DBT Newsletter #3/2019

Internet der Dinge: Markt in Österreich verdreifacht sich bis 2025

Eines der Anwendungsfelder ist das Smart Home, Foto: APA/dpa





Der Markt für das Internet of Things (IoT) soll sich in Österreich bis zum Jahr 2025 auf 11 Mrd. Euro fast verdreifachen, bis 2030 könnten es bereits 16 Mrd. Euro sein. Weltweit wird das Marktvolumen von IoT-Anwendungen von derzeit 635 Mrd. US-Dollar (555,9 Mrd. Euro) auf 2,3 Billionen Dollar im Jahr 2030 geschätzt. Diese Zahlen gehen aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsfirma EY (Ernst & Young) hervor. 

Das Internet der Dinge soll die Art und Weise wie Menschen leben und arbeiten grundlegend verändern. Mittels künstlicher Intelligenz werden Geräte miteinander kommunizieren und automatisierte Prozesse einleiten. Die Anwendungsfelder des IoT sind vielfältig: Dazu gehören beispielsweise Smart Homes, selbstfahrende Autos oder vernetzte Ampeln. Aber auch in der Industrie und dem Agrarsektor sollen durch intelligente Vernetzung Arbeitsprozesse vereinfacht werden. 

In der ganzen DACH-Region wird das IoT-Marktvolumen zurzeit auf 35,9 Mrd. Euro geschätzt. Davon entfallen 24,1 Mrd. auf Deutschland, 7,6 Mrd. auf die Schweiz und 4,2 Mrd. Euro auf den österreichischen Markt. Als Basis der Berechnungen dienen die Gesamtausgaben für IoT: von der Planung zur Implementierung, dem Betrieb und der Wartung der Geräte, bis hin zu unterstützenden Aktivitäten. 

5G-Netz als Voraussetzung

Die Studie geht weiters davon aus, dass bis 2024 weltweit 35 Milliarden Endgeräte vernetzt sein werden. Im Jahr 2030 sollen es 50 Milliarden sein. Dabei nennt EY als Voraussetzung für den wachsenden Markt neben der raschen Umsetzung eines 5G-Netzes kostengünstige und einfache Endgeräte, die sich leicht in industrielle Anwendungsprozesse integrieren lassen.

Eine größere Rolle am IoT-Markt sollen laut der EY-Studie künftig Telekommunikationsanbieter (Telcos) spielen. Der Anteil am Markt beläuft sich derzeit auf maximal 15 Prozent. Große Unternehmen wie Amazon und Netflix profitieren von der Infrastruktur eines Breitbandnetzes, das von den Telcos aufgebaut wurde. Telcos müssen laut EY künftig eigene Plattformen und Apps bereitstellen sowie Kooperationen mit Drittanbietern schließen, um größere Umsatzvolumina am aufstrebenden Markt des Internet of Things zu erzielen.


Wifo: Digitalisierung bringt unterm Strich mehr Jobs

Produktivitätsgewinne werden in Studien vernachlässigt, Foto: APA (AFP)





Durch die zunehmende Digitalisierung gehen zwar auch Arbeitsplätze verloren, unterm Strich führt sie aber zu mehr Beschäftigung – zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Wifo-Studie und verweist dabei auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. "Die Angst vor grausamen Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt scheint insgesamt bisher unbegründet", sagt Studienautor Matthias Firgo.

Digitalisierung sei aber "kein Heilmittel" für die Kluft zwischen städtischen und ländlichen Regionen, sagte Firgo bei der Präsentation der Studie über die "Beschäftigungseffekte der Digitalisierung in den Bundesländern sowie in Stadt und Land", die das Wifo im Auftrag der Verbindungsstelle der Bundesländer durchgeführt hat. Digitalisierung und höhere Download-Geschwindigkeiten seien zwar notwendig, alleine aber nicht ausreichend für Regionalentwicklung. 

