DBT Newsletter #06/2018

 

Ökonomen sehen riesiges Sparpotenzial durch autonome Autos 

Weniger Unfälle und mehr frei verfügbare Zeit, Foto: APA (AFP/GM)






Einfach nur einsteigen und dem Auto das Fahren überlassen – das spart Nerven, nach Ansicht von Wissenschaftern aber auch sehr viel Geld. Bis es so weit ist, muss noch manche Hürde genommen werden. Auf dem Genfer Autosalon waren jedoch schon zahlreiche Ideen zu sehen.

Mit selbstfahrenden Autos auf den Straßen könnte die Menschheit nach Ansicht von Schweizer Forschern jedes Jahr gigantische Summen sparen. 30 Prozent weniger Sprit- oder Stromverbrauch, 90 Prozent weniger Unfälle und frei verfügbare Zeit im Wert von bis zu 4 Billionen Euro seien wahrscheinlich, sagte Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen auf dem Automobilsalon. „Autonomes Fahren wird unser tägliches Leben gewaltig verändern. Und wir können die gesellschaftlichen Kosten dramatisch verringern.“

Heute seien weltweit 1,2 Milliarden Autos auf den Straßen unterwegs, jedes im Durchschnitt knapp eine Stunde am Tag. Ein Drittel des städtischen Verkehrs sei Parkplatz-Suchverkehr, erklärte Herrmann. Das vernetzte, autonom fahrende Auto müsse aber nicht mehr suchen, könne enger parken und auf der Straße dichter fahren. In Deutschland sei heute eine Fläche von der Größe Schleswig-Holsteins Verkehrsfläche – das könne deutlich weniger werden.

Bei Verkehrsunfällen kämen jährlich 1,2 Millionen Menschen zu Tode, meist durch menschliche Fehler. Etwa 400 Milliarden Stunden verbrächten Autofahrer heute am Steuer – künftig könnten sie diese Zeit frei nutzen. Bei einem Wert von zehn Euro je Stunde kämen jährlich 4.000 Mrd. Euro zusammen. Heute koste ein Kilometer Autofahrt etwa 40 Cent, im rund um die Uhr genutzten Robotaxi würden es nur 3 Cent sein – mit einem Werbesponsor sogar ganz ohne Kosten.

Autobauer müssen Software-Unternehmen werden

Ein Selbstläufer für die Autoindustrie werde die Entwicklung allerdings nicht. Um den Kampf mit Internet-Riesen wie Google zu bestehen, müssten sich die Hersteller zu Software-Unternehmen wandeln, sagte Hermann. Die Konkurrenz aus dem Netz wolle sofort das völlig autonome Auto, weil es gewaltige neue Geschäftsfelder eröffne. Audi, BMW, Mercedes, Volvo und chinesische Autobauer sieht er beim autonomen Fahren gut auf Kurs – Renault und Fiat weniger.

Selbstfahrende Autos sind auf der Genfer Messe allgegenwärtig, allerdings überwiegend nur in Form von Konzepten oder Prototypen mit eng begrenztem Einsatzgebiet. Technisch ist vieles schon möglich, trotzdem sind viele Fragen offen. Der Produktionsvorstand des Zulieferers ZF aus Friedrichshafen am Bodensee, Michael Hankel, verwies am Rande der Messe auf neue Herausforderungen für die Sicherheitstechnik. Beispiel: Was bedeutet es für die Sicherheitsgurte und Airbags, wenn sich die Insassen in einem von allein fahrenden Auto mit ihren Sitzen herumdrehen können?

Schon bald würden autonome Autos in den USA und Asien fahren, sagte Herrmann. Europa dagegen brauche für die Gesetzgebung sowie für gemeinsame Standards zur Kommunikation unter Autos und zwischen Autos und Infrastruktur noch Zeit.


Versicherungen atmen auf: Sorge wegen Insurtechs schwindet

Nur 10 bis 20 Prozent versuchen, die Branche umzukrempeln, Foto: APA (AFP)





Jahre ging die Angst um in der Versicherungsbranche. Schnelle Start-ups würden altmodische Traditionsfirmen hinwegspülen, prophezeiten die Digitalauguren – zu langsam, zu teuer, weit weg von den Kunden. Doch die etablierten Riesen sind resistenter als gedacht.

