DBT Newsletter #8/2017

Digitalisierung bedroht 9 Prozent der Jobs in Österreich

Auswirkungen „weniger dramatisch als kolportiert“, Foto: APA (dpa)







Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeitswelt gefährdet mittelfristig rund 9 Prozent aller Jobs (360.000 Stellen) in Österreich. Auf Hilfsarbeiter und Handwerker entfallen gemeinsam über 50 Prozent der bedrohten Arbeitsplätze, geht aus einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) hervor.

„Per saldo könnte es sogar positive Effekte auf den Arbeitsmarkt haben“, sagte IHS-Chef Martin Kocher bei der Studienpräsentation. Die Auswirkungen seien „weniger dramatisch als kolportiert“. Die Einführung des PC habe im Saldo auch zu mehr Jobs geführt, erklärte Kocher. Aber auch nicht automatisierbare Jobs würden sich in den nächsten fünf bis 15 Jahren maßgeblich verändern, zum Beispiel gebe es immer mehr digitale Diagnoseunterstützung für Ärzte.

Das IHS hat im Auftrag des Sozialministeriums die Effekte der Digitalisierung, Automatisierung und Industrie 4.0 auf den Arbeitsmarkt und die einzelnen Berufsgruppen untersucht. Die Ökonomen des deutschen ZEW-Instituts kamen Mitte 2016 zu dem Schluss, dass Österreich und Deutschland im Vergleich von 21 OECD-Staaten am stärksten von der fortschreitenden Digitalisierung betroffen sein werden. Laut ZEW sind 12 Prozent der Jobs in Österreich und Deutschland durch weitere Automatisierung gefährdet, in Südkorea sind es hingegen nur 6 Prozent. Österreich ist laut OECD-Studie stark betroffen, weil zahlreiche niedrig und mittel qualifizierte Arbeitskräfte hierzulande derzeit noch leicht zu automatisierende Tätigkeiten durchführen.

Druck auf Arbeitskräfte mit geringer Ausbildung

In Österreich lag die Arbeitslosenquote von Pflichtschulabsolventen zuletzt bereits bei 28 Prozent. Durch die Automatisierung wird der Druck auf Arbeitskräfte mit geringer Ausbildung weiter steigen. IHS-Chef Kocher fordert daher von der Politik und den Unternehmen „möglichst treffsichere Qualifikationsprogramme“ und „ein die Digitalisierung antizipierendes Bildungssystem“. Es gebe „keine Entwarnung für den Arbeitsmarkt, was die Digitalisierung betrifft“. Laut IHS-Schätzung sind 30 Prozent der Hilfsarbeitskräfte-Jobs von Automatisierung bedroht, 19 Prozent der Handwerker, 18 Prozent der Maschinenbediener und 11 Prozent der Dienstleistungsberufe. Eine geringe Automatisierungswahrscheinlichkeit gibt es bei Führungskräften, akademischen Berufen und Technikern. „Entwarnung kann vor allem für Berufe, in denen Kreativität, soziale Intelligenz und Flexibilität gefragt sind, gegeben werden. Diese Tätigkeiten sind so gut wie gar nicht durch die Digitalisierung betroffen“, erklärte Studien-Mitautorin Gerlinde Titelbach.

Für Aufsehen hat eine Studie der Wissenschafter Carl Benedikt Frey und Michael Osborne von der Universität Oxford im Jahr 2013 gesorgt, wonach 47 Prozent der US-Jobs von Automatisierung bedroht sind. Die IHS-Studienautoren haben für ihre Schätzung einen Bericht des ZEW-Ökonomen Holger Bonin aus dem Jahr 2015 herangezogen, welcher die Studie von Frey/Osborne (2013) auf Deutschland überträgt, aber die Automatisierungspotenziale der einzelnen US-Berufe kritisch berücksichtigt. Das IHS hat basierend auf den US-Daten den Anteil der Tätigkeitsstruktur, der durch Maschinen oder Algorithmen substituierbar ist, für alle Beschäftigten in Österreich sowie auf Ebene der neun Berufshauptgruppen und der detaillierteren 43 Berufsgruppen berechnet. Im Unterschied zu Frey und Osborne haben die IHS-Forscher individuelle Tätigkeitsstrukturen der Erwerbstätigen berücksichtigt. Wenn mehr als 70 Prozent der Aufgaben eines Arbeitsplatzes durch maschinelle Prozesse übernommen werden können, gilt dieser Job mittelfristig als gefährdet.


