DBT Newsletter #2/2019

In Europa steigt die Skepsis gegenüber Robotern

Deutlich negativere Einstellung als noch vor fünf Jahren, Foto: APA (dpa)





Die Europäer stehen Robotern zunehmend skeptischer gegenüber. Wie Wissenschafter der Universitäten Linz und Würzburg in einer im Fachjournal "Computers in Human Behavior" veröffentlichten Analyse von Eurobarometer-Daten zeigen, wurden Roboter 2017 deutlich negativer beurteilt als fünf Jahre davor. Speziell gegen Roboter am Arbeitsplatz sind die Vorbehalte gewachsen.

Für die Studie haben Timo Gnambs vom Institut für Pädagogik und Psychologie und Markus Appel von der Universität Würzburg Daten der Eurobarometer von 2012, 2014 und 2017 analysiert. Bei diesen repräsentativen Umfragen wurden mehr als 80.000 Personen aus 27 Ländern zu verschiedenen Themen befragt.

Roboter als nützliche Technologie ...

Zunächst wurde die allgemeine Einstellung der Befragten zu Robotern erhoben. Sie sollten angeben, ob die Maschinen eine gute Sache für Gesellschaften sind, weil sie den Menschen bei Alltagstätigkeiten helfen oder Arbeiten ausführen können, die für Menschen zu schwer oder zu gefährlich sind. Die Bewertung fällt hier noch relativ positiv aus, Roboter würden als potenziell nützliche Technologie gesehen, die das Leben bereichere.

Geht es aber um konkrete Anwendungen von Robotern, die bald Realität werden können, fiel die Bewertung deutlich negativer aus. "Die Menschen scheinen große Bedenken zu haben, wenn es darum geht, Roboterunterstützung etwa in der Medizin, in der Altenpflege oder bei autonom fahrenden Autos zu akzeptieren", schreiben die Wissenschafter in der Arbeit.

... aber nur in der Theorie

Gewachsen seien vor allem die Vorbehalte gegen den Einsatz von Robotern am Arbeitsplatz. Diese zunehmenden Sorgen seien nicht ohne Grund, meinen die beiden Forscher unter Hinweis auf Studien, wonach bis 2030 etwa ein Fünftel aller Arbeitsplätze durch Roboter ersetzt werden soll. Auch die erhöhte Medienaufmerksamkeit und die öffentliche Diskussion über das Thema in den vergangenen Jahren könnte die öffentliche Meinung in eine kritische Richtung gelenkt haben, vermuten die Wissenschafter. Noch negativer als Roboter am Arbeitsplatz wird ihr Einsatz im Operationssaal oder als selbstfahrende Autos bewertet.

Für die Forscher ist die Einstellung offensichtlich vergleichsweise positiv, solange man sich mit Robotern als noch mehr oder weniger theoretisches Konzept beschäftige. Die Skepsis wachse aber, sobald sich die Anwendung der Maschinen konkretisiert. Die Daten zeigen weiters, dass Männer Roboter positiver als Frauen sehen. Arbeiter stehen der Technologie reservierter gegenüber als Angestellte. Kaum Unterschiede wurden hinsichtlich des Alters der Befragten festgestellt. Die wachsende Skepsis gegenüber Robotern in Europa sollte nach Ansicht der beiden Forscher jedenfalls für Politik und Wirtschaft "ein Warnsignal sein".

Service: http://dx.doi.org/10.1016/j.chb.2018.11.045 


Big Data – Wo Kunden herkommen und hingehen

Fundierte Entscheidungen durch Datenanalyse, Foto: APA (dpa)





Die Auswertung riesiger Datenmengen (Big Data) für Geschäftsideen ist ein Megatrend. Der Immobilienberater CBRE hat eine Anwendung entwickelt, mit der Einkaufszentren oder auch Einzelhändler verfolgen können, wo ihre Kunden herkommen, wann sie sich wo aufhalten und bei welchen Konkurrenten sie noch einkaufen. Auch für Stadtentwickler könnten die Daten interessant sein.

Grundlage sind die anonymisierten Bewegungsdaten von rund 100 Mio. Mobiltelefonen, großteils aus Europa. Diese kauft CBRE von einer Firma zu, die auf 100.000 verschiedenen Apps – etwa für Online-Navigation oder Wetter – Werbung schaltet und sich dabei die Genehmigung erteilen lässt, die Bewegungsdaten der Nutzer auszuwerten. Wo ein Handy regelmäßig in der Nacht bleibt, ist der "Herkunftsort". Ist es tagsüber meist an einem Ort stationär, gilt dies als Arbeitsplatz. So lässt sich laut CBRE auch leicht erkennen, ob jemand gerade als Tourist im Ausland ist, was interessant ist, da gerade Touristen spannende Kunden sind.

