DBT Newsletter #16/2019

Maximal einen Tag: Nur wenige können länger aufs Smartphone verzichten  

Nichts geht mehr ohne Instant Messaging und Social Media, Foto: APA (Fohringer)






Lediglich 28 Prozent der Menschen in Österreich glauben, dass sie mehrere Tage ohne ihr Smartphone auskommen könnten. Das geht aus einer Erhebung von Mobile Marketing Association Austria (MMA) und MindTake Research hervor. Nicht viel weniger können – oder wollen – entweder gar nicht (zwölf Prozent) bzw. höchstens ein bis zwei Stunden (zehn Prozent) auf ihr Handy verzichten.

Der Großteil der Befragten meinte, dass sie einen halben bis ganzen Tag ohne sein könnten (48 Prozent). 97 Prozent der Österreicher besitzen laut der 13. Auflage des "MMA Communications Report" ein Smartphone und genauso viele surfen damit im Netz. 63 Prozent der Bevölkerung shoppen bereits mit ihrem Telefon, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Viel Zuspruch erhalten die Einzelhandels-Apps: 52 Prozent nutzen laut der Umfrage die Jö Bonus Club App, 41 Prozent die Payback App und 38 Prozent die Lidl App.

Telefonieren liegt mit 82 Prozent aber immer noch auf Platz 1 der wichtigsten Funktionen. Instant Messaging folgt auf Platz 2 (64 Prozent) und Fotografieren auf Platz 3 (61 Prozent). Internetsurfen rangiert auf dem vierten Platz (54 Prozent) vor dem Versenden und Empfangen von E-Mails (47 Prozent) und der Wecker-Funktion (40 Prozent). Bei den täglich genützten Anwendungen nimmt Instant Messaging mit 82 Prozent Platz 1 ein, gefolgt von der Uhr-Funktion (77 Prozent) und Telefonieren (74 Prozent).

Whatsapp deutlich vor Facebook und Instagram

78 Prozent nützen laut eigenen Angaben täglich Whatsapp, weit mehr als Facebook (38 Prozent) und Instagram (26 Prozent). 85 Prozent der jungen Erwachsenen gaben an, dass sie täglich in Social Media-Netzwerken unterwegs sind. Bei Internet-Videos haben lustige Kurzvideos (52 Prozent), Musikvideos (43 Prozent) und Erklärvideos/Tutorials (40 Prozent) den meisten Zuspruch.

Die Nutzung korreliert mit dem Datenverbrauch: 81 Prozent der Befragten mit Vertrag haben auf ihrem Haupthandy ein Datenpaket aktiviert, wobei bei der relativen Mehrheit mehr als fünf GB und bis zu zehn GB inkludiert sind. Im Vergleich zu 2018 hat Apple iOS um vier Prozent mehr Nutzer, liegt mit 28 Prozent aber immer noch weit hinter Android mit 64 Prozent.

Die Nutzung von Smart Home-Gadgets ist zum Vorjahr um fünf auf 25 Prozent gestiegen. Dabei liegt Amazons "Alexa" mit 18 Prozent vor "Siri" (17 Prozent) und "Google Now" (zwölf Prozent). "Zu erkennen ist, dass Dienste wie Bluetooth und GPS häufiger wie auch vielseitiger verwendet werden und Sprachassistenten sowie Smart Home-Gadgets in immer mehr Haushalten zu finden sind. Die Verwendung von Smart-Watches sowie von Fitness-Armbändern liegt ebenfalls stark im Trend", sagte Petra Kacnik-Süß vom Meinungsforschungsinstitut MindTake Research.

Nächste 5G-Auktion soll wie geplant Anfang 2020 stattfinden

Startschuss fällt laut RTR in Kürze,  Foto: APA (AFP)





Die nächste Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen für den neuen ultraschnellen Übertragungsstandard 5G soll wie geplant Anfang 2020 stattfinden. Sowohl Übergangsregierung als auch Telekom-Behörde RTR halten am ursprünglichen Zeitplan fest, wie es auf APA-Anfrage hieß. In der Branche waren zuletzt wegen des Regierungswechsels leichte Zweifel am Zeitplan aufgetaucht.

"Die Vergaben sind objektive Verfahren, weshalb sich da bei der Planung nichts ändern sollte", erklärte die Sprecherin des Verkehrsministeriums. Die RTR ließ verlauten, dass "in den nächsten Wochen" die öffentliche Konsultation zur Multiband-Vergabe 2020 startet.

"Geplant ist, dass die Auktion im Frühjahr 2020 stattfindet, längere Verschiebungen sind derzeit nicht angedacht", so eine Sprecherin der Behörde, wo derzeit die Ausschreibungsunterlage vorbereitet wird. Bisher hieß es, die Versteigerung finde im ersten Quartal 2020 statt.

Verkehrsminister muss Ausschreibung noch absegnen

Der zuständige Verkehrsminister Andreas Reichhardt muss die Ausschreibung noch absegnen. "Aufgrund des kommunizierten Zeitplanes der Telekom-Control-Kommission ist davon auszugehen, dass die Ausschreibungsunterlage noch im 4. Quartal 2019 an den Bundesminister zur Einholung der Zustimmung übermittelt werden wird", teilte seine Sprecherin mit.

