DBT Newsletter #8/2019

Apple Pay in Österreich gestartet

Mobile Bezahldienste sind auf einem rasanten Vormarsch, Foto: APA (AFP)






Der amerikanische Elektronikriese Apple hat seine Bezahlfunktion „Apple Pay“ in Österreich freigeschaltet. Kunden können damit in Geschäften mit dem iPhone oder der Apple-Watch bezahlen. Dafür muss eine Kreditkarte oder Bankomatkarte einer Bank auf dem Smartphone „hinterlegt“ werden. Vom Start weg ein österreichischer Kooperationspartner ist die Erste Bank mit den Sparkassen. 

Bisher ist Apple mit seinem Bezahldienst in mehr als einem Dutzend Länder Europas aktiv. In Deutschland wurde 2018 gestartet. Dort ist unter etlichen anderen (darunter Deutsche Bank oder HVB) auch die Onlinebank N26 dabei. Mit der Österreich-Freischaltung des Apple-Dienstes kam auch der Österreich-Ableger von N26 hinzu, allerdings nur mit Debitkarten. Voraussetzung sind Kassen bzw. Terminals in Geschäften, Restaurants, Taxis oder an Verkaufsautomaten, die für kontaktloses Bezahlen eingerichtet sind, sowie Apple-Geräte (Handy, Smartwatch, Tablet) die für biometrische Erkennungsverfahren ausgestattet sind. Die Zahlung selbst – mit einem einmaligen und spezifischen Sicherheitscode autorisiert – wird mittels Gesichtserkennung bzw. Fingerprint bestätigt und abgeschlossen. 

In Tschechien hat die Erste Group Apple Pay bei der Tochter Ceska Sporitelna schon im Februar eingeführt. Dort habe dies „sensationell eingeschlagen“, erklärte Erste-Bank-Vorstand Thomas Schaufler. Auf Sicht sollen alle anderen mittel- und osteuropäischen Länder im Erste-Bankennetzwerk folgen. Laut Schaufler können im Fall von Erster Bank und Sparkassen ihre Kunden „alle Karten hochladen, die sie haben – auch Zusatzkarten für Kinder. Wir schreiben da nichts vor“. Das umfasst sowohl Kreditkarten (wie Visa, Mastercard) als auch Bankomatkarten (Maestro). In der Wallet könnten die Karten auch gewechselt werden – indem etwa kleine Beträge mit Bankomatkarten, größere aber mit der (digitalen) Kreditkarte beglichen würden. Kartennummern werden weder auf dem Gerät noch auf den Apple-Servern gespeichert. Auch Geldbehebungen sind via Apple Pay an den Bankomatkassen machbar. 

Zahlreiche weitere Anbieter

Die Liste der teilnehmenden Banken bei Apple Pay dürfte bald länger werden. Die Bank Austria als größte Bank im Land wird nach Angaben eines Sprechers im Laufe des Jahres mit dem Dienst auf den Markt kommen. Beim Start in Deutschland Ende 2018 war die Bank-Austria-Schwester Hypovereinsbank/UniCredit Bank AG eine der ersten deutschen Kooperationspartner von Apple im Nachbarland. Auch die Mailänder Bank Austria- und HVB-Konzernmutter UniCredit unterstützt kontaktlose mobile Kartenzahlungen über Apple Pay. Österreich gilt zwar als „Bargeldland“, trotzdem arbeiten alle Banken an mobilen Bezahldiensten. Von 65 Millionen Bezahltransaktionen im Jahr werden bei der Ersten 49 Millionen mit Bankomatkarten abgewickelt, davon zuletzt schon 70 Prozent kontaktlos, hieß es bei einer Pressekonferenz in Wien. 

Wieviel von den Kartengebühren an Apple abzuführen ist, bleibt Geschäftsgeheimnis. Andere neue Finanzdienstleistungen von Apple zu nutzen, ist in der Ersten kein Thema. Das sei überhaupt ein Mythos, meinte Erste-Group Vorstand Peter Bosek. Dass Apple selbst irgendwann den Bankingsektor betritt, glaube er nicht. Vor wenigen Wochen erst hat Apple indes eine Kreditkarte gemeinsam mit Goldman Sachs angekündigt. Aus Sicht des Handyherstellers schwingt die Erwartung mit, dass ein Wechsel des Smartphones umso schwerer fällt, je mehr Dienstleistungen darauf vertreten sind.


