DBT Newsletter #5/2019

Große Versprechen und offene Fragen rund um 5G

5G-Ausbau ermöglicht zahlreiche neue Anwendungen, Foto: APA (AFP)






Die Mobilfunkbranche verspricht nach Jahren der Vorbereitung eine Revolution durch den superschnellen 5G-Datenfunk. Auf der wichtigsten Branchenschau Mobile World Congress in Barcelona war das Thema dominierend, auch wenn es von den Konsumenten noch eher weit entfernt ist. 5G sei als Technologie prädestiniert für die digitale Umrüstung der industriellen Prozesse, erklärte Telekom-Experte Roman Friedrich vom Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG).

„Da gibt es auch noch Aufklärungsbedarf, den die Politik zu verantworten hat“, so Friedrich gegenüber der APA. In Deutschland und in Nordeuropa werde immer kommuniziert, dass 5G dem Konsumenten mehr Bandbreite bieten werde. „Das wird er wohl bekommen, der Durchbruch spielt sich jedoch vielmehr bei geschäftlichen Abläufen ab.“ Dabei würden in der Diskussion über die Vorteile von 5G oft die falschen Beispiele gebracht, sagte Friedrich – „Video Conferencing ist es garantiert nicht“.

Natürlich werde es mit 5G mehr Bandbreite und deutlich höhere Geschwindigkeiten geben, aber schon jetzt würden Konsumenten mit einem guten LTE-Netz (4G) da keine großen Defizite spüren, „das ist also kein Durchbruch“. Wesentlich interessanter sei, dass es bei 5G viel kürzere Antwortzeiten gebe. „Wir sind da im Millisekunden-Bereich, in dem auch das menschliche Gehirn Signale von der Hand empfängt und verarbeitet. Mit dieser Eigenschaft kann ich auf einmal Abläufe, die bisher der Mensch gemacht hat, automatisieren, ohne die Gefahr, dass der Roboter-Greifarm in die Karosserie reinfährt.“

Vorteile für das Internet der Dinge

Ein weiterer entscheidender Vorteil von 5G gegenüber LTE sei die Vervielfachung der Kapazitäten von Funkzellen durch die „Massive Mimo“-Technik, wodurch viele Teilnehmer in einer Funkzelle gleichzeitig kommunizieren können. „Das Stichwort ist da IoT, Internet of Things – wir wollen ja 20, 40 oder 50 Milliarden Geräte oder Gegenstände verknüpfen.“ Dadurch werde man beispielsweise Wartungsabläufe effizienter gestalten können. „Der Papierkorb meldet sich, wenn er voll ist, und es muss kein städtischer Bediensteter mehr hingehen und nachsehen, ob er voll ist.“

Natürlich gebe es auch Missbrauchspotenzial, räumte Friedrich ein. „Sie werden diese Netze nie 100-prozentig sicher gestalten können.“ Hier komme auf technischer Seite eine weitere Eigenschaft von 5G zum Tragen, das „Network Slicing“. „Wir können logisch gewisse Frequenzbänder abtrennen und sicher gestalten, sozusagen vom Rest der Welt trennen“, erklärte Friedrich. Falsch wäre es, etwa Spionagerisiken „nur einseitig und politisch zu betrachten“, warnte der Experte.

Auch mit einigen Missverständnissen sollte aufgeräumt werden, forderte Friedrich. So werde immer wieder von der Notwendigkeit eines flächendeckenden 5G-Ausbaus gesprochen, was aber weder möglich noch notwendig sei. „Wir brauchen kein 5G für jede Milchkanne. Wenn die Milchkanne sagen soll 'ich bin voll', reichen 4G-Bandbreiten allemal.“ Ein Irrtum sei auch die Annahme, dass 5G eine Voraussetzung für autonomes Fahren wäre. „Wir werden autonomes Fahren anders realisieren, nämlich mit Sensorik und Car-to-car-Kommunikation, 5G ist nur eine Zusatztechnologie.“ Es sei eine „irrige Diskussion, über autonomes Fahren als Killer-Applikation für 5G zu reden“.


Österreichische Flugtaxiproduktion soll bis 2020 serienreif sein

„Wir werden definitiv früher autonom fliegen als autonom fahren“, Foto: APA (AFP)






Schon 2020 sollen der Bevölkerung erste Flüge mit Flugtaxis angeboten werden. Ermöglichen soll das eine Allianz aus dem österreichischen Luftfahrtkonzern FACC, der chinesischen Air Mobility Gruppe EHang sowie ProSiebenSat.1PULS4, wie auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben wurde. In den nächsten zwei Jahren sollen 300 Einheiten hergestellt und weltweit ausgeliefert werden.

„Wir wollen die Mobilität der Zukunft aktiv mitgestalten“, erklärte Robert Machtlinger, Vorstandsvorsitzender der FACC AG, den Einstieg des Luftfahrtkonzerns in den Markt der „Urban Air Mobility“. Der Markt werde erst vergeben und man dürfe die Möglichkeit, von diesem „signifikanten Kuchen“ abzubekommen, nicht ungenützt lassen, sagte Machtlinger. Er prophezeite: „Wir werden definitiv früher autonom fliegen als autonom fahren.“ Zurückzuführen sei das auf eine weniger komplexe Ausgestaltung der Verkehrswege in der Luft. Bis 2025 sollen sich laut Machtlinger 3.000 elektrisch betriebene Passagierdrohnen in der Luft befinden und rund 100.000 Passagiere pro Jahr befördern.

