nur halbherzig umgesetzt, sagte Microsoft-Österreich-Chefin Dorothee Ritz vor Journalisten. Dabei seien Mensch und Maschine gemeinsam unschlagbar.

Ritz bedauert, dass das Thema Künstliche Intelligenz oft nur in den IT-Abteilungen der Unternehmen beheimatet ist, statt ganz oben in der Vorstandsetage. Nur eine Minderheit gehe davon aus, dass die neue Technologie ihr Kerngeschäft untergraben könnte. Im europäischen Vergleich liege Österreich beim KI-Bewusstsein unter dem Schnitt.

Gestützt wird diese Ansicht von einer Umfrage der Unternehmensberatung EY, die in Österreich rund 20 und europaweit 277 ausgewählte Unternehmen zu dem Thema befragt hat. Wirklich eingesetzt wird die neue Technologie demnach in Europa wie in Österreich nur in jedem 20sten Unternehmen, auch wenn zwei von drei schon darüber nachdenken.

In den in Österreich befragten Firmen und Institutionen – vom Verfassungsgerichtshof bis zur AUA – waren die Technikchefs deutlich häufiger treibende Kraft für KI-Anwendungen als in den Firmen im restlichen Europa, sagte Axel Preiss, Leiter der Managementberatung bei EY Österreich. Auch nutzen die Österreicher überdurchschnittlich oft die neue Technologie, um Wartungsarbeiten zu verbessern und die Automatisierung voranzutreiben. An der Spitze leisten einige Unternehmen Wunderbares in Bezug auf Künstliche Intelligenz, aber am hinteren Ende hinken die Unternehmen eher nach, schließt Preiss aus der Befragung.

Mahrer wünscht sich KI-Strategie für Österreich

Österreich brauche eine Strategie für die Implementierung von Künstlicher Intelligenz, forderte WKÖ-Chef Harald Mahrer in dem gemeinsamen Pressegespräch. Diese dürfe aber nicht statisch sein, sondern es müsse "eine lebendige Weiterentwicklung" geben – und Österreich müsse sich in Europa mit anderen Ländern wie Deutschland und Frankreich abstimmen. Es würde keinen Sinn machen, in Europa 27 Einzelstrategien zu haben, so Mahrer.

Dabei ist es Ritz wichtig, dass gerade auch kleinere Firmen Künstliche Intelligenz nutzen. Es gehe nicht darum, selber etwas zu programmieren, sondern vielmehr um die Anwendung vorhandener Lösungen. Das reiche von kostenlosen Sprach-Apps bis hin zu komplizierteren Anwendungen, deren "Training" aber meist viel schneller gehe, als die Zuständigen befürchten. Man müsse es sich nur zutrauen, möchte Ritz auch kleineren und mittelgroßen Betrieben Mut machen. Künstliche Intelligenz sei wie ein Kind, das auch erst jahrelang in die Schule geht, bevor es dann als Erwachsener einmal in der Öffentlichkeit auftritt, verglich Ritz.


Ohne Regeln bringen selbstfahrende Autos mehr Verkehr

Foto: APA (AFP/GM)





Proponenten des autonomen Verkehrs gehen vielfach davon aus, dass eine hohe Anzahl selbstfahrender Autos die Verkehrseffizienz erhöht. Einer Simulation von Wiener Forschern und Kollegen aus Großbritannien zufolge bringt die Entwicklung jedoch deutlich mehr zurückgelegte Kilometer pro Person und eine geringere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel mit sich, wenn nicht regulierend eingegriffen wird.

An ihrem Modell zur Simulation des Verkehrs und der Landnutzung arbeiten die Wissenschafter um Günter Emberger vom Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien bereits seit mehr als 15 Jahren, wie Emberger im Gespräch mit der APA erklärte. Es eigne sich zur Vorab-Beurteilung neuer Verkehrsmaßnahmen, wie etwa dem großflächigen Einsatz von selbstfahrenden Autos, der laut der Meinung vieler Experten in den kommenden Jahrzehnten bevorsteht. Auch Emberger schätzt, dass in den 2030er Jahren die Anzahl der autonomen Fahrzeuge jene der von Menschen gelenkten Fahrzeuge überschreiten wird.

Kinder und Ältere mögliche Zielgruppen

Neben vielen Vorteilen durch diese Entwicklung, wie der erwarteten Erhöhung der Kapazität der Straßen oder der Verringerung der Wahrscheinlichkeit für Staus, gebe es aber auch mögliche negative Konsequenzen zu bedenken. Muss man tatsächlich nicht mehr Hand ans Steuer legen, würde der Autoverkehr auch für Menschen geöffnet, die bisher nicht eigenständig teilnehmen konnten: also etwa für Kinder und alle anderen Menschen ohne Führerschein. Gleichzeitig könne die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel abnehmen.

Die Autonutzung werde wiederum attraktiver, da man sich bis zum Ziel fahren lassen wird können, ohne sich zeitaufwendig um einen Parkplatz bemühen zu müssen. Den würde sich das Fahrzeug entweder selbstständig suchen oder einfach um den Bestimmungsort zu kreisen beginnen. Das Auto könnte auch leer wieder die Heimfahrt antreten, um beim Abholen wieder die gleiche Strecke in Angriff zu nehmen. Selbstfahrende Autos könnten auch dem Pendeln über weite Distanzen den Schrecken nehmen, was möglicherweise eine weitere Zersiedelung zur Folge habe.

