DBT Newsletter #04/2018

 

Im Herbst fällt Startschuss für nächste Mobilfunkgeneration

RTR will rasche Versorgung sicherstellen, Foto: APA (AFP)






Die Telekom-Regulierungsbehörde RTR will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Österreich rasch mit der nächsten Mobilfunkgeneration 5G versorgt wird. Die dafür nötigen Frequenzen werden im Oktober oder November versteigert, bis Mitte 2020 müssen alle erfolgreichen Käufer von Frequenzen die Hälfte der ihnen vorgeschriebenen Standorte installiert haben, Ende 2021 alle, so die RTR.

In dieser Runde werden 390 Megahertz (Mhz) an zusätzlichen Frequenzen in der Bandbreite zwischen 3,4 und 3,8 Gigahertz versteigert. Zum Vergleich: Derzeit werden in Österreich 590 Mhz genutzt. Für eine Vollversorgung ganz Österreichs sind 100 bis 120 Mhz nötig, es gibt also genug Frequenzen für drei österreichweite Mobilfunker - und zusätzlich noch einige regionale Anbieter. „Wir fluten den Markt mit Spektrum“, sagte RTR-Chef Johannes Gungl vor Journalisten. Das sei aber angesichts des rasant steigenden Datenvolumens auch nötig. Trotzdem lasse sich schwer sagen, ob am Ende Frequenzen übrigbleiben oder doch noch ein heftiger Bieterkampf entbrennt.

Preislich werde sich diese Versteigerung nicht mit der vorherigen aus dem Jahr 2013 vergleichen lassen. Damals lag das Mindestgebot für alle Frequenzen zusammen bei 526 Mio. Euro, am Ende flossen 2 Mrd. Euro von den Mobilfunkern an den Staat. Diesmal liegt das Mindestgebot bei nur 30 Mio. Euro.

Neben der raschen Versorgung will die RTR auch sicherstellen, dass der Wettbewerb gefördert wird. Darum darf ein Bieter in der ersten Runde maximal 140 bis 160 Mhz erwerben und die Frequenzen werden regional vergeben - man kann also nur für Ostösterreich oder nur für Westösterreich Frequenzen erstehen. Außerdem werden die Käufer zur Nutzung ihrer Frequenzen verpflichtet - nur horten geht nicht. Die Frequenzen kann man bis 2039 nutzen.

Ein großes Thema ist die Anzahl der Funkzellen, die nötig sind. 5G braucht langfristig bis zu zehn Mal so viele, allerdings deutlich kleinere Antennen als der aktuelle Standard. Um die Flut an Antennen einzudämmen, will die RTR in ihrer Ausschreibung auch die Voraussetzungen definieren, unter denen Mobilfunker ihre Infrastruktur teilen können. Dabei wird zwischen den „passiven“ Elementen, die nicht an der Stromversorgung hängen, und den „aktiven“ mit Stromversorgung unterschieden. Gungl unterstützt auch den Vorschlag, dass die Republik auf ihrer Infrastruktur kostengünstig die Installation von Funkzellen ermöglicht.

Neue Geschäftsmodelle möglich

Neben den großen Mobilfunkanbietern A1, T-Mobile und Hutchison (3) dürften sich auch Stromversorger, regionale Anbieter für bestimmte Gebiete oder Breitbandanbieter für die neuen Frequenzen interessieren, erwartet Gungl. Auch ganz neue Geschäftsmodelle könnten entstehen - in Irland habe sich etwa ein Unternehmen darauf spezialisiert, Internetanbindungen in Großgebäuden wie Einkaufszentren anzubieten. Da A1 sowie T-Mobile nach dem geplanten Erwerb von UPC kombinierte Mobilfunk/Festnetz-Anbieter seien, Hutchison hingegen als einziges Unternehmen nur Mobilfunk anbiete, sei es denkbar, bei der Ausschreibung Hutchison speziell zu schützen. 15 Firmen haben sich an den Konsultationen zur Auktion bisher beteiligt, wie viele aktiv mitbieten werden, sei aber offen.