„Disruption“ ist eine Lieblingsphrase der Unternehmensberater – und ein Angstbegriff für viele Manager in der Versicherungsbranche. Mit schwerfälliger Verwaltung, teurem Vertrieb, langsamen Entscheidungsprozessen und verstaubten Hierarchien erscheinen die etablierten Riesen als natürliche Opfer junger, digitaler Start-ups – im Branchenjargon Insurtechs genannt. Doch inzwischen haben die etablierten Unternehmen Mut gefasst. Denn es zeigt sich, dass die große Mehrheit der Insurtechs gar keine Revolution plant: Sie wollen lediglich ihre Software an die Traditionsfirmen verkaufen.

„Die Versicherungen werden nicht sterben. Die Insurtechs, die am Front End direkt am Kunden ansetzen, konnten noch nicht den großen Erfolg verbuchen“, sagt Tom van den Brulle, Innovationschef beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re. „Die Branche war vor zwei, drei Jahren deutlich nervöser. Eine Kfz-Versicherung zum Beispiel sieht einfach aus. Manche denken, das kann doch eigentlich jeder, aber es gehört doch einiges dazu, was man können muss.“

Das ist nicht nur Eigenwerbung eines Platzhirschs. „Wir haben eine Datenbank mit 2.000 Insurtechs“, sagt der niederländische Fachmann Roger Peverelli, Mitgründer der Digital Insurance Agenda – Messe und Kooperationsforum für etablierte Versicherungen und Start-ups. „Die Analyse zeigt, dass etwa 10 bis 20 Prozent Herausforderer sind, die versuchen, die Branche umzukrempeln. Alle anderen helfen den traditionellen Versicherern, besser zu werden und die Innovation zu beschleunigen“, so Peverelli.

„Eine Versicherung aufzubauen, ist schwierig“, meint auch Adrien Cohen, Verkaufschef beim auf künstliche Intelligenz spezialisierten britischen Start-up Tractable. „Man braucht eine Lizenz und Kapital und muss sich mit der Regulierung auskennen. Manche Start-ups in den USA haben darum den Weg gewählt, kleine Versicherer zu kaufen. Aber ich glaube, dass das nur bei speziellen Nischen der Versicherungsbranche möglich ist.“

Schäden am Auto automatisch erkannt

Tractable ist das Paradebeispiel eines Start-ups, das die etablierten Versicherer als Kunden und nicht als Opfer sieht: Das kleine Unternehmen hat selbstlernende Software entwickelt, die Schäden an Autos erkennen und analysieren kann. Das wird auf Dauer zwar die Arbeitsplätze von Schadensachbearbeitern in den Versicherungen bedrohen, nicht aber die Branche als solche.

Die großen Konzerne wie die Allianz und Munich Re haben mittlerweile Konsequenzen aus dem verbreiteten Angstgefühl gezogen und erkannt, dass ihnen die Insurtech-Branche eher nützen als schaden kann. Mit Unterstützung des deutschen Bundes und mehrerer großer Versicherungen wurde 2017 ein „Insurtech Hub“ in München aus der Taufe gehoben, dem größten deutschen Versicherungsstandort – einen zweiten, weniger bedeutenden „Hub“ gibt es in Nordrhein-Westfalen.

„Die am Insurtech Hub München beteiligten Unternehmen repräsentieren zwischen 250 und 280 Milliarden Euro Prämieneinnahmen und 300.000 Mitarbeiter“, sagt Munich-Re-Manager van den Brulle. „Wir wollen ein Ökosystem entwickeln, und das klappt ganz gut. Wir bauen die Kooperation mit Technologiefirmen wie IBM und Google und mit den Universitäten. Die Strahlkraft ist umso größer, je mehr man sich zusammentut.“

 

Start-up-Finanzierungen in Europa legten kräftig zu

3.656 Finanzierungen, davon 35 in Österreich, Foto: APA (Fohringer)






Die Höhe der öffentlich bekannten Start-up-Finanzierungen in Europa stieg 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 84 Prozent auf 19,2 Mrd. Euro, geht aus dem Start-up-Barometer des Unternehmensberaters EY hervor. Die Zahl der Finanzierungsrunden erhöhte sich um 39 Prozent auf 3.656. Im Städte-Ranking lag London vor Berlin und Paris. Wien schaffte es auf den 20. Platz.

Beim EY-Barometer werden Meldungen über Finanzierungsrunden ohne Anspruch auf Vollständigkeit in Zusammenarbeit mit einem externen Analystenteam ausgewertet. 2017 waren dies europaweit 3.656. Finanzierungen ohne konkreten Betrag („undisclosed“) wurden mit dem Wert „0“ aufgenommen. Die größte Finanzrunde schaffte das Schweizer Biotech-Unternehmen Roivant Sciences mit 976 Mio. Euro, gefolgt vom britischen Virtual-Reality-Start-up Improbable mit 445 Mio. Euro. Viel Geld gab es auch für Essenszusteller: Der britische Lieferant Deliveroo sammelte 428 Mio. Euro ein und die deutsche Delivery Hero erhielt im Mai 2017 rund 387 Mio. Euro und beim Börsengang im Juni 423 Mio. Euro.

