DBT Newsletter #12/2019

Viel Frust bei Kooperationen von Start-ups mit Großkonzernen

Wiener Forscher analysierten 4,4 Millionen Beträge Foto: APA (AFP)






Großkonzerne schmücken sich heutzutage gerne mit Start-ups und deren innovativen Geschäftsmodellen. Die Zusammenarbeit der alten großen mit den jungen kleinen Unternehmen bietet aber viel Frustpotenzial, zeigt eine Untersuchung der Beratungsfirma Boston Consulting (BCG). Nur rund die Hälfte führt zu Zufriedenheit – und dann eher bei Großkonzernen als bei den Junggründern.

Nur fünf Prozent der Kooperationen funktionieren gut. 95 funktionieren entweder überhaupt nicht oder nur mittelmäßig, heißt es in der Studie. Ursache sind die riesigen Unterschiede in den Erwartungen zwischen den Partnern. Zufrieden äußern sich nur 55 Prozent der Konzerne und 45 Prozent der Start-ups.

Stefan Gross-Selbeck, globaler Geschäftsführer von BCG Digital Ventures, baut aber darauf, dass inzwischen realistischere Erwartungen an die Zusammenarbeit entwickelt werden, denn "angesichts immer kürzerer Innovationszyklen liegt in solchen Kooperationen in Zukunft großes Potenzial", bleibt er Befürworter des Modells.

Axel Springer Verlag als Vorreiter

Medienunternehmen, die unter massivem Veränderungsdruck stehen, nutzen besonders intensiv die Zusammenarbeit mit "Innovatoren", heißt es in der Studie, die auf den Axel Springer Verlag verweist. Dieser habe seine Digitaleinnahmen seit dem Jahr 2000 von 0 auf 70 Prozent des Umsatzes erhöht und sei zum größten digitalen Verlag Europas geworden.

Für die Studie wurden rund 190 große Unternehmen und 90 Start-ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Außerdem gab es über 30 Interviews mit Experten. Während 29 von 30 DAX-Firmen mit Start-ups zusammenarbeiten, sind es nur 9 der 20 ATX-Unternehmen. Unter österreichischen Familienunternehmen greifen hingegen 60 Prozent auf Innovationsvehikel zurück.

Service: Die Studie ist unter http://go.apa.at/Igg5rRug abrufbar.


Austrian Health Forum – KI wird zur Basistechnologie

 Erfolgversprechendster Bereich ist laut Experten das Gesundheitswesen Foto: APA (dpa)





Der gesellschaftliche Wandel ist derzeit vor allem Technologie-getrieben. Das Zentrum ist das Silicon Valley in Kalifornien. Dorthin strömen derzeit IT-Wissenschafter, Medizinforscher – und das große Geld, erklärte Thomas Schulz, "Spiegel"-Wirtschaftskorrespondent und Buchautor zum Thema KI und Medizin, beim Austrian Health Forum in Leogang.

"Die Künstliche Intelligenz wird zu einer Basistechnologie wie ehemals die Dampfmaschine oder die Elektrizität. Alles, was da interessant ist, spielt sich derzeit im Silicon Valley ab. Der größte Faktor ist dort das riesige Netzwerk. Jeder bringt Wissen mit, das geteilt wird. Was technologisch funktioniert und was nicht funktioniert, wird ausgetauscht. Sackgassen in technologischer Hinsicht fallen schnell auf. Als die Algorithmen aus den 1980er-Jahren 2013 auf den Computern als KI zu funktionieren begannen, dauerte es in Kalifornien vier Monate, bis alle daran arbeiteten. Es hat drei Jahre gebraucht, bis das in Mitteleuropa jemand aufgenommen hat", sagte der Journalist.

So disruptiv in Zukunft das autonome Autofahren für den Individualverkehr sein dürfte, das ganz große Geld – weil dort jetzt schon in den entwickelten Staaten ein ständig wachsender Teil des BIP einfließt – wird auf diesem Gebiet von Gesundheit und Medizin erwartet. "Da gibt es das Unternehmen Grail im Silicon Valley, das um die Ecke von Facebook per Liquid Biopsy (genetische Marker im Blut; Anm.) ein Krebs-Screening schaffen will. Wenn sich hundert Millionen Menschen einmal im Jahr untersuchen lassen und pro Patient zwei Terabyte Daten vorhanden sind, sieht man, was da bewegt werden soll. Der Gründer, ein ehemaliger Google-Manager, hat eine Milliarde US-Dollar Startkapital. Die zweite Milliarde ist auf dem Weg", schilderte Schulz.

Ein paar Schritte weiter finde sich "Organovo". Das Unternehmen versucht, Organgewebe aus dem 3D-Printer zu schaffen. Lebergewebe überlebt bereits zwei Monate, was zumindest die Anwendung in Experimenten erlaubt, schilderte der "Spiegel"-Korrespondent. Das erfolge mit 500 Millionen US-Dollar Risikokapital. Und der Chan Zuckerberg Biohub wolle mit 600 Millionen US-Dollar Finanzausstattung einen Bluttest auf alle möglichen Infektionen entwickeln. Der Unterschied zu Europa, wie Schulz erklärte: "Es hat sich dort ein unerhörter Forschungsoptimismus durchgesetzt. (...) Wir haben uns in Europa stark zum Skeptizismus entwickelt."

