DBT Newsletter #9/2019

Österreicher bei Künstlicher Intelligenz noch skeptisch

An der Schnittstelle Mensch-Maschine sind neue Kompetenzen nötig, Foto: APA (dpa)






Die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) schreitet international rasant voran. Österreich hinkt im OECD-Vergleich nach. Hier ist es um die Bereitschaft, intelligente Maschinen und Roboter zu nutzen, noch schwach bestellt. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture macht in den Betrieben ein hohes Maß an Unsicherheiten und Ängsten aus.

Welche Skepsis Investitionen in die digitale Infrastruktur hervorrufen können, ist in Österreich etwa am verbreiteten Widerstand gegen die Installation von "Smart Meter" (intelligenten Stromzählern) sichtbar. Das zeigt, wie hoch das Bedürfnis nach mehr Information und Mitsprache bei neuen Technologien ist, heißt es in der Studie. Künstliche Intelligenz müsse transparent und erklärbar sein, sagt Accenture-Österreich-Chef Michael Zettel. Wer Chatbots einsetzt, sollte klar darlegen, dass es sich um eine Maschine handelt.

Weil die Auftragsbücher voll sind, nehmen Firmen in Österreich das Thema Künstliche Intelligenz oft erst jetzt ins Visier, beklagen die Experten von Accenture. Nach einer Untersuchung von Boston Consulting befassen sich nur 42 Prozent der heimischen Unternehmen aktiv mit KI. Das sei vor Japan der zweitniedrigste Wert in der Umfrage, die sieben Länder umfasst. Nur 13 Prozent der heimischen Firmen sind tatsächlich Anwender. Viele verharrten im internationalen Wettrennen der neuen KI-Ökonomie somit noch vor der Startlinie.

Schicksal einer Lost Generation droht

"Das könnte sich rächen, denn an der Schnittstelle Mensch-Maschine müssen dringend neue Kompetenzen herangebildet werden", heißt es in der Accenture-Expertise im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Um aktuelle und künftige Studentengenerationen müsse man sich da wenig Sorgen machen. Bei ihnen seien Digitalisierungsjobs "in". Schwieriger werden könne es für jene Arbeitnehmer, die noch 20 oder 30 Jahre vor sich hätten. Ihnen drohe das Schicksal einer nicht mitgenommenen Lost Generation.

Dass den Österreichern durch zunehmende Automatisierung die Arbeit ausgeht, befürchten das Wirtschaftsministerium und die Berater nicht. Eine Studie des Instituts für Höhere Studien sah zuletzt 9 Prozent der Arbeitsplätze in Österreich durch Automatisierung in Gefahr. Das wäre ein geringerer Wert als die Prognose der OECD von 14 Prozent für die Industrieländer. Die Digitalisierungsexperten sehen zugleich neue Jobs entstehen. Österreich könnte sich sogar als Testmarkt für bestimmte Anwendungen etablieren.

Weltweit erst 22.000 promovierte KI-Experten

Die Regierung will 2020 einen Lehrberuf mit Schwerpunkt "KI" einführen, der idealerweise auf einer vorherigen AHS-Matura aufsetzt. An heimischen Universitäten ist das Thema schon länger angekommen. Weltweit gibt es der Studie zufolge zur Zeit übrigens nur 22.000 promovierte KI-Experten.

An Einsatzmöglichkeiten fehle es nicht, auch in Sektoren wie der Landwirtschaft: autonome Mähdrescher, Melkmaschinen, die nicht nur Kühe melken, sondern auch alle Daten zur Milch liefern, oder Sensoren für die Tiergesundheit. Der Agrarsektor hat in Österreich laut Fachleuten nach Industrie/Produktion und Handel am meisten Potenzial für KI-Anwendungen. Auch die Bauern nutzten zwar zunehmend Apps, zögerten aber, die Daten mittels KI zur intelligenten Betriebsführung zu verwenden. Der Bund plant nun eine "Innovation Farm", einen digitalen Muster-Bauernhof, auf dem interessierte Landwirte neue Technologien in der Praxis erleben können.


Mobiles Zahlen wird langsam beliebter

Misstrauen gegenüber Technologieriesen ist noch groß, Foto: APA (dpa)





Österreicher lieben traditionell ihr Bargeld und sind bei Zahlungen im Internet sowie am Handy eher zurückhaltend. Inzwischen setze sich das mobile Zahlen aber doch langsam durch, schreibt die Beratungsfirma PwC unter Berufung auf ihre Umfrage "Mobile Payment Report 2019". Demnach zahlt fast die Hälfte der unter 30-Jährigen bzw. ein Drittel aller Österreicher zumindest fallweise via Handy.

Auch die Bereitschaft, in den nächsten Jahren einmal mobile Zahlungsmittel zu nutzen, ist gestiegen. PwC geht nach der Auswertung der Befragung von 500 Österreichern davon aus, dass sich innerhalb von fünf Jahren mobiles Zahlen verdoppeln wird. Vorerst bleibt das aber eine Ergänzung zu klassischen Zahlungsmethoden, die von praktisch allen Befragten weiter verwendet werden. Bargeld und Bankomatkarte dürften auch in einigen Jahren noch für 90 Prozent eine wichtige Rolle spielen.

Wie auch in Deutschland und der Schweiz wird in Österreich an ehesten beim Kauf von Kleidung, Schuhen und Accessoires per Smartphone gezahlt. Auch das Überweisen von Geldbeträgen an andere Personen ist beliebt. Bahntickets sowie Rechnungen in Restaurants, Bars und Hotels dürften bald folgen.