Erster Staatspreis „Digital Solutions“ an E-Health-Anwendungen

Das Sieger-Projekt wird bereits in Europa und den USA vertrieben, Foto: BMWFW (Matthias Silveri)






Der erstmals vergebene Staatspreis „Digital Solutions“ wurde von Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) an das vom Wiener Genetiker Harald Schnidar entwickelte Diagnostik-Tool „SCARLETRED®Vision“ vergeben. Der Innovationspreis für noch nicht am Markt befindliche Entwicklungen ging an die von Wiener Forschern konzipierte bildbasierte Suchmaschine „RadiologyExplorer“.

Wie das Wirtschaftsministerium mitteilte, sollen mit dem Staatspreis Digital Solutions, der den Staatspreis Multimedia und E-Business ablöst, hervorragende digitale Produkte, Dienste und Anwendungen in Österreich ausgezeichnet werden. Für Mahrer zeigt der Staatspreis „das große Potenzial des Innovations- und Technologiestandortes Österreich“.

Das Sieger-Produkt „SCARLETRED®Vision“ ermöglicht die standardisierte Dokumentation von Hautveränderungen. Dazu werden eine Smartphone-App zum Fotografieren von Hautstellen, ein Sticker zum Kalibrieren der Bilder, ein QR-Tag und eine Cloud-Datenbank kombiniert. Das Diagnose-Werkzeug wird bereits in Europa und den USA vertrieben.

Der „RadiologyExplorer“ wurde von Wissenschaftern der Medizinischen und der Technischen Universität Wien entwickelt. Dabei können Regionen auf einem beliebigen Radiologiebild markiert und visuell ähnliche Fälle aus dem Krankenhausarchiv und aus globalen Datenbanken sowie fallrelevante Informationen aus der Referenzliteratur und aus Publikationen gefunden werden.

Den Förderpreis Digital Solutions, der mit einem von der Österreichischen Computer Gesellschaft gestifteten Geldpreis in Höhe von 3.000 Euro verbunden ist, erhält das Virtual-Reality-Projekt „A Slice of Reality“ der Fachhochschule St. Pölten. Das interaktive Audio-Video-System ermöglicht ein holografisches Erlebnis ohne VR-Brille.

„wegfinder“-App will Marktplatz für Mobilität werden

Auch car2go ist mit an Bord, Foto: OTS (wegfinder.at)





Die zunehmenden Möglichkeiten der Mobilität will eine neue App dem suchenden User gesammelt in einem neuen Routenplaner anbieten: Der „wegfinder“ offeriert für eine Strecke öffentliche und individuelle Verkehrsmittel - von Bus, Bahn, Straßenbahn, U-Bahn über Carsharing, Bikesharing, Taxi, Fernbus, Auto bis zum Fahrrad oder zu Fuß. Die App will ein „Marktplatz für Mobilität“ in ganz Österreich sein.

Zusätzlich können auf einer Karte alle möglichen Verkehrsmittel in der Nähe angezeigt werden, neben Haltestellen auch die verfügbaren Citybikes, der nächste Taxistand oder ein freies Carsharing-Vehikel. Im „wegfinder“ sind die Fahrplan-Infos der Öffis integriert, auch über Verspätungen und Störungen wird informiert. Die App stellt sich automatisch auf die Benutzersprache des Handys ein und kommuniziert in Deutsch oder Englisch. Wer der App seinen eigenen Standort nicht verraten will, muss das nicht tun, sondern kann die Orte für Suchanfragen händisch eingeben.

Das Wiener Start-up-Unternehmen iMobility will über den „wegfinder“ bald auch Ticketkäufe und andere Buchungen direkt anbieten. Dabei fungiere die App nur als Vermittler, Vertragspartner werde das Unternehmen, wo gebucht wird. Derzeit sind erst Ticketkäufe bei der Westbahn möglich, Fahrkarten der ÖBB sollen noch im April ebenfalls direkt über die App erworben werden können, erläutert iMobility-Geschäftsführer Gregor Fischer gegenüber der APA.

Das Unternehmen iMobillity wurde 2015 von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und dem österreichischen Risikokapitalgeber speedinvest gegründet. Dass nun ausgerechnet der ÖBB-Konkurrent Westbahn als erster seine Tickets über die App verkaufen kann, hänge mit dem unterschiedlichen Umfang der Streckennetze zusammen, erläutert Fischer und zeige wohl auch den Grundsatz der Diskriminierungsfreiheit gegenüber allen Mobilitätsanbietern, dem sich das Unternehmen verpflichtet sehe. Die kostenfreie App ist eine Weiterentwicklung von „Nextstop“.



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Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

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