"Calibrate", das Programm von CBRE, zeichnet die Bewegungsprofile aller dieser Datenpunkte laufend auf. Der Betreiber eines Einkaufszentrums kann damit erfahren, wie viele seiner Kunden nur bei ihm einkaufen und bei welchen Konkurrenten die anderen zusätzlich ihr Geld ausgeben. Damit könnte man etwa sein Sortiment anpassen, um die Abwanderung in ein bestimmtes Konkurrenzhaus zu stoppen, erläutert Walter Wölfler, Head of Retail Österreich & CEE bei CBRE, im Gespräch mit der APA.

CBRE konnte beispielsweise mit seinen Daten zeigen, dass die Einkaufszentren in Madrid zwischen 45 und 65 Prozent Stammkunden haben, die sonst kein Einkaufszentrum aufsuchen – und welche anderen Häuser die Kunden aufsuchen. 50 Prozent treue Kunden gelten dabei als guter europäischer Schnitt. CBRE hat aber auch einem österreichischen Einkaufszentrum das Einzugsgebiet seiner Kunden offengelegt – was wiederum für gezielte Werbung eine wichtige Information ist.

Touristen stimmen mit den Füßen ab

CBRE kann aber auch zeigen, dass im ausgewählten Zeitraum im Goldenen Quartier in Wien 35 Prozent Touristen und 65 Prozent Wiener unterwegs waren. "An diese Information kommt man sonst schwer", sagt Wölfler. CBRE habe einem Kunden nachgewiesen, dass er über 25 Prozent Touristen im Geschäft hat, nicht unter 5 Prozent wie seine hausinternen Befragungen ergeben hatten. Touristen würden oft nicht an solchen Befragungen teilnehmen, bei der Datenanalyse "wird mit den Füßen abgestimmt", formuliert es Wölfler.

Genau genommen wirft das Programm lediglich aus, wann sich wie viele Handys wo bewegen – und wo diese Handys ursprünglich herkommen. Daraus entsteht eine "heat map" auf dem Stadtplan, also die Häufung von Punkten, die dann erst mit künstlicher Intelligenz und viel Know-how interpretiert werden müssen: Eine Häufung an einem Punkt im unteren Abschnitt der Mariahilferstraße macht erst Sinn, wenn man weiß, dass dort das Kaufhaus Gerngross steht. Die Daten zeigen aber auch, dass an Dienstagen die Kundenfrequenz erst ab 16 Uhr steigt, an Mittwochen hingegen schon ab 14 Uhr und an Freitagen ab 12 Uhr. Mit solchen Informationen ließe sich auch nachweisen, wie die Errichtung einer Fußgängerzone die Kundenströme verändert hat.

Mehr Information, weniger Bauchgefühl

Das Know-how dahinter ist aber sehr komplex. Denn zu wissen, dass viele Kunden aus dem 19. Bezirk in Wien kommen, ist eine Sache. Das aber mit der Kaufkraft und der Bevölkerungsstruktur des 19. Bezirks – auch einzelner Grätzel im Bezirk – zu kombinieren, bringt erst den wahren Mehrwert. So kann man mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit gezielt kaufkräftige oder umweltbewusste Kundengruppen herausfiltern und dann nachweisen, wo sich diese bewegen. Genau dort könnte man dann ein Geschäft eröffnen – wenn man auch noch das Wissen mit den richtigen Maklern teilt. Gezielt habe das etwa Microsoft in London mit der CBRE-Software gemacht, sagt Wölfler. "Das Programm hilft, informiertere Lösungen zu finden, weniger aus dem Bauch heraus."

CBRE Österreich hat sich bemüht, das rasch nach Österreich zu bringen. Hierzulande werden Bewegungsdaten von 15 bis 20 Prozent aller Handys erfasst, also etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Voraussetzung ist immer, dass man der anonymisierten Verwendung zugestimmt hat und sein GPS eingeschaltet lässt. "CBRE nimmt Datenschutz sehr ernst. Calibrate ist anonymisiert und nicht auf einzelne Personen zurückzuverfolgen", betont Wölfler. Selbst Großunternehmen, dessen diesbezügliche Konzernvorgaben äußerst strikt sind, hätten letztlich das System nach eingehender Prüfung für unbedenklich erklärt.


