DBT Newsletter #7/2015

Onlinehandel im Visier der Kartellwächter

Foto: APA (Fohringer) - Preisabsprachen treffen uns alle





In Österreich ermittelt die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) seit einiger Zeit wegen des Verdachts, dass Hersteller, Lieferanten und Händler den Wettbewerb im Internet beschränken. "Preisabsprachen treffen uns alle als Konsumenten", sagte BWB-Chef Theodor Thanner bei einer Veranstaltungsreihe der Behörde. 

Als Beispiel nannte Thanner Waschmaschinen. Auf der Preisvergleichsplattform geizhals.at werde ein Frontlader seit zwei Jahren um 799 Euro angeboten. Nur an wenigen Tagen sei der Preis kurz unterschritten worden, so Thanner. Für ihn liegt nahe, dass der jeweilige Händler dann einen Hinweis vom Lieferanten bekommen hat. Aktuell kostet das Gerät bei zehn Anbietern auf den Cent genau gleich viel – nämlich 799 Euro. "Das kann wettbewerblich relevant sein", so der Behördenleiter. 

Die BWB hat bisher fünf Fälle im Bereich des Onlinehandels abgeschlossen. Die größte Strafe entfiel mit 1,23 Mio. Euro auf die Elektrohandelskette MediaSaturn. Weitere Causen seien noch anhängig, so der BWB-Ermittler Ralph Tasche. Betroffen waren bisher hauptsächlich Produkte der Elektronikindustrie.

 

Eine Ursache für die Wettbewerbsproblematik im Internet liegt laut dem Juristen Martin Eckel am Onlinehandel selbst. Kunden würden oft in stationären Geschäften Beratungsdienstleitungen in Anspruch nehmen und dann im Internet bestellen. Die Hersteller und Händler versuchten sich mit Beschränkungen gegen Trittbrettfahrer und Beratungsklau zu schützen. Eine mögliche Lösung wäre eine Beratungsprämie für stationäre Händler, diese müsste aber unabhängig von Umsatz und Stückzahl sein. 

Weniger Rabatt für Online-Verkäufe

Eberhard Temme vom deutschen Bundeskartellamt erzählte von prominenten Fällen in Deutschland, darunter auch von den Ermittlungen gegen Adidas. Abgestellt worden sei auch ein umstrittenes Doppelpreis-System, bei dem es für Online-Verkäufe deutlich geringere Rabatte gegeben habe. Damit sei der Verkauf übers Internet unrentabel und somit beschränkt worden. Die Deutschen haben mittlerweile sieben Verfahren zum Thema Onlinehandel abschlossen. 

Thematisiert wurden auch die umstrittenen Bestpreisklauseln von Hotelbuchungsplattformen. Diese würden zu einem einheitlichen Preis führen und Markteintrittsbarrieren schaffen. Außerdem falle der Anreiz des Preisvergleiches weg. Derzeit werden Regeln für einen fairen Wettbewerb ausgearbeitet, zudem analysiert die BWB mit der Wirtschaftskammer und der Hoteliervereinigung den heimischen Markt.


E-Government-Lösung "BriefButler" auf Expansionskurs

Foto: APA/dpa - Großes Potenzial für elektronischen Briefversand





Der Wiener Brieflogistik-Dienstleister hpc DUAL hat aus Liechtenstein den Auftrag erhalten, für die Landesverwaltung des Fürstentums die duale Briefzustellung durchzuführen und bereitet als nächsten Schritt die Expansion in die Schweiz vor. "Der Bedarf ist auch bei unseren Nachbarn in Deutschland gegeben", schmiedet hpc-DUAL-Chef Josef Schneider bereits große Pläne. 

"Als erstes privates Unternehmen Österreichs exportieren wir eine E-Government-Anwendung", sagte Schneider im Gespräch mit der APA. "Liechtenstein importiert jetzt unsere Zustelllösung." Der Start ist für Ende Oktober geplant. "Über den Auftragswert dürfen wir noch nicht sprechen. Vom Volumen her gehen wir von 200.000 bis 250.000 Zustellstücken per anno aus." Die Dienstleistung soll später auch der Wirtschaft und Privaten angeboten werden. 

