DBT Newsletter #17/2018

Nur wenige Frauen in Start-up-Gründungen involviert

Erstmals gibt es eine solide empirische Datenbasis zur heimischen Start-up-Szene, Foto: APA (dpa)




Start-up-Firmen kommen und gehen. Manche werden zum Renner, andere scheitern. Das überstrahlende Motiv für Gründungen ist jedenfalls die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen (91 Prozent). Mehrheitlich (62 Prozent) wird von 25- bis 39-Jährigen gegründet. Nicht einmal ein Drittel (29 Prozent) der Start-ups hat immerhin eine Frau im Gründungsteam. Das zeigt der  Austrian Start-up-Monitor.

Mit diesem gibt es nun für Österreich erstmals Zahlen, Daten und Fakten – eine solide empirische Datenbasis – zu innovativen Jungunternehmen. Vorgestellt wurde der Start-up-Monitor (http://austrianstartupmonitor.at/) in der Wirtschaftskammer in Wien-Wieden.

Drei Viertel der Gründer haben einen Uniabschluss, 15 Prozent kommen aus dem Ausland. Nur jeder achte Gründer denkt, dass die Bundesregierung ein ernst zu nehmendes Interesse an der Unterstützung von Start-ups hat. Von der Politik gewünscht wird von drei Vierteln eine Senkung der Lohnnebenkosten und von mehr als zwei Dritteln der Abbau von bürokratischen Hürden.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bekräftigte, dass Österreich zu den Innovationsleadern aufsteigen wolle. "Das kann aber nur gelingen, wenn wir die Wirtschaftsstrukturen – vor allem durch innovative Start-ups – verbessern, den Wirtschaftsstandort weiterhin attraktiv gestalten, die Chancen des digitalen Wandels für neue Unternehmen und Geschäftsmodelle schnellstmöglich nützen und mehr Frauen zum Gründen oder Mitarbeiten in Start-up-Teams motivieren.“

Innovationspartner für Industrieunternehmen

"Eine extrem qualitätsorientierte, kreative und innovative Unternehmerlandschaft gehört zur österreichischen DNA", so Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. "Start-ups spielen dabei eine besondere Rolle, gerade im Bereich Unternehmensgründung, denn sie bringen potenziell höhere gesamtwirtschaftliche Effekte bei Jobs, Innovationen und Investitionen mit sich." Laut dem IV-Generalsekretär Christoph Neumayer können Start-ups wichtige Innovationspartner für Industrieunternehmen sein.

Eine der größten heimischen Start-up-Erfolgsgeschichten war bisher etwa die österreichische Lauf-App Runtastic. Sie wurde von adidas um mehr als 200 Mio. Euro gekauft. Auch die Kleinanzeigen-App Shpock wurde übernommen, vom norwegischen Medienkonzern Schibsted und die Diabetes-App mySugr vom Schweizer Pharmariesen Roche geschluckt. Als negatives Beispiel kann hingegen die kürzlich pleitegegangene Fontus Water genannt werden, deren Wasserflaschen sich doch nicht über Luftfeuchte füllen. Manche Start-ups hoffen auch durch Weiterentwicklungen auf den Erfolg.

Der Austrian Start-up Monitor 2018 ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit des AIT Austrian Institute of Technology, der Start-up-Dachplattform AustrianStartups und des Gründungszentrums der Wirtschaftsuniversität Wien. Finanziert wurde die Studie durch die Austria Wirtschaftsservice (aws), die Wirtschaftskammern Österreich (WKÖ) und Wien (WKW), den Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE), die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die Industriellenvereinigung (IV) sowie die Wirtschaftsagentur Wien.

Fakten zu den österreichischen Start-ups

Der erste Austrian Start-up-Monitor bietet erstmals eine solide Datenbasis zur heimischen Start-up-Szene. Mehr als 500 Gründer wurden für die Studie befragt. Insgesamt flossen mehr als 1.500-Start-up-Gründungen von 2004 bis 2017 in den zukünftig jährlich erscheinenden Austrian Start-up-Monitor mit ein.

Hier einige Punkte aus dem Monitor:

BUNDESLÄNDERVERTEILUNG: Die meisten Gründungen zwischen 2004 und 2017 gab es mit 51 Prozent in Wien. Dahinter folgen die Steiermark und Oberösterreich (je 12 Prozent), Niederösterreich (7), Kärnten (6), Vorarlberg (5), Salzburg (4), Tirol (2) und das Burgenland (1).

BRANCHEN: Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Gründungen entfallen auf die Bereiche IT und Softwareentwicklung, gefolgt mit je rund 10 Prozent von Biotechnologie und Medizintechnik sowie Industrieller Technologie und Elektronik.

FINANZIERUNG: Die drei bedeutsamsten Finanzierungsquellen heimischer Start-ups sind das eigene Ersparte (81 Prozent), öffentliche Förderungen und Unterstützungen (55) sowie Business Angels (33). 15 Prozent der befragten Start-ups haben externes Kapital von mehr als 1 Mio. Euro aufgestellt.

