DBT Newsletter #10/2019

Start-up-Szene wartet auf erstes "Einhorn"

Einige Jungunternehmen haben das Potenzial zur Milliarden-Bewertung, Foto: APA (Hochmuth)





Die heimische Start-up-Szene wartet auf das erste mit einer Milliarde Euro oder Dollar bewertete Jungunternehmen. In den USA werden diese Firmen auch "Unicorns" genannt. Die bisher größten Exits in Österreich mit jeweils mehr als 200 Mio. Euro Verkaufspreis schafften in den vergangenen zehn Jahren die Lauf-App Runtastic, die Kleinanzeigenplattform Shpock und das Biotech ViraTherapeutics.

Am besten Weg zu einer "Unicorn"-Bewertung seien das Kärntner-Streaming-Start-up Bitmovin und die Wiener Reiseplattform Tourradar, sagte Oliver Holle vom Risikokapitalgeber Speedinvest bei der Pioneers-Konferenz in Wien. Speedinvest hält Anteile an Bitmovin und Tourradar. Viel Potenzial sehen Branchenbeobachter auch beim Social-Trading-Start-up Wikifolio, bei Anyline (Texterkennung), Tractive (Haustier-Tracking) und bei der Krypto-Plattform Bitpanda.

In den vergangenen Jahren hat sich in der österreichischen Start-up-Szene viel getan. Mehr Gründer trafen auf immer mehr Investoren, auch die heimische Politik erhöhte die Förderungen für Jungunternehmen. "Vor zehn Jahren gab es das erste große Start-up-Pitch-Event in Wien", sagte die Präsidentin der Austrian Angel Investors Association, Selma Prodanovic, beim Pioneers. Im Jahr 2010 habe man sich als Investor noch die Start-ups aussuchen können, es gab keine Konkurrenz, erinnert sich der Risikokapitalgeber Johannes Hansmann. Er war als Business Angel bei MySugr, Runtastic und Shpock an Bord und verkaufte seine Anteile bei den Exits gewinnbringend.

Hansmann ortet vier Punkte, warum die österreichische Start-up-Szene nicht stärker gewachsen ist. Talentierte Fachkräfte von außerhalb der EU könne man nicht leicht nach Österreich holen, die GmbH-Rechtsform sei für Start-ups suboptimal und es gebe keine Steuererleichterungen für Risikokapitalgeber. Außerdem brauche Österreich mehr erfolgreiche Gründer, die ihr Unternehmen verkauften und dann wieder in Start-ups investierten.

N26 gilt als verpasste Chance

"Wien hat für die Größe der Stadt zu wenige gute Start-ups", sagte Risikokapitalgeber Holle. Sein Fonds Speedinvest investiert auch stark außerhalb Österreichs in europäische Gründer. Als verpasste Chance für den Standort Wien gilt N26. Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gründeten 2013 ihr Banken-Start-up Number26 in Wien, verlagerten den Firmensitz aber bereits nach einem Monat nach Berlin. Vor allem die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern sei ein Hauptgrund für den Wechsel nach Berlin gewesen, hieß es damals. Mit einer Bewertung von zuletzt 2,7 Mrd. Dollar gehört die Smartphone-Bank N26 zu den teuersten Start-ups in Deutschland. Im April kündigte N26 aber einen Tech-Standort mit 300 Mitarbeitern in Wien an.

Bei einer Diskussionsrunde bei der Pioneers-Konferenz waren sich die Gründer von MySugr, Runtastic und Shpock einig, dass es in Österreich keine notwendigen hohen Millionenfinanzierungen (Serie B, C) für Start-ups gebe. Der US-Konkurrent habe von Investoren ein 100-Millionen-Dollar-Investment bekommen, MySugr rund 7 Millionen, sagte MySugr-Mitgründer Frank Westermann. Für Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner würden neu gegründete Start-ups in Österreich "fast zu leicht Geld bekommen".

