Mehr Ethik durch Regulierung? Zur Verantwortung von IT- und MedienmanagerInnen

von: Michael Litschka, Department Medien & Wirtschaft der FH St. Pölten und IMEC

Die aktuellen ethischen Fragen in der IT- und Medienbranche sind vielfältig: Im journalistischen Bereich sehen wir eine starke Marktkonzentration, Vorurteile eines Teils der Öffentlichkeit, dass nur noch Fake-News produziert werden oder auch das Phänomen der Klickökonomie für die Werbeeinnahmen. Die Plattformunternehmen mit ihren inhärenten Netzwerkeffekten (je mehr Personen ein Netzwerk nutzen, desto mehr Nutzen stiftet es der einzelnen Person, was für automatisches Wachstum eines Netzwerks sorgt) bestimmen die Medien- und IT-Wirtschaft in vielen Bereichen (s. Suchmaschinen, Social Networks…). Inwiefern deren Algorithmen-gesteuerte und Big Data basierten Geschäftsmodelle die Nutzer „benützt“ oder ihnen hilft, bzw. ob wir KonsumentInnen hier noch Wahlfreiheit bei manchen Angeboten haben, bleibt fraglich. Was also kann die Medien-, IT- und Wirtschaftsethik zur Minderung dieser Probleme beitragen?

Dazu können wir zunächst eine Studie aus 2011 [1] heranziehen, die gezeigt hat, dass österreichische Führungskräfte, gerade auch in der Medien- und IT Branche, ein durchaus hohes Bewusstsein für ethische Fragen besitzen. Sie erkennen die immer stärkere Kapitalmarktorientierung, Bonuszahlungen an ManagerInnen, zu wichtig genommene Gewinnmaximierung oder fehlendes Stakeholder-Management (im unternehmensethischen Sinn) als Barrieren für ethisches Handeln in ihren Unternehmen. In der IT sind insbesondere die Themen Privatsphäre, mangelnde Transparenz (z.B. der Geschäftsmodelle), mangelnde Kontrolle der Informationsflut ethische Problemfelder; es besteht die Gewissheit, dass Technologien keine neutralen Instrumente seien, sondern immer neu zu verhandelnde Möglichkeiten. Gleichzeitig sehen sich österreichische Führungskräfte nicht als reine Nutzenmaximierer, sondern haben durchaus ein Kantianisches Verständnis für moralische Pflichten, sehen Commitment zu bestimmten Regeln als wichtig an und verstehen Fairness als vielschichtiges Konzept. Befragt nach ihren Wünschen nach mehr oder weniger Regulierungen hingegen wünschen sich unsere ManagerInnen (gerade in der Medienbranche) mehr Selbstregulierung, also keine Eingriffe von außen. Ist das ausreichend?

Nun, viele Studien der Wirtschafts- und Medienethik zeigen, dass die Freiwilligkeit, die mit Selbstregulierung verbunden ist, oft nicht genügt. Man denke an die Pharmabranche, wo natürlich die Unternehmen selbst am besten wissen, ob die produzierten Medikamente effektiv und ob die Studien dazu seriös sind. Aber würde man sich darauf verlassen, dass gewinnorientierte Unternehmen immer das Gemeinwohl und nur dieses im Auge haben? Eher nicht, also ist man auch dort dazu übergegangen, ein Prinzip der Ko-Regulierung einführen, d.h. der Staat gibt vor, welche Bereiche zu regulieren sind, die Unternehmen entscheiden dann über weite Strecken selbst, wie sie diese Fragen regulieren (etwa mit einem Kodex, mit Ethik-Beauftragten, etc.). Dieses Prinzip könnte uns vielleicht auch in der Medienbranche (s. den oft als zahnlos bezeichneten Presserat, der ja ein reines Selbtsregulierungsinstrument ist) oder im Technologiebereich (s. Facebook und Google, die sich als Technologieunternehmen bezeichnen, womit nicht einmal die medienrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten bei ihnen anzuwenden wären) weiterhelfen.

Für das hier kurz beschriebene Feld der Medien- und IT-Ethik könnte all dies unter anderem bedeuten:

  • Medien- und IT-Pädagogik muss möglichst früh in der Bildungskarriere ansetzen
  • Ethik-Ausbildungen sollten weiter verstärkt werden
  • Ko-Regulierungsmaßnahmen könnten verstärkt angedacht werden
  • Ethik muss einen konkreten Ort im Unternehmen haben


[1] (Litschka, M./Suske, M./Brandtweiner, R. (2011): "Management Decisions in Ethical Dilemma Situations. Empirical Examples from Austrian Managers", in: Journal of Business Ethics, Vol. 104, Nr. 4, S. 473-484. 

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Kommentare (6)
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