UMSATZ & WACHSTUM: Start-ups haben ihren Jahresumsatz vom vergangenen Jahr auf heuer durchschnittlich fast verdoppelt. Ähnliche Prognosen gibt es auch für das kommende Geschäftsjahr. 9 Prozent der Start-ups setzten im Vorjahr mehr als 1 Mio. Euro um.

INTERNATIONALISIERUNG: Rund drei Viertel der befragten Start-ups haben internationale Märkte erschlossen und machen Umsätze im Export.

MITARBEITER & RECRUITING: Die befragten Start-ups zählen im Durchschnitt rund 8 Mitarbeiter – 6 in Vollzeit, 2 in Teilzeit. Im Schnitt sind 68 Prozent der Mitarbeiter männlich und etwa halb so viele (32 Prozent) weiblich. 90 Prozent der befragten Start-ups planen in den nächsten 12 Monaten Neueinstellungen. Die größte Nachfrage nach Mitarbeitern besteht im Bereich Sales (60 Prozent), gefolgt von IT (51 Prozent) und Marketing (49 Prozent).

BUSINESS: 21 Prozent der befragten Start-ups beschreiben ihr Business Model als "Software as a Service" (SaaS). An zweiter Stelle steht Produktverkauf (Hardware) mit 15 Prozent. 9 Prozent bieten Softwareentwicklung an und je rund 8 Prozent betreiben E-Commerce, einen Online-Marktplatz oder mobile bzw. webbasierte Anwendungen.

KUNDEN & KOOPERATIONEN: 50 Prozent der Start-ups adressieren hauptsächlich oder ausschließlich Unternehmen (B2B), 17 Prozent richten ihren Fokus überwiegend oder ausschließlich direkt an Konsumenten, ein Drittel der befragten Start-ups spricht Konsumenten (B2C) und Unternehmen (B2B) gleichermaßen an. Darüber hinaus kooperieren 90 Prozent der Start-ups mit nationalen und internationalen Partnern – vorwiegend mit dem Ziel gemeinsam Märkte zu erschließen oder Produkte zu entwickeln. 


KI-Experte: "Terminator ist noch 100 Jahre entfernt"

Toby Walsh (rechts), hier mit TU-Professor Stefan Szeider, Foto: TU Wien





In nicht allzu ferner Zukunft werden uns autonome Autos durch die Gegend kutschieren. Für den australischen Experten für Künstliche Intelligenz (KI) Toby Walsh ist das eine der ersten spürbaren sinnvollen Anwendungen aus dem Bereich. Sorgen bereiten ihm jedoch autonome Waffensysteme, ein Terminator sei aber noch "100 Jahre entfernt", sagte er kürzlich in Wien.

Die teils rasante Weiterentwicklung intelligenter, weil selbstlernender Computersysteme hat für den Professor für KI an der University of New South Wales in Sydney das Potenzial, die Gesellschaft tiefgreifend zu verändern. Das war auch bereits im Zuge der industriellen Revolution im Laufe des 19. Jahrhunderts so. In der Folge wurden aber "kluge Anpassungen" gemacht, die auf Ausgleich abzielten, wie Gewerkschaften, die Entwicklung des Arbeitsrechts, des Sozialstaats oder die Etablierung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, sagte Walsh im Rahmen eines Vortrages an der Technischen Universität (TU) Wien.

Zu diesen "vielen Veränderungen in der Gesellschaft" gehörten auch Neuerungen im Bildungswesen, von denen weite Teile der Bevölkerung profitierten. "Es beunruhigt mich aber, dass wir jetzt in eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt eintreten und bisher nicht über die wichtigen Anpassungen nachdenken bzw. sie auf den Weg bringen", so Walsh. Dabei gehe es um Fragen wie Arbeit zukünftig verteilt werden sollte oder wie bisher unbezahlte Arbeit wie Kindererziehung entlohnt wird. Nicht zuletzt brauche es Änderungen im Bildungsbereich, um auf die Herausforderungen dieser "interessanten Zukunft" vorbereitet zu sein.

Noch kein Vergleich zu menschlichem Gehirn

Obwohl KI-Systeme mittlerweile besser Schach oder Go spielen können als Menschen, ist für Walsh noch lange nicht der Punkt erreicht, an dem Computersysteme sozusagen gleichauf mit dem menschlichen Gehirn sind, zeigte sich der Wissenschafter überzeugt. In den kommenden 50 bis 100 Jahren könnte es aber so weit sein. Walsh: "Es wird sicher keine 1.000 Jahre mehr dauern."

Der Mensch drohe aber nicht obsolet zu werden: "Schach zu spielen macht ja immer noch Spaß", selbst wenn die App im Smartphone es besser kann. Außerdem würden heute mehr Menschen ihren Lebensunterhalt mit Schachspielen verdienen, als in der Zeit bevor Schachcomputer die ersten menschlichen Großmeister überflügelten.

