DBT Newsletter #4/2019

#digitalaustria: Bundesregierung präsentierte Agentur für Digitales

Österreich soll „Leading Digital Nation“ werden, Foto: APA (dpa)






Die Bundesregierung will die Digitalisierung Österreichs vorantreiben. Dazu wurde bereits im Vorjahr die Digitalisierungsagentur (DIA) gegründet, nun hat man bei einer Großveranstaltung unter der Dachmarke „Digital Austria" zentrale Projekte vorgestellt. Es geht um Digitalisierung in der Wirtschaft, der Verwaltung und der Gesellschaft im Allgemeinen.

Die DIA präsentiert ein Maßnahmenpaket für KMU nach dem Vorbild international erprobter Best Practices, „mit dem die digitale Aufholjagd Österreichs zur Leading Digital Nation offiziell gestartet wird", wie es in einer Aussendung der Regierung heißt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) will „die digitalen Innovationen in die Klassenzimmer bringen, die Verwaltung für die Bürger und die Unternehmen vereinfachen und die Infrastruktur im ganzen Land ausbauen". Hervorgestrichen werden auch die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und das Sichern hochqualifizierter Arbeitsplätze.

Österreichs mittelständische Unternehmen seien nur mittelmäßig digitalisiert, aber sehr offen, Unterstützungsangebote bei der digitalen Transformation anzunehmen, sagte Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). Die meisten sähen die Digitalisierung als Chance, hätten aber einen hohen Schulungsbedarf. Den Unternehmen soll mit #digitalaustriaKMU am Weg in die Digitalisierung geholfen werden. Im März starten die ersten Qualifizierungs- und Unterstützungsmaßnahmen. Dazu gehört ein „Digitalisierungs-Selbst-Check für Unternehmen" auf der Webplattform digitalaustria.gv.at/kmu. Die DIA bietet in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Unterstützung an.

Netzausbau und Forschung forcieren

Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) wiederum hebt die digitale Infrastruktur hervor, insbesondere den geplanten flächendeckenden Ausbau der nächsten Mobilfunkgeneration 5G. Außerdem müsse in Forschung investiert werden. Wichtig sei auch, auf die Automatisierung der Mobilität vorbereitet zu sein, erinnerte der Minister.

Die DIA wurde in der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) eingerichtet. Mehr als die Hälfte der Fördermittel der FFG werden inzwischen in die Digitalisierung investiert, ließen die FFG-Geschäftsführer Henrietta Egerth und Klaus Pseiner anlässlich des „Kick-off"-Events wissen.


Neues Institut für Artificial Intelligence in Linz, Wien und Zürich

Kartendienst Here stellt hochwertige Daten zur Verfügung, Foto: APA (AFP)





Der Experte für Künstliche Intelligenz (KI), Sepp Hochreiter, von der Universität Linz hat gemeinsam mit Kollegen aus Wien und Zürich das „Institute of Advanced Research in Artificial Intelligence" (IARAI) gegründet. Der Entwickler und Anbieter von Geodatendiensten Here finanziert das Institut mit 25 Mio. Euro für fünf Jahre, bestätigte Hochreiter gegenüber der APA einen Bericht im „Standard".

Der niederländische Kartendienst Here, den Audi, BMW und Daimler 2015 von Nokia für 2,8 Mrd. Euro kauften, um nicht von Navigationsdaten von Google abhängig zu werden, sei vor einiger Zeit wegen seiner KI-Expertise an ihn herangetreten, sagte Hochreiter. Der Leiter des Instituts für Machine Learning der Uni Linz und des Artificial Intelligence Laboratory des Linz Institute of Technology (LIT) hat vor rund 20 Jahren mit den sogenannten Long Short-Term Memory-Netzen (LSTM) eine der Grundlagen für die Technologie der Künstlichen Intelligenz geschaffen. Sie gelten als führende Methode für Sprachverarbeitung und Textanalyse und werden heute in Smartphones oder auch in selbstfahrenden Autos eingesetzt.