Handyverlust dramatischer als gestohlene Geldbörse

Sorgen machen sich die Konsumenten über die Sicherheit des mobilen Zahlens. Die Angst, dass das Handy gestohlen wird, ist größer, als die Angst vor einem Diebstahl der Geldbörse. Gerade in deutschsprachigen Ländern ist das Misstrauen wegen Unsicherheiten bei Zahlungen besonders verbreitet. In Österreich fürchten rund drei Viertel der Befragten, dass ihr Handy gestohlen und eine missbräuchliche Zahlung ausgelöst wird, dass ihre Identität gestohlen wird oder dass das mobile Zahlen sie zu unüberlegten Einkäufen verführt. Drei Viertel wollen ihre Zahlungen im Internet über ihre lokale Bank abwickeln und nicht über zwischengeschaltete Firmen wie Paypal.

Die Österreicher sind nicht nur skeptisch in Bezug auf die künftige Nutzung von mobilen Bezahldiensten, sie misstrauen auch den Technologieriesen: Weniger als die Hälfte (44 Prozent) möchte, dass Google, Amazon, Facebook und Apple eigene Zahlungsdienste entwickeln. Nur wenige würden diesen Firmen gerne persönliche Daten anvertrauen. Das größte Vertrauen unter den vier Firmen genießt bei den Österreichern Amazon.



Regierung will Bedingungen für Start-ups verbessern 






Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) will die Voraussetzungen für Start-ups verbessern. Sie plant, in der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) statt Gründer- und Mittelstandsfonds einen "Digitalisierungs- und Wachstumsfonds" mit 100 Mio. Euro zu schaffen. Dieser soll weitere 500 Mio. Euro privates Risikokapital mobilisieren und so "mindestens" 600 Mio. Euro Risikokapital aufbringen.

In den vergangenen Jahren gab es für Risikokapital nur rund 100 Millionen Euro, hält Schramböck in ihrem Vortrag an den Ministerrat zu ihrer „Start-up-Initiative" fest. Für die ersten Schritte von Start-ups gebe es schon Förderungen, besonderer Mangel bestehe bei Finanzierungsrunden ab rund ein bis zwei Millionen Euro. Da junge Unternehmen oft keine Sicherheiten für Kreditfinanzierungen aufbringen könnten, sollen aws-Garantien einspringen. Innovative Unternehmen sollen Garantien direkt bei der aws einreichen können, auch ohne vorherige Kreditzusage einer Bank.

Start-up-Hubs sollen Lehrlinge ausbilden

Die Bundesregierung soll nach Vorstellung Schramböcks auch für Neugründungen einen Raum mit vereinfachter Regulierung ("Regulatory Sandboxes") schaffen. Ein Pilotprojekt in diese Richtung für FinTechs ist bereits in Begutachtung. Weiters sollen Start-ups dabei unterstützt werden, Lehrlinge aufzunehmen und damit ihre Fachkräfte selber auszubilden. In Überlegung sind "Start-up-Hubs in Ausbildungsverbünden mit mehreren Start-ups", um gemeinsam Lehrlinge aufzunehmen und auszubilden. Die beteiligten Hubs und Unternehmen sollen sich einen Lehrberechtigten auswählen und die Kosten des Lehrlings teilen.

Weitere Maßnahmen wie eine Flexibilisierung der Rechtsformen für Gründer und steuerliche Anreize für Risikokapital werden evaluiert, über eine Umsetzung wird noch nachgedacht.



Aus der Wissenschaft:

Es gibt immer eine Lösung

Kurbelwelle, Foto: TU Wien






Egal ob man den Crashtest eines Autos simulieren oder das Strömungsverhalten von Gasen berechnen möchte – für fast jedes produzierende Unternehmen sind große, effiziente Computersimulationen heute unverzichtbar. Gerne wird dabei die Finite-Elemente-Methode eingesetzt, ein extrem mächtiges und vielseitiges Rechenverfahren. An der TU Wien wurde das Programmpaket „NGSolve“ entwickelt, das mit stets aktualisierten Algorithmen auf dem neuesten Stand der mathematischen Forschung ist. Damit lassen sich auch komplizierte Aufgaben lösen, bei denen man unterschiedliche physikalische Effekte miteinander verbinden muss.


Mehr Infos


Service:

DBT-Blog | Wirtschaftsschutz geht uns alle an! – Teil 1

Lorenz Szabo, Manager BDO IT & Risk Advisory GmbH

„Wirtschaftsschutz“ klingt für österreichische Ohren altbacken und erinnert fern an „Wach- und Schließgesellschaften“. Wirtschaftsschutz klingt nach Risikomanagement, ist aber weit mehr. Wir verwenden den in Deutschland etablieren Fachbegriff ganz bewusst, weil übergreifende Sicherheitsthemen aus den Cyber- und physischen Dimensionen verbunden und über einen Zeitraum betrachtet werden. Wie ist das mit den Dimensionen zu verstehen? Der erste Angriff auf ein Unternehmen oder eine Organisation findet in der Cyber-Dimension statt. Die Auswirkungen hingegen finden in physischen Dimensionen mit leichten bis schweren Folgen auf ökonomische und soziale Dimensionen statt. Ein Beispiel dafür liefert die amerikanische Bundesbehörde F.B.I.[1]: So sind Überfälle auf Bankfilialen über einen Zeitraum von 14 Jahren von 6.530 (im Jahr 2003) auf 2.707 (im Jahr 2018) zurückgegangen. Gemäß einem Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds[2] finden Cyber-Angriffe auf Zentralbanken seit 2010 statt, Cyber-Angriffe auf Crypto-Währungs-Börsen seit 2013 und Cyber-Angriffe auf elektronische Zahlungssysteme (SWIFT) seit ca. 2015 statt. Auch bei Banküberfällen ist somit der Trend zur Digitalisierung zu erkennen!


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