 

Forscher bringen Robotern Neugierde bei






Was tut ein Roboter, wenn er sich mit einem Gegenstand konfrontiert sieht, den er nicht erkennt? In der Regel tut er dann gar nichts. Das wollen Wiener Forscher ändern, indem sie den Maschinen beibringen, zu erkennen, was sie nicht wissen, und sich aktiv auf die Informationssuche zu machen. Dabei baue man ihnen gewissermaßen "Neugierde" ein, heißt es in einer Aussendung des FWF.

Herkömmliche Roboter können eng umschriebene Aufgaben in bekannter Umgebung mit großer Präzision und Geschwindigkeit ausführen. Wie die sprichwörtliche Kuh vorm neuen Tor verhalten sich viele Systeme aber, wenn ihnen der Umgang mit einer Sache nicht geläufig, sprich einprogrammiert ist. Werden zukünftig Robotern auch komplexere Aufgaben in wechselnden Umgebungen übergeben, brauchen sie jedoch eine gewisse Fähigkeit zur Eigenständigkeit und so etwas wie Neugierde.

Den Horizont erweitern

Die Forschungsgruppe um Markus Vincze vom Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der Technischen Universität (TU) Wien arbeitet im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts an Ansätzen, die die Systeme befähigen, ihren Horizont ein Stück weit selbst zu erweitern. Der erste entscheidende Schritt dorthin sei es aber, überhaupt erst zu erkennen, dass etwas tatsächlich ein Objekt ist. "Das kann bereits schwierig sein, etwa, wenn mehrere Gegenstände sich nicht genau trennen lassen, weil sie sich zum Teil überdecken", so Vincze.

Ist ein Ding erstmal bildlich erfasst, muss das System ein dreidimensionales Modell davon konstruieren. Nur so kann der Roboter das Objekt auch angreifen und aufheben. Während kleine Kinder bereits ab dem ersten Lebensjahr Dinge intuitiv räumlich wahrnehmen, ist der Aufwand, um ähnliches technisch zu leisten, bereits enorm, heißt es.

Kontext hilft bei Bildersuche

Das Wiener Forschungsteam interessiert sich besonders dafür, was passiert, wenn eine Sache gar nicht erkannt wird - wenn also ein Roboter ein Foto des vor ihn stehenden Objekts mit seiner Datenbank vergleicht, aber keine ausreichende Übereinstimmung feststellt. Die Maschine muss also auch wissen, was sie nicht weiß. Ist das der Fall, "soll der Roboter ein Bild davon machen und sich im Internet auf die Suche machen", so die Idee der Wissenschafter.

Mittels Analysen von Fotos und den dazugehörigen Bildtexten, die u.a. die Google-Bildersuche ausspuckt, optimierte das Team Schritt für Schritt die Suchalgorithmen. Zusammen mit Kooperationspartnern aus Italien, Frankreich und Großbritannien testeten die Forscher ihren Zugang mit dem in früheren Projekten entwickelten mobilen Pflegeroboter "Hobbit". Der ist für den Einsatz in Altersheimen konzipiert, wo er beispielsweise beim Suchen verlorener Gegenstände helfen soll.

Im Praxistest wurde der Roboter etwa mit zehn typischen Büro-Utensilien, wie Tastatur, Maus oder Locher auf einem Schreibtisch konfrontiert. Die Wissenschafter löschten dann eines dieser Objekte aus der Datenbank und "Hobbit" sollte sich dann selbst auf die Suche nach Information dazu machen. Besonders erfolgreich war der Roboter, wenn sich in der Umgebung des gesuchten Objekts thematisch dazu passende andere Dinge befanden. War etwa hauptsächlich Geschirr auf dem Tisch und das gesuchte Ding ebenfalls ein Küchenutensil, tat sich das System leichter bei Auffinden und Einordnen des gesuchten Gegenstands. "Die Kontext-Information lässt sich analysieren und zielführend verwenden, und die Suche einschränken", so Vincze. 