30 Wissenschafter sollen beschäftigt werden

Als Geschäftsführer des neuen Instituts mit Standorten in Linz, Wien und Zürich fungieren neben Hochreiter der Physiker David Kreil, der mit einer WWTF-Stiftungsprofessur für Bioinformatik an der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien forscht, und der Mathematiker Michael Kopp von Here Technologies in Zürich. Geplant ist, rund 30 Wissenschafter am IARAI zu beschäftigen. „Gemeinsam bringen IARAI und HERE erstmals offene akademische Forschung und ortsbezogene Daten von industrieller Größe zusammen", erklärte Kreil gegenüber der APA. Das schaffe neue Möglichkeiten, komplexe gesellschaftsrelevante Probleme zu lösen.

Hochreiter verweist auf die neuen Machine Learning-Methoden, wie sie etwa von DeepMind eingesetzt werden. Die von DeepMind stammenden Algorithmen der Google-Software AlphaZero haben in den vergangenen Jahren nicht nur ihre Fähigkeiten beim chinesischen Brettspiel Go gezeigt. Erst kürzlich haben sie auch beim populären, hochkomplexen Computer-Strategiespiel „Starcraft II" ihre Überlegenheit unter Beweis gestellt. „Wir haben gesagt, wenn die 'Starcraft' spielen, dann lasst uns doch beispielsweise die Stadt Wien spielen", so Hochreiter. Wenn man eine gute Simulation einer Stadt hätte, mit Karten, Verkehr, Schadstoffausstoß usw. könnte man mit Hilfe von KI daran gehen, „etwas zu optimieren, etwa den Feinstaub zu reduzieren, statt irgendwelche Raumschiffe abzuschießen“.

Hochwertige Simulationen für Echt-Welt-Aufgaben

Here habe sehr gute Daten, etwa von Karten oder Verkehr, und werde diese auch dem IARAI zur Verfügung stellen. Solche hochwertigen Daten könne man sich üblicherweise als Forschungsinstitut gar nicht leisten. „Damit können wir hochwertige Simulationen für Echt-Welt-Aufgaben machen", so Hochreiter, der „eine Riesenchance für Österreich sieht, hier sehr weit vorne mitspielen zu können". So hätte die KI, mit der „Starcraft" gespielt wurde, große LSTM-Systeme genutzt. „Da haben wir ja schon die Expertise, wenn wir nun auch in der Simulation Expertise bekommen, wäre hier alles an einer Stelle und das wäre die Chance, wirklich einen großen Schritt nach vorne zu machen."

Das neue Institut werde primär Grundlagenforschung betreiben und sei in seiner Themenwahl völlig unabhängig von Here. So wird das IARAI nicht direkt von Here finanziert, sondern über eine Stiftung. „Das ist keine Auftragsforschung, sondern eine echte Kooperation basierend auf Daten und Expertise", so Hochreiter, der ab dem kommenden Studienjahr in Linz das österreichweit erste Bachelor- und Master-Studium für „Künstliche Intelligenz" anbieten will.

Service:www.iarai.org


Firmen suchen Digitalkenntnisse – AMS erhebt genauen Bedarf

Digitale Kompetenzen sind in vielen Branchen unverzichtbar, Foto: APA (dpa)






Unternehmen fragen bei Neuanstellungen immer stärker digitale Fähigkeiten nach – auch für auf den ersten Blick nicht digitale Berufe. Das Arbeitsmarktservice (AMS) greift diesen Trend auf und wird bis zum Herbst in Zusammenarbeit mit großen Unternehmen „den Qualifikationsbedarf der Zukunft" erheben, sagte AMS-Chef Johannes Kopf vor Journalisten.

