DBT Newsletter #02/2018

 

Trump, Kritik und Grübeln: Tech-Branche verspricht mehr Verantwortung

Visionären aus dem Silicon Valley schlägt Kritik entgegen, Foto: APA (AFP)






Die Zeiten der Internet-Euphorie sind längst vorbei. Nach einem Jahr voller Kritik, Selbstzweifel und Ernüchterung will die Tech-Branche zeigen, dass sie gereift ist. Man sei bereit, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen, war ihre Botschaft bei der diesjährigen Innovationskonferenz DLD in München.

Für Facebook kam der einflussreiche Politik- und Kommunikationschef Elliot Schrage mit einem Fehlereingeständnis: Das Online-Netzwerk habe sich zu sehr darauf versteift, neue Erlebnisse zu schaffen. Dadurch habe man sich zu wenig darum gekümmert, die Nutzer vor Hass und Hetze sowie ausländischer Einmischung wie den russischen Polit-Kampagnen zur von Donald Trump gewonnenen US-Präsidentenwahl zu schützen. „Wir wollen zeigen, dass wir die Menschen enger zusammenbringen können“, versprach Schrage.

Für manche war das nicht gut genug: Der New Yorker Marketing-Professor Scott Galloway, der auf den DLD-Konferenzen traditionell über die Rolle der Internet-Riesen referiert, forderte diesmal ohne Umschweife, sie zu zerschlagen. Sie behinderten als Monopolisten den Fortschritt und bezahlten zu wenig Steuern, argumentierte Galloway zum Kopfnicken vieler Teilnehmer.

„Warum haben wir Trump, warum haben wir den Brexit?“, fragte Albert Wenger vom Start-up-Investor Union Square Ventures. „Weil von den vergangenen 10, 20 Jahren nur ein sehr kleiner Teil der Gesellschaft profitiert hat“ - viele der Anwesenden inklusive. Dagegen habe eine Menge Leute den Anschluss verloren. „Und wenn wir nicht bereit sind, etwas grundlegend Neues zu erfinden, das dies angeht, werden wir eher mehr als weniger Trumps haben“, mahnte er.

Auch Mittelstand ist Verlierer der Automatisierung

Ursprung des Problems sei die seit Jahrzehnten andauernde Automatisierung, die mit dem Vormarsch künstlicher Intelligenz noch eine ganz andere Qualität erreiche, erklärte der für eher düstere Vorhersagen bekannte Oxford-Ökonom Carl Benedikt Frey. „Wir sehen, dass die Jobs mit mittlerem Einkommen quer durch die Gesellschaft verschwinden“, betonte er. „Selbst Leute, die nicht arbeitslos geworden sind, aber in Jobs mit schlechterer Bezahlung und niedrigerem sozialen Status abrutschten, sind unterm Strich Verlierer der Automatisierung.“ Und Jobs, die dank neuer Technologien entstehen, verlangten nach ganz anderen Qualifikationen als bisher.

Was also tun? Die vom Medienkonzern Burda veranstaltete DLD ist im Geiste eine europäische Konferenz. Und so drehte sich ein großer Teil der Debatten darüber, wie Europa die Zukunft verbessern kann - und zugleich dem Schicksal entgehen, nur zum Schlachtfeld der Tech-Giganten aus Amerika und China zu werden. Der frühere Telekom-Chef Rene Obermann, der heute ein Investor ist, brachte eine europäische Version der US-Forschungsagentur DARPA ins Gespräch, die angeschlossen ans Verteidigungsministerium mit staatlicher Finanzierung an neuen Technologien arbeitet.


Digitalisierung schreitet durch die Hoteltür

Gäste werden verstärkt über neue Kommunikationskanäle angesprochen, Foto: APA (Hochmuth)





Wird die Rezeptionistin durch einen Roboter ersetzt? Die Hoteliers und Arbeitnehmervertreter des Landes glauben das nicht, sind sich aber einig, dass Sprachassistenten und Maschinen Routine-Anfragen und -Tätigkeiten übernehmen können. „Die Hotelbranche befindet sich an einem Wendepunkt“, sagte Vladimir Preveden von der Unternehmensberatung Roland Berger am Hotelierkongress.

