DBT Newsletter #7/2019

EU will "Wilden Westen" bei KI mit Ethik zähmen

Künstliche Intelligenz hat vielfach noch ein Imageproblem, Foto: APA (dpa)






Geht es nach der EU-Kommission, dann muss Europa im Hype rund um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) mit "vertrauenswürdiger KI" punkten. Die Präsentation von ethischen Leitlinien in Brüssel durch eine Expertengruppe hat die Weichen in diese Richtung gestellt. Für den Technikphilosophen Mark Coeckelbergh braucht es rasch Regeln, sonst drohe der "Wilde Westen".

KI hat vielfach ein Imageproblem, fordert sie doch ihren Schöpfer genau auf dem Gebiet heraus, auf dem sich dessen Identität gründet - dem Denken. Dazu kommen erste Anwendungen, die durchaus dubios erscheinen: etwa in Systemen zur Gesichtserkennung im öffentlichen Raum oder beim Einsatz von undurchsichtigen Algorithmen, die auf Social Media-Plattformen gehörig dabei mitreden, welche Informationen welche Nutzer erreichen.

Software trainierte sich selbst zum Schachmeister

Lösen herkömmliche technologische Ansätze mehr oder weniger gezielt Aufgaben nach unserer Vorstellung, können selbstlernende Systeme mitunter ihre eigene Herangehensweise an Probleme entwickeln. So trainierte sich etwa die Google-KI-Software AlphaZero im vergangenen Jahr scheinbar mühelos zum Schachmeister. Das gelang dem System, ohne Menschen beim Spiel zu imitieren. Lediglich die Basisregeln waren AlphaZero bekannt, alles andere lernte die Software in Hunderttausenden Matches gegen sich selbst.

Die Architekten von AlphaZero oder ähnlicher Systeme betonen, auch Grundlagen für Systeme schaffen zu wollen, die sich um viel allgemeinere Probleme kümmern. Das könnten beispielsweise die Steuerung des Energiesystems oder autonomer Fahrzeuge oder die zukünftige Ausrichtung der Gesundheitsversorgung sein - so die ambitionierte Perspektive.

Leitlinien für moralische und gesetzliche Regeln

Legt der Mensch zukünftig Aufgaben und die damit einhergehenden Entscheidungen in die Hände von KI, muss sichergestellt werden, dass dies nicht abseits von Moral, ethischer Grundhaltungen und gesetzlicher Regeln geschieht. Die rund 50-köpfige Expertengruppe hat daher "Ethische Leitlinien für vertrauenswürdige KI" erarbeitet, wie die EU-Kommission mitteilte. Diese beinhalten etwa die Gestaltung und Kontrolle solcher Systeme unter menschlicher Aufsicht, das Achten auf Robustheit und Sicherheit, die Erfüllung von Datenschutz-Prinzipien, die Nachvollziehbarkeit der Arbeit der Systeme, die Nicht-Diskriminierung benachteiligter Gruppen, die Berücksichtigung gesellschaftlicher und ökologischer Konsequenzen von Technologien und eine Rechenschaftspflicht.

Darüber hinaus gibt das Gremium, in dem sich neben dem an der Universität Wien tätigen Coeckelbergh drei weitere Vertreter aus Österreich finden, auch Empfehlungen zur Umsetzung der Leitlinien. An dieser Stelle entscheide sich, ob diese "Chance für Europa", hier eine Pionierrolle einzunehmen, ergriffen wird, sagte der Technikphilosoph zur APA. "Wir werden diese Vorgaben nun in die Praxis bringen und gleichzeitig eine internationale Diskussion über menschzentrierte KI fördern", so die EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Mariya Gabriel.