Gemeinsame Nutzung statt Privatbesitz

Die Passagierdrohnen sind weniger für Privatkunden, sondern eher für Fluglinien, Verkehrsverbunde oder auch Start-Ups gedacht, die sie zur gemeinsamen Nutzung anbieten sollen. Eine noch zu bewältigende Herausforderung stellt die Luftraumregulierung dar. Um die Flugtaxis in Österreich zu ermöglichen, gibt es laut Machtlinger bereits intensiven Austausch mit Industriepartnern, Politik und Luftfahrtbehörden. Aber auch die Infrastruktur müsse noch ausgebaut werden, um etwa Landungen auf Einkaufszentren, Parkgaragen oder Bahnhöfen zu ermöglichen, erklärte Felix Lee, Overseas Manager von EHang.

Das Luftfahrzeugunternehmen EHang ist für die Erfindung und die technologische Entwicklung des Prototypen verantwortlich und positioniert sich als Experte für alle Fragen rund um das autonome Fliegen. FACC entwickelt den Prototypen zur Serienreife und übernimmt die Produktion. ProSiebenSat.1PULS4 kümmert sich schließlich um die gesamte Kommunikation rund um das Projekt.

Platz für zwei Personen und etwas Gepäck

Die „Autonomous Aerial Vehicle“ (AAV) bieten Platz für zwei Personen und etwas Gepäck. Ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Lee 160 km/h. Die maximale Flugdauer beziffert er mit 25 bis 30 Minuten. Innerhalb einer Viertelstunde sollen rund 80 Prozent der Batterie aufgeladen werden können. Hinsichtlich der Lärmerzeugung sei es das Ziel, dass die Flugtaxis aus einer Distanz von 15 bis 20 Metern „so gut wie nicht gehört werden“, sagte Lee. Derzeit arbeite man noch daran, wobei die Flugtaxis bereits jetzt leiser als eine Fotodrohne seien.

Kosten solle ein Flug mit den Passagierdrohnen ähnlich viel wie eine Fahrt mit einem herkömmlichen Taxi, sagte Markus Breitenecker, Geschäftsführer der ProSiebenSat.1PULS4-Gruppe. Nur werde man sich zehnmal so schnell fortbewegen. Bis zur Realisation müssten laut Breitenecker Ängste abgebaut und Akzeptanz geschaffen werden. Eine Möglichkeit dafür besteht beim kommenden „4Gamechangers“-Festival von 9. bis 11. April in Wien. Dort wird eines der Flugtaxis ausgestellt und lädt zum Probesitzen ein.


Österreicher sehen vernetzte Autos skeptisch

Die Autobranche steht vor einem Umbruch, Foto: APA (dpa)






Die Österreicher stehen vernetzten Autos deutlich skeptischer gegenüber als andere Europäer. Nur 29 Prozent sehen einen Mehrwert. In Deutschland sind es 35 Prozent, in Großbritannien 45 und in Italien sogar 60 Prozent. Laut einer weltweiten Deloitte-Studie hinterfragen immer mehr, vor allem jüngere Menschen, den privaten Autobesitz.

In den Generationen X, Y und Z – nach 1965 Geborene – stellen sich mehr Menschen die Frage, ob sie ein eigenes Auto überhaupt noch brauchen als das bei der Nachkriegsgeneration der Über-55-Jährigen der Fall ist. Jüngere stehen Mitfahrgelegenheiten, Carsharing und Fahrdiensten wie Uber aufgeschlossener gegenüber. „Junge Leute scheinen die Idee gemeinsamer Mobilität in deutlich größerer Anzahl verstanden zu haben“, heißt es in der Studie. Die Gewohnheiten änderten sich aber nur langsam.

Bei selbstfahrenden Autos sind die Österreicher gespalten. Während 59 Prozent der hierzulande 1.256 Befragen angaben, gerne einmal in einem solchen Gefährt sitzen zu wollen, halten 43 Prozent autonomes Fahren für unsicher, wie die Auswertung des Beratungsunternehmens zeigt. „Den Österreichern ist autonomes Fahren noch nicht ganz geheuer, was vor allem an fehlenden persönlichen Erfahrungen liegt“, erklärte der Österreich-Direktor von Deloitte, Matthias Kunsch.

Wenig Vertrauen bei anfallenden Daten

Der Studie zufolge wünschen sich in Österreich 85 Prozent eine Kontrolle durch Behörden bei der Entwicklung und Benutzung autonomer Fahrzeuge. Ein Drittel würde die beim Fahren gesammelten Daten aber niemandem anvertrauen wollen. Der Rest findet vor allem Autohersteller und staatliche Einrichtungen am vertrauenswürdigsten.

Die Autobranche steht in den nächsten Jahren vor einem Umbruch hin zu E-Mobilität und Digitalisierung. Die Experten von Deloitte sehen auf dem Weg dahin jedoch noch einige Hürden. Elektroautos seien zwar am Vormarsch, die niedrigen Spritpreise hielten die Leute aber fern. Bei selbstfahrenden Autos sind es laut Deloitte vor allem die Berichte über Unfälle, die Verbraucher vorsichtig machen. Die Mehrheit ist überdies nicht bereit, für neue Services rund ums Auto extra zu zahlen.

 

Aus der Wissenschaft:

Künstliche Intelligenz für Europa

Europa will mit AI einen wichtigen Schritt nach vorne machen Foto: TU Wien






Europa möchte im Bereich AI einen Schritt nach vorne machen – und die TU Wien spielt dabei eine wichtige Rolle. Künstliche Intelligenz wird eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts sein und Europa soll in dieser Entwicklung eine führende Rolle übernehmen. Das ist das Ziel des großen internationalen Projekts „AI4EU“, das nun offiziell gestartet wurde. Mit Prof. Thomas Eiter und Dr. Peter Schüller ist auch die TU Wien in diesem Projekt mit dabei, in dem 79 Partnerorganisationen aus 21 Nationen zusammenarbeiten. 

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Service:

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Foto: sd one

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