Der neue Standard 5G soll raschere Übertragung, stabilere Verbindungen und einen deutlich geringeren Stromverbrauch bringen. Auch soll die unterbrechungslose Verbindung bei hohen Geschwindigkeiten möglich sein. 5G gilt als Plattform für diverse neue Anwendungen, von der Industrie bis zum autonomen Fahren.


KI-Pionier hält Entwickler für gefährlicher als „Robot Deus“

KI mit zielgerichteten eigenen Ideen derzeit „absurd“. Foto: APA (dpa)





Vielfach sehen Proponenten der Künstlichen Intelligenz (KI) Systeme kommen, die Menschen in komplexen Aufgaben überflügeln. Für KI-Pionier Robert Trappl geht von den Entwicklern etwaiger „Superintelligenzen“ mehr Gefahr aus als von den mitunter gar mit „göttlichen“ Attributen ausstaffierten Systemen.

In der Welt der Science-Fiction sind KI, die ein Bewusstsein entwickelt und sich postwendend gegen ihre Schöpfer wendet, fast schon ein Klassiker. Im aktuellen Hype komme allerdings auch eine Vielzahl an wissenschaftlichen Arbeiten heraus, die Szenarien entwerfen, wie sich „die AI zu einem riesigen Diktator“ entwickeln kann, so Trappl zur APA.

Solche Gedanken an eine dominante „Superintelligenz, die uns im besten Fall wie Haustiere und im schlimmsten Fall wie Sklaven behandelt“, haben für den 79-jährigen Gründer des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence (OFAI) in Wien „gottähnliche“ Züge. So ein hypothetisches System „könnte natürlich sehr viel bestimmen“. Die Vorstellung, dass es „das auch will, ist für mich aber absurd“, sagte Trappl. Denn Intelligenz sei im Grunde ein Bündel an Strategien, um wichtige Ziele zu erreichen.

Musk und Hawking warnen

Damit eine Superintelligenz zielgerichtet nach eigenen Vorstellungen die Menschheit unterjochen kann, brauche sie jedenfalls so etwas wie eine menschlich geprägte Persönlichkeit. Trappl: „Es ist schon anzunehmen, dass mit der weiteren Entwicklung intelligenter Systeme auch ihre Zielsetzungen immer komplexer werden“ und diese vielleicht auch denen ihrer Konstrukteure zuwiderlaufen können. Warnungen zur Wachsamkeit vor einem Beginn solcher Entwicklungen kamen kürzlich etwa vom Hightech-Unternehmer Elon Musk oder dem Physiker Steven Hawking.

Andere sehen das weit unkritischer: So etwa Demis Hassabis, Mitbegründer der britischen Google-Schwesternfirma „DeepMind“, die mit einem System aufwarten kann, das menschliche Spitzenspieler im Brettspiel Go besiegt. Er vertrete sozusagen den Standpunkt, „wir müssen eine 'Artificial General Intelligence' (eine Art generell einsetzbare KI; Anm.) entwickeln und damit lösen wir dann alle Probleme“, so Trappl. Sogar eine Religionsgemeinschaft mit einer KI im Zentrum habe etwa der umstrittene KI-Forscher Anthony Levandowski bereits angemeldet.

„Deep Learning“-Systeme als Blackbox

Hier sehe man gewissermaßen Auswüchse eines Hypes rund um die vielversprechende Forschung zu künstlichen neuronalen Netzwerken unter dem Schlagwort „Deep Learning“. Was in solchen Systemen allerdings tatsächlich im Detail abläuft, „weiß man überhaupt nicht“, sagte Trappl. Viel manipulative Macht liege daher bei den Konstrukteuren solcher Systeme: „Der AI-Gott ist momentan viel ungefährlicher als das Potenzial, das in den Händen von Menschen liegt.“ Niemals zuvor seien nämlich so viel Rechen- und Speicherleistung sowie derart viele Daten, „die Leute freiwillig hergeben“, im Umlauf.