Service: https://arxiv.org/abs/1709.05862


Stadt Wien startet Forschungsinitiative zu "Digitalem Humanismus" 

Digitalisierung hat Nimbus eines






Mit 320.000 Euro fördert die Stadt Wien Forschungsprojekte, die den Mensch in den Mittelpunkt von Digitalisierungsansätzen stellen. Angesichts zunehmend besorgniserregender, nicht unbedingt demokratiefördernder Tendenzen in Entwicklung und Einsatz neuer Technologien, wolle man das Feld "nicht nur den 'Nerds' überlassen", so Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ).

Die "Atemlosigkeit und Geschwindigkeit" mit der Digitalisierung voranschreitet, bekämen mittlerweile immer mehr Menschen zu spüren, so Kaup-Hasler vor Journalisten. Manisch datensammelnde Konzerne oder bedenkliche Anwendungen von Überwachungstechnologien durch Staaten, wie man es etwa zur Zeit in China beobachten könne, lasse mittlerweile viele Menschen daran zweifeln, dass das, was unter dem Hype um die Digitalisierung in den Alltag vordringt, auch zu gesellschaftlichen Verbesserungen führt.

Im Zuge der bereits gestarteten Ausschreibung mit dem Titel "Digitaler Humanismus" sollen daher Vorhaben gefördert werden, in deren Rahmen "technologische Grundlagen und Anwendungen unter das Primat demokratiepolitischer Werte der Aufklärung und des Humanismus" gestellt werden, wie es im Begleittext heißt. Pro Projekt kann die Gesamtfördersumme über zwei Jahre hinweg 40.000 Euro betragen, die Einreichfrist endet am 20. August, erklärte Daniel Löcker, Wissenschaftsreferent der Stadt Wien.

Gestaltend eingreifen

Der Digitalisierung hafte aktuell gewissermaßen der Nimbus eines "Naturereignisses" an, das über die Gesellschaft kommt, ohne dass diese Möglichkeiten zur Gestaltung hat, so die Wissenschaftssprecherin der Wiener Grünen, Barbara Huemer. Ziel müsse es daher sein, in dem Feld, wo vielfach Wild-West-Mentalitäten herrschten, auch verstärkt gesellschafts- und demokratiepolitisch gestaltend einzugreifen.

Das sei eine Erkenntnis, die sich zunehmend auch in der Forschungsgemeinde etabliere, sagte der Geschäftsführer des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), Michael Stampfer: "Viele erfahrene Computerwissenschafter beginnen um Hilfe zu rufen." Nicht zuletzt habe sich auch der "Erfinder des Internets", Tim Berners-Lee, mit der Aussage "The system is failing!" ("Das System versagt!") an die Öffentlichkeit gewendet. Auf Basis von Treffen von Wissenschaftern in der Bundeshauptstadt werde in den kommenden Wochen das "Vienna Manifesto" herauskommen, in dem laut Stampfer Forscher auch auf Fehlentwicklungen in dem Bereich hinweisen werden.

Aus der Wissenschaft:

Dreifacher Erfolg für TU Wien beim Houska-Preis

Der Houskapreis wird jedes Jahr von der B&C Privatstiftung vergeben, Foto:  B&C Privatstiftung





Vom Industrieroboter bis zum 3D-Drucker: Die TU Wien forscht an vielen anwendungsnahen Projekten, die für die Industrie sehr vielversprechend sind. Immer wieder führen neue Forschungsergebnisse zur Gründung erfolgreicher Spin-Off-Unternehmen. Bei der Vergabe des diesjährigen Houska-Preises wurden diesmal gleich drei Projekte ausgezeichnet, die an der TU Wien entstanden sind: Den ersten Platz bei den Startup-Unternehmen errang das TU-Spin-Off „Blue Danube Robotics“, für eine neue Technologie, die beim Zusammenarbeiten von Mensch und Roboter für Sicherheit sorgt. 

Mehr Infos


Empfehlen & Verbreiten Facebook Twitter
Load more