"Mit der Expansion nach Liechtenstein haben wir uns auch entschlossen, noch einen Schritt weiter zu gehen in Richtung Schweiz." Dort wollen die Wiener die duale Zustellung (elektronisch und auf Papier) auch den Gemeinden und Kantonen anbieten. "Es gibt dort bereits die ersten Piloten, die wir jetzt dabei sind aufzusetzen." Zwar gebe es von der Schweizer Post bereits einen Lösung für einen kleinen Teil der Sendungen, aber keine für den sogenannten "niederschwelligen" Bereich, also die "nicht nachweisliche" Zustellung – "das sind 95 Prozent der Sendungen", erklärte Schneider. 

Wie bei Papiersendungen wird auch bei elektronischer Post zwischen nachweislicher und nicht nachweislicher Zustellung unterschieden. So müssen etwa behördliche RSa- und RSb-Briefe nachweislich zugestellt werden, der Empfänger muss also unterschreiben und sich ausweisen. Das Potenzial sei in der Schweiz sogar noch größer als in Österreich, "dort gibt es 24 Kantone und rund 3.000 Gemeinden", sagte Schneider. Der Bedarf scheine auch in Deutschland gegeben, wo "De-Mail nicht richtig in die Gänge kommt“. Grund dafür: Auf dem elektronischen Personalausweis ist ein Chip, den man erst aktivieren lassen muss. Beim "BriefButler" sei das nicht notwendig: "Wir benützen das Bankenident-Verfahren – Sie bekommen ja kein Bankkonto, ohne sich zu legitimieren." 

Der "BriefButler" ist eine Online-Plattform von hpc DUAL, über die jährlich rund 25 bis 30 Millionen Sendungen verschickt werden. Wer eine E-Mail-Adresse registriert hat, bekommt seine Post elektronisch, an alle anderen Empfänger wird sie postalisch verschickt. "Wir haben regionale Druckdienstleister, bei denen gedruckt, kuvertiert und die Post ausgegeben wird. Wir wollen, dass der elektronische Weg so lang wie möglich ist und die "letzte Meile", die unvermeidlich postalisch ist, so kurz wie möglich." Neben der dualen Zustellung – elektronisch und auf Papier – hat der "BriefButler" auch eine integrierte Bezahlfunktion, mit der Rechnungen direkt aus dem Dokument heraus online bezahlt werden können.


Neues Josef Ressel Zentrum widmet sich IT-Sicherheit

Foto: FH St. Pölten - Spezielle Methoden zum Enttarnen von Schadsoftware im Einsatz






Ein neues Josef Ressel Zentrum (JR-Zentrum), das sich der IT-Sicherheit in Unternehmen widmet, hat Anfang April an der Fachhochschule (FH) St. Pölten den Betrieb aufgenommen. Im Fokus steht die konsolidierte Erkennung gezielter Angriffe. 

Wie die FH erläuterte, setzen Schad-Programme meist auf massenhafte Verbreitung in der vernetzten Informationsgesellschaft, manche Software wird jedoch gezielt in Unternehmen eingeschleust. An Beispielen dafür genannt wurden der Computerwurm Stuxnet, der 2010 in iranischen Atomanlagen gefunden wurde, oder die im Herbst 2014 auch in Wien aufgetauchte Spionagesoftware "Regin". "Wir wollen erforschen, welche Spuren gezielte IT-Angriffe auf Unternehmen im Netzwerk hinterlassen und wie diese erkannt werden können", erläuterte Sebastian Schrittwieser, Leiter des JR-Zentrums. 