Registrierungspflicht für Foren-Poster: Zahlreiche Bedenken

Maßnahme soll unter anderem gegen Hasspostings im Internet wirken, Foto: APA (dpa)




Die von Türkis-Blau geplante Registrierungspflicht für Nutzer von Online-Foren ruft bei Experten rechtliche und technische Bedenken hervor. Technologierechtsexperte Nikolaus Forgo etwa bewertet den vorliegenden Gesetzesentwurf als „insgesamt schlecht gemacht“. Die Mobilfunker wiederum sehen sich durch den Entwurf nicht berührt und verweisen auf eine Möglichkeit der Identifikation per Handy. 

Sowohl T-Mobile als auch A1 und „Drei“ bringen auf Anfrage der APA einen durch den Branchenverband „GSMA“ technisch standardisierten Dienst „Mobile Connect“ aufs Tapet, an dem die Netzbetreiber arbeiten. Derzeit gebe es aber in Österreich keinen Anbieter, der diesen Dienst im Programm habe. Dabei funktioniert das Log-in über eine Handynummer und SMS. Mittels Bestätigung eines auf die Nummer geschickten Links erlaubt man dem Netzbetreiber die verschlüsselte Übermittlung einer anonymisierten Kundenreferenznummer an den Portalbetreiber. Damit wird der Kunde auf dem entsprechenden Portal eingeloggt. Ob diese Art der Identifikation per Handy geeignet ist, die im Gesetzesentwurf vorgesehene Identifikation vorzunehmen, bedürfe aber einer rechtlichen sowie technischen Prüfung, hieß es. 

Die Grundrechts- und Datenschutz-NGO epicenter.works sieht in den Telekombetreibern den „logischsten“ Weg für die Identifikation von Usern mit österreichischen Rufnummern. „Wahrscheinlich“ werden die Mobilfunker diese aber nicht gratis zur Verfügung stellen. Auch gebe es eine SIM-Kartenregistrierungspflicht und dazugehörige Schnittstellen zur Identifikation nicht in allen EU-Ländern. Es wäre aber unionsrechtswidrig, EU-Bürger mit fremden Rufnummern von einem österreichischen Online-Dienst auszusperren, so die Argumentation. Und eine Identifikation wie bei Car-Sharing-Diensten über einen Führerschein oder Reisepass würde wohl im unteren zweistelligen Bereich pro identifiziertem Nutzer kosten. 

Unionsrechtliche Bedenken äußerte auch Technologierechtsexperte Forgo, da der Gesetzesentwurf womöglich gegen die E-Commerce-Richtlinie verstoße. Konkret gegen das Herkunftslandprinzip, wonach sich die rechtlichen Anforderungen an einen Anbieter nach dem Recht seines Sitzstaates richten, so der Experte. Demnach dürfe man Betreiber nicht zusätzlichen Anforderungen unterwerfen. Auch gebe es durch das Gesetz einen Eingriff in die Grundrechte auf Achtung des Privatlebens und Schutz personenbezogener Daten. Gerade beim Thema Datenschutz sei die Datenminimierung ein „wichtiger Grundsatz“. „Mir ist auch nicht klar, wie man die Identifizierung sicherstellen kann, ohne dass gigantische Mengen an personenbezogener Daten gespeichert werden.“ 

„Gigantischer Schuss ins Knie“

Zudem stelle sich die Frage, ob die Maßnahme verhältnismäßig und geeignet ist, das gesetzte Ziel, Straftaten wie üble Nachrede oder Beleidigung einzudämmen, zu erreichen, so Forgo: „Das bezweifle ich.“ Denn auch derzeit werden viele Verstöße unter Klarnamen begangen. Als Beispiel führte er den Fall der Ex-Grünen Sigrid Maurer an. Zudem stelle sich die Frage, ob sich große internationale Konzerne an die Regelung eines kleinen Staates wie Österreich halten werden. Vielmehr befürchtet der Experte in diesem Zusammenhang einen „gigantischen Schuss ins Knie“. Und kleine regionale Polit-Foren wie auf „derStandard.at“ müssten sich wohl nicht zuletzt wegen der angedrohten Strafen und des Verwaltungsaufwands überlegen, ob das Betreiben eines Forums wirtschaftlich sei. Als Konsequenz werde die viel zitierte Medienkonzentration weiter zunehmen.

