DBT Newsletter #18/2019

Österreichische Start-up-Szene stagniert

Unangefochtene Nr. 1 in Europa bleibt London; Foto: APA/dpa (Archiv)






Europäische Jungunternehmen haben sich im ersten Halbjahr 16,9 Mrd. Euro von Investoren geholt, um 62 Prozent mehr als im Vorjahr. Diesem Trend folgt die österreichische Start-up-Szene nur halbherzig: Während die Anzahl der Finanzierungsrunden von 25 auf 36 gestiegen ist, ging das Volumen gleichzeitig von 103 Mio. Euro auf rund 90 Mio. Euro zurück, zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY.

Unangefochtene Nr. 1 in Europa bleibt London mit 5,7 Mrd. Euro – trotz der Unsicherheiten um den Brexit. Auch bei der Zahl der Deals lag die britische Hauptstadt mit 323 klar vorne. Paris hat laut der Studie die Gründer-Metropole Berlin abgehängt. Im ersten Halbjahr 2019 warben Start-ups aus der französischen Hauptstadt 2,2 Mrd. Euro von Investoren ein. Damit zogen sie an Wachstumsfirmen aus Berlin vorbei, die 2,0 Mrd. Euro einsammelten. Bei der Zahl der Finanzierungsrunden hat Paris mit 230 die Nase noch deutlicher vor Berlin (129). Im Gesamtjahr 2018 lag Berlin noch knapp vor Paris.

Frankreich hat Sektor zur Chefsache erklärt

Die starke Unterstützung für Start-ups in Frankreich zeige Wirkung, sagte EY-Partner Peter Lennartz. "Die französische Politik hat den Start-up-Sektor zur Chefsache erklärt". Präsident Emmanuel Macron verfolge das Ziel, Frankreich zum führenden Start-up-Standort Europas zu machen, indem bürokratische Hürden für Jungunternehmer abgebaut würden und der Staat Investoren und Gründer zusammenbringe.

"Jeder dritte Euro an Risikokapital, der im ersten Halbjahr in Europa investiert wurde, floss an ein Londoner Start-up", so Thomas Gabriel, Partner und Leiter der Start-up-Initiative bei EY Österreich. "Das Brexit-Chaos scheint der starken Entwicklung der Londoner Start-up-Szene kaum etwas anhaben zu können. Insgesamt 16 Finanzierungsrunden oberhalb der 50-Millionen-Euro-Marke wurden in der britischen Hauptstadt allein im ersten Halbjahr gezählt – Berlin und Paris kommen jeweils auf neun Transaktionen in dieser Größenordnung."

Wenig große Finanzierungsrunden

Österreich habe im europäischen Vergleich immer noch Aufholbedarf, meint Gabriel. "Die Entwicklung der österreichischen Start-up-Szene in den letzten Jahren ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sehen wir eine steigende Anzahl an Finanzierungsrunden, immer mehr heimische Jungunternehmen erhalten frisches Kapital. Auf der anderen Seite sehen wir aber einen klaren Trend zu immer kleinteiligeren Finanzierungen. Es fehlen hierzulande nach wie vor die ganz großen Ideen für die ganz großen Finanzierungsrunden."

Das zeige auch der europaweite Vergleich: Beim Finanzierungsvolumen liegt Österreich nur auf Rang 17. Die Top-10-Deals in Österreich hatten im ersten Halbjahr ein Durchschnittsvolumen von rund acht Millionen Euro – die Schweiz liegt bei 41 Millionen Euro, Deutschland bei 151 Millionen Euro. Am meisten Geld sammelte in Österreich im ersten Halbjahr Hookipa Biotech mit 33 Mio. Euro ein, gefolgt vom Marketingdaten-Start-up Adverity mit 11 Mio. Euro. Der Mikrolautsprecher-Hersteller Usound holte sich 9 Mio. Euro von Investoren, das MedTech-Startup SteadySense rund 6 Mio. Euro und das Fintech Bsurance rund 4 Mio. Euro.

Bundesstrategie zu Künstlicher Intelligenz weiter in Warteschleife

Experten für





Einen Schritt in Richtung der ursprünglich für August angekündigten Künstliche Intelligenz(KI)-Strategie setzt die Regierung jetzt doch. Ein von Infrastrukturminister Andreas Reichhardt im Ministerrat präsentierter Expertenbericht soll als "Vorleistung für eine solide 'Bundesstrategie KI'" dienen. Die Experten sprechen sich darin unter anderem für ein "gesamtheitliches KI-Gesetz" aus.

Der Anstoß der Bundesregierung zu dem Prozess, der unter dem Arbeitstitel "Artificial Intelligence Mission Austria 2030" schon im Spätsommer in eine österreichische KI-Strategie münden hätte sollen, erfolgte vor rund einem Jahr. In Folge des Koalitionsendes wurde die Erstellung der Bundesstrategie vertagt. Insgesamt haben sich rund 150 Experten beim "Ergebnisbericht" eingebracht, der "die Basis für die nun anstehende Erstellung einer Bundesstrategie für Künstliche Intelligenz bilden" soll, heißt es in dem Ministerratsvortrag.

