DBT Newsletter #13/2019

Mittleres Management blockiert oft Innovationen

Kooperation mit Jungunternehmen erlaubt Einblick in Technologie und Arbeitsformen Foto: APA (Symbolbild/dpa)





Die meisten Innovationsversuche von Unternehmen scheitern an internem Widerstand. Oft würden solche Projekte vom mittleren Management torpediert, das risikoavers sei, erklärte Anton Schilling vom Unternehmensberater Pioneers. Meist könnten Innovationsprojekte in Zusammenarbeit mit Start-ups erfolgreicher vorangetrieben werden als vom Unternehmen allein.

Pioneers hat 104 große Unternehmen (durchschnittlich 1.000 Mitarbeiter, 500 Mio. Euro Umsatz oder mehr) aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zum Thema Innovation befragt. Dabei hat sich gezeigt: Interner Widerstand ist der Hauptgrund für das Misslingen von innovativen Projekten innerhalb eines Unternehmens. "Wir scheitern oft an der mittleren Managementebene. Das Top-Level-Management hat in den meisten Fällen das Commitment dazu abgegeben, solche Aktivitäten zu setzen, sonst wären sie nicht da".

Für ein Unternehmen könne es sinnvoller sein, mit einem Start-up zusammenzuarbeiten als Innovationen aus dem eigenen Unternehmen heraus zu versuchen. "Wenn es darum geht, die Kultur zu verändern und im Unternehmen die Denke und Arbeitsweise zu verändern, dann ist das die bessere Variante", so Schilling. In der Zusammenarbeit mit Start-ups werde "das Produkt gemeinsam mit dem Corporate Player entwickelt und auf den Markt gebracht", der Start-up Zugang sei "auf Kundenbedürfnisse maßgeschneidert" und deshalb erfolgreicher als unternehmensinterne Innovation.

Start-up "temporärer Zustand"

Bei einer solchen Kooperation müsse für das große Unternehmen dann nicht unbedingt ein direkter finanzieller Vorteil herausschauen, erläutert Studienautorin Antonia Frizberg, es könne auch vom Wissenstransfer profitieren. "Das Start-up kann sich weiterentwickeln, dafür kriegt das große Unternehmen ein bisschen Einblick in die Technologie und die Arbeitsformen dieses Start-ups und ist damit schon zufrieden." Diese Art der Kooperation findet offenbar Anklang: "Fast alle der befragten Unternehmen wollen in den nächsten zwei Jahren mit Start-ups zusammenarbeiten", so Frizberg.

Ein Start-up sei "ein Unternehmen, das noch nach einem Geschäftsmodell sucht", so Schilling. Das sei ein "temporärer Zustand", ein Unternehmen sei "nicht für zehn, fünfzehn Jahre ein Start-up". Beispiele für gescheiterte Innovationsprojekte gebe es unzählige, das gehöre einfach dazu. "Wenn man nicht die Offenheit hat zu akzeptieren, dass gewisse Projekte nicht funktionieren und scheitern werden, dann darf man in dem Umfeld gar nicht tätig werden", sagt Schilling.


Österreicher sind Muffel bei digitaler Verwaltung

 Erfolgversprechendster Bereich ist laut Experten das Gesundheitswesen Foto: APA (dpa)





Was die Nutzung digitaler Verwaltung anbelangt, gehören die Österreicher zu den Muffeln. Laut einer Umfrage der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) verwenden erst drei von zehn Bürgern hierzulande digitale Dienstleistungen öffentlicher Einrichtungen, und damit weitaus weniger als in anderen Ländern. BCG führt die Untersuchung alle zwei Jahre durch, befragt wurden 14.000 Bürger.

Wie die Untersuchung unter dem Titel "Digital Government Survey" zeigt, machen in Indien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten rund sieben von zehn Bürgern von öffentlichen Onlineservices Gebrauch, in Argentinien, Malaysia, Marokko oder China immerhin fünf von zehn. Ähnliche Muffel wie die Österreicher sind lediglich die Kanadier oder die Schweizer.

"Die geringe Zahl der Nutzer in Österreich deutet darauf hin, dass die Angebote nicht dem entsprechen, was die Bürger wollen", sagte Benjamin Grosch, BCG-Partner und Leiter der Beratung im öffentlichen Sektor von BCG in Deutschland, in einer Aussendung. Denn während knapp 90 Prozent der befragten Österreicher das Internet zwar täglich für persönliche Belange nutzen, beschränkt sich der Gebrauch digitaler Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung auf jeden dritten.

Der Befragung zufolge hat Österreichs Verwaltung Potenzial in Sachen Nutzerfreundlichkeit: Vermisst werde im täglichen Gebrauch etwa eine einfache und intuitive Bedienung, eine Online-Live-Beratung durch Behördenmitarbeiter sowie die Möglichkeit, Ratschläge und Erfahrungen mit anderen Nutzern auszutauschen. Zudem gaben acht von zehn Befragten zwar an, dass sich das Angebot in den vergangenen zwei Jahren verbessert habe, aber nur 26 Prozent sind der Meinung, dass es sich dabei um eine deutliche Verbesserung gehandelt habe.