 

Auch sei die im Gesetzestext vorgesehene Differenzierung, warum lediglich Anbieter, die eine gewisse Größe erreichen (100.000 User, 500.000 Euro Jahresumsatz oder 50.000 Euro Presseförderung) sachlich nicht begründbar. „Warum sollte die Gefahr von übler Nachrede oder Beleidigung auf Foren, die nicht darunter fallen, geringer sein“, meinte Forgo. Darüber hinaus stelle sich noch ein „prinzipielles Problem“. Denn viele Foren würden gerade von der Anonymität leben, wie etwa eines für anonyme Alkoholiker. Dort könne es unter Umständen für User wichtig sein, anonym zu bleiben. Bei der Medienbehörde KommAustria, die als Aufsichtsbehörde fungieren soll, wollte man den vorliegenden Gesetzestext nicht kommentieren.



EU-Wahl: Wie Roboter im Internet Meinung machen

Soziale Medien spielen im Wahlkampf eine wichtige Rolle, Foto: APA (AFP)






Die Frisur sitzt, aber der Schal bereitet Probleme. Reza Kazemi zupft sich hektisch am roten Kaschmir, den er zu Hemd und offenem Sakko trägt. Gleich soll sein Vortrag über politische Kampagnen im Internet beginnen. Die Zuhörer in einem kleinen Konferenzraum des Brüsseler Europaparlaments warten bereits. 

Kazemi nennt sich „Spin-Doctor“ – ein Politikberater, der Aufträge von Parteien annimmt. Sein Job: Menschen zum richtigen Kreuzchen zu bewegen. Und das, sagt er, gehe heute weniger über Werbespots, Plakate und Prospekte als durch Relevanz in sozialen Medien. Computer-gesteuerte Debatten können Wahlkämpfe ins Trudeln bringen; die Abwehr digitaler Angriffe bereitet überall Kopfzerbrechen. Denn ja, meint der Politik-Experte, im Internet herrsche ein Kampf um die Meinungsmacht, oft mit unsauberen Mitteln. Die Abgeordneten des EU-Parlaments, die gekommen sind, lauschen Kazemis Vortrag gespannt. Sie tagen zu einem Phänomen, das kurz vor der Europawahl Ende Mai viele Politiker in Brüssel verunsichert. Bots und künstliche Intelligenz – von den Begriffen haben sie alle schon gehört. Aber welche Bedeutung könnten sie für den Wahlkampf zwischen Lissabon und Helsinki haben? 

Kazemi erinnert an einen Tag im Sommer 2015, als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Account im sozialen Netzwerk Instagram eröffnete. Es dauerte nur wenige Stunden, bis sich russische Internet-Trolle auf ihrer Seite austobten. Fake-Nutzer schrieben unzählige Kommentare wie „I love Putin“ und „Putin is the best“. Außerdem beleidigten sie Merkel. Die Bundesregierung musste das Konto vorübergehend offline nehmen. Mittlerweile sind die Hetzkampagnen in den Kommentarspalten deutlich ausgefeilter – und sie können jeden treffen. „Ein Troll ist ein Mensch hinter einer Software“, erklärt Kazemi. Oft stammten die Angriffe aus sogenannten Troll-Fabriken in Russland. Rund um die Uhr arbeiteten hier Tausende Menschen und steuerten unzählige Social-Media-Profile von Menschen, die gar nicht existierten. Die sogenannten Social Bots agierten dann automatisiert.  

