DBT Newsletter #11/2019

Social Bots lassen sich im Twitter-Dialog nicht entlarven

Wiener Forscher analysierten 4,4 Millionen Beträge Foto: APA (AFP)






Dem Phänomen, dass in Online-Diskussionen zunehmend automatisierte Programme – sogenannte Social Bots – mitmischen, haben sich Wiener Forscher in einer Studie angenommen. Ihr Ergebnis: Vor allem in der Direktkommunikation mit Twitter-Usern schwingen sich die Bots derart gut auf die Stimmung im Dialog ein, dass sie nicht mehr als Programme erkannt werden.

Das Forschungsteam um Ema Kusen und Mark Strembeck vom Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien analysierte im Rahmen ihrer im Fachjournal "Online Social Networks and Media" erschienenen Studie Daten von insgesamt 1,3 Millionen anonymisierten Twitter-Usern. Sie wählten dazu 24 verschiedene Ereignisse aus, zu denen diese User insgesamt 4,4 Millionen Beträge verschickten, deren Emotionsgehalt die Wissenschafter bewerteten.

Bots zielen auf Stimmungsumkehr ab

Die Diskussionsanlässe reichten von kontrovers geführten US-Wahlen bis zu positiven Ereignissen wie Thanksgiving. Social Bots, die menschliche Präsenz nur vortäuschen, lassen sich in diesem Zusammenhang mittels eigener von Forschern entwickelten Programme mittlerweile gut identifizieren. Stiegen diese in größere Online-Diskussionen ein, versuchten sie oftmals die dort vorherrschende Stimmungslage mit emotional anders gepolten Beiträgen zu drehen.

Auch gab es Versuche, Diskussionen mit polarisierenden, aber thematisch gar nicht dazu passenden Tweets zu kapern, indem etwa Pro-Trump-Beiträge in Umgebungen auftauchten, wo es um Thanksgiving ging. Während menschliche Nutzer in der Regel eher der Grundstimmung folgten, zielten die Bots hier also auf Stimmungsumkehr ab, so die Forscher.

Andere Strategie bei Direktkommunikation

In der Direktkommunikation zwischen Menschen und Programmen verfolgten diese aber andere Strategien: Wendeten sie sich direkt an jemanden, taten sie das sehr wohl in der allgemeinen Grundstimmung. "Social Bots sind in der Direktkommunikation anhand der Emotionen, die sie versenden, nicht mehr von Menschen zu unterscheiden", so Strembeck.

Angesichts der zunehmenden Befürchtungen, dass Social Bots stärker in der Meinungsmache rund um Urnengänge, wie der kürzlich zu Ende gegangenen EU-Wahl mitmischen, könnten die Ergebnisse "dazu beitragen, Social Bots in Zukunft zuverlässiger zu identifizieren. In verschiedenen Folgestudien, wird nun die Frage zu klären sein, warum sich das Verhalten von Social Bots beim Versand von Broadcast-Nachrichten vom Verhalten bei einer Direktkommunikation unterscheidet", sagte der Studienautor.

Service: https://doi.org/10.1016/j.osnem.2019.04.001


Ausgaben im Onlinehandel haben sich in 10 Jahren verdreifacht

 Interessenvertretung kritisiert erneut ungleiche Bedingungen Foto: APA (Punz)





Die Österreicher shoppen immer mehr online. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Ausgaben im Onlinehandel in Österreich von 2,4 auf über 7 Mrd. Euro verdreifacht, zeigt eine Untersuchung der KMU Forschung Austria. Die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben seien im Zeitraum 2008 bis 2018 von rund 1.000 auf 1.800 Euro pro Person gestiegen.

"Onlineshopping ist zum alltäglichen Einkaufsverhalten geworden", sagte Ernst Gittenberger von der KMU Forschung bei einem Pressegespräch. Ein Dorn im Auge der Interessenvertreter des heimischen Handels sei nicht das Onlineshopping an sich, aber dass die Mehrheit dieser Ausgaben ins Ausland zu Amazon, Alibaba & Co fließe, sagte Handelsobmann Peter Buchmüller.

Es sei "erschreckend", wie viele Europäer in China oder den USA bestellten, so Buchmüller. Im Vorjahr hätten 10 Prozent der Europäer, also etwa 55 Millionen Menschen, in China bestellt, berief sich der Branchenvertreter auf europäische Schätzungen. Rund 27 Millionen Menschen ließen sich Produkte aus den USA liefern.

Steuer erst ab einem Warenwert von 22 Euro fällig

Einmal mehr wurden die unterschiedlichen Bedingungen für heimische und ausländische Onlinehändler beklagt – etwa die Freigrenzen für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten. Ab 2021 gilt gemäß einer EU-Richtlinie eine Umsatzsteuerpflicht für alle Paket-Lieferungen aus Drittstaaten außerhalb der EU. Derzeit ist diese Steuer ab einem Warenwert von 22 Euro fällig, künftig schon ab dem ersten Cent. Die Branche hoffte auf das Ende der Freigrenze schon vor 2021 und nannte immer Schweden als Vorbild, wo die Abschaffung der 22-Euro-Grenze bereits vor über einem Jahr erfolgte.

