DBT Newsletter #22/2019

Unternehmen werden immer öfter Ziele von Cyberangriffen

China nutzt Biometrie am extensivsten; Foto: APA (dpa)

Veraltete Systeme, fehlende Backups oder Sicherheitsupdates und mangelndes Risikobewusstsein sind die häufigsten Gründe, warum Firmen von Phishing, Hacking oder Datendiebstahl betroffen sind. Die Schäden gehen in die Millionen. "Es ist das am stärksten wachsende Kriminalitätsfeld", sagt Remi Vrignaud, Chef der Allianz-Gruppe in Österreich.

Das betrifft keineswegs nur große Konzerne. In den vergangenen Jahren sind 80 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) Ziel von Cyberangriffen geworden, ergab eine Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) unter 500 KMU. 39 Prozent erlitten dabei im Jahr 2019 tatsächlich einen Schaden. Die entstandenen Schäden bewegten sich zwischen 130 und 10.000 Euro, bei manchen der Befragten waren es bis zu 150.000 Euro.

Wilhelm Seper vom Bundeskriminalamt berichtete bei einem Pressegespräch von einem Fall, bei dem eines der größten heimischen Unternehmen eine Lösegeldzahlung von 4 Mio. Euro in Bitcoin bezahlte, um die Wiederherstellung der IT-Systeme zu erreichen. Der oder die Täter in diesem Fall seien nicht bekannt.

Im Jahr 2018 gab es fast 20.000 Anzeigen im Bereich Cybercrime – eine Zunahme von fast 17 Prozent gegenüber 2017. Die Dunkelziffer ist deutlich höher, weil viele Fälle nicht angezeigt werden. Die Kriminellen agieren entweder destruktiv und wollen Systeme zerstören, oder vermögensorientiert mit Lösegeldforderungen, sagte Seper. In den vergangenen Jahren seien dem BKA etwa 3.000 Schadensfälle allein durch Verschlüsselungstrojaner gemeldet worden, die eine Schadenssumme von 40 Mio. Euro verursachten.

Kaum Schulungen für Mitarbeiter

"Die meisten Attacken erfolgen nicht gezielt, sondern automatisiert. Das heißt, die Angreifer kennen ihr Ziel nicht", sagte KfV-Direktor Othmar Thann. Neben technischen Sicherheitsmaßnahmen seien geschulte Mitarbeiter ein zentrales Präventionselement. Die Umfrage zeigte, dass Firmen kaum Schulungen durchführen oder über ein externes Daten-Backup verfügen.

In Österreich hat laut Allianz rund jedes fünfte Unternehmen eine Cyberversicherung. Allein in den vergangenen drei Jahren hätten sich die Anfragen für solche Versicherungen versiebenfacht, so Vrignaud. Die Wirtschaftskammer hat für ihre Mitglieder unter der Nummer 0800 888 133 eine Hotline für betroffene Unternehmen eingerichtet.

Österreich bei Nutzung biometrischer Daten im Mittelfeld


China nutzt Biometrie am extensivsten; Foto: APA (dpa)

Der Einsatz von Biometrie nimmt rasant zu – vom Passfoto beim Grenzübertritt bis zum Netbanking per Fingerabdruck. Das Tech-Portal Comparitech hat nun in 50 Ländern analysiert, welche biometrischen Daten erhoben, wofür diese verwendet und wie sie gespeichert werden. Wenig überraschend ist China jenes Land, das diese Möglichkeiten am extensivsten nutzt. Österreich rangiert im Mittelfeld.

Für die Analyse wurde unter anderem bewertet, ob es biometrische Reisepässe gibt, Fingerabdrücke für den Bankzugang genutzt oder Wähler biometrisch erfasst werden, in welchem Ausmaß biometrische Daten gespeichert und Überwachungskamerasysteme mit Gesichtserkennung eingesetzt werden oder welche Rolle biometrische Daten bei der Visa-Vergabe spielen. Je höher die Punktezahl, desto umfassender die biometrische Überwachung im jeweiligen Land.

Schlusslichter Irland und Portugal

China führt mit 24 von maximal 25 erreichbaren Punkten das Ranking an, gefolgt von Malaysia und Pakistan (jeweils 21), den USA (20) sowie Indien, Indonesien, den Philippinen und Taiwan (jeweils 19). Am anderen Ende des Spektrums liegen jene Länder, wo Biometrie derzeit noch eine geringe Rolle spielt: Führend sind hier Irland und Portugal (jeweils 11) sowie Zypern, Großbritannien, Rumänien und die Schweiz (jeweils 12).

