DBT Newsletter #19/2019

Infrastrukturreport: Digitalisierung wichtiger als Klimawandel



5G-Ausbau wird als Schlüsselfaktor angesehen. Foto: APA (AFP)






Geht es nach Österreichs Managern, ist die größte Herausforderung für die Infrastruktur des Landes nicht der Klimawandel, sondern die Digitalisierung. Das geht zumindest aus einer Umfrage hervor, die für den "Österreichischen Infrastrukturreport 2020" der Initiative Future Business Austria (FBA) durchgeführt wurde. Insbesondere der 5G-Ausbau wird als Schlüsselfaktor angesehen.

An der vom Meinungsforscher Peter Hajek durchgeführten Erhebung nahmen 240 Vorstände und Geschäftsführer von heimischen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern teil. 52 Prozent nannten den digitalen Wandel als entscheidend, 33 Prozent den Klimawandel und nur 13 Prozent den demografischen Wandel. "Die standortpolitischen Erwartungen an die neue Bundesregierung sind damit klar", sagte FBA-Initiator und Studienautor David Ungar-Klein zur APA.

"Gibt es zu wenige Investitionen in Breitband und Digitalisierung, gehen 80 Prozent der Befragten davon aus, dass der Wirtschaftsstandort Österreich zurückbleibt", so Ungar-Klein. "Das können und dürfen wir uns nicht leisten – gerade angesichts der abgeschwächten Konjunktur.“ Die Produktivität von Österreichs Wirtschaft könnte mit einer erstklassigen digitalen Infrastruktur, bei der die 5G-Technologie eine Schlüsselrolle spielt, deutlich gesteigert werden – um durchschnittlich 15,2 Prozent oder 58,7 Mrd. Euro, zeigt eine Modellrechnung für den Österreichischen Infrastrukturreport.

"Stellt man diese Produktivitätssteigerung in Relation zu den Kosten des 5G-Ausbaus in Österreich in der kolportierten Höhe von rund 10 Mrd. Euro, wird deutlich, wie wichtig diese Investitionen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sind", erklärte Ungar-Klein. "Damit sollte auch für die nächste Bundesregierung klar sein: Gerade in konjunkturell fordernden Zeiten sind Investitionen in die digitale Infrastruktur Österreichs bestens investiert: Ein investierter Euro bringt sechs Euro Wertschöpfung", resümiert Bernhard Felderer, volkswirtschaftlicher Experte des Infrastrukturreports.

Abgewanderte Unternehmen wiedergewinnen

Für Verkehrsminister Andreas Reichhardt ist eine flächendeckende Verfügbarkeit von Gigabit-Anbindungen und 5G "ein durchaus ambitioniertes, jedoch relevantes Ziel". Als digitalem Frontrunner könnte es "Österreich durchaus gelingen, bereits abgewanderte Unternehmen wieder an den ursprünglichen Standort zurückzubringen. Wir müssen aufhören, Digitalisierung als Gefahr zu sehen und stattdessen viel mehr die mit sich bringenden Chancen nutzen", so der Minister.

Die nächste Regierung müsse "5G als Top-Priorität behandeln", fordert Alfred Harl, Obmann des Fachverbandes für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT). Dabei müsse man den Ausbau technologieneutral und bedarfsorientiert vorantreiben, Frequenzauktionen dürften nicht mit dem Ziel einer Erlösmaximierung durchgeführt werden. Besonders für KMU in dezentralen Lagen sei eine rasche 5G-Anbindung notwendig. Beim Glasfaser-Ausbau müsse der Staat aktiv werden, "das ist keine Geschichte, die nur privat gemacht werden kann", so Harl zur APA.

Banken brauchen Kreativität und Kooperationspartner

Tech-Riesen scharren schon in den Startlöchern Foto: APA (dpa)





Kreativität ist für Banken der Schlüssel, um ihre Rolle im Bankgeschäft zu verteidigen und auszubauen, geht aus einer Studie des Beraters Capgemini hervor. Sie müssten gemeinsam mit Partnern auf zusätzlichen – meist digitalen – Kanälen Kundenerlebnisse anbieten. Konkurrenz kommt auch von den großen Technologieunternehmen.

Es würden immer höhere Anforderungen an ein umfassendes und personalisiertes Bankgeschäft gestellt, Retail-Banken hätten nach wie vor Schwierigkeiten ihren Kunden ein positives Nutzererlebnis um ihre Produkte herum zu bieten, heißt es in einer Pressemitteilung zum "World Retail Banking Report" von Capgemini und Efma. Ein simpler Open-Banking-Ansatz, in dem Drittanbietern eine Schnittstelle zu Bankdienstleistungen und Daten zur Verfügung gestellt wird, reiche nicht mehr, so Wolfgang Barvir, Zahlungsverkehrsexperte bei Capgemini in Österreich, laut Pressemitteilung. 