Als KI bezeichnet man lern-und anpassungsfähige Systeme, die durch Analyse großer Datenmengen und Erfahrung lernen, sich auf neue Situationen einzustellen und Aufgaben zu bewältigen, die kognitive Fähigkeiten ähnlich jener des Menschen erfordern. In einigen Nischen sei Österreich im internationalen Vergleich "sehr gut positioniert", heißt es in dem Bericht. "Derzeit glänzen wir mit vielen guten Einzellösungen, die wir im nächsten Schritt zu einem großen einheitlichen Bild zusammenfügen müssen", so Wirtschaftsministerin Elisabeth Udolf-Strobl.

Ethik als Alleinstellungsmerkmal

Die Experten schlagen in dem Papier vor allem "die Formulierung eines gesamtheitlichen KI-Gesetzes" vor, das auch "die ethischen Aspekte mit den Fragen Recht, Nutzbarkeit und Sicherheit in Einklang bringt". Dabei werden die Bereiche "Datenschutz, Privatsphäre und Berücksichtigung sozialer Auswirkungen" hervorgehoben. KI, die ethischen Ansprüchen folgt beziehungsweise die nachvollziehbar arbeitet, könne zum Alleinstellungsmerkmal Europas werden.

Im Bereich der österreichischen Forschungs- und Unternehmensförderung sollten etwa eigenständige KI-Programme und ein "international sichtbares KI-Zentrum" etabliert, Stiftungsprofessuren oder ein "nationales Headhunting-Board" für KI-Spitzenforscher eingerichtet werden. Darüber hinaus brauche es eine verbesserte Infrastruktur sowie verstärktes Engagement in Aus-und Weiterbildung, (rechts-)sichere Daten-Plattformen oder mehr Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Forschung und Verwaltung in dem Bereich. Außerdem stellen die Experten die Schaffung einer einschlägigen Ethikkommission in den Raum.

Betriebe müssen neue Online-Zahlungsregeln erst Ende 2020 umsetzen

Aufschub für doppelte Kundenauthentifizierung; Foto: APA (dpa/Symbolbild)






Unternehmen in Österreich erhalten für die Umsetzung der neuen Online-Zahlungsregeln eine Schonfrist bis 31. Dezember 2020, wie die Finanzmarktaufsicht (FMA) mitteilte. Das sei das Ergebnis einer Einigung, die im Rahmen der Europäischen Bankenregulierungsbehörde (EBA) erzielt worden sei.

Die neuen Regeln schreiben vor, dass eine Zahlung für ein im Internet erworbenes Produkt mittels doppelter Kundenauthentifizierung – also auf zwei Kanälen – freigegeben werden muss. Ursprünglich hätte die Regel bereits im September greifen sollen, für Banken gilt die Vorschrift bereits. Die Händler hatten jedoch über Probleme geklagt, die dafür nötigen technischen Umstellungen rechtzeitig umsetzen zu können. Nun erhalten sie 15 Monate mehr Zeit um sich auf die neuen Regeln einzustellen.

"Die Wirtschaftskammer hat sich dafür eingesetzt, dass unsere Betriebe ausreichend Zeit für die notwendigen technischen Adaptierungen bekommen. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, dafür eine europaweit einheitliche Übergangsfrist festzulegen", zeigte sich WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf in einer ersten Reaktion zufrieden mit dem Ergebnis.

Auch Handel und Hotellerie würden angesichts der Schonfrist aufatmen. Der Aufschub sei "sinnvoll und richtig, weil der elektronische Handel keine Grenzen kennt", sagte Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel der WKÖ. Der Handelsverband hatte sich bereits zuvor über die Einigung der EBA gefreut. "Da in der Hotellerie mittlerweile ein Großteil der Zahlungen online erfolgt, war uns enorm wichtig, dass ausreichend Zeit für notwendige Adaptierungen bleibt", betonte auch die Obfrau des WKÖ-Fachverbandes Hotellerie, Susanne Kraus-Winkler.

Aus der Wissenschaft: 

Lebende Zellen im 3D-Drucker

Gitterartig angeordnete Zellen in einer winzigen Mikrostruktur; Foto: TU Wien





3D-Drucker spielen in der Industrie eine immer größere Rolle. An der TU Wien wird der Einsatzbereich solcher Geräte laufend erweitert: Durch die Entwicklung neuartiger Druckmaterialien – einer sogenannten „Biotinte“ – wurde es nun möglich, lebende Zellen in eine mikroskopisch feine 3D-gedruckte Struktur einzubauen. Dieses „Bioprinting“ eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Zellforschung und die Medizin: Man kann nun die Umgebung von Zellen mit Hilfe des 3D-Druckers ganz gezielt so anpassen, dass eine ganz bestimmte Art von Zellwachstum gefördert wird. In Zukunft soll man auf diese Weise sogar künstliche Gewebe herstellen können – und nicht zuletzt ist es ein weiterer Beweis dafür, dass der 3D-Drucker eine spannende neue Technologie mit großer Zukunft ist.

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