DBT Newsletter #15/2018

Österreich in Digitalisierung bisher nur Mittelfeld

Erst wenige Unternehmen haben die „Bewahrer-Denke







Wie sollen Länder und Unternehmen auf die digitalen Umbrüche reagieren und welche Leaderships sind gefragt? Diese Frage hat sich beim Forum Alpbach ein hochkarätig besetztes Podium im Rahmen einer Diskussion gestellt. Klar wurde, dass alle Teilnehmer Österreich in der Digitalisierung nur durchschnittlich einschätzen.

Mit dabei waren Strabag-Chef Thomas Birtel, Microsoft-Österreich-Chefin Dorothee Ritz, die Wirtschaftsberaterin von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Antonella Mei-Pochtler, und Martin Atassi vom Wirtschaftsministerium.

"Das Thema digitale Transformation ist bei uns absolute Chefsache", rührte Mei-Pochtler für den "Millennial" Bundeskanzler Kurz und die Bundesregierung die Werbetrommel. Die digitale Transformation sei "ein kontinuierlicher Prozess der Anpassung". Man sehe, dass sich einige Unternehmen schwer täten sich zu transformieren, zum Teil "viel mehr als Länder". Allzu oft werde hinter der Technologie hergelaufen. Die Frage, was Österreichs Regierung machen könne, sei nicht nur der Appell, digitalisiert euch – es gehe um "Enablement" (Ermöglichung/Aktivierung), das eine ganz starke Bildungskomponente habe.

Zweitens gehe es um intelligente Infrastruktur ("Facilitation") für Unternehmen, Schulen und Institutionen. So könnten Barrieren reduziert werden. Zudem sollte die Verwaltung eine Vorbildfunktion einnehmen und als erste und nicht als letzte in die Cloud gehen ("E-Procurement"). Auch "Real-Time-Politics", um in Echtzeit auf Themen oder Krisen zu reagieren, werde versucht, so die Kurz-Beraterin. Vorbilder seien etwa Estland, Schweden, Kanada.

Einsparungen noch im Vordergrund

"Fast alle haben kapiert, dass die Digitalisierung ein echter Paradigmenwechsel ist", sagte Ritz. Es gehe darum, alle Rahmenbedingungen trotz aller Herausforderungen für Private, Gesellschaft, Firmen und Staaten Richtung Erfolg zu stellen. "Österreich hinkt hinterher. Einer der Gründe ist, dass hier mehr Angst vor der Digitalisierung herrscht", kritisierte die Managerin. Es herrsche tendenziell eine "Bewahrer-Denke". 60 Prozent der Firmen hätten keine klare Digitalisierungsstrategie. Viele, die eine Strategie hätten, hätten diese nur aus Einsparungsgründen, was auch nicht unbedingt innovativ sei.

Birtel von der Strabag als Vertreter der "Old Economy" sagte, es sei eine große Herausforderung, eine Firma wie Österreichs größten Baukonzern in die Digitalisierung zu führen. "Wir haben eine klare Digitalagenda. Das zeigt, wie ernst wir das Thema nehmen." Der Schalter könne aber nicht von heute auf morgen umgelegt werden. "Nicht jeder Oberbauleiter begreift Digitalisierung als erfreuliche Herausforderung, mancher sieht sie auch wirklich als Bedrohung und ist trotzdem ein guter Baumann." Im Kern stünden weiter analoge, reale Bauprojekte an erster Stelle. "Strabag wird auch morgen und übermorgen eine Baufirma sein. Es geht um die Prozesse wie wir zum fertigen Bauprojekt kommen." Ein wichtiger Punkt in der Weiterentwicklung sei beispielsweise die vernetzte Baustelle.