„Künstliche Intelligenz bzw. Sprachsteuerung ist der große Trend, hat unglaublich an Dynamik gewonnen und führt, wenn man es richtig macht, zu Gästebegeisterung“, meinte Prevden und verwies dabei auch auf seine Eindrücke von der Consumer Electronics Show (CES), die kürzlich in Las Vegas stattfand.

Die neuen technologischen Möglichkeiten werden zwar Routinetätigkeiten übernehmen können, aber keine Jobs kosten, so der derzeitige Grundtenor in der Branche. „Ich glaube, dass es nur sehr bedingt Einsatzbereiche gibt, etwa im 'Housekeeping', also beispielsweise Staubsaugen auf den Gängen“, schätzt der Hotelier Alexander Ipp.

Das sehen auch Arbeitnehmervertreter so: „Es geht um die Gastgeberrolle, die Menschlichkeit, die man tagtäglich als Gastgeber verkauft - man wird die Leute brauchen, um diese Dienstleistung anzubieten“, betonte etwa Berend Tusch von der Gewerkschaft vida in einer Podiumsdiskussion beim Jahrestreffen der heimischen Spitzenhotellerie in der Wiener Hofburg. Er glaubt, dass mit Hilfe von Robotern und Sprachassistenten Arbeitsprozesse erleichtert und die Mitarbeiter entlastet werden, sodass mehr Zeit für den Urlauber bleibt.

Kundenbeziehungen ohne menschlichen Kontakt

„Die Zukunft ist gar nicht mehr so fern - Sie sollten jetzt schon schauen, wie Sie diese Kommunikationskanäle nutzen wollen“, riet Alexander Wahler, Mitbegründer einer Software-Plattform für Kundenkommunikation namens Onlim, den Hoteliers am Puls der Zeit zu bleiben. Künstliche Intelligenz ermögliche beispielsweise auch Kundenbeziehungen ohne menschlichen Kontakt vor, während und nach der elektronischen Buchung. Die Gäste sollen mit dem Hotelier „jederzeit '24/7' virtuell in Kontakt treten können“, also von Montag bis Sonntag, rund um die Uhr.

„Die Digitalisierung wird manche Aspekte in der Hotellerie sogar befeuern - im Verkauf, in der internationalen Vermarktung werden wir das brauchen“, so die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer. „In dem Moment, wo der Gast durch die Hoteltür hereinkommt, will er aber von einem Menschen betreut werden“, ist die Branchensprecherin überzeugt.

Von Birgit Kremser/APA

 

Knochenjob: Mit Künstlicher Intelligenz gegen Arthrose

Software ermöglicht rasche Entscheidungsfindung, Foto: IB Lab





Der Trend zu Künstlicher Intelligenz in der Medizin lässt auch in Österreich Start-ups in diesem Hightech-Bereich sprießen. Die Vision des Image Biopsy Lab (IB Lab) ist es, Ärzten aus einem simplen Röntgenbild umfangreiche Informationen zu liefern, wodurch mögliche weitere – und teurere – Untersuchungen nicht mehr notwendig sind. Noch ist man aber nicht soweit. Erste Erfolge wurden hingegen schon bei der Früherkennung und Diagnose von Kniearthrosen erzielt.

Hier kommt eine Software zum Einsatz, die die Röntgenbilder analysiert und dann Orthopäden und Radiologen mehr oder weniger in Echtzeit einen Diagnose-Vorschlag macht. „Der Arzt hat sofort einen Überblick über den Status des Gelenks und kann sehr schnell entscheiden“, erklärte Richard Ljuhar, Chef und Mitgründer des IB Labs, im Gespräch mit der APA.

