DBT Newsletter #6/2017

Smarte Technologie im Haushalt: Österreicher skeptisch

Der „intelligente“ Kühlschrank ist nach wie vor wenig gefragt, Foto: APA (AFP)







Die Österreicher stehen neuen, smarten Technologien im Haushalt skeptisch gegenüber. Nur ein Drittel findet sie insgesamt positiv. Der viel zitierte selbstfüllende Kühlschrank ist derzeit nur für jeden Fünften attraktiv, ergab eine Umfrage der Integral Marktforschung für ImmobilienScout24 unter 1.000 Österreichern.

Ein gutes Viertel ist im Hinblick auf das einwandfreie Funktionieren der neuen Technologien in den eigenen vier Wänden skeptisch, knapp ebenso viele haben Ängste, etwa vor Datenmissbrauch bzw. Manipulation. Die junge Generation – die 16- bis 29-Jährigen – zeigen sich besonders aufgeschlossen, hier findet beinahe jeder Zweite die neuen Möglichkeiten toll bzw. gut. Frauen sind generell skeptischer als Männer: 42 Prozent der Männer, aber nur ein gutes Viertel der Frauen stehen dem „Internet of Things“ im Haushalt positiv gegenüber.

Erleichterungen im Alltag erwarten die Österreicher vor allem von der Fernsteuerung der Haushaltstechnologien – etwa der Steuerung der Temperatur (67 Prozent), der Sicherheitssysteme (53 Prozent) sowie der Beleuchtung (41 Prozent). Knapp vier von zehn sehen Vorteile durch die Live-Überwachung von Eigenheimen, ein knappes Drittel der Befragten durch die Sprachsteuerung von Geräten wie etwa dem TV-Gerät.

Die Hälfte der Österreicher meint zudem, dass sich durch das Internet in den vergangenen fünf Jahren die persönlichen Wege aufgrund von Onlinehandel oder auch virtuelles Arbeiten reduziert haben. Vier von zehn berufstätigen Österreichern arbeiten bereits heute nach eigenen Angaben zumindest fallweise in den eigenen vier Wänden für den Job. Wer dies tut, ist zu Hause im Schnitt 16 Stunden pro Woche für den Beruf aktiv.

EU-Behörde warnt vor internetfähigen Spielzeugen

Sorge um Sicherheit und Privatsphäre von Kindern, Foto: CC BY 2.0 flickr.com/Mike Licht/NotionsCapital.com





Das Gemeinsame Forschungszentrum der EU-Kommission (JRC) hat vor internetfähigen Spielzeugen gewarnt. „Die Fähigkeit der Spielwaren, Informationen über ihre jungen Nutzer aufzuzeichnen, zu speichern und weiterzugeben, gibt Anlass zur Sorge“, heißt es in einer Studie der Behörde.

Gesetzgeber und Hersteller werden darin aufgerufen, Leitlinien für solche Spielzeuge zu schaffen. Der Bericht weist ausdrücklich auch auf die fördernden Elemente internetfähiger Spielzeuge hin, wie etwa dem Erlernen einer Fremdsprache. Darüber hinaus gebe es bereits Hinweise, dass Kinder mit Entwicklungsstörungen wie Lernschwächen oder Autismus von Spielzeugrobotern profitieren. Gleichzeitig fürchten die Forscher, die Kinder könnten durch im Internet genutzte Algorithmen zu stark gefilterte und damit eingeschränkte Bildung erhalten.

Sorge bereitete den Forschern die Sicherheit und Privatsphäre von Kindern. Es sei „nicht transparent“, in welcher Weise die vom Spielzeug gesammelten Daten „analysiert, manipuliert oder gespeichert“ würden. Auch für Eltern sei in den oft langen Datenschutzerklärungen nicht zwingend ersichtlich, welche Informationen weitergegeben würden.