Per Du "mit der Margarete aus Tirol"

Atassi vom Wirtschaftsministerium von Margarete Schramböck erläuterte die Schwerpunkte des Ministeriums. Die zehn häufigsten Behördengänge würden digitalisiert. "Wir bauen den digitalen Staat." Bürger müssten mitgenommen werden. Digitale Transformation in der Verwaltung bringe hierzulande zusätzlich zur Plattform help.gv.at die Plattform oesterreich.gv.at. Außerdem sei Österreich nicht so durchschnittlich wie es oft dargestellt werde. "Wir sind gut. Nur sind die Services zum Teil manchmal noch versteckt und zum Teil noch nicht so benutzerfreundlich." Um innerhalb des Ministeriums immer in der Kommunikation im Sinne einer Weiterentwicklung zu bleiben, seien dort übrigens alle per Du "mit der Margarete aus Tirol", also Wirtschaftsministerin Schramböck.

Erste-Vorstandsmitglied Willibald Cernko fragte als Hörer das gesamte Podium, was die Teilnehmer denn darüber denken, wie es mit Menschen weitergeht, die aufgrund einer schwachen Allgemeinbildung nicht mit der Digitalisierung mitkommen könnten. Es gebe dafür Pilotprojekte, die am Start seien, "um alle Menschen mitzunehmen", sagte Atassi. Die Investitionen von Partnerfirmen für Digitalbildungsprojekte würden vom Ministerium verdoppelt, sagte Atassi auf APA-Nachfrage. Heuer sei vom Ministerium etwa eine Million Euro für solche Hilfestellungen vorgesehen. Auch Strabag-Chef Birtel sah (Fort-)Bildungsangebote als notwendig an. Kurz-Beraterin Mei-Pochtler sagte, es gehe um ein inklusives Vorgehen bei der Digitalisierung.

Tech-Riesen kämpfen um Vormacht bei Sprachassistenten

Produkte werden noch kaum per Sprachbefehl geordert, Foto: APA (dpa)





Alexa? Ok Google? Siri? Hi Bixby? – So werden die weltweit bekanntesten Sprachassistenten zum Leben erweckt. Entsprechend aktiviert und vernetzt geben sie auf Zuruf Auskunft über das Wetter, spielen Musik ab, schalten Lampen ein und aus oder kaufen ein. Sprachbefehle gelten in der Unterhaltungsbranche als das neue Non-Plus-Ultra.

Entsprechend viel Geld stecken die Technologiekonzerne Amazon, Google, Apple sowie Samsung Electronics in das Ringen um die Vorherrschaft in dem Wachstumsmarkt. Bisher macht der weltgrößte Onlinehändler Amazon das Rennen, er bringt dem Marktforschungsinstitut Canalys zufolge rund die Hälfte aller verkauften Sprachassistenten an den Kunden. Die Analysten gehen davon aus, dass die Zahl der Sprachassistenten weltweit bis Ende des Jahres auf 100 Millionen steigt und sich damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Ende 2020 sollen in den Haushalten dann bereits 225 Millionen Assistenten stehen.

Allerdings will nicht jeder den Großen das Spielfeld überlassen. So plant die Deutsche Telekom ebenfalls einen Assistenten, dessen Markteinführung sich allerdings verzögert. Start-ups wie Gigaaa, Snips und Sherpa haben Plattform-Lösungen für verschiedene Geräte im Angebot. Viele der Anbieter waren auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, die den Trend zur Sprachsteuerung in den Mittelpunkt stellt. So kommt ein Bosch-Rasenmäher jetzt mit Alexa daher und kann per Befehl gestartet, gestoppt oder geparkt werden. Der dänische Spezialist Bang & Olufsen vertraut hingegen auf den Google Assistant bei seinen vernetzten Lautsprechern.

Schaltzentrale für das vernetzte Zuhause

"Ich bin überzeugt, dass die IFA den Durchbruch für die Sprachsteuerung bringt", sagt Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratschef der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu), die die IFA ausrichtet. Die Assistenten dienen laut Christopher Meinecke, Leiter für Digitale Transformation beim Branchenverband Bitkom, häufig bereits als Schaltzentrale für das vernetzte Zuhause, das Smart Home. In solchen Haushalten kämen Sprachassistenten schon so häufig zum Einsatz wie die Fernbedienung. Im Auto sind Alexa und Co inzwischen in der Oberklasse an Bord. Auf der IFA zeigt das deutsche Start-up German Autolab einen digitalen Assistenten, der an der Windschutzscheibe angebracht wird.