"Die Breitband-Strategie muss eingebettet werden in eine gesamtheitliche Strategie zur Entwicklung ländlicher Regionen, sodass auch andere wesentliche Infrastrukturbereiche in ausreichender Qualität vorhanden sind, wie öffentliche Nahversorgung, öffentlicher Verkehr oder Kinderbetreuungsplätze." Es gebe kein Patentrezept für alle Regionen, sondern die Maßnahmen müssten auf die jeweiligen Stärken oder Schwächen einer Region abgestimmt werden. "Es ist wahrscheinlich wenig sinnvoll, dass man allzu offensiv versucht, hoch digitalisierte Branchen in der Peripherie anzusiedeln, wenn die unternehmerische Basis und die Humankapitalbasis vor Ort nicht vorhanden sind", so Firgo. 

Positive Auswirkungen außer Acht gelassen

Die Grundstimmung in Bezug auf die Beschäftigungseffekte der Digitalisierung sei stark getrieben durch Studien, die sich ausschließlich dem Verdrängungspotenzial durch Automatisierung und Digitalisierung widmen und zum Teil dramatische Beschäftigungsverluste vorhersagen. Diese Studien hätten aber große Schwächen, kritisieren die Wifo-Ökonomen, vor allem weil sie potenziell positive Auswirkungen auf die Nachfrage und auf die Wettbewerbsfähigkeit durch Produktivitätsgewinne, neue Produkte und Märkte ganz außer Acht lassen würden. 

Wenn man sich ansehe, wie sich die Digitalisierung in der Vergangenheit tatsächlich ausgewirkt habe, komme man zu einem ganz anderen Befund: Knapp die Hälfte der dazu veröffentlichten Studien stelle signifikante positive Effekte auf die Beschäftigung fest, viele weitere würden keine signifikanten Wirkungen finden. "Ergebnisse, die signifikant negative digitalisierungsbedingte Effekte auf den Arbeitsmarkt orten, bleiben bislang klar in der Minderheit", so die Studienautoren. 

Positive Katalysatoreffekte für die lokale Wirtschaft gehen vor allem von den IKT-produzierenden Wirtschaftsbereichen (Informations- und Kommunikationstechnik) aus, haben die Wirtschaftsforscher herausgefunden. "Im Durchschnitt wäre eine Verdoppelung des Anteils von IKT-produzierenden Branchen in einer Region mit einem Anstieg der Beschäftigung um 2 Prozent verbunden. "Eine Erhöhung des Anteils von IKT-Fachkräften um einen Prozentpunkt wird die regionale Beschäftigung im Schnitt um ungefähr 4 Prozent erhöhen", sagte Firgo. 

Höhere Bandbreite, mehr Beschäftigung

Als einen weiteren Maßstab haben die Wifo-Forscher die durchschnittlichen Download-Übertragungsgeschwindigkeiten in den Gemeinden herangezogen und sich dabei an den RTR-Netztest gehalten. Untersucht wurde der Zeitraum 2014 bis 2016. Das Ergebnis: "Gemeinden, die 2014 eine höhere Bandbreite gehabt haben, haben auch höhere Wachstumsraten bei der Beschäftigung gehabt." Dabei habe man auch andere Gründe für Unterschiede beim Beschäftigungswachstum berücksichtigt, erklärte Firgo. 

Die Kluft zwischen Stadt und Land dürfte sich durch die Digitalisierung aber nicht verringern. "Zwischen 2010 und 2017 gibt es kaum Änderungen beim Standortgefälle in Österreich", sagte Firgo. "Das ist insofern überraschend, als es seitens der Politik Hoffnungen gibt, dass die Digitalisierung dazu führt, dass man hochtechnologische Branchen eher im ländlichen Raum ansiedeln kann.“ Auf die Bevölkerungsentwicklung einer Region hat eine bessere Internet-Anbindung keine spürbare Auswirkung. Bessere Möglichkeiten zum Teleworking durch die Stärkung der Breitbandinfrastruktur allein sei daher kein geeignetes Instrument zur Dämpfung der Abwanderung im Ländlichen Raum, meinen die Wifo-Experten.