Für den Wissenschafter ist jedenfalls klar, dass beim Fortschreiten der Entwicklung die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen intensiver werden muss. Denn bei der Betreuung von oder bei der Zusammenarbeit mit Menschen sollte KI nicht nur ethisches Verhalten zeigen, sondern menschliches ethisches Verhalten auch verstehen. Betreue ein Roboter etwa einen älteren Menschen, der einem Bettler eine Münze gibt und dafür nichts zurück erhält, muss die KI diese zutiefst menschliche Handlung dechiffrieren können. Dazu brauche es tatsächlich eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Thematik.

 

Investitionen in FinTechs deutlich gestiegen

Bereiche Insurtech und Blockchain waren besonders stark gefragt, Foto: APA (AFP)





Investitionen in Fintechs haben 2017 zugelegt. Starke Zuwächse gab es in den Bereichen Insurtech und Blockchain, geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens KPMG hervor. Rund die Hälfte der Investments wurde in den USA getätigt. Insgesamt flossen weltweit 31 Mrd. Dollar (25,28 Mrd. Euro) in Fintechs, um rund ein Viertel mehr als 2016 (24,7 Mrd. Dollar).

„Waren die Investoren im letzten Jahr noch vorsichtig aufgrund von Brexit, der US-Präsidentschaftswahl und Schwankungen der Wechselkurse, legten sie im Jahr 2017 wieder kräftig zu“, so KPMG in einer Pressemitteilung. 2016 hatten sich die Investitionen in Fintechs von 46,7 Mrd. Dollar 2015 auf 24,7 Mrd. Dollar fast halbiert.

Der globale Fintech-Markt habe sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt, so Michael Petritz, KPMG-Tax-Partner und Start-up-Experte bei KPMG Austria. „Der Sektor hat einen Reifegrad erreicht, wo Investoren nicht länger experimentieren. Ziel ist es, mithilfe von Fintechs die digitale Transformation ihres eigenen Geschäfts voranzutreiben.“

In den USA wurden im Vorjahr mit 15,2 Mrd. Dollar rund die Hälfte aller globalen Fintech-Investitionen getätigt. In Europa stieg das Volumen auf 7,44 Mrd. Dollar, nach 2,2 Mrd. Dollar 2016. In Asien gab es einen Einbruch von 10 Mrd. auf 3,85 Mrd. Dollar. Besonders stark gefragt waren im Vorjahr die Bereiche Insurtech und Blockchain. In Start-ups im Versicherungsbereich flossen 2,1 Mrd. Dollar, nach 1,2 Mrd. Dollar. Im Bereich Blockchain wurden 92 Investmentgeschäfte in Höhe von 512 Mio. Dollar getätigt.

Für heuer zeichnen sich laut KPMG-Studie folgende Trends ab: weitere Innovationen und Einführungen von Technologien, die auf Künstlicher Intelligenz basieren und steigende Investitionen im Bereich Regtech - Start-ups, die regulatorische Anforderungen durch neue Technologien und Standards lösen. Es sollte auch verstärkt zu Partnerschaften zwischen den großen Anbietern der Branche kommen, um neue Produkte und Services auf den Markt zu bringen. Zunehmen dürften auch Plattformen für Online-Darlehen.

 

Aus der Wissenschaft:

Dressierter Computerwurm 

Die analoge, natürliche Version: C.elegans, Foto: Zeynep F. Altun (Lizenz: Creative Commons Share Alike)





Computerprogramm oder lebendiges Wesen? An der TU Wien verschwimmt die Grenze: C. elegans ist das einzige Lebewesen, dessen Nervensystem so einfach ist, dass man es vollständig analysieren konnte. Es kann als Schaltplan aufgezeichnet oder in einem Computerprogramm nachgebildet werden. Das Nervensystem des Fadenwurms wurde in Computercode übersetzt – und so gelang es, einem virtuellen Wurm Kunststücke beizubringen. …

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