Wie Banken online abschneiden und was Kunden noch wollen

Handy als Verbindung zur Bank wird wichtiger, Foto: APA (AFP)






Eine neue (Online)-Umfrage besagt, dass 89 Prozent der Österreicher ihre Bankangelegenheiten elektronisch erledigen. Ebenfalls 89 Prozent nutzen noch analogen Kontakt zur Bank, also via Telefon oder Filialbesuch. Wichtig scheint die Verbindung zwischen on- und offline, also zum Beispiel den Berater direkt aus der Banking-App oder von der mobilen Website aus zu erreichen.

Gerade außerhalb der Ballungsgebiete und nach Filialschließungen komme es auf eine solche Verzahnung an, meinen die Autoren. Nun haben der Finanz Marketing Verband Österreich und Google ihre erste Studie zum sogenannten "Omnichannel-Readiness-Index" für Banken vorgelegt. Im September 2018 wurde dafür der Online-Auftritt von mehr als 20 Banken im Land analysiert, zusätzlich wurden vom Umfrageinstitut Mindtake Research 1.007 Österreicherinnen und Österreicher zwischen 18 und 69 Jahren in Computer Assisted Web Interviews befragt, rekrutiert über das hauseigene Onlinepanel "talk".

Ziel der Studie sei es, einen Überblick der – allenfalls auch unentdeckten – Potenziale für Banken zu schaffen, also Klarheit, was sich Kunden und vor allem potenzielle neue Kunden von ihrer Bank erwarten oder wünschen, sagte Google Austria-Manager Matthias Zacek. So sei etwa bei der mobilen Nutzung das Angebot einer Banking-App für zwei Drittel der Befragten wichtig. Beim Kreditrechner werde die Nutzung am Desktop stärker nachgefragt als am Smartphone. Jeder Zweite will Rechenergebnisse aber mitnehmen sowie Bankproduktbewertungen und Rezensionen über Social Media teilen können. Letzteres wird von heimischen Banken so gut wie gar nicht angeboten.

Bank-App für Ältere kaum ein Thema

Eine Bank-App am Smartphone oder Tablet spielt für Kunden über 60 allerdings nur eine halb so große Rolle wie bei jungen Erwachsenen. Das Telefon als Verbindung zur Bank wird in der jüngsten und ältesten Altersgruppe indes gleich stark genutzt. Um mit der Bank in Kontakt zu treten, steht weiter ein persönlicher Besuch in der Filiale weit oben. Nur in der Gruppe zwischen 40 und 49 sind es weniger als 80 Prozent, geht aus der Befragung hervor.

Nach zukünftigen Verhaltensweisen befragt gaben 42 Prozent an, für Bankgeschäfte häufiger das Handy oder Tablet einsetzen zu wollen. 38 Prozent glauben, dass die Info-Beschaffung über das Smartphone passiert, die Abwicklung aber über den PC. 24 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass sie den Berater in der Bank künftig seltener als jetzt brauchen. Damit gab es – so die Studienautoren – für die Berater in der Filiale unter allen Touchpoints den stärksten Rückgang.

Für die Mehrheit der Umfrageteilnehmer ist es aktuell aber noch von Vorteil, den Standort der nächsten Filiale online auf einer Landkarte angezeigt bzw. herausgefiltert zu bekommen. Dass das gesamte Filialnetz auf Google Maps hinterlegt ist, war nur für eine Minderheit wichtig, geht aus der von Google mitbeauftragten Studie hervor. Von den Kunden indes häufig gewünscht: ein Rückruf durch den Berater. Das wollen immerhin 72 Prozent, quer durch alle Kanäle, wird aber nur von 5 Prozent der Banken angeboten.

 

Aus der Wissenschaft:

Sicher ist sicher

Dr. Martina Lindorfer, Foto: TU Wien





Malware, Bugs und Hintertüren: Um für Sicherheit im Internet zu sorgen, muss die Forschung ständig neue Probleme lösen. Darum kümmert sich Martina Lindorfer von der TU Wien. Sie untersucht, welche Gefahren im Internet lauern und wie wir uns (und unsere Privatsphäre) vor ihnen schützen können. Im Oktober trat sie eine Laufbahnstelle am Institut für Logic and Computation der TU Wien an. Fast zur gleichen Zeit wurde sie mit dem prestigeträchtigen Cor Baayen Young Researcher Award ausgezeichnet.

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