"Sprachsteuerung wird für Verbraucher in dem Moment interessant, wenn das Gerät nicht mehr nur Kommandos entgegennimmt, sondern mitdenkt. Wir haben so viel in unserem Leben zu tun, dass wir Hilfe wirklich gut gebrauchen können", sagt der Experte für Sprachassistenten, John Grotting, von der Innovations- und Designberatung Fjord. Gerade die Großen der Branche stecken viel Geld in die Verbesserung der Software hinter den meist ovalen und nicht allzu großen digitalen Lautsprechern.

Googles Assistant vereinbart Friseurtermine

Dabei basiert alles auf der Künstlichen Intelligenz, die es den Geräten mit Hilfe selbstlernender Algorithmen möglich macht, Konversation zu betreiben. So kann Googles Assistant inzwischen Anrufe übernehmen und Friseurtermine vereinbaren. Wie viele andere ist sich Gartner-Expertin Annette Zimmermann sicher, dass es sich bei der Sprachsteuerung um eine Welle handelt, die erst anläuft und nun immer stärker wird. "In vielen Situationen, in denen wir heute noch das Smartphone benutzen, werden wir in Zukunft Sprache einsetzen", sagt Zimmermann.

Ein Abgesang auf das Alleskönnergerät ist trotzdem nicht angebracht. Bis Sprachassistenten dem Smartphone weitere Aufgaben abnehmen können, muss noch einiges geschehen. Grotting sagt, dass sich viele Anwendungen – auch Skills genannt – noch nicht durchgesetzt haben: "Hier sind die Geschäftsmodelle noch unklar." Während beispielsweise viele Menschen bereits regelmäßig übers Smartphone einkaufen, bleiben sie vor dem Sprachassistenten stumm. Laut der US-amerikanischen Technologieplattform "The Information" haben von rund 50 Millionen Alexa-Nutzern nur rund 100.000 jemals ein Produkt per Sprachbefehl geordert.


Austro-Firmen noch nicht für Internet der Dinge bereit

Am Flughafen herrscht bereits ein hoher Digitalisierungsgrad, Foto: APA








Die österreichische Wirtschaft ist noch nicht ausreichend für das Internet der Dinge (Internet of Things, "IoT") vorbereitet. Dabei gehört das IoT als Basis der Digitalisierung zu den größten Innovationstreibern des kommenden Jahrzehnts. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der A1 Telekom Austria, die am Rande des Forum Alpbach präsentiert wurde.

Zwei Drittel der 280 befragten A1-Businesskunden – repräsentativ für die A1-Zielgruppe – erkennen das Veränderungspotenzial des IoT und der Digitalisierung in Österreich. "Das Internet der Dinge wird sowohl unseren Alltag als auch die österreichische Wirtschaft von Grund auf verändern", erklärte A1-Chef Marcus Grausam. In der Vergangenheit hätten Telekomunternehmen Menschen mit Menschen verbunden. Nun würden zudem Maschinen mit Maschinen und Devices mit Devices verbunden, erklärte der Manager. Aber: "Die Studie zeigt, dass Österreich und seine Unternehmen derzeit noch nicht ausreichend dafür vorbereitet sind. Um auch in Zukunft wirtschaftlich zu bestehen ist es wichtig, beim IoT aufzurüsten", sagte Grausam.

In diesem Zusammenhang baut er auch auf die 5G-Strategie der Bundesregierung, formulierte auf Nachfragen aber auch einige dahingehende Forderungen. Gut sei, dass die Politik die Bedeutung des Themas erkannt habe, so Grausam. Nun gehe es an die Umsetzung. Dazu gehört eine Novelle des Telekomgesetzes (TKG), deren Inhalt bisher von Telekomfirmen wie A1 auch kritisiert wurde. Eine flächendeckende 5G-Versorgung in Österreich zumindest entlang der Hauptverkehrsrouten hänge von den Rahmenbedingungen des TKG ab, sagte der Manager.

