DBT Newsletter #10/2018

Was der neue EU-Datenschutz bringt

Verarbeitung personenbezogener Daten wird genauer geregelt, Foto: APA (dpa)






Die Europäer sollen die Hoheit über ihre Daten zurückgewinnen. Nach jahrelangen Verhandlungen treten nun die neuen EU-Datenschutz-Regeln in Kraft. Vom 25. Mai an gilt die Datenschutzgrundverordnung. Im Kern soll die Verarbeitung personenbezogener Daten etwa durch Unternehmen oder Vereine geregelt werden.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

RECHT AUF INFORMATION: Verbraucher müssen künftig von Beginn an darüber informiert werden, wer ihre persönlichen Daten wie Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Ausweisnummer aus welchem Grund erhebt – und sie müssen zustimmen. Zudem muss klar sein, wie lange die Daten aufbewahrt werden sollen. Die Einwilligung muss jederzeit zurückgezogen werden können.

RECHT AUF VERGESSENWERDEN: Daten, die für den ursprünglichen Zweck der Speicherung nicht mehr benötigt werden, müssen gelöscht werden. Außerdem bekommen Nutzer das Recht, personenbezogene Daten wie Informationen über das Privat- oder Berufsleben sowie Fotos im Web löschen zu lassen.

DATENMINIMIERUNG: Es sollen so wenig persönliche Daten wie möglich verarbeitet werden. Zudem dürfen die Daten nicht beliebig, sondern nur zweckgebunden erhoben werden.

RECHT AUF AUSKUNFT: Unternehmen und Organisationen müssen gespeicherte Daten auf Anfrage zur Verfügung stellen.

DATENRUCKSACK: Wechseln Verbraucher von einem Anbieter zum anderen, können sie ihre Daten wie E-Mails, Fotos oder Kontakte mitnehmen.

MEHR SICHERHEIT: Daten müssen so sicher gespeichert werden, dass unbefugter Zugriff, aber auch versehentlicher Verlust nicht möglich sind. Über Datenschutz-Verstöße müssen die Verbraucher informiert werden. Wenn ein Risiko für sie entstanden ist, müssen Unternehmen die Verstöße zudem bei nationalen Behörden melden.

MARKTORT-PRINZIP: Die DSGVO gilt nicht nur für in der EU ansässige Unternehmen. Kriterium für die Anwendung ist das sogenannte Marktort-Prinzip. Das heißt: Anbieter, die sich an Konsumenten in der EU wenden, unterliegen den europäischen Datenschutzregeln, auch wenn der Konzern seinen Hauptsitz etwa in den USA hat.

STRAFEN: Bei Verstößen gegen die neuen EU-Regeln drohen Strafen von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.


Dynamische Preisänderungen verunsichern Kunden 

Konsumenten reagieren abwartend und vergleichen, Foto: APA (Fohringer)





Die im Online-Handel bereits weit verbreiteten dynamischen Preisfestsetzungen stoßen bei den Konsumenten auf wenig Gegenliebe. Diese reagieren auf die wahrgenommenen Preisschwankungen abwartend und beobachten zunächst die weitere Preisentwicklung. Knapp die Hälfte kauft dann laut einer repräsentativen Umfrage des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens letztlich beim günstigsten Anbieter.

28 Prozent kaufen jedenfalls nicht in dem Online-Shop, wo die Preisänderung bemerkt wurde, und 21 Prozent suchen bei großen Preisänderungen nach einer günstigeren Alternative. Jeder Fünfte würde das Produkt bei kleinen Preisänderungen aber dennoch im ursprünglich anvisierten Online-Shop kaufen und 17 Prozent warten darauf, dass der Preis im ausgewählten Shop wieder sinkt und kaufen dann dort ein.

„Aus rechtlicher Sicht ist die Preisdifferenzierung unproblematisch und es ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass Preise für jeden gleich und über einen längeren Zeitraum stabil sein müssen“, so Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens, in einer Aussendung. Voraussetzung sei aber, dass die Unternehmen Datenschutzbestimmungen, Diskriminierungsverbote sowie Bestimmungen zur 'Verkürzung über die Hälfte' einhalten.

Reputationsschäden möglich

Dynamische Anpassungen des Preises nach Wetter, Tageszeit, Surfverhalten, Einkaufsverhalten, Standort oder Art des Endgerätes sind besonders in der Tourismusbranche weit verbreitet, um ihre Gewinne zu steigern oder auf Mitbewerber zu reagieren. Unternehmen sollten jedoch nicht die Risiken, die sich dadurch ergeben, unterschätzen. Aus Sicht der Kunden sei die größte Herausforderung die Frage der Fairness. „Beispiele zeigen, dass es schnell zu Reputationsschäden kommen kann, wenn Kunden das Gefühl haben, unfair behandelt worden zu sein“, so Behrens.

Bei Konsumenten gibt es laut Umfrage lediglich einen Grund, Preisänderungen zu billigen, nämlich wenn der Preis an die Konkurrenz angepasst wird: 30 Prozent würden aus diesem Grund auf jeden Fall trotzdem im Online-Shop einkaufen. Für 53 Prozent wäre dies in manchen Fällen noch akzeptabel. Besonders negativ reagieren Online-Käufer auf alle anderen Gründe für Preisänderungen, wie z. B. aufgrund des Wohnortes, des Ortes zum Zeitpunkt der Bestellung, des genutzten Endgeräts oder des bisherigen Surf- und Suchverhaltens. Wird eine Preisanpassung aufgrund dieser Merkmale bemerkt, würde die Mehrheit nicht in diesem Shop kaufen.


