DBT Newsletter #20/2018

Künstliche Intelligenz braucht Plattformen

Derzeit gibt es noch keinen breit angelegten Einsatz von KI, Foto: APA (AFP)






Große Datenmengen ("Big Data") mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) zu interpretieren und zur Effizienzsteigerung einzusetzen, gilt als eine der disruptivsten Technologien für die nähere Zukunft. Um diese Vorteile optimal ausnutzen zu können, braucht es neben Forschung auch mehr Kooperationen und Plattformen, zeigten sich Experten beim "European Big Data Value Forum" in Wien überzeugt.

Noch kann von einem breiten Einsatz von KI in der Industrie keine Rede sein, aber erste Anwendungen zeigen bereits auf, wohin die Reise gehen könnte. Der Technologiekonzern Siemens, in dessen Österreich-Zentrale der dritte und letzte Tag der Veranstaltung stattfand, hat bereits einschlägige Erfahrungen mit KI gesammelt. "In Spanien konnten wir für den Bahnbetreiber Renfe mit KI-Methoden die Verfügbarkeit der Züge signifikant nach oben schrauben", sagte Thomas Hahn, Chief Expert Software bei Siemens, bei einem Hintergrundgespräch am Rande der Konferenz zur APA.

Per "Reinforcement Learning" konnte man auch den Betrieb von Windparks um ein bis drei Prozent effizienter machen oder bei Gasturbinen die Stickoxid-Emissionen um ein Viertel reduzieren, erklärte Hahn. Dabei werden laufend Daten aus dem Betrieb der Anlage mit zahlreichen anderen Informationen wie zum Beispiel Wetterprognosen kombiniert und wieder in die Steuerung rückgeführt. Die Anlage lernt dadurch ständig dazu und optimiert sich gewissermaßen selbst.

"Big Data ist die Basis und oben drauf sind die KI-Komponenten, die diese Hilfen bieten können", sagte Stefanie Lindstaedt, Leiterin des Instituts für Wissenschaftstechnologie und des Know-Centers der Technischen Universität (TU) Graz. In Österreich habe man allerdings noch zu wenig begriffen, dass man anfallende Daten im Betrieb eines Unternehmens als eigenen Wert erkennen könne und daher in die Dateninfrastruktur investieren müsse – "weil man damit ganz neue Dinge machen kann“.

Stärkere Vernetzung von Unternehmen gefordert

Unternehmen müssten sich allerdings viel stärker über Plattformen miteinander vernetzen, so Lindstaedt, die auch dem wissenschaftlichen Beirat der unlängst von der Bundesregierung eingerichteten Digitalisierungsagentur vorsteht. Über die Interaktion mit einem großen Netzwerk an Akteuren, auch dem Wettbewerb, könne man völlig neue Arten der Wertschöpfung erschließen.

Assistenzsysteme mit automatischer Bilderkennung würden etwa Autolackierereien dabei helfen, Lackfehler zu finden und das Lackiersystem besser einzustellen. Aber auch beim Durchforsten und Analysieren von Textdaten könnten schon heute KI-Systeme helfen. In einem Projekt des Know-Centers habe man die Angebotslegung für das Grazer Siemens-Werk beschleunigt, das Drehgestelle für Straßenbahnen und Züge produziert. "Wenn Siemens ein Angebot für Drehgestelle legt, dann kommen von dem potenziellen Käufer 200.000 Anforderungen herein", sagte Lindstaedt. Gefüttert mit bisherigen Angeboten und den Expertenantworten darauf, hat ein KI-System gelernt, selbst Anforderungen abzuarbeiten und ein vorausgefülltes Angebot zu generieren. Nur wo sich das System unsicher ist, müssen noch Menschen zur Überprüfung hinzugezogen werden.

Ebenso wichtig wie Kommunikationsplattformen seien Pilotprojekte, neue Technologien aktiv zu erproben, führte Harald Loos, Forschungschef von Siemens Österreich, ins Treffen. Mit Pilotfabriken zu den Themen Industrie 4.0 oder für Gebäude und Energie wie in der Smart City Aspern verfüge Österreich über spezifische Stärken, "Dinge auszuprobieren und für die Umsetzung zu lernen“.


Breitbandausbau Schlüssel für digitale Landwirtschaft

Per Drohne gesammelte Bilddaten





Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger hat auf die Bedeutung eines flächendeckenden Mobilfunknetzes für die Digitalisierung der Landwirtschaft hingewiesen. "Wir sehen das vor allem eben auch sehr oft in abgelegenen Gebieten, dass die Frage der Mobilinfrastruktur sehr brennend ist", sagte Köstinger bei einer Pressekonferenz zur Digitalisierung der Landwirtschaft.