Kritisiert wurden auch die unterschiedlichen Paketpostpreise. Während ein Paket von China nach Österreich 10,03 Euro koste, müsse man umgekehrt 31,48 Euro berappen. Erneut gefordert wurde die "digitale Betriebsstätte" zur Entrichtung der Ertragssteuern dort, wo Gewinne erwirtschaftet werden, sowie eine "Plattformhaftung", wonach Onlineplattformen für die konkrete Umsatzsteuer-Abfuhr haften.


Bluecode, Alipay und andere planen einheitlichen QR-Code

Gemeinsames QR-Code-Format soll Smartphone-Zahlungen kompatibel machen. Foto: Blue Code International AG






Der österreichisch-schweizerische Bezahldienst Bluecode, der chinesische Zahlungsdienstleister Alipay und fünf weitere europäische Anbieter planen ein gemeinsames QR-Code-Format. Ziel der "Mobile Wallet Collaboration" sei es, Smartphone-Zahlungen zwischen den teilnehmenden Anbietern, Händlern und Ländern kompatibel zu machen, hieß es von Bluecode in einer Aussendung.

Mit an Bord sind neben Alipay und Bluecode die mobilen Bezahldienste Momo Pocket (Spanien), Pagaqui (Portugal), Vipps (Norwegen), sowie ePassi und Pivo (beide aus Finnland). Die Grundlage des QR-Codes ist das Contactless Gateway Code Protocol (CGCP), welches Alipay in vielen Ländern bereits einsetzt. Bluecode sei dabei rechtlich und technisch in der Lage, für seine europäischen Händlerbanken diese CGCP-Codes auszustellen und rein innereuropäisch abzuwickeln, so der mobile österreichisch-schweizerische Bezahldienst.

Alle Daten europäischer Bankpartner und Nutzer würden in Europa bleiben. Der QR-Code ist kompatibel für Alipay-Nutzer aus China, die auch in Europa unterwegs sind. Alipay hat rund 1 Milliarde Nutzer.

Für eine Zahlung mit Bluecode wird an der Kassa ein einmal gültiger QR-Code in einer App am Handydisplay gescannt. Der bezahlte Betrag wird dann vom verknüpften Girokonto abgebucht. Für den Benutzer ist die App gratis, das Unternehmen finanziert sich über Transaktionsgebühren. Die Bluecode-Gebühren sind laut Firmenangaben derzeit mit Bankomatgebühren vergleichbar, sollen später aber noch sinken.

Bluecode-Chef Christian Pirkner erwartet sich viel durch die Kooperation: "Die Mobile Wallet Collaboration ist ein wichtiger Schritt für die europaweite Harmonisierung von optischen Zahlverfahren." Man verbinde mehr europäische Händler mit mehr chinesischen Touristen, so Eric Jing, Vorstand und CEO von Ant Financial, der Alibaba-Tochter hinter Alipay. Die "Mobile Wallet Collaboration" soll in Zukunft auch auf weitere mobile Bezahldienstanbieter in Europa ausgedehnt werden.

Bildtext: Gemeinsames QR-Code-Format soll Smartphone-Zahlungen kompatibel machen Foto: Blue Code International AG


Aus der Wissenschaft:

Schluss mit Turbulenzen beim Fliegen


Flüge werden rüttelärmer – durch eine neue Technologie, entwickelt an der TU Wien. Foto: TU Wien





Sie sind eine Qual für Menschen, die unter Flugangst leiden: Selbst große, schwere Flugzeuge werden von heftigen Turbulenzen kräftig geschüttelt. An der TU Wien wurde eine Technologie erfunden, mit der man die Auswirkungen von Turbulenzen auf Flugzeuge um 80 % reduzieren kann. Flugzeuge werden mit speziellen Sensoren ausgestattet und sobald eine Turbulenz erkannt wird, kann man mit Hilfe einer ausgeklügelten Regelungstechnik gegensteuern. Simulationen und Flugexperimente zeigen, dass die Stabilität der Flugbahn und somit der Komfort erheblich verbessert wird.

Mehr Infos


Service:

DBT-Blog | RIDING THE TRENDS WAVE

Markus Unterhofer, Senior Consultant BDO

Im 20. Jahrhundert war Veränderung noch in gewissem Maße plan- und absehbar. Im Digitalzeitalter des 21. Jahrhunderts passieren gravierende Veränderungen teilweise spontan und können dadurch massive Auswirkungen auf ganze Branchen und Wirtschaftszweige haben.

Wie kann dieser Informationsflut und dem schnellen Wandel langfristig begegnet werden? Welche Methoden können herangezogen werden um diese Veränderungen systematisch zu erfassen und Arbeitshypothesen für sein eigenes Geschäftsfeld abzuleiten?

Mit diesen Fragen beschäftige ich mich als Consultant intensiv. Durch die Mitarbeit an vielen spannenden Projekten konnte ich sie im Laufe des vergangenen Jahres bereits zum Teil beantworten.

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