"Wir haben als Branche Inputs fürs TKG abgegeben", so Grausam. Dazu gehöre bei der kommenden großen Frequenzauktion, dass diese nicht wieder 2 Mrd. Euro kosten dürfe, wie die letzte. Bei solchen Kosten sei das Ziel bis 2025 "unrealistisch". "Die Frequenzauktion muss vernünftig ablaufen. Sie muss einfach beherrschbar und transparent sein. Man muss bekommen, wofür man bietet und bezahlen, was man geboten hat. Es darf nicht erlösmaximierend sein: Die Wertschöpfung darf nicht aus den Erlösen der Auktion kommen – sie muss später kommen, wenn die Netze ausgebaut sind und die Anwendungen entstehen, wenn die österreichische Wirtschaft profitiert", so die Forderung von Grausam Richtung ÖVP/FPÖ-Bundesregierung. Zuständig ist Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ).

80 Millionen vernetzte Geräte bis 2020

Die Digitalisierung schreitet rasant voran. A1 rechnet damit, dass 2020 alleine in Österreich 80 Millionen Geräte mit dem Internet verbunden sein werden – in Europa 20 Milliarden. 5G werde kurze Latenzzeiten ermöglichen. Aber laut Umfrage ist das Internet der Dinge nur für 36 Prozent der Austro-Firmen ein strategisches Thema. Immerhin 24 Prozent sehen sich hier gut aufgestellt, weitere 35 Prozent teilweise gut. Bei 40 Prozent der befragten Firmen ist IoT allerdings gar kein Thema, bei 27 Prozent lediglich in Diskussion, bei 18 Prozent in Umsetzung und bei 11 Prozent in Planung. Österreich selbst schneidet aus Unternehmersicht im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich bis durchschnittlich ab. Allergrößtes IoT-Thema für die Firmen ist eine "Smart Supply Chain". Erwartet werden hauptsächlich schnellere Prozesse, schnellere Kundeninteraktionen und zusätzliche Umsätze. Größte Sorge machen Sicherheitsbedenken.

Bei der Digitalisierung kooperiert der Flughafen Wien mit A1. Schon jetzt herrsche am Airport ein hoher Digitalisierungsgrad, erläuterte Flughafenvorstand Julian Jäger. So gibt es unter anderem eine vernetzte Zutrittssteuerung für rund 1.600 Türen, Passagierfluss-Messsensoren, eine digitalisierte Gepäckverfolgung und beim Winterdienst wird die Arbeit von sechs Räumfahrzeug mit GPS erfasst, um die geräumten Flächen, Schneebeschaffenheit und -mengen zu erfassen. Das ist laut Jäger wichtig, falls ein Unfall passiert: "Wir wissen, wann was geräumt ist beziehungsweise war", erklärte der Airport-Manager.

 

Aus der Wissenschaft:

Bei der Planung von Gebäuden an die Sommerhitze denken

Beim Gebäudeplanen sollte man bereits überlegen, wie sich die Sommerhitze auswirkt, Bild: pixabay.com/stux, CC0 Creative Commons





Wenn es im Hochsommer in der überhitzten Wohnung kaum noch auszuhalten ist, nützt oft nur noch die Flucht ins Freibad. Bauliche Maßnahmen zu setzen, um die Temperaturentwicklung zu kontrollieren, ist nachträglich oft kaum noch möglich und wenig wirksam – abgesehen vom Einbau einer Klimaanlage. Man kann allerdings von vornherein darauf achten, dass das Problem gar nicht erst entsteht. Als Ergebnis einer an der TU Wien durchgeführten Dissertation steht nun kostenlos und für die Allgemeinheit frei zugreifbar ein Raumsimulationstool zur Verfügung, mit dem man schon im Planungsprozess einer Überhitzung von Räumen während Hitzeperioden gezielt entgegensteuern kann. ...

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