Bei der Multiband-Auktion 2020 geht es um die Frequenzbänder 700, 1.500 und 2.100 Megahertz, die eine großflächige Versorgung mit 5G ermöglichen sollen. Ein Mindestgebot gibt es noch nicht, von der abgesetzten ÖVP-FPÖ-Regierung sind 350 Mio. Euro budgetiert worden. Bei der ersten 5G-Vergabe heuer im März sind Lizenzen für 188 Mio. Euro versteigert worden. A1 zahlte 64 Mio. Euro, T-Mobile (nun Magenta) 57 Mio. Euro und Drei 52 Mio. Euro.


Keuschnigg plädiert für "Wachstumsfonds" für Start-ups

Experte schlägt Dotierung von rund 250 Mio. Euro vor, Foto: APA (Fohringer)






Bei der Finanzierung innovativer Unternehmen – sprich Start-ups – liegt Österreich im Vergleich zurück. Es fehle vor allem an Risiko- oder Wagniskapital, so der Wirtschaftsforscher Christian Keuschnigg. Seiner Studie im Auftrag des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) zufolge könnte hier ein mit rund 250 Mio. Euro dotierter "Wachstumsfonds" Abhilfe schaffen.

Unter Wagniskapital oder Risikokapital werden Investitionen im Rahmen von Firmenbeteiligungen in Unternehmen verstanden, die einen als risikoreich geltenden Weg gehen. Oft sind dies Jungunternehmen, die in Bereichen tätig sind, in denen Forschung- und Entwicklung (F&E) eine große Rolle spielt. Werden Unternehmen aus dieser Gruppe mit Wagniskapital unterstützt, schaffen diese im Schnitt überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze und erzielen in der Regel hohe Wertschöpfung.

Weit unter europäischem Schnitt

Der Vergleich mit prinzipiell wirtschaftlich ähnlich entwickelten Ländern mit ähnlicher Größe – im Rahmen der Studie waren das Israel, Dänemark, Schweden und die Schweiz – sei das Fehlen von Wagniskapital in Österreich greifbar, hieß es bei der Vorstellung der Untersuchung vor Journalisten. In Österreich könne man davon ausgehen, dass das Niveau der Wagniskapitalfinanzierung bei rund einem Zehntel des europäischen Schnitts liege, in Europa sei wiederum im Vergleich zu den USA oder Israel nur rund ein Achtel des Risikokapitals im System, so Rudolf Kinsky, Präsident des Private Equity und Venture-Capital-Verbandes AVCO.

Der Weg aus dem laut Gerhard Reitschuler vom RFT und Keuschnigg "lange dokumentierten Problem" führe etwa über Umgestaltungen im Steuerrecht und Insolvenzrecht, damit beispielsweise ein unternehmerisches Scheitern als Start-up-Gründer nicht unbedingt ruinös endet. In erster Linie würde der Ex-IHS-Chef aber auf einen anfangs mit rund einer Viertelmilliarde dotierten "Dachfonds" setzen. Dieser "Österreichische Wachstumsfonds" wiederum würde jeweils 25 Mio. Euro in rund zehn private Risiko- oder Wagniskapitalfonds investieren, die dann je ein Volumen von 100 Mio. erreichen sollen. Der Staat würde demzufolge auch gewisse Ausfallsgarantien geben. Die rund zehn "Zielfonds investieren ihrerseits nach rein privatwirtschaftlichen Kriterien in innovative Start-ups", heißt es in der Studie.

Staatliches Backup

Es handle sich hier um eine Konstruktion, die eine marktwirtschaftliche Lösung mit staatlichem Backup ermögliche. Ohne Garantien des Bundes könnten sich nämlich potente Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen nicht beteiligen, so der Forscher vom Wirtschaftspolitischen Zentrum WPZ der Universität St. Gallen (Schweiz). So ließe sich mehr Risikokapital "aus Österreich heraus" lukrieren und gleichzeitig durch das verstärkte Engagement von Venture-Capital-Fonds in vielversprechende junge Unternehmen mehr unternehmerisches Know-how in die Start-ups bringen.

Gerade beim Geben von Wagniskapital entstehe vielfach die engste Verbindung zwischen Unternehmen und Investor, was ersteren in der Selbstfindungsphase im Management oft sehr weiterhelfe, sagte Kinsky. Hier hätten etwa Ausgründungen aus dem Hochschul- und Wissenschaftsbereich vielfach Schwierigkeiten. Das und die Tatsache, dass solche Unternehmen oft nach der durch diverse Förderprogramme gut unterstützten Frühphase später in ein Unterstützungsloch fielen, verhindere in Österreich vielfach deren mittelfristiges Überleben, Erfolge am Markt und letztendlich den Sprung "vom Start-up zum Scale-up", so der AVCO-Präsident.

Service: Die Studie online: http://go.apa.at/HzJF57XA


Aus der Wissenschaft:

Chemische Sensoren für die Hosentasche 


Benedikt Schwarz, Foto: TU Wien





Es ist ein ambitioniertes Ziel: Benedikt Schwarz von der TU Wien möchte in den nächsten fünf Jahren einen kompakten, tragbaren, energiesparenden Lasersensor entwickeln, mit dem man verschiedene chemische Substanzen nachweisen kann. So sollen Messgeräte in Handy-Größe möglich werden, mit denen man Umweltschadstoffe nachweisen oder sogar Krankheiten diagnostizieren kann. Die ersten Schritte auf diesem Weg hat er bereits erfolgreich zurückgelegt, dafür wurde er nun mit einem ERC-Grant ausgezeichnet, einem der höchstdotierten Forschungspreise in der europäischen Wissenschaft.


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