„12 Menschen können so den Eindruck erwecken, als hätten 25.000 Menschen etwas geteilt“, sagt Kazemi. Das wiederum führe zu großer Aufmerksamkeit – letztlich auch in den etablierten Medien. Auch Paul Lukowicz ist an diesem Abend ins Europaparlament gekommen. Der 51-Jährige ist Leiter des Forschungsbereiches Eingebettete Intelligenz am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. „Als ich ein junger Mann war, musste man, um nationale Aufmerksamkeit zu bekommen, zu einer Zeitung gehen. Da war ein Filter, der darüber bestimmt hat, wer Aufmerksamkeit bekommt“, erinnert er sich. Heute sei das anders. Im Internet lasse sich mit der richtigen Technik Relevanz für etwas generieren, das bisher zu Recht als völlig irrelevant gelte. 

Zukunft bringt verstärkte Kommunikation mit Bots

Allerdings, so Lukowicz, dürften Bots keineswegs nur verteufelt werden. „Interessant ist doch, dass wir in unserer Meinungsbildung entscheidend auf Bots angewiesen sind – nehmen Sie das Beispiel Google.“ Auch Suchmaschinen seien Bots, die sich durch das Netz wühlten und auf Basis von Algorithmen nach Relevantem suchten. In Zukunft, meint Lukowicz, würden wir noch viel stärker mit Bots kommunizieren. „Es geht also nicht darum, das Phänomen zu verweigern, sondern es so auszugestalten, dass es keinen Schaden verursacht.“ Genau über eine solche Gestaltung wird in Brüssel seit Monaten diskutiert. Denn die Sorge vor manipulativen Kampagnen ist vor der Europawahl besonders groß. Unter dem Schlagwort Desinformation machen sich die EU-Institutionen darüber Gedanken, wie gegen die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Informationen vorgegangen werden könnte. 

Bereits im Dezember stellte die EU-Kommission einen Aktionsplan gegen Propaganda im Internet vor. Das Budget einer 2015 eingerichteten Task Force gegen russische Einflussnahme wurde verdoppelt und ein Schnellwarnsystem, über das EU-Staaten Manipulationsversuche melden können, auf den Weg gebracht. Außerdem verpflichteten sich Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube, Social Bots zu kennzeichnen oder zu löschen. Wie viel dies nützen wird, ist unklar. Berater Kazemi jedenfalls zeigt sich unbeeindruckt. Solange der Meinungskampf in den Foren ungezügelt weitergeht, entwickelt er für seine politischen Mandanten eigene Lösungen. „Wir bauen Bots, die andere Bots zerstören“, erklärt er und klingt ein bisschen stolz. Seine Firma setze Fake-Profile ein, die darauf programmiert seien, Facebook andere Bots zu melden. Dann erkenne das Netzwerk fremde Bots wie auch eigene – und lösche am Ende alle. 

Von Janne Kieselbach/dpa



Aus der Wissenschaft:

Die menschliche Stimme aus dem Computer

Grundlagenforschung für den Mobilfunk von morgen, Foto: TU Wien






Wie die bemerkenswerte Vielfalt an Lauten entsteht, die unser Stimmapparat ermöglicht, ist wissenschaftlich schwer zu beschreiben. An der TU Wien wird nun in Kooperation mit der Uniklinik Erlangen ein Computermodell entwickelt, das den Stimmbildungsprozess simulieren kann. So soll es möglich werden, vorherzuberechnen, ob bei Menschen mit Sprechproblemen Operationen hilfreich sein könnten oder nicht.

Mehr Infos


Service:

DBT-Blog | Die Generation Z – das bekannte Wesen

Niklas Wiesauer, Mindshare

Im Jahr 2020 werden sie mehr als 40% der globalen Konsumenten ausmachen und schon heute attestiert man ihnen eine kollektive Kaufkraft von rund 44 Milliarden Dollar. Es sind sogar 600 Milliarden Dollar, wenn man den Einfluss auf Haushaltsausgaben miteinrechnet, der daher rührt, dass so viele von ihnen tatsächlich noch zuhause wohnen. Die Rede ist von Generation Z, also all jenen jungen Menschen, die nach 1995 geboren wurden – und die riesengroße Fragezeichen in die Gesichter von Marketingverantwortlichen zaubern.

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