Spielzeughersteller müssen spätestens ab März 2018 die dann verbindliche EU-Datenschutzgrundverordnung einhalten. Das im Dezember 2016 verabschiedete Gesetz schafft erstmals EU-weit ein einheitliches Datenschutzniveau und stärkt die Rechte von Verbrauchern. Die Reform löst die seit 20 Jahren geltenden bisherigen Bestimmungen ab, die vor allem wegen der rasanten Entwicklung des Internets als nicht mehr zeitgemäß gelten.

Israel: Das Heilige Land für Hightech-Jünger

Frischer Wind für Israels Technik-Szene, Foto: APA (AFP)





Eine marktorientierte Forschung ohne Berührungsängste und die blühende Start-up-Szene haben Israel zum Pilgerziel für Hightech-Jünger aus aller Welt gemacht. „Hier versucht man mit aller Kraft, Ideen zu Patenten zu machen“, zeigte sich der Geschäftsführer von Austrian Cooperative Research (ACR), Johann Jäger, bei einer Studienreise vom Technologietransfer zwischen Unis und Wirtschaft beeindruckt.

Da Patente auch an den Unis verbleiben und die Forscher mit bis zu 50 Prozent an den Erlösen beteiligt werden, sei das ein besonderer Anreiz für anwendungsorientierte Forschung, so Jäger. Ähnlich bilanzierte auch ACR-Präsident Martin Leitl die Studienreise mit Stationen in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa. Österreich könne viel davon lernen, wie in Israel ohne Kontaktscheu Universitäten bzw. die Wissenschaft mit der Wirtschaft interagieren: „Seien es Förderungen, Spenden oder Kooperation, es gibt keine Berührungsangst. Das Endziel ist immer das Produkt, das am Markt Erfolg hat.“

Mit einer Forschungsquote von mehr als vier Prozent des BIP liegt Israel nach Korea an zweiter Stelle (Österreich: drei Prozent). Ein erheblicher Teil an Forschungsgeldern kommt aus dem privaten Bereich. So wurden 2013 nur 45 Prozent der universitären Forschung von staatlicher Seite gefördert. Dafür haben sich mehr als 320 Forschungs- und Entwicklungszentren multinationaler Unternehmen in Israel niedergelassen, von Facebook, Coca Cola, Samsung, Google bis IBM. Im Bloomberg Innovation Index 2017 konnte sich das Land vor allem in den Kategorien „R&D Intensity“, „Researcher Concentration“ und „Hi-Tech Density“ auszeichnen.

Es sind aber in erster Linie die Start-ups, die Israel auf die internationale Innovations-Landkarte katapultiert haben. Vom jüngst bekannt gewordenen größten Geschäft in der Geschichte der israelischen Hightech-Branche, dem Kauf von Mobileye durch Intel für rund 15 Mrd. Dollar (13,89 Mrd. Euro), weiß jeder Taxifahrer zwischen Tel Aviv und Jerusalem ein Loblied zu singen. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre wurden 8.000 Jungunternehmen gegründet - allein im Jahr 2015 waren es 1.400 - und 500.000 Personen arbeiten in dem Bereich. Zu jedem Zeitpunkt sind 6.000 Start-ups im Land aktiv, und das obwohl von den jährlich gut 1.000 Gründungen 90 Prozent wieder verschwinden.

Fehlschläge sind kein Stigma

Fehlschläge sind in Israel aber kein Stigma, im Gegenteil. „Für uns ist Scheitern ein Teil des Lebens“, erklärte Harold Wiener von Terra Venture Partners. Israel sei gerade wegen der mangelnden natürlichen Ressourcen eines der innovativsten Länder der Welt, wie etwa zahlreiche Projekte rund um das Thema Wasser bezeugen würden. Was das Vorhandensein von Risikokapital betrifft, ist Israel Weltspitze. Allein bei Terra Venture Partners schießt der Staat für jeden in ein Start-up investierten Dollar sechs dazu. Die Kehrseite der Medaille sei aber der vergleichsweise kleine Heimmarkt. Im israelischen Kernland (ohne besetzte Gebiete) leben ähnlich viele Einwohner wie in Österreich (rund 8,4 Mio.) auf einer Fläche wie