Ein vom Ministerium in Auftrag gegebener Bericht kommt zum Schluss, dass viele Bauern in Österreich bereits digitale Technologien, oft auch mehrere Anwendungen neben- und unabhängig voneinander, im Einsatz haben. Köstinger nannte als Beispiel die Präzisionslandwirtschaft, darunter wird die zielgerichtete Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen mit Hilfe der Elektronik verstanden, etwa für den Einsatz von Düngemittel.

Andreas Wurzinger, Obmann der Jungzüchtervereinigung ÖJV, gab bei der Präsentation in der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien-Hietzing einen Einblick, wohin die Reise geht. Mit dem Herdenmanager der Landeskontrollverbände (LKV) lassen sich viele Daten rund um den Stall nutzen, von der Kälbergesundheit bis zur Fruchtbarkeit der Kühe. Den Angaben zufolge verwenden 5.500 Landwirte den Herdenmanager als App und weitere 14.000 die Computerversion.

Der Technikchef von Microsoft Österreich, Harald Leitenmüller, sagte, dass Sensoren und die Auswertung von per Drohnen gesammelten Bilddaten die Agrarwirtschaft der Zukunft prägen werden. In den USA gebe es Farmen mit eigenen Softwareentwicklungsabteilungen, in Österreich arbeite man hingegen mit lokalen Partnern der Landwirte. Insbesondere die Sensorik sei teuer, für kleinere Bauernhöfe sei das Kostenrisiko daher nicht unerheblich, so Leitenmüller.

Digitalisierung auf den Höfen angekommen

"Egal ob auf dem Acker oder im Stall – die Digitalisierung in der Landwirtschaft schreitet zügig voran und betrifft alle Bereiche und Betriebszweige. Anwendungen wie GPS-gestützte Lenksysteme, tierindividuelle Sensoren oder automatische Melksysteme sind auf den Höfen längst keine Seltenheit mehr", erklärte Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger per Aussendung. Der Bericht mache deutlich, wie unterschiedlich digitale Technologien auf den bäuerlichen Betrieben bereits eingesetzt werden.

Weil digitale Kompetenzen nicht nur in landwirtschaftlichen Betrieben, sondern in allen Unternehmen gefragt sind, hat Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck unterdessen die "Digital Pro Bootcamps" gestartet. Ziel ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft, um Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Big Data, Data Engineering oder Blockchain anzubieten. Für die erste Ausschreibung stehen insgesamt 1,4 Mio. Euro zur Verfügung, abgewickelt wird das Programm von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).


Österreich macht kaum Fortschritte bei Open Data

Rückfall ins europäische Mittelfeld, Foto: APA (dpa)





Der Fortschritt Österreichs bei der Entwicklung von "Open Data", also frei verfügbaren Daten, ist ins Stottern geraten. Dies ergab eine Studie des Beraters Capgemini. Nachdem Österreichs Behörden in den Jahren 2016 und 2017 noch zu den Trendsettern im europäischen Vergleich gehört hatten, lagen sie 2018 mit einem "Reifegrad" von 64,8 Prozent nur noch auf Platz 12 von 32 und damit im oberen Mittelfeld.

Untersucht wurden erstmals vier Bereiche: Bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen schneidet Österreich mit einem Reifegrad von 88 Prozent überdurchschnittlich gut ab. Hinsichtlich Datenqualität hinken die heimischen Behörden mit 39 Prozent dem EU-Durchschnitt von 62 Prozent jedoch stark hinterher. In puncto Verständnis der Auswirkungen von Open Data sowie Verfügbarkeit von Datenportalen liegt Österreich jeweils knapp über dem EU-Durchschnitt.

Die europäischen Vorreiter bei der Weiterentwicklung von Open Data sind der Studie zufolge Irland, Spanien, Frankreich, Italien und Zypern. Die Untersuchung zeigt, dass es insgesamt nur begrenzte Fortschritte gegenüber dem Vorjahr gab. "Für treffsichere Entscheidungen sind qualitativ hochwertige Daten zentral, die zugleich im großen Maßstab verfügbar sein müssen. In vielen Fällen werden dies offene Daten sein", erklärt Bernd Bugelnig, CEO von Capgemini in Österreich. Er fordert daher die EU-Staaten auf, ihre Aktivitäten zu intensivieren.

 

Aus der Wissenschaft:

Neuer Executive der TU Wien: Become a winner of the digital transformation!

Digital Transformation Manager Course an der TU Wien, Foto: TU Wien




Durch die Digitalisierung unterliegt die österreichische Wirtschaft einer der größten Veränderungen ihrer Geschichte. Für Unternehmer_innen und Führungskräfte, die dem digitalen Wandel smart, nachhaltig und auf dem neuesten Stand der Technik begegnen wollen, startet die TU Wien in Kooperation mit der procon Unternehmensberatung ab März 2019 den neuen Executive Course „Digital Transformation Manager“. Interessiert? Erfahren Sie mehr bei unserer Online Info-Session am Freitag, 30. November 2018 um 16:00 Uhr

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