Zufriedenheit lässt zu wünschen übrig

Überhaupt sei das Niveau der Zufriedenheit vergleichsweise gering: Nur jeder zweite Österreicher sei insgesamt mit den Digitalangeboten der Behörden zufrieden. Länder wie Großbritannien (63 Prozent), Estland (62 Prozent), die Niederlande (62 Prozent), Indien (60 Prozent) und Australien (59 Prozent) haben höhere Zustimmungsraten zum digitalen Behördenservice.

Vorbehalte hat man hierzulande bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) für Behördenservices. Als Grund dafür wird etwa angeführt, dass moralische und ethische Fragen nicht geklärt seien und die Entscheidungsfindung mit Hilfe Künstlicher Intelligenz nicht nachvollziehbar sei. Die größten Skeptiker sind in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen zu finden. Hingegen sei die Mehrheit der Österreicher grundsätzlich offen für den nicht personenbezogenen Einsatz von KI wie etwa zur Regulierung des Verkehrsflusses oder zur Vorhersage von Ausfällen bei Maschinen.


FMA - Finanzbranche sieht Digitalisierung positiv

Gemeinsames QR-Code-Format soll Smartphone-Zahlungen kompatibel machen. Foto: Blue Code International AG





Die Finanzunternehmen in Österreich sehen die Digitalisierung grundsätzlich positiv und mehrheitlich als Chance zur Weiterentwicklung ihres Geschäfts. Ein Großteil hat sich auf das geänderte Umfeld eingestellt, etwa jedes fünfte Unternehmen hinkt aber hinterher und hat die Digitalisierung kaum oder gar nicht in der Unternehmensstrategie berücksichtigt, geht aus einer neuen Studie der FMA hervor.

"Insgesamt sehen wir, dass die Unternehmen sich bereits sehr intensiv mit digitaler Innovation befassen. Der Wettbewerb wird stärker und zunehmend global und die heimischen Unternehmen dürfen den Anschluss nicht verlieren", so die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller.

Im Vordergrund stünden Effizienzsteigerungen, heißt es in einer Pressemitteilung der Finanzmarktaufsicht (FMA). Die Unternehmen am österreichischen Finanzmarkt - Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Wertpapierdienstleister & Co - sähen die Digitalisierung eher als evolutionären Prozess und erwarteten mittelfristig keine jähen Veränderungen am Markt. Der Großteil erachte digitale Technologien als Möglichkeit, Unternehmensprozesse effizienter zu machen. Vor allem in den Banken werde auch das Potenzial gesehen, besser auf Kundenwünsche eingehen zu können.

Banken und Versicherungen stellten sich vor allem auf Konkurrenz globaler Technologiekonzerne ein, Wertpapierdienstleister würden dagegen FinTechs als Hauptkonkurrenten um Kunden sehen. Die Verbreitung einzelner Technologien ist der Studie zufolge nach Sektor und Anwendungsbereich unterschiedlich. Am häufigsten sind digitale Technologien im Vertrieb und im Marketing. Etwa die Hälfte der Unternehmen bietet ihre Dienstleistungen über spezielle Online-Portale für Kunden an, 39 Prozent haben dazu Apps für mobile Geräte entwickelt.

Robo-Advisers sind Sache der Fintechs

Die Verwendung von E-Mails wird aus Gründen der Datensicherheit und des Datenschutzes in Zukunft wohl zurückgehen. Kundenkontakt über soziale Medien halten derzeit vor allem Versicherungen (70 Prozent). Automatische Beratungssysteme – sogenannte Robo-Advisers – werden kaum von den etablierten Unternehmen entwickelt, sondern überwiegend von FinTechs.

Die Hälfte der Institute (48 Prozent) setzt auf Cloud-Services für die Bereitstellung von IT-Infrastruktur und IT-Leistungen. Bis 2021 werden es zwei Drittel sein. Komplexere Technologien zur Datenanalyse sind derzeit vor allem bei Banken und Versicherungen ein Thema. In den kommenden zwei Jahren will etwa die Hälfte der Versicherer (46 Prozent) und Banken (55 Prozent) Machine Learning in ihren Produktivsystemen einsetzen. Künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie werden nur vereinzelt angewendet.

Im Rahmen eines Calls for Input können bis 10. Oktober Anmerkungen und Anregungen an die FMA übermittelt und formlos an die Adresse digitalisierung@fma.gv.at gesendet werden. 


Aus der Wissenschaft: 

Der VSC-4: Österreichs neuer Supercomputer

Flüge werden rüttelärmer – durch eine neue Technologie, entwickelt an der TU Wien. Foto: TU Wien





Der „Vienna Scientific Cluster 4“ (VSC-4) ist der leistungsfähigste Computer, der je in Österreich in Betrieb genommen wurde. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt von fünf österreichischen Universitäten, finanziell maßgeblich unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Installiert wurde der Großrechner an der TU Wien. Nun ist er funktionstüchtig, bis der Abnahmeprozess vollständig abgeschlossen ist, werden allerdings noch einige Wochen vergehen. Im Spätherbst soll der Großrechner von der Firma Lenovo dann für wissenschaftliche Berechnungen zur Verfügung stehen. In der Weltrangliste der Supercomputer schafft es der VSC-4 damit auf Platz 82.

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