DBT Newsletter #08/2018

 

Mobilfunker für 5G-Ausbau bis 2025 zuversichtlich

Vollversorgung ist bei entsprechenden Rahmenbedingungen machbar, Foto: APA (AFP)






Beim Ausbau der nächsten Mobilfunkgeneration (5G) und der Glasfaser-Infrastruktur sind sich die Chefs der drei großen heimischen Telekom-Firmen einig. Eine flächendeckende Versorgung mit 5G bis 2025 ist möglich, wenn die Regierung die Rahmenbedingungen entsprechend setzt. Glasfaser muss breiter ausgerollt werden als jetzt, aber nicht unbedingt bis in jedes Haus im Land.

Bei einer Enquete über den Glasfaserausbau in der Wirtschaftskammer waren Marcus Grausam (A1 Telekom Austria), Andreas Bierwirth (T-Mobile Österreich) und Jan Trionow (3/Hutchison) praktisch in allen Punkten einer Meinung. „Die Vollversorgung mit 5G bis 2025 ist machbar. Es hängt nur von den Rahmenbedingungen ab“, formulierte es Trionow. Beim vorigen Standard 3G (UMTS) habe es von der Frequenzvergabe bis zum Vollausbau sieben Jahre gedauert, beim aktuellen 4G (LTE) zwei bis fünf Jahre. Da sei es bei einer Frequenzvergabe heuer im Herbst „im Prinzip möglich“, bis 2025 den 5G-Ausbau zu schaffen.

Drei Milliarden Euro dürfte der Ausbau von 5G kosten, acht Mrd. der Glasfaserausbau. Die Umsätze der Branche seien aber „flach bis fallend“. Da müsse ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, der mehr Kooperation der Netzbetreiber wie auch der Mobilfunker und der öffentlichen Hand bringt, sind sich Trionow, Grausam und Bierwirth einig. Grausam verwies darauf, dass das Gesetz derzeit beim Teilen von Funkmasten Hindernisse in den Weg lege. „Wenn man Anreize schafft zu kooperieren, gewinnen alle.“ Die drei Firmenchefs weisen aber auch darauf hin, dass die Investitionskraft ihrer Firmen davon abhänge, dass die Frequenzen nicht zu teuer verkauft werden.

Infrastruktur für alle

Förderungen seien sinnvoll, müssten aber gut überlegt fließen. Wenn eine Infrastruktur gefördert wird, dann sollte sie danach auch allen zur Verfügung stehen (open access), sind sich die drei Manager einig. Für den Ausbau in der Seestadt (Wien) brauche es sicher keine Unterstützung, so Bierwirth, „jeder baut dort 1 Gigabit“. Im ländlichen Raum, wo 5G schon alleine deshalb ausgebaut werden müsse, damit beim Autofahren die Verbindung nicht abreißt, werde der neue Standard automatisch eine gute Abdeckung mit sich bringen. Gerade einmal in Gewerbegebieten sei wohl ein Glasfaseranschluss nötig, um Industrie 4.0 zu ermöglichen.

Der Löwenanteil des Bedarfs nach großer Bandbreite entfällt auf Bewegtbild, wobei 70 Prozent von Youtube kommen. „Wir bauen ein Netz für Youtube“, so Bierwirth. Besonders schnelle Verbindungen brauchten auch noch die Live-Gamer. Da müsse man sich überlegen, ob man wirklich das „nicht lineare Fernsehen“ und Spieler mit öffentlichen Geldern fördern wolle – oder nicht doch das knappe Geld lieber in Schulen oder die Gesundheit investiere.

Streaming wird mobiler

Glasfaser und 5G seien zweifelsfrei beide parallel nötig, ergänzte Grausam. Glasfaser müsse dabei so weit gehen, wie es wirtschaftlich ist. Am flachen Land sei es wohl sinnvoller, die benötigte Bandbreite über 5G zur Verfügung zu stellen. Die Kunden würden schließlich die Versorgung mit breitbandigem Internetzugang nachfragen – und nicht eine Glasfaser. Dazu komme, dass man heute noch „zu sehr am fixen Punkt orientiert“ sei. Noch falle der Großteil der Nachfrage beim Streaming von Videos zu Hause an, schon bald werde das mobil von unterwegs sein, nicht zuletzt mit dem Aufkommen autonomer Autos.

Glasfaser ist wichtig, auch um Daten von den Funkstationen weiterzuleiten, aber es gibt auch schon viel, verwies Grausam auf das eigene Netz von bald 50.000 Kilometern und Angebote von ÖBB, Asfinag oder Energieversorgern. Was wirklich in wenigen Jahren benötigt wird, könne man heute vermutlich nicht einschätzen, schlug Bierwirth in die gleiche Kerbe. Vor einem Jahr habe allgemein die These gegolten, dass die Funkantennen bei 5G nur 200 Meter weit reichen. „Heute sagen Hersteller in China schon ganz etwas anderes“, die Technologiesprünge seien „dramatisch“. Das mache die Arbeit so schwer, da das Zukunftsmodell nicht genau vorhersagbar sei.