Demokratisierung der Forschung

Trotzdem, die neuen technologischen Möglichkeiten von Bioinformatik, Molekularbiologie, Next-Generation-Sequencing und Künstlicher Intelligenz zum Datenmanagement sind im Prinzip Werkzeuge, welche die Wissenschaft auch demokratisieren können. "In Schottland bemerkte man in einer kleinen Klinik an einer Patientin nach einer Hüftoperation, dass sie nach der Operation keine Schmerzmittel benötigte. Das war auch schon bei einer anderen Operation der Fall gewesen. Mit Genomsequenzierung hat man neue Mutationen festgestellt, die dafür verantwortlich sein könnten. Acht Wochen später waren schon Pharmaunternehmen da, welche nach möglichen Therapiezielen suchen wollen." Das Fazit: Modernstes Datenmanagement und Bioinformatik werden sich an viel mehr Orten als jetzt verbreiten und so zu einer Demokratisierung der Forschung beitragen.

Die Schnelligkeit der Entwicklung kann allerdings auch Gefahren bieten. "Neue Gentherapien werden von den Arzneimittelbehörden oft im Fast-Track-Verfahren zugelassen. Eine Nutzen-Risiko-Abschätzung ist da ausgesprochen schwierig", meinte der Journalist. Für solche Therapien werden aber von den Pharmakonzernen sofort Preise bis in die Millionen Euro hinein verlangt.

Digitalisierung: Wissenschafter und Politiker für "europäischen Weg"

Gemeinsames QR-Code-Format soll Smartphone-Zahlungen kompatibel machen. Foto: Blue Code International AG






Der österreichisch-schweizerische Bezahldienst Bluecode, der chinesische Zahlungsdienstleister Alipay und fünf weitere europäische Anbieter planen ein gemeinsames QR-Code-Format. Ziel der "Mobile Wallet Collaboration" sei es, Smartphone-Zahlungen zwischen den teilnehmenden Anbietern, Händlern und Ländern kompatibel zu machen, hieß es von Bluecode in einer Aussendung.

Mit an Bord sind neben Alipay und Bluecode die mobilen Bezahldienste Momo Pocket (Spanien), Pagaqui (Portugal), Vipps (Norwegen), sowie ePassi und Pivo (beide aus Finnland). Die Grundlage des QR-Codes ist das Contactless Gateway Code Protocol (CGCP), welches Alipay in vielen Ländern bereits einsetzt. Bluecode sei dabei rechtlich und technisch in der Lage, für seine europäischen Händlerbanken diese CGCP-Codes auszustellen und rein innereuropäisch abzuwickeln, so der mobile österreichisch-schweizerische Bezahldienst.

Alle Daten europäischer Bankpartner und Nutzer würden in Europa bleiben. Der QR-Code ist kompatibel für Alipay-Nutzer aus China, die auch in Europa unterwegs sind. Alipay hat rund 1 Milliarde Nutzer.

Für eine Zahlung mit Bluecode wird an der Kassa ein einmal gültiger QR-Code in einer App am Handydisplay gescannt. Der bezahlte Betrag wird dann vom verknüpften Girokonto abgebucht. Für den Benutzer ist die App gratis, das Unternehmen finanziert sich über Transaktionsgebühren. Die Bluecode-Gebühren sind laut Firmenangaben derzeit mit Bankomatgebühren vergleichbar, sollen später aber noch sinken.

Bluecode-Chef Christian Pirkner erwartet sich viel durch die Kooperation: "Die Mobile Wallet Collaboration ist ein wichtiger Schritt für die europaweite Harmonisierung von optischen Zahlverfahren." Man verbinde mehr europäische Händler mit mehr chinesischen Touristen, so Eric Jing, Vorstand und CEO von Ant Financial, der Alibaba-Tochter hinter Alipay. Die "Mobile Wallet Collaboration" soll in Zukunft auch auf weitere mobile Bezahldienstanbieter in Europa ausgedehnt werden.


Aus der Wissenschaft: 

Knochen aus dem 3D-Drucker 

Flüge werden rüttelärmer – durch eine neue Technologie, entwickelt an der TU Wien. Foto: TU Wien





Sie sind eine Qual für Menschen, die unter Flugangst leiden: Selbst große, schwere Flugzeuge werden von heftigen Turbulenzen kräftig geschüttelt. An der TU Wien wurde eine Technologie erfunden, mit der man die Auswirkungen von Turbulenzen auf Flugzeuge um 80 % reduzieren kann. Flugzeuge werden mit speziellen Sensoren ausgestattet und sobald eine Turbulenz erkannt wird, kann man mit Hilfe einer ausgeklügelten Regelungstechnik gegensteuern. Simulationen und Flugexperimente zeigen, dass die Stabilität der Flugbahn und somit der Komfort erheblich verbessert wird.

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