Balance zwischen Ethik und Industrieinteressen

Gerade zu Fragen der Verbindlichkeit gab es in der in etwa zu gleichen Teilen von Experten aus dem akademischen Bereich und Leuten aus der Industrie oder Interessensvertretern zusammengesetzten Gruppe auch durchaus Diskussionsstoff. Angesichts der angestrebten "Balance zwischen der Ethik und dem, was die Industrie will", sei vieles dann auch eher unkonkret geblieben, so Coeckelbergh, der durchaus die Gefahr sieht, dass die Leitlinien zum Feigenblatt verkommen und kaum etwas davon in die Praxis Einzug hält.

Komme keine Regulierung, läuft man laut Coeckelbergh Gefahr, dass die zunehmende Automatisierung neue Probleme mit sich bringt. Der nunmehrige Prozess innerhalb der EU ziehe jedenfalls internationale Aufmerksamkeit auf sich, auch wenn etwa in den USA nicht mit dem gleichen Nachdruck in die Richtung gearbeitet werde. In China gebe es zwar bereits eine KI-Strategie inklusive ethischer Richtlinien, angesichts des weitreichenden Einsatzes von Gesichtserkennungssystemen, sei es fraglich, "ob man dort Ethik wirklich ernst nimmt", so Coeckelbergh.

Service: Informationen zur High-Level-Expertengruppe der EU-Kommission und zur "European AI Alliance": http://go.apa.at/an3aA5AW und http://go.apa.at/gnegSVMG

Online-Shops setzen stärker auf individuelle und flexible Preise

Manche Händler verwenden eine personenbezogene Preisbildung, Foto: APA (Symbolbild)





Je nach Wochentag, Uhrzeit und Wetter ändert sich bei manchen Online-Shops der Preis eines Produkts. Diese dynamische Preisgestaltung führt bei Konsumenten oftmals zu Verwunderung. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) der Anbieter aus Österreich gaben bei einer Marketagent-Befragung an, datenbasierte Preisgestaltung zu nutzen.

Dieses „Dynamic Pricing“ dient vor allem der Anpassung der eigenen Preise an die der Konkurrenz. Manche Onlinehändler verwenden auch eine personenbezogene Preisbildung basierend auf Surf- und Einkaufsverhalten, Standort oder Art des benutzten Endgeräts. Die Mehrheit (62 Prozent) lehnt die dynamische Preisgestaltung bisher ab. Als Gründe werden der größere Aufwand sowie das fehlende Know-how, aber auch Bedenken, dadurch einzelne Konsumenten zu diskriminieren, genannt.

Mehr als ein Drittel der befragten Konsumenten haben Preisschwankungen noch nie bemerkt. Am ehesten wurde dies bei Flug- (28 Prozent) und Hotelbuchungen (26 Prozent) registriert. "Flug- und Hotelbuchungsplattformen sind Vorreiter bei der persönlichen Preisgestaltung, bei ihnen ist diese Praxis schon lange gang und gäbe", so Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens, in einer Aussendung. Der Online-Handel sowie Mobilitäts- und Car-Sharing-Anbieter würden aber aufholen.

Das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen hat für die Studie 229 Online-Händler aus Österreich und 1.000 österreichische Konsumenten zu ihren Erfahrungen bei der Preisgestaltung bzw. beim Online-Einkauf befragt. Das Gütezeichen für Online-Shops wird von der Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer sowie dem Wirtschaftsministerium unterstützt. Derzeit gibt es 285 zertifizierte Shops, darunter Decathlon, DiTech und Telering.

Service: Weitere Infos zur Studie sind hier abrufbar.

WhatsApp, YouTube und Instagram bei Jugendlichen am populärsten 

Erhebung zeigte deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede, Foto: APA (Archiv)






Österreichische Jugendliche lieben WhatsApp (von 83 Prozent genutzt), YouTube (78 Prozent) und Instagram (71 Prozent). Letzteres konnte als einziges der großen Netzwerke auch zulegen, wie der "Jugend-Internet-Monitor 2019" ergab. Auf Platz vier folgt die Foto-Sharing-App Snapchat (52 Prozent). Facebook rangiert an der fünften Stelle mit 44 Prozent.