Digitaler Wandel verändert vor allem Wirtschaft und Industrie

Arbeitsplatzverluste sind laut Experten unausweichlich, Foto: APA (dpa)





Die digitale Transformation wird praktisch alle Gesellschaftsbereiche beeinflussen. Insbesondere Wirtschaft und Industrie werden in den nächsten fünf Jahren große Veränderungen erfahren und Arbeitsplatzverluste unvermeidlich sein. Das sagten Experten in einer Delphi-Studie der Technischen Universität (TU) Wien über Auswirkungen des digitalen Wandels.

Das Centre for Informatics and Society (CIS) der TU Wien hat für das Prognoseverfahren 32 Experten aus Europa, Asien und Nordamerika befragt. Es wollte wissen, welche Gesellschaftsbereiche in Zukunft von der digitalen Transformation betroffen sein werden, welche Auswirkungen sie auf die globalen Herausforderungen haben wird, welche Problemfelder sich dadurch auftun und welche Technologien die größte Rolle spielen. Digitale Transformation wurde dabei für die Studie definiert als „Veränderungsprozess der Gesellschaft, ausgelöst durch die Entwicklung digitaler Technologien, welche Informationen verbreiten, verarbeiten, teilen und übertragen“, wie Studienautor Florian Cech erklärte.

Bei keinem der abgefragten Gesellschaftsbereiche erwarteten die Experten keine oder nur geringe Umbrüche durch die digitale Transformation. An der Spitze standen Wirtschaft und Industrie, wo in den nächsten fünf Jahren die größten Veränderungen erwartet werden. Vor allem Automation und Industrie 4.0 seien dort die Treiber. Einig waren sich die Experten auch, dass Arbeitsplatzverluste durch die digitale Transformation unausweichlich seien, unterschiedliche Ansichten gab es aber über das Ausmaß und wie schnell die Verluste eintreten.

Gefährdung der Privatsphäre

Bei den Problemfeldern erachteten die Experten vor allem die Gefährdung der Privatsphäre und die Computersicherheit als „sehr wichtig“. Für die Befragten sei die Aufklärung der Bürger wichtig, es gebe aber kein allumfassendes Modell, wie man die Privatsphäre online sicherstelle, sagte Cech. „Technokratische Problemlösung wird als Irrweg angesehen“, so der Studienautor, es herrsche Übereinstimmung, dass man Probleme nicht nur technisch lösen könne und man auf den Menschen nicht vergessen dürfe.

Uneinigkeit herrschte zwischen den befragten Experten hinsichtlich des Einflusses der digitalen Transformation auf Regierung, Politik und Verwaltung. Auf der einen Seite wurde argumentiert, dass der Wandel massive Einflüsse haben werde, als Beispiele wurden Fake News und zielgerichtete politische Propaganda genannt. Auf der anderen Seite wurde die Trägheit politischer Systeme ins Spiel gebracht, wobei die dadurch verursachte Verlangsamung durchaus positiv gesehen wird.

Politik schlägt Technologie

„Überrascht hat uns Techniker mit Informatik-Hintergrund in der Studie, dass nach Expertenmeinung die globalen Herausforderungen von der digitalen Transformation nicht primär beeinflusst werden“, sagte die Vorsitzende des CIS-Beirats, Hilda Tellioglu, gegenüber der APA. Digitale Technologien hätten zwar durchaus das Potenzial, Herausforderungen wie globale Migration, Klimawandel oder Ressourcenmangel positiv oder negativ zu beeinflussen. Der politische Wille sei jedoch ein wesentlich größerer Einflussfaktor als die Existenz der Technologien an und für sich.

Als einflussreichste Technologien in den kommenden fünf Jahren nannten die Experten mit hoher Übereinstimmung Machine Learning und Big Data mit „sehr starkem Einfluss“ sowie Automation, Industrie 4.0, Social Media, Internet of Things und ein ubiquitärer Internetzugang mit „starkem Einfluss“. Dagegen wird Gebieten wie Quantum Computing und Bio-Engineering ein vergleichsweise geringer Einfluss zugeordnet, weil diese entweder noch zu unausgereift wären oder ihre Wirkung mehr von politischen Umständen als vom Potenzial der Technologien selbst abhänge.