In die Simulation, die die Wissenschafter der TU Wien zusammen mit Kollegen der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und der Universität Leeds (Großbritannien) durchgeführt haben, flossen u.a. Daten zur Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel, zu den Kosten privater Parkplätze oder den prognostizierten Anschaffungskosten selbstfahrender Autos ein. Für die Stadt Leeds ergibt sich eine Zunahme der pro Person zurückgelegten Kilometer von 30 bis 40 Prozent. "Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken gehen hingegen um fünf bis 20 Prozent zurück", so Emberger.

Um den Block kreisen statt parken 

Beim Aufsetzen dieser neuen Verkehrswelt müsse man sich daher "grundlegend überlegen, wie man damit umgeht. Hier fehlt es einfach an Forschung. Wenn etwa das Parken etwas kostet, kann es sein, dass es billiger ist, wenn das Auto zwei Stunden kreist", sagte Emberger. Solche drohenden Fehlentwicklungen sollte man daher unbedingt analysieren, um sie abzufangen. Vieles hänge davon ab, ob zukünftig Privatpersonen ihre eigenen selbstfahrenden Autos haben werden, oder ob ein System gemeinschaftlich genutzter autonomer Fahrzeuge entsteht. Werden die Autos geteilt, sind laut den Analysen die negativen Auswirkungen geringer. Mit ihrem Forschungsansatz möchten Emberger und Kollegen die aktuell "sehr industriegetriebene" Diskussion um die neue Technologie um die legistische Komponente erweitern.

Service: Weitere Informationen in einem "Extended Abstract": http://go.apa.at/ZXYZoQKb


IT-Abteilungen in Österreich zu wenig kundenorientiert

Auch beim strategischen Denken gibt es Nachholbedarf, Foto: APA (AFP)






Das Beratungsunternehmen Deloitte kritisiert in einer Studie die Ausrichtung von IT-Abteilungen heimischer Unternehmen. "Mangelnde Kundenorientierung, eine wenig ausgeprägte Fehlerkultur und die unzureichende strategische Einbindung von Technologie in die Unternehmen lassen Aufholbedarf erkennen", heißt es zur österreichischen IT-Kultur in der Auswertung einer Umfrage in 71 Ländern.

Im "CIO Survey 2018" hat Deloitte weltweit 1.437 Führungskräfte (vorwiegend Chief Information Officers/CIOs) befragt, darunter 91 aus Österreich. "Die österreichischen CIOs hinken strategisch hinterher. Die Modernisierung der Bestandssysteme oder Themen wie Cyber Security, Datensicherheit und Compliance nehmen die meiste Zeit der IT-Leiter in Anspruch. Internationale Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Analytics werden dadurch vernachlässigt", schließt daraus Bernhard Göbl, Director bei Deloitte Österreich.

In Österreich fehlen der Kundenfokus und die Ausrichtung an Führungsaufgaben. IT-Leiter sähen sich eher als Experten denn als Führungspersonen. Auch gebe es eine nur schwache Fehlerkultur - wenn etwas schiefgehe, werde die Verantwortung meist extern gesucht, was Verbesserungen erschwere. Neuausrichtungen seien auf Produkte und Services orientiert, nicht auf die strategische Positionierung des Unternehmens. Viel zu oft werde versucht, mittels IT-Systemen Einsparungen zu ermöglichen, statt neue Umsätze zu generieren.

International ist laut Deloitte die Rolle des CIO seit der ersten Studie von 2015 im Wandel. Waren sie damals vor allem noch dafür verantwortlich "dass die Lichter nicht ausgehen", geht es heute immer mehr darum, die Unternehmensstrategie aufzusetzen und die Transformation der Firma zu ermöglichen. Zusätzlich zum reibungslosen Funktionieren des Geschäfts sollen die IT-Systeme dazu beitragen, Mitarbeiter und Kunden an die Firma zu binden und Geschäftsmodelle mit Mehrwert zu entwickeln.

Service: Der "CIO Survey 2018" ist hier abrufbar.

 

Aus der Wissenschaft:

Künstliche Intelligenz: Einparken mit zwölf Neuronen

in kleines Fahrzeug wird in eine Parklücke gesteuert – mit einem neuronalen Netzwerk aus nur 12 Neuronen, angelehnt an das Gehirn eines Wurms, Foto: TU Wien





An der TU Wien nahm man sich beim Programmieren künstlicher Intelligenz natürliche Nervenbahnen zum Vorbild. Die neuen Ansätze erzielen mit wenig Aufwand verblüffende Leistungen.
So gelang es, mit einer extrem niedrigen Zahl simulierter Nervenzellen bemerkenswerte Aufgaben zu lösen. Obwohl das vom Wurm inspirierte Netzwerk nur über 12 Neuronen verfügt, kann man es darauf trainieren, ein Auto an einen vorherbestimmten Ort zu manövrieren.

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Foto: APA-Fotoservice/Michael Biach





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