Von den gängigen Virenschutzprogrammen würden Gefahren derzeit nach dem Aussehen der Bedrohung beurteilt. Sogenannte Signaturen, Teile des Codes des schädlichen Programms, werden gesucht und verraten Eindringlinge. Gezielte Angriffe werden jedoch meist erst entdeckt, wenn sie schon Schaden verursacht haben. Das Zentrum nutzt daher neue Methoden zum Enttarnen der Schadsoftware. 

Grundlage dafür ist deren Verhalten: Da und dort wird eine Datei angelegt, ein Programm gestartet oder eine Verbindung nach außen aufgebaut – Aktionen, die jede für sich auch von harmlosen Programmen ausgeführt werden. "Es geht um einige Tausend Befehle, die einzeln neutral, im Zusammenspiel aber verdächtig sind", meinte Paul Tavolato, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für IT-Sicherheitsforschung der FH St. Pölten. 

Für diese Forschung sind in den nächsten fünf Jahren 1,3 Millionen Euro eingeplant. Finanziert wird das Zentrum vom Wirtschaftsministerium sowie den beiden Firmenpartnern IKARUS Security Software GmbH und SEC Consult Unternehmensberatung GmbH.


Stockerl-Platz für TU Wien bei Hacker-Wettbewerb

Foto: TU Wien - Österreicher nur von Ungarn und Russen geschlagen





Ein Team der Technischen Universität (TU) Wien hat beim internationalen Hacker-Wettbewerb iCTF (International Capture The Flag) den dritten Platz belegt. Bei dem Wettbewerb waren 88 Internet-Sicherheits-Teams von Universitäten aus der ganzen Welt mit dabei, teilte die TU mit. 

Geschlagen wurden die Wiener bei dem von der University of Santa Barbara (US-Bundesstaat Kalifornien) veranstalteten Wettbewerb nur von Teams aus Ungarn und Russland. Bei den vergangenen Bewerben haben Teams der TU Wien immer hervorragend abgeschnitten: 2011 siegten sie, 2013 erreichten sie den zweiten Platz. 

Die Teilnehmer erhalten erst zu Beginn des Wettbewerbs ihre Server zugewiesen. Diese müssen sie dann verteidigen und gleichzeitig jene der Konkurrenten attackieren. Was üblicherweise streng verboten ist – einbrechen, manipulieren, lahmlegen – wird bei dem Wettbewerb mit Punkten belohnt. 

Das TU-Team setzte sich aus Vortragenden und Studenten der Lehrveranstaltung "Advanced Internet Security" zusammen, die vom Institut für Rechnergestützte Automation und dem Institut für Software und interaktive Systeme sowie dem Forschungszentrum SBA-research gemeinsam abgehalten wird.  

Service: Hacker-Wettbewerb iCTF: http://ictf.cs.ucsb.edu/


Service

Foto: APA




Linz: Dienstag, 28. April 2015 "Industrie 4.0: Was die Revolution in der Produktion verändert"

Die Fabrik der Zukunft wird die Produktionsabläufe in Zukunft massiv verändern. Was steckt dahinter?

Wer sind die relevanten Player in Österreich und warum mischt die Politik hier so stark mit? Wer wird davon profitieren? Welche radikalen Innovationen und disruptiven Geschäftsmodelle entstehen dadurch?

Die Veranstaltung wird auf www.dbt.at live übertragen.

Ort: Ars Electronica Center, Ars Electronica Straße 1, 4040 Linz, Sky Loft
Zeit: ab 19 Uhr

Zur Anmeldung


Service

Foto: APA




Digital Business Trends-Award - Innovative Ideen gesucht

Im Rahmen der Networking-Reihe Digital Business Trends, initiiert von der APA - Austria Presse Agentur und styria digital one (sd one), wird in diesem Jahr erstmals der gleichnamige Award in zwei Kategorien verliehen. Der Digital Business Trends-Award für innovative Digitalisierungslösungen aus Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie ist mit 4.000 Euro pro Kategorie dotiert und wird von der APA-IT unterstützt.

Details und Teilnahmebedingungen sind unter www.dbt.at/award abrufbar.

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