Service: http://cisvienna.com/


Wiener Firma verbindet Eye-Tracking und Augmented Reality

Viewpointsystem erhält 2,3 Mio. Euro EU-Förderung, Foto: Viewpointsystem





Für die Verbindung von Blickerfassung (Eye-Tracking) mit computergestützter Erweiterung der Wahrnehmung (Augmented Reality) erhält das Wiener Unternehmen Viewpointsystem 2,3 Mio. Euro EU-Förderung. Die Firma vertreibt bereits Eye-Tracking-Brillen und will im Projekt „Digital Iris“ nun „die digitale Umwelt mittels Eye-Tracking steuern“, so Firmenchef Nils Berger vor Journalisten.

Viewpointsystem war im KMU-Instrument des EU-Forschungsprogramms „Horizon 2020“ erfolgreich. Diese Förderschiene sei mit einer Erfolgsquote von 6,8 Prozent extrem kompetitiv, österreichische KMU mit 10,5 Prozent genehmigten Anträgen aber überdurchschnittlich erfolgreich, sagte Andrea Höglinger von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Insgesamt hätten bisher 73 österreichische KMU eine Förderung aus dem KMU-Instrument erhalten und damit seien 30 Mio. Euro nach Österreich geflossen.

In diesem extremen Wettbewerb ausgewählt zu werden, sei ein „Selbstbewusstseins-Booster“, sagte Berger. Mit einer leichten und lichtunempfindlichen Eye-Tracking-Brille ist Viewpointsystem mit rund 40 Mitarbeitern bereits am Markt und hat Kunden in Europa, den USA und Japan, darunter Unternehmen wie Coca Cola, Heineken oder die Deutsche Bahn. Die Möglichkeit, damit exakt die Blickrichtung des Brillenträgers zu erfassen, wird etwa für Trainings oder in der Fernwartung eingesetzt.

Dass sich Augmented Reality (AR) bisher noch nicht durchgesetzt hat, liegt nach Ansicht Bergers unter anderem an den zu schweren AR-Brillen, deren mangelnden Kontrastfähigkeit und begrenzter Batterieleistung. „Solche Systeme müssen aber von Menschen getragen werden und funktionieren – drinnen, draußen, egal in welchem Kontext – sonst werden sie nicht den Weg in die Anwendung finden“, so Berger.

Derzeit seien AR-Brillen „transparente Fernsehgeräte“, die etwa durch Gesten oder Sprache gesteuert werden. Mit „Digital Iris“ soll dagegen „die digitale Umwelt mittels Eye-Tracking gesteuert werden“, so Berger. Bei der in die Brille eingeblendeten Information will man dabei sehr zurückhaltend vorgehen und nur jene zur Verfügung stellen, die im Moment gebraucht werden. Denn bei zu viel Info konzentriere sich der Benutzer zu stark auf das Display und nehme sich aus der Umgebung heraus, so wie ein auf sein Smartphone konzentrierter Fußgänger, sagte Frank Linsenmaier von Viewpointsystem.

Helfen solle das System „immer dann wenn man vor komplexen Situationen steht und diese lösen muss“, sagte Berger, der sich mit „Digital Iris“ auf den Business-to-Business-Bereich fokussiert, „der Konsumentenmarkt ist noch nicht so weit“. Als potenzielle Anwendungsbereiche nannte er die Produktionsbranche, etwa wenn es um Fernwartung gehe, den Mobilitätssektor, etwa im Bereich Ausbildung, oder den Sicherheitssektor, etwa für Training und den gesamten Gesundheitsbereich.

Service: http://viewpointsystem.com/de/

 

Aus der Wissenschaft:

Keine Chance für Hacker: IT-Sicherheit für Produktionsanlagen

Ein Roboter, der sich selbst programmiert,  TU Wien




Wenn die Industrie immer stärker automatisiert wird und komplizierte Softwaresysteme ganze Fabriken kontrollieren, dann spielt auch die IT-Sicherheit eine immer wichtigere Rolle. Schon bei der Entwicklung von Produktionsanlagen müssen Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden. Wie das am besten gelingt, wird nun im neuen Christian Doppler Labor für die Verbesserung von Sicherheit und Qualität in Produktionssystemen erforscht. Das Labor wurde am 19. April 2018 an der TU Wien feierlich eröffnet. …

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Service:

DBT-Blog: We are designers – Wir gestalten unser Leben mit und ohne Künstliche Intelligenz

Foto: Viktoria Pammer-Schindler, TU Graz & Know-Center

Viktoria Pammer-Schindler, TU Graz & Know-Center

Viele Hoffnungen sind auf Künstliche Intelligenz gerichtet – und viele Befürchtungen. In diesem Beitrag möchte ich herausarbeiten, dass wir auf allen Ebenen nicht ohnmächtige ZuschauerInnen sondern GestalterInnen sind – Wir sind Designer! ...

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Start-up-your-Business: Digital Business Trends-Award 2018

Digital Business Trends, Foto: APA

Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2018 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscherinnen und Jungforscher, Entwicklerinnen und Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2018 möglich.

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