DBT Newsletter #1/2019

Noch wenige Investorinnen und Start-up-Gründerinnen in Österreich

Frauen sind in Start-up-Szene deutlich unterrepräsentiert, Foto: APA (dpa)






Start-up-Gründer und Investoren in Österreich sind zum Großteil männlich. Zwei Konferenzen in Wien – die "Investorinnen.com"-Tagung und die "Darwin & Marie"-Konferenz – widmeten sich dem Thema aus weiblicher Perspektive.

Im vergangenen September wurden im "Austrian Startup Monitor 2018" zu 1.700 Start-up-Gründern und
-Gründerinnen aus 368 Start-ups neue Zahlen zum Geschlechterverhältnis in der Gründerszene veröffentlicht. Demnach sind 6 Prozent der Start-ups ausschließlich von Frauen (inkl. 4 Prozent Einzelgründerinnen) und 71 Prozent ausschließlich von Männern (inkl. 15 Prozent Einzelgründern) gegründet worden. Bei 29 Prozent der Start-ups ist zumindest eine Frau Mitglied des Gründungsteams, geht aus dem Bericht hervor.

Die "Investorinnen.com"-Tagung am 16. Jänner in Wien bei BDO Austria hat Investorinnen, Bankerinnen und Unternehmensexpertinnen zusammengebracht. Im Mittelpunkt standen Workshops und Diskussionen rund um Investmentkriterien, Risiken und Investitionsstrategien. Außerdem wurden die Investorinnen.com-Awards verliehen. Die "Darwin & Marie"-Konferenz am 17. Jänner in der Österreichischen Nationalbibliothek widmete sich weiblicher Führung in Technologie, Wissenschaft und Innovation, unter anderem mit Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) und der Expertin für selbstfahrende Autos bei Volvo, Asa Laveno.

Förderprogramm von Female Founders

Um den Frauenanteil in der österreichischen Gründerszene zu steigern, hat der Wiener Verein Female Founders unterdessen ein Förderprogramm ins Leben gerufen. Bewerben können sich bis 31. Jänner Start-ups, bei denen mindestens eine Frau im Gründerteam vertreten ist. Zehn Start-ups werden in einem dreimonatigen Programm dabei unterstützt, ihr Produkt marktfähig zu machen, um dann auf Investorenjagd gehen zu können.

Für die Wiener Investorin Karin Kreutzer ist die Männerdominanz in der Start-up-Szene einer der Gründe, dass es Frauen schwerer fällt, sich einzubringen. Außerdem gebe es noch einige weitere Faktoren. "Dass Frauen weniger gut und weniger vielfältig vernetzt sind als Männer. Dass sie meist erst eine neue Aktivität oder ein neues Engagement angehen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie darin zu mindestens 100 Prozent kompetent sind", sagte Kreutzer kürzlich dem Wirtschaftsmagazin "Trend". 


Kunde steht bei KI-Anwendungen im Handel noch nicht im Mittelpunkt

Kosten- und Ertragsüberlegungen im Vordergrund, Foto: APA (dpa)





Im Handel stehen einfache, kundenorientierte Implementierungen von Künstlicher Intelligenz (KI) noch nicht im Mittelpunkt des Interesses, vielmehr sind es Kosten- und Ertragsüberlegungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Capgemini.

KI-Anwendungen im Handel zielen derzeit hauptsächlich auf Vertrieb und Marketing ab, es fehle der Fokus auf Benutzerfreundlichkeit, halten die Studienautoren fest. Die treibenden Kräfte für KI-Anwendungen seien Kosten mit einem Anteil von 62 Prozent und der Return On Investment (ROI) mit 59 Prozent. Kundenerfahrungen hätten mit 10 Prozent dagegen erheblich geringere Bedeutung.

"Vor allem aber sollten Händler der Versuchung widerstehen, nur kurzfristige Renditeziele zu verfolgen und dabei Kunden – vor allem im Sinne der langfristigen Kundenbindung – aus dem Blick zu verlieren", so Andreas Hornich von Capgemini Österreich in einer Pressemitteilung. Langfristig würden sich loyale Kunden wesentlich nachhaltiger in finanziellen Kennziffern niederschlagen.

Laut Studie setzten heutzutage 28 Prozent der Händler KI ein. Vor einem Jahr waren es erst 17 Prozent. 71 Prozent der Händler geben an, dass KI Arbeitsplätze schaffe. Zwei Drittel dieser Jobs bewegten sich auf einem recht hohen Niveau. Die Arbeitsplatzverluste seien überschaubar. Befragte Händler, die KI bereits in kundennahen Funktionen einsetzen, erwarten bis zu 15 Prozent weniger Kundenbeschwerden und bis zu 15 Prozent höhere Umsätze.

Realistischere Erwartungen

Die Studie ortet im Zusammenhang mit KI auch mehr Realismus: 2017 behaupteten noch 78 Prozent der Einzelhändler, dass sie über die dafür erforderlichen Fähigkeiten verfügen, heute sind es nur noch 53 Prozent. 2017 meinten mehr als acht von zehn Einzelhändlern, dass ihr Datenökosystem für KI bereit sei. Dieser Wert ist inzwischen auf 55 Prozent gefallen. Der Anteil der Organisationen, die angeblich eine Roadmap für die KI-Implementierung haben, ist von 81 auf 36 Prozent zurückgegangen.

Für die Studie wurden 400 global tätige Handelskonzerne befragt, die gemeinsam 23 Prozent des globalen Einzelhandels repräsentieren.