Das System nutzt den Angaben zufolge Deep Learning-Methoden und wurde an mehr als 150.000 Röntgenbildern trainiert. „Die Software weiß, wie ein gesundes Knie aussieht und kann unterschiedliche Krankheitsstadien anhand der Röntgenbilder automatisiert erkennen. Auffälligkeiten werden markiert und ein Diagnose-Vorschlag erstellt“, so Ljuhar. Außerdem liefere das System auch einen sehr detaillierten und strukturierten Bericht, „nicht nur eine Aneinanderreihung von kryptischen lateinischen Wörtern“, den man den Patienten mitgeben könne.

Vorschläge zu rund 85 Prozent angenommen

Rund 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung seien ab einem gewissen Alter von Gelenksabnutzungen betroffen. „Arthrosen nehmen zu, weil wir schwerer und älter werden und uns weniger bewegen“, sagte der TU Wien-Absolvent. Ärzte hätten wenig Zeit und müssen schnell entscheiden. Bilddaten zu analysieren und Knochenerkrankungen im Frühstadium zu erkennen, sei aber sehr aufwendig. Aktuell würden die Diagnose-Vorschläge der Software im Schnitt zu 80 bis 85 Prozent von den Ärzten bestätigt. „Wir wollen auf über 90 Prozent kommen. Daran müssen wir noch arbeiten“, so Ljuhar.

Er wies auch darauf hin, dass es unter Ärzten zum Teil eine deutlich höhere Schwankungsbreite bei den Entscheidungen gebe. Im Rahmen der Validierung in klinischen Studien werde deshalb für ein Röntgenbild teilweise eine halbe Stunde aufgewendet. In der Praxis sei das unmöglich. Bis Ende des Jahres wolle man eine Zulassung nach dem Medizinproduktegesetz erreichen, „wo unsere Software einer Arzt-Diagnose entspricht“.

An Vorhersage wird noch gearbeitet

Die aktuelle Forschung gehe aber über die reine Röntgenbefundung hinaus. „Wir haben Modelle entwickelt, durch die eine Vorhersage des Risikos möglich ist. In Studien haben wir zu 80 Prozent prognostizieren können, dass Patienten in den nächsten vier Jahren eine signifikante Verschlechterung des Kniegelenks erfahren werden“, erklärte Ljuhar. Das komme bereits in klinischen Studien zur Anwendung.

Hervorgegangen ist das IB Lab aus dem Wiener Medizintechnikunternehmen Braincon. „Ende 2016 haben wir erkannt, dass man als eigenständiges Unternehmen schneller wachsen kann und schließlich von AWS, Inits, Wiener Wirtschaftsagentur und Co. mehr als eine Million Euro an Fördergeldern erhalten.“ Mit den Bilddatensätzen, die man im Lauf der Jahre aufgebaut hat, wurden dann Algorithmen entwickelt, die quasi selbstlernend sind. Ein wichtiger Partner sei hier die Donau-Universität Krems. Stefan Nehrer, Leiter des Zentrums für Regenerative Medizin und Orthopädie, habe das IB Lab mitgegründet und fungiere jetzt als Chief Medical Officer.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit ein Dutzend Mitarbeiter. Für heuer rechnet man mit rund 200.000 Euro Umsatz. Für das weitere Wachstum seien noch 1,5 Mio. Euro Risikokapital notwendig. Entsprechende Gespräche mit Investoren würden laufen und sollen noch heuer abgeschlossen werden.

 

Aus der Wissenschaft:

Die Zukunft ist „data-driven": „Data Intelligence" an der TU Wien


Stiftungsprofessur Data Intelligence an der TU Wien, Foto: T-Mobile/APA-Fotoservice/Tanzer





Professor Allan George Hanbury übernimmt die neue Stiftungsprofessur „Data Intelligence“ an der TU Wien. Dies wird durch die Forschungskooperation zwischen TU Wien und TU Berlin sowie der Deutschen Telekom AG, T-Mobile Austria und der Förderung durch das EU Labs Programm der Telekom Innovation Laboratories (T-Labs) möglich. Die Forschung im Bereich Data Intelligence an der Fakultät für Informatik kann so vertieft werden; künftige Data Scientists erhalten mit der Kombination von Statistik und Informatik ein optimales Rüstzeug für die Digitale Transformation. ...

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