Österreich wird in dem Ranking – so wie eine große Gruppe anderer Länder wie Dänemark, Niederlande, Polen, Belgien, Spanien oder Norwegen - mit 13 Punkten bewertet und rangiert damit im Mittelfeld. Am stärksten ins Gewicht fielen bei der Bewertung Österreichs die für ein Visum erforderlichen biometrischen Daten und deren Überprüfung bei der Einreise, nur "geringe Maßnahmen zum Schutz biometrischer Daten" am Arbeitsplatz sowie eine "mittelgroße biometrische Datenbank mit Polizeizugriff".

Service: https://www.comparitech.com/blog/vpn-privacy/biometric-data-study/

Grazer Software-Firma zog Millioneninvestment an Land

KI generiert selbstständig weitere Software-Lösungen Foto: APA (Techt/Symbolfoto)

Das Grazer Software-Unternehmen Leftshift One erhält ein Investment in Millionenhöhe: Das Unternehmen hat eine Plattform entwickelt, die mit künstlicher Intelligenz branchenübergreifende KI-Softwarelösungen entwickeln kann. Das wurde bei einem Pressegespräch in Graz präsentiert.

Die österreichische Venture-Capital-Gesellschaft eQventure, der britisch-österreichische Venture-Kapitalgeber Hermann Hauser sowie die Forschungsförderungsgesellschaft und die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft beteiligen sich mit zusammen zwei Mio. Euro an dem Unternehmen. Fundament der Entwicklung von Leftshift One ist G. A. I. A.: Generic Artificial Intelligence Application.

Diese KI verfüge über kognitive Fähigkeiten wie Textverständnis, Datenanalyse über die Umwandlung von Sprache in Text bis hin zur Interpretation von Emotionen. Die Software sei so allgemein entworfen, dass sie die Basis für neue unterschiedlichste Anwendungen sein kann: Sowohl smarte Services als auch digitale Assistenten würden sich mit der Lösung des 15-köpfigen Grazer Unternehmens realisieren lassen.

"Durch die Finanzierung können wir uns noch stärker entwickeln und unsere KI-Plattform weltweit branchenübergreifend vorantreiben. Darüber hinaus ermöglicht uns das eQventure-Netzwerk neue internationale Marktzugänge. Mit diesen Möglichkeiten wollen wir mittelfristig zum europäischen KI-Marktführer im Business-Bereich avancieren", sagten die Leftshift One-Gründer Patrick Ratheiser und Christian Weber.

Lösungen "quasi aus dem Handgelenk geschüttelt"

"Das Unternehmen konnte innerhalb kürzester Zeit KI-Produkte für das smarte Recruitment im HR-Bereich, für die Qualitätssicherung in der Chemie-Industrie und für die Automatisierung von Mail-Anfragen im Tourismus quasi aus dem Handgelenk schütteln", unterstrich eQventure-Mitgründer Herbert Gartner. Hauser meinte: "Jedes Unternehmen, das künftig relevant bleiben will, muss sich intensiv um eine Transformation in Richtung künstliche Intelligenz bemühen. Ich bin überzeugt, dass Leftshift One zu einem wichtigen Player am Markt aufsteigen wird."

Leftshift One sei jetzt schon international gefragt: So nutze McDonald's die steirische Lösung, um Daten von über 60.000 jährlichen Bewerbungen zu aggregieren und vergleichbar zu machen. Auch das deutsche Online-Reiseportal "nix-wie-weg.de" setzt auf die künstliche Intelligenz: Mails eingehender Nutzeranfragen werden automatisiert beantwortet. Eine Reihe von KI-Lösungen für die Chemie-, Pharma-, Halbleiter- und Automobilindustrie würden sich in Vorbereitung befinden.

Aus der Wissenschaft: 

Wein, Blut und Motoröl – ein Sensor für viele Flüssigkeiten

Fehrer-Preisträger Georg Pfusterschmied; Foto: TU Wien

Einen Löffel aus einem Glas Wasser herauszuziehen, ist kein Problem. Befindet sich der Löffel in einem Honigglas, wird die Sache schon mühsamer, und wenn der Löffel in klebrigem Bitumen im Asphalt steckt, dann werden wir ihn ohne Hilfsmittel vielleicht überhaupt nicht mehr herausbekommen. Dieser Widerstand, den eine Flüssigkeit einer Bewegung entgegensetzt, wird als „Viskosität“ bezeichnet. Georg Pfusterschmied entwickelte an der TU Wien einen Mikrosensor, mit dem man die Dichte und die Viskosität unterschiedlichster Flüssigkeiten ermitteln kann. Der Sensor ist so kompakt, dass ein einziger Tropfen für eine Messung ausreicht. Dafür wurde Georg Pfusterschmied nun mit dem Fehrer-Preis der TU Wien ausgezeichnet.




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