Die 5G-Revolution lässt noch auf sich warten

Mobilfunkanbieter müssen ihre Netze erst ausbauen, Foto: APA (AFP)






Clayton Harris aus Houston in Texas hatte von seinem Internet-Anbieter die Nase voll. Der Dienst des Kabel-Providers Comcast lieferte nicht die gewünschte Geschwindigkeit, die er für seinen Heimarbeitsplatz als Ingenieur und sein vernetztes Zuhause ständig benötigt. Durch einen Zufall bot sich Harris eine Alternative: Der US-Mobilfunker Verizon suchte für einen Feldversuch nach Kunden, die die fünfte Mobilfunkgeneration 5G ausprobieren wollen. Vor drei Monaten wurde der 5G-Router im Haus von Harris in den Houston Heights in Betrieb genommen, Harris wurde damit der erste kommerzielle 5G-Kunde in den USA.

Auf der Elektronikmesse CES berichtete Harris nun beim Keynote-Vortrag von Verizon-Chef Hans Vestberg von seinen ersten 5G-Erfahrungen. "Mir ist vor allem die Zuverlässigkeit des Dienstes wichtig, weil ich von zu Hause aus arbeite", sagte er über eine knackig scharfe Videokonferenz-Schaltung. "Und es ist ziemlich schnell." Um das Publikum auf der CES zu überzeugen, startete Harris einen Geschwindigkeitstest. "690 Megabit pro Sekunde", stand schließlich auf dem Monitor. "Ich erreiche manchmal auch Werte bis zu 1,3 Gigabit/s". Das ist zwar deutlich weniger als die theoretisch möglichen zehn Gigabit/s (10.000 Megabit/s), aber viel schneller als die bisherige Kabelverbindung. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Internet-Anschluss kommt auf 10 bis 20 Megabit/s.

Die höhere Datengeschwindigkeit ist aber nur ein Aspekt von 5G: "Es geht um viel mehr als die Fähigkeit, einen neunzigminütigen Film künftig innerhalb von zehn Sekunden auf seinem Handy herunterladen zu können", sagte Vestberg. 5G sei bei Massenevents wie großen Sportveranstaltungen nicht mehr an die bisherigen Restriktionen von 3G und 4G gebunden, sondern biete einen Datendurchsatz von bis zu 10 Terabit pro Sekunde und Quadratkilometer, rund tausend mal mehr als bislang möglich. Außerdem könne 5G auf so einer Fläche die Verbindung für rund eine Million Geräte herstellen. Das ist wichtig, wenn beispielsweise in einem großen Hafenterminal unzählig viele Gegenstände im "Internet der Dinge" vernetzt sind. Vestberg verwies auch auf die ökologischen Vorteile von 5G, das nur zehn Prozent des Strombedarfs von 4G benötige.

Schließlich verwies Vestberg auf die deutlich geringeren Laufzeiten der Daten. In den besten 4G-Netzwerken erzielt man eine Latenz zwischen 50 und 100 Millisekunden. In 5G reduziert sich diese Zeitverzögerung auf 10 Millisekunden. "Jede Anwendung mit Virtual Reality oder Augmented Reality benötigt Latenzzeiten unter 20 Millisekunden." Das betreffe nicht nur Gamer, die über die Mobilfunknetze spielen wollen, sondern auch Bereiche wie die Telemedizin.

Startschuss für Versteigerung in Österreich

In Österreich fällt der Startschuss für den neuen Mobilfunkstandard 5G Anfang 2019, wenn die Telekombehörde RTR wie geplant im Februar die ersten Frequenzen versteigert. Die weltweit ersten 5G-fähigen Smartphones sind im Laufe des Jahres zu erwarten. Ob es 2019 in Österreich bereits erste Tarife mit 5G geben wird, ist allerdings offen.

Bis 5G den Massenmarkt erreicht, wird es jedenfalls etwas dauern – die ersten 5G-Geräte dürften nämlich deutlich über dem Preis eines Mittelklasse-Smartphones liegen. Auch müssen die Mobilfunkanbieter ihre Netze erst ausbauen und die Sendeanlagen auf 5G umrüsten. Bei LTE, der vierten Mobilfunkgeneration, brauchte es ebenfalls eine gewisse Zeit, bis sich die Technologie durchsetzte. RTR-Chef Johannes Gungl sagte, die Betreiber A1, T-Mobile und Drei seien durch den stetig steigenden Datenverbrauch dazu "verdammt", 5G schnell einzuführen.


 

Aus der Wissenschaft:

Bessere Halbleiterchips: Defekten in der Nanostruktur auf der Spur

Nanostrukturen berechnen und messen im neuen CD Labor, Foto: TU Wien





In einem neuen Christian Doppler Labor an der TU Wien wird mit neuartigen Methoden erforscht, wie sich atomare Defekte in elektronischen Bauteilen auswirken. Auf atomarer Skala lassen sich kleine Defekte in der Halbleiterstruktur nie vollständig vermeiden. Wenn jedoch elektronische Bauteile immer kleiner werden, dann wirken sich solche Defekte immer stärker aus. Modernste Technologien leiden heute unter diesem Problem, ihre Leistungsfähigkeit wird durch eine Vielzahl von Materialdefekten stark eingeschränkt. An der TU Wien wird dieses Problem nun mit neu entwickelten Methoden erforscht, um Halbleiterchips gemeinsam mit Industriepartnern besser und zuverlässiger zu machen.

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