"Es geht inzwischen um eine Open-X-Mentalität, mit der Banken als auch neue Akteure am Markt ihre Kräfte bündeln, um Finanz- und ergänzende Dienstleistungen gepaart mit einem echten digitalen Erlebnis anzubieten." Letzten Endes würden jene Banken erfolgreich sein, die ihre eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen und rechtzeitig eine Partnerschaft mit FinTechs wie auch Akteuren aus anderen Branchen eingehen.

Konkurrenz durch BigTechs

Konkurrenz kommt für die Banken nicht nur aus ihrer eigenen Branche: Laut Studie nutzen drei Viertel der technisch versierteren Kunden derzeit mindestens ein Finanzprodukt, das von einem sogenannten BigTech wie Apple, Google, Amazon oder Facebook stammt. Die drei wichtigsten Gründe, Finanzprodukte von nicht traditionellen Anbietern zu nutzen, seien niedrigere Kosten (70 Prozent), Benutzerfreundlichkeit (68 Prozent) und schnellere Services (54 Prozent). Mehr als 80 Prozent der Kunden, bei denen ein Wechsel ihrer Hausbank in den nächsten zwölf Monaten wahrscheinlich ist, wickeln bereits jetzt Zahlungen über BigTechs sowie andere Konkurrenten ab, nutzen deren Kartenangebote und Bankkonten, oder werden dies in den nächsten drei Jahren tun.

Die Transformation zu einem Dienstleister in der Open-X-Ära nahe am Kunden und dessen Kundenerlebnis erfordert der Studie zufolge neben Kooperationen auch den Schritt hin zur kreativen Bank. Banken lieferten nicht die Erlebnisse, die Kunden von BigTechs und FinTechs gewohnt seien. Weniger als ein Drittel der Kunden sage, dass ihre Bank eine Vielzahl nützlicher Finanz-Apps oder zeitnahe und relevante Produktempfehlungen anbiete. Banken würden bei den Kundenerlebnissen auf altbewährte Kanäle wie Filialen und Websites setzen. Die Studienautoren plädieren dafür, dass bei den immer beliebteren digitalen Kanälen wie Mobile Banking und Chatbots/Sprachassistenten mehr getan werden müsste. 

Wien initiiert mit "Vienna UP'20" ein neues Start-up-Festival

Dezentrale Start-up-Woche soll Mitte Mai 2020 stattfinden Foto: APA (dpa)





Die Wiener Gründerszene bekommt im nächsten Jahr ein neues Start-up-Festival für bis zu 20.000 Besucher. Laut derzeitigen Planungen soll die "Vienna UP'20" von 11. bis zum 17. Mai 2020 stattfinden, kündigte Wirtschaftsagentur-Wien-Chef Gerhard Hirczi gegenüber dem Digitalportal "Trending Topics" an.

"Vienna UP'20" soll die Nachfolgeveranstaltung von "Gründen in Wien" werden und nicht die langjährige Wiener Pioneers-Konferenz ersetzen, sagte Hirczi. "Das ist keine Ersatzveranstaltung für das 'Pioneers Festival', weil wir die Planung schon vor einem Jahr begonnen haben." Im Sommer sorgte das verkündete Ende des Pioneers in der österreichischen Gründerszene für Aufsehen.

Die Start-up-Woche soll örtlich dezentral in Wien stattfinden. Die Veranstaltungen werden vor allem in den Start-up-Hubs und Coworking-Spaces weXelerate, Talent Garden, Impact Hub und Tribe.Space stattfinden. "Die Ambition ist, möglichst viel internationales Publikum nach Wien zu bringen", so Hirczi gegenüber "Trending Topics“.

Aus der Wissenschaft: 

Intelligente Kühltransporte – mit Regelungstechnik der TU Wien

Kühltransporte werden intelligenter; Foto: Liebherr-Transportation Systems GmbH & Co KG/Fahrzeugwerk Bernhard Krone GmbH





Ein großer Teil der frischen Nahrungsmittel, die wir im Supermarkt kaufen, muss mit gekühlten Lastkraftwägen angeliefert werden – damit sind allerdings Nachteile verbunden. Die Kühlung braucht Energie, das bringt CO2- und Schadstoffausstoß mit sich, und wenn sie ausfällt, muss man die Lebensmittel oft wegwerfen. In der EU sind ungefähr eine Million Kühltransporter unterwegs, das Verbesserungs- und Einsparungspotenzial in diesem Bereich ist also groß. An der TU Wien wurde nun in Zusammenarbeit mit Liebherr und Krone ein verbessertes Kühlsystem mit einem völlig neuen Regelungskonzept entwickelt. Damit sollen Kühltransporte nun verlässlicher, sparsamer und effizienter werden.

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