In allen Branchen zeichne sich der Bedarf nach zwei Kompetenzen ab: „Interkulturelle Kompetenz", um der Internationalisierung Rechnung zu tragen und „digital skills", um mit der Digitalisierung der Wirtschaftsabläufe Schritt halten zu können. Bei den digitalen Kompetenzen sei aber oft nicht ganz klar, was damit gemeint ist. Branchenübergreifend brauchen wohl alle Wissen über Datenschutz oder die Fähigkeit, in der digitalen Welt Informationen zu besorgen und zu überprüfen, sagte Kopf. Dazu kämen noch branchenspezifische Bedürfnisse. Gemeinsam mit Vertretern von rund 100 Firmen soll das nun genauer definiert werden. Wobei das AMS als große Bereiche „Tourismus und Wellness", „Handel", „Bau und Bauökologie", „Produktion" sowie „Büro und Verwaltung" ausgemacht hat.

Zertifikat über Kenntnisse als Ziel

Die Erkenntnisse sollen in neue Ausbildungsschienen des AMS einfließen, aber auch Firmen und Fachhochschulen als Grundlage für deren Programme dienen. Außerdem soll es ein "Zertifikat" geben. Dazu habe das AMS bereits eine Machbarkeitsstudie „Austrian Certificate for Digital Competences" gemacht, mit der ähnliche Initiativen von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) unterstützt würden. Man wolle gemeinsam vorgehen und letztlich „einen Standard setzen, damit Unternehmen, wenn sie recruiten, wissen, was jemand kann". Mit dem Computerführerschein will Kopf dieses Zertifikat aber nicht vergleichen.

Digitalisierung sei kein Zukunftsthema mehr sondern „passiert täglich", sagte Kopf und erhielt dafür klare Unterstützung von Wirtschaftstreibenden. Martha Schultz, Tourismus-Unternehmerin und WKÖ-Vizepräsidentin, verwies darauf, dass ihre Seilbahntechniker längst nicht mehr nur Mechaniker sind, sondern eine hoch digitalisierte Ausbildung brauchen. Aber auch ein Rezeptionist müsse abgesehen von der Empathie für den Kunden in der Lage sein, diesem digital Angebote zu erstellen und das weltweite digitale Buchungssystem zu bedienen.

Spielerischer Zugang zu neuer Technologie gefragt

Ähnlich sieht dies Erste-Vorstand Peter Bosek, der froh ist, wenn man nun „ins Tun kommt". Es hätten ja inzwischen „alle verstanden, dass die Digitalisierung kein Gerücht ist". Sein Haus suche seit Monaten Software-Entwickler, 50 Stellen wären frei. Aber die Nähe zum Digitalen sei viel breiter nötig, praktisch in jedem Berufsbild. Das Wesentliche sei „eine innere Haltung des spielerischen Zugangs zu neuer Technologie". Damit sei man auch für die nächsten 20 Jahre gewappnet.

Auch Johannes Zimmerl, Personalchef bei Rewe International, erwartet, dass sich Jobsuchende Digitales nicht nur im Privaten sondern auch im Berufsleben zu eigen machen. „Wir werden künftig stärker Personen brauchen, die mit der digitalen Welt leben", sagte er in dem gemeinsamen Pressegespräch. Wobei das keine Frage des Alters sei: Es gebe ebenso junge Menschen, die sich nicht interessieren, wie ältere „die total fit sind in diesem Bereich“.

 

Aus der Wissenschaft:

Neues Masterstudium Computational Science and Engineering an der TU Wien

Effiziente Computersimulation, interdisziplinäre Anwendung, Foto: TU Wien





Effiziente Computersimulationen für eine Vielzahl an interdisziplinären Anwendungsmöglichkeiten – die TU Wien bietet ab dem Wintersemester 2019/20 das neue Masterstudium Computational Science and Engineering an. Das Masterstudium verbindet numerische Mathematik und Informatik auf einzigartige Weise mit Naturwissenschaften und Technik, um effiziente Computersimulationen zu ermöglichen. Das Besondere: Die interdisziplinäre Gestaltung des Studiums erlaubt eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen. 

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