Roboter machen bis 2035 jeden dritten Job überflüssig

Bau- und Industriejobs sind am stärksten von Automatisierung bedroht, Foto: APA (dpa)





Roboter ersetzen in den nächsten Jahren viele Jobs, was aber nicht in die Massenarbeitslosigkeit führen wird. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Beratungskonzerns PwC mit dem Titel „Will robots really steal our jobs?“ In Österreich sind demnach bis Mitte der 2030er-Jahre 34 Prozent der Arbeitsplätze von Automatisierungsprozessen bedroht.

PwC hat drei Automatisierungswellen ausgemacht. Die Algorithmuswelle habe uns bereits erreicht: Computer übernehmen die Analyse strukturierter Daten. Ein Beispiel wäre die Kreditprüfung. Diese Innovationswelle könnte bis in die frühen 2020er-Jahre ausgereift sein, glauben die Studienautoren. Erst Ende der 2020er-Jahre voll entfalten werde sich die Augmentationswelle. Da geht es um die Automatisierung von sich wiederholenden Tätigkeiten und Informationsaustausch. Drohnen und Roboter im Lagerwesen fallen in diese Kategorie.

Schlussendlich spricht PwC von der Autonomiewelle, die Mitte der 2030er-Jahre ausgereift sein könnte. Da werden mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) Daten aus unterschiedlichen Quellen analysiert, Entscheidungen getroffen und auch Handlungen gesetzt – wie das etwa voll selbstfahrende Autos tun könnten. Besonders treffen wird es der Studie zufolge das Transport- und Lagerwesen, wo fahrerlose Kraftfahrzeuge menschliche Lenker ersetzen werden. Auch in der Finanzdienstleistungsbranche dürften Algorithmen Menschen zunehmend die Arbeit nehmen.

Von Land zu Land verschieden

Wie hoch der Anteil der von Robotern übernommenen Arbeitsplätze ist, ist von Land zu Land unterschiedlich; PwC befragte mehr als 200.000 Arbeitnehmer in 29 Staaten. In einigen ostasiatischen und nordischen Ländern mit einem relativ hohen durchschnittlichen Bildungsniveau hätten bis Mitte der 2030er-Jahre „nur“ 20 bis 25 Prozent der Jobs Automatisierungspotenzial. In osteuropäischen Ländern, wo viele Menschen in der industriellen Fertigung arbeiten, seien es dagegen mehr als 40 Prozent.

In Österreich sind, wie in den meisten anderen untersuchten Ländern, Bau- und Industriejobs am stärksten bedroht, hier betrage das Automatisierungspotenzial, wie es PwC nennt, 51 bzw. 48 Prozent. Im Handel könnten 37 Prozent der Jobs von Robotern übernommen werden und im Gesundheits- und Sozialwesen 26 Prozent. Der Bildungsbereich dürfte hingegen mit 9 Prozent glimpflich davonkommen. Insgesamt sind in Österreich die Jobs von Männern, jungen Menschen und formal schlecht Gebildeten stärker dem Roboterrisiko ausgesetzt, geht aus der Studie hervor.


Aus der Wissenschaft:

Schwierige Planungsaufgaben einfach lösen

Eröffnung des 200. Christian Doppler Labors, Foto: Matthias Heisler | TU Wien





Wie gelingt es in einem Krankenhaus dafür zu sorgen, dass die Operationssäle möglichst effizient genutzt werden und zu jeder Zeit die richtigen Personen am richtigen Ort sind? Wie plant man komplizierte Arbeitsabläufe in der Industrie? Die Lösung solcher komplexer Planungsaufgaben mit Hilfe moderner Computermethoden ist das Forschungsthema am neuen CD Labor der TU Wien. Es ist die 200. Forschungseinheit der Christian Doppler Forschungsgesellschaft. ...

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Neues aus dem DBT-Blog:

Wie digitale Fußspuren unser Leben verändern

Foto: Sarah Spiekermann, WU Wien

Sarah Spiekermann, WU Wien

Das Digitale hat uns viel Gutes beschert und unsere Welt in vielerlei Hinsicht zum Positiven verändert. Jedoch befinden wir uns an einem Punkt in der Entwicklung des Digitalen und damit der Gesellschaft, an dem sich die positiven Auswirkungen des Digitalen auf unsere Welt und auf unsere Werte ins Gegenteil verkehren. ...

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DBT-Blog: Hinter dem DSGVO-Horizont 

Foto: Christoph Truppe, Mindshare Austria

Christoph Truppe, Mindshare Austria

Vorausgesagt wurde schon, dass die Online Marketing-Branche durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) um zehn Jahre zurückgeworfen wird. Gar das Ende des kommerziellen Internets wurde ausgerufen. Kaum etwas hat in der Online Marketing-Welt für derartigen Aufruhr gesorgt wie es die DSGVO macht. Der Markt muss sich auf neue Rahmenbedingungen einstellen, denn die DSGVO stellt die Online-Marketing Welt vor grundlegende Veränderungen. ... 

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Service:

Start-up-your-Business: Digital Business Trends-Award 2018

Digital Business Trends, Foto: APA

Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2018 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscherinnen und Jungforscher, Entwicklerinnen und Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2018 möglich.

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