Wiener Hookipa bekam rund 53 Mio. Euro

In Österreich verzeichnete EY im Jahr 2017 insgesamt 35 Finanzierungsrunden bei Start-ups. Der Biotech- und Gesundheitsbereich bekam zuletzt hierzulande besonders hohe Kapitalspritzen: Das auf die Entwicklung von aktiven Immuntherapien gegen Krebs und Infektionskrankheiten spezialisierte Biotech-Unternehmen Hookipa nahm rund 53 Mio. Euro auf und die ebenfalls in Wien tätige Biotech-Firma Arsanis erhielt eine Finanzierung in der Höhe von rund 40 Mio. Euro. Auf Platz drei schaffte es laut EY-Daten das Grazer Start-up USound, das auf Mikro-Lautsprecher für Smartphones spezialisiert ist, mit einer Kapitalspritze von 12 Mio. Euro.

Die Finanzierungsrunde des Wiener Softwaretesters Tricentis (154 Mio. Euro) wurde nicht im Barometer aufgenommen, da das Unternehmen 2007 gegründet wurde und nach der EY-Definition kein Start-up mehr ist, da diese nicht älter als acht Jahre sein dürfen. „Die österreichische Start-up-Szene hat sich 2017 sehr lebhaft entwickelt“, so EY-Partner Thomas Gabriel. Die Investitionssumme habe sich fast vervierfacht, gleichzeitig seien die Finanzierungen in der Breite besser geworden.

 

Aus der Wissenschaft:

Wie künstliche Intelligenz Ethik lernen kann

Der Zustand der Grafikkarte wird beurteilt, die Last verteilt, Foto: IEEE




Grafikkarten werden längst nicht mehr nur für die Darstellung von Grafik verwendet, sondern auch für besonders rechenintensive Aufgaben. Allerdings verschlechtert sich die Leistung der Grafikkarten normalerweise mit der Zeit, weil die einzelnen Prozessorkerne der Grafikkarte aufgrund von Alterungseffekten nicht mehr optimal zusammenspielen. An der TU Wien wurde nun in Zusammenarbeit mit der University of California (Irvine) eine verbesserte Chip-Management-Methode entwickelt, mit der die Rechenlast klüger verteilt werden kann. …

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Service

Neu für die DBT-Community:

Lehrgang PR-Praxis 2020: Kommunizieren im digitalen Zeitalter 

APA-Campus Lehrgang PR-Praxis 2020, Foto: APA-Campus (Schedl)

Ein neues Angebot gibt es ab sofort für alle DBT-Mitglieder, die ihr Know-how in Sachen Kommunikation auf den neuesten Stand bringen wollen: Im APA-Campus-Lehrgang PR-Praxis 2020 erfahren Sie von führenden Praktikern und Expertinnen, wie man im digitalen Zeitalter effizient und zielgruppengenau kommuniziert. Sie lernen, wie man neue Kommunikationstechnologien mit bewährten Best-Practice-Strategien verbindet. Und wie in allen Seminaren der APA bekommen Sie Einblick in die redaktionelle Perspektive. Kurz: Sie lernen, was ein Top-Kommunikator heute können muss – egal ob Sie in der Kommunikationsbranche tätig sind, oder ob Sie als Geschäftsführer Ihres Unternehmens selbst nach außen kommunizieren. 

DBT-Mitglieder können den APA-Campus-Lehrgang PR-Praxis 2020 ab sofort zu vergünstigten Konditionen besuchen.

Preis für DBT-Mitglieder: EUR 3.100,- exkl. Ust. pro Person (Listenpreis: EUR 3.400,- )

Mehr Infos

Kontakt: Christa Gruber, APA-OTS, campus@apa.at, +43 1 36060 5313 


DBT-Blog: „Wir machen 5G möglich“   

Johannes Gungl, RTR

Johannes Gungl, RTR

2018 ist ein Schlüsseljahr für 5G. Die Vorbereitungen für den neuen Mobilfunkstandard müssen heuer voll durchstarten. Gefordert sind Hersteller, Telekomanbieter, Regulierung und die Politik. Letztere zeigte ein klares Bekenntnis zur Digitalisierung und zu 5G. Dies begrüßen wir von der RTR sehr und sehen uns als ein wesentlicher Treiber von 5G in Österreich und in Europa. ...

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