Warnung vor autonomen Waffensystemen

Im Gegensatz dazu halte ihn die Frage des Einsatzes solcher Systeme im militärischen Bereich "nachts wach", wie Walsh erklärte. Man könne KI-Systemen zwar verschiedenste Arbeitstätigkeiten erledigen lassen, dürfe aber nicht zulassen, dass sie darüber entscheiden, wer leben darf und wer stirbt. Die Science Fiction-Dystopie des Terminators, der als humanoide Maschine auf die Jagd nach Menschen geht, sieht der Experte allerdings nicht hinter der Ecke lauern: "Der Terminator ist 100 Jahre und möglicherweise noch weiter entfernt."

Er hoffe, dass die Menschheit klug genug ist, so etwas überhaupt nie Realität werden zu lassen. Es brauche in diesem Zusammenhang eine verbindliche Regulation solcher Anwendungen neuer KI-Technologien. Dass solche Einschränkungen weitgehend funktionieren, zeige sich anhand der Regulationen chemischer Waffen, auf die sich die Staatengemeinschaft geeinigt hat, "weil es eine furchtbare Art ist Krieg zu führen". Auch kleinere Staaten wie Österreich könnten in diesem Zusammenhang durchaus etwas bewegen, sagte Walsh.


YouTuber Buchinger medial präsentester Influencer des Landes

Buchinger erhält rund eine redaktionelle Erwähnung pro Tag, Foto: APA






Der mit Hass-Listen und Ratgeberformaten bekannt gewordene YouTuber Michael Buchinger, auch als Buchautor, Weinproduzent und Kabarettist aktiv, ist abseits der Sozialen Medien der medial präsenteste Influencer des Landes. Laut einer Analyse der APA-DeFacto verbuchte er in den vergangenen sechs Monaten 178 Beiträge – durchschnittlich eine Nennung pro Tag – in Print oder auf Nachrichtenportalen.

Generell hat auch in heimischen Medien die Berichterstattung über Blogger, Vlogger und Instagramer stark zugenommen, seit 2014 durchschnittlich um 40 Prozent pro Jahr. Für Manuel Kerzner, Medienanalyst bei APA-DeFacto, ein Zeichen für die gewachsene Bedeutung sozialer Netzwerke: "Alleine die Microblog-Plattform Instagram hat derzeit über zwei Millionen Nutzer in Österreich." Die für Influencer-Marketing aufgewendeten Budgets erreichen laut einer Studie von APA-DeFacto und APA-OTS vom Juni 2018 in österreichischen Firmen durchschnittlich fünfstellige Eurowerte.

APA-DeFacto, das auf Medienbeobachtung und Media Intelligence spezialisierte Tochterunternehmen der APA - Austria Presse Agentur, hat anlässlich der kürzlich in Graz abgehaltenen Influencer-Convention "VideoCon 2018" die Sichtbarkeit von mehr als 60 österreichischen Social-Media-"Stars" in nationalen News-Websites und klassischen Printmedien innerhalb der vergangenen sechs Monate analysiert. Ergebnis: Während die heimischen Top-3 Buchinger, der Mountainbiker Fabio Wibmer und Lifestyle-Bloggerin Madeleine Alizadeh auf dem Präsenzlevel internationaler Branchengrößen mitspielen, verzeichnet über ein Drittel der ausgewerteten Meinungsmacher keine einzige Nennung in klassischen Medien.

Die Mehrheit der Influencer-Artikel ist übrigens auf wenige Redaktionen verteilt. Besonders die Medien der Verlagsgruppe "Österreich" stechen bei der Analyse heraus. Magazine wie Seitenblicke, Madonna oder die Tageszeitung "Österreich" verbuchen alleine 20 Prozent der Medienbeiträge zu Influencern.

 

Aus der Wissenschaft:

TU Wien und FH Technikum Wien starten gemeinsames Doktoratskolleg

Generalsekretär Jakob Calice, Rektorin Sabine Seidler, Rektor Fritz Schmöllebeck, Generalsekretär Christoph Neumayer, Foto: TU Wien





Mit diesem Pilotprojekt zum Themenbereich "Resilient Embedded Systems" schaffen die beiden Hochschulen einen institutionellen Weg, um eine gemeinsame, qualitätsvolle Doktoratsausbildung umzusetzen und gemeinsam zu forschen. Die Ergebnisse des international besetzten Programms stehen auch Wirtschaft und Industrie zur Verfügung und schaffen somit einen direkten Technologietransfer für Industrie 4.0-Anwendungen, aber auch Bereiche wie autonomes Fahren, Verkehrsleitsysteme und die Digitalisierung von kritischen Infrastrukturen.

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Service:

European Youth Award Festival Preview

Foto: European Youth Award




Wie kann man jungen Menschen online bei der Ausbildung und Berufswahl helfen? Wie kommen Obdachlose und Flüchtlinge an hilfreiche Informationen? Die Jury des European Youth Award hat die fünfzehn vielversprechendsten digitalen Projekte mit Social Impact aus ganz Europa ausgewählt.

Bei der EYA Festival Preview am 18. Oktober 2018 auf der Murinsel in Graz werden diese Projekte im Rahmen der EU codeweek erstmals öffentlich präsentiert. Nützen Sie die Gelegenheit, um sich selbst ein Bild zu machen und die Sieger sowie deren Arbeiten in einem exklusiven Rahmen kennenzulernen.

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