Neben Instagram hat auch das Streaming-Videoportal Twitch (von 15 Prozent genutzt), auf der Videospieler live beobachtet oder auch eigene Übertragungen gestartet werden können, dieses Jahr zugelegt. Heuer erstmals in die Erhebung aufgenommen wurde zudem Discord (13 Prozent Nutzung), ein Netzwerk speziell für Videospieler, das Chat sowie Sprach- und Videokonferenzen anbietet.

Skype, 2018 im Ranking noch direkt hinter Facebook auf Platz 6, ist bereits auf Rang 8 zurückgefallen. Die Nutzungszahlen sanken um zwölf Prozentpunkte auf 18 Prozent. Erstmals erhoben wurde heuer der Facebook-Messenger, den 26 Prozent der Jugendlichen verwenden. Damit liegt er auf Platz 6. TikTok (früher Musical.ly) bleibt stabil auf Platz 7 mit einem Zuwachs von knapp zwei Prozentpunkten (19 Prozent).

Bei der Erhebung zeigten sich auch geschlechtsspezifische Unterschiede. WhatsApp (Mädchen 87 Prozent/Burschen 80 Prozent), Snapchat (Mädchen 60 Prozent/Burschen 45 Prozent) und TikTok (Mädchen 24 Prozent/Burschen 15 Prozent) sind beim weiblichen Geschlecht beliebter. Die männlichen Jugendlichen setzen eher auf YouTube (Mädchen 73 Prozent/Burschen 82 Prozent), die Video-Plattform für Computerspiele Twitch (Mädchen vier Prozent/Burschen 26 Prozent) und das Netzwerk für Videospieler Discord (Mädchen drei Prozent/Burschen 23 Prozent).

Musik- und Spaßvideos am beliebtesten

Außerdem wurden die inhaltlichen Präferenzen der Jugendlichen bei Videos und Bildern erhoben. Das Ergebnis: 73 Prozent der Jugendlichen, die Videoplattformen nutzen, schauen sich besonders gerne Musikvideos an, gefolgt von lustigen Videos von Influencern (57 Prozent) und allgemein lustigen Clips (56 Prozent). Immerhin auf Platz vier landen Tutorials (40 Prozent).

Auch bei Bildern steht die Unterhaltung im Vordergrund, allerdings vorrangig aus dem privaten Bereich: Lustige Bilder und Fotos von Freunden schauen sich jeweils 71 Prozent der Jugendlichen, die entsprechende Plattformen verwenden, besonders gerne an. Mit Abstand folgen Bilder von Stars (50 Prozent) sowie von Influencern (45 Prozent).

Bereits zum vierten Mal hat die EU-Initiative Saferinternet.at mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes, Sektion Familien und Jugend, den "Jugend-Internet-Monitor" erstellt. In einer repräsentativen Umfrage unter 400 Jugendlichen in ganz Österreich im Alter von elf bis 17 Jahren wurden die beliebtesten Sozialen Netzwerke ermittelt.

Service: Die Studie ist unter www.jugendinternetmonitor.at abrufbar.

Aus der Wissenschaft:

TU Wien forscht am Mobilfunknetz der nächsten Generation

Grundlagenforschung für den Mobilfunk von morgen, Foto: TU Wien






5G, die nächste Netz-Generation, steht vor der Tür. An der TU Wien wird untersucht, wie Technik und Architektur des künftigen Mobilfunknetzes gestaltet und genutzt werden können. In Zukunft wird der Großteil der Mobilfunkdaten zwischen automatisch miteinander kommunizierenden Geräten ausgetauscht werden – dem Internet der Dinge. Wie viele Verbindungen können z.B. gleichzeitig bestehen, ab wann wird das Netz überlastet? Wie sieht’s mit der Sicherheit aus? Durch mathematische Abstraktion, Simulationsmodelle und Experimente kann die TU Wien das Mobilfunknetz noch besser auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten.

Mehr Infos


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