Mehrheit der EU-Bürger wünscht mehr Kontrolle bei Algorithmen

Skepsis bei sensiblen Einsatzfeldern wie Krankheiten besonders hoch, Foto: APA (AFP)






Eine große Mehrheit der Menschen in der EU wünscht einer Umfrage zufolge mehr Klarheit und Kontrolle beim Einsatz von Algorithmen. Laut einer von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Befragung sprachen sich drei von vier Teilnehmern dafür aus, derartige computerbasierte Entscheidungen nachvollziehbarer zu gestalten und ein Recht auf Überprüfung durch Menschen zu verankern. 

64 Prozent fühlen sich demnach unwohl, wenn Computer Entscheidungen ohne menschliche Beteiligung treffen. Die Akzeptanz dafür schwankt jedoch je nach Einsatzgebiet. Bei Rechtschreibprüfungen können sich 53 Prozent rein computerbasierte Methoden vorstellen, bei hochgradig sensiblen Themen wie der Diagnose von Krankheiten oder der Vorauswahl von Bewerbern auf Stellen sind es lediglich sieben sowie sechs Prozent. 

Darüber hinaus halten die Befragten eine Kennzeichnungspflicht für Algorithmen für wünschenswert, um für mehr Transparenz zu sorgen. Die Stiftung befürwortete das. Die EU sei bei der Schaffung eines solchen "Vermummungsverbots" für Algorithmen "in der Pflicht", erklärte sie. "Die EU muss als globaler Akteur einen eigenen Weg ins Zeitalter der Algorithmen finden", betonte Stiftungsvorstand Jörg Dräger in Gütersloh. 

Zugleich zeigte die Umfrage, dass fast die Hälfte der Europäer nicht weiß, was Algorithmen sind. 48 Prozent haben keine Kenntnis, nur acht Prozent gaben an, viel darüber zu wissen. Genauere Vorstellungen, wo derartige Entscheidungsprozesse eingesetzt werden, haben demnach nur wenige. Etwa ein Fünftel war gar nicht über die Anwendungsfelder von Algorithmen orientiert, hieß es. 

Wenig Wissen über Einsatzgebiete

Mit dem Wort Algorithmus wird eine Reihe von Anweisungen bezeichnet, die in Computersystemen Schritt für Schritt ausgeführt werden, um ein Problem zu lösen oder eine Aufgabe zu bewältigen. Die meisten Befragten haben laut Untersuchung nur vage Vorstellungen davon, wo Algorithmen eingesetzt werden. Am ehesten verbinden sie damit auf die Person zugeschnittene Online-Werbung oder Anwendungen bei Dating-Plattformen. 

Dabei offenbarte die Studie auch erhebliche Unterschiede zwischen den Staaten. So fanden drei Prozent der Befragten in Polen den Einsatz von Algorithmen beängstigend, in Frankreich waren es dagegen 21 Prozent. Im Schnitt waren 34 Prozent der Menschen unentschlossen, was sie von diesen halten sollten. Die Stiftung forderte eine "gesamteuropäische Diskussion und Strategie zum Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz".

 

Aus der Wissenschaft:

Schluss mit Computerfehlern!

Prof. Laura Kovacs, Foto: Luiza Puiu





Wir alle ärgern uns über Softwarefehler – von der Handy-App, die plötzlich abstürzt, bis zur Grafikkarte, die sich mit dem neuen Betriebssystem nicht verträgt. Prof. Laura Kovacs vom Institut für Logic and Computation der TU Wien entwickelt Methoden, mit denen unsere Software sicherer und verlässlicher werden soll. Mit Hilfe eines ERC Proof of Concept-Grants will Laura Kovacs ihre Ergebnisse nun in industrielle Anwendungen einbringen. Die Gründung eines eigenen Start-up-Unternehmens ist bereits geplant.

Mehr Infos


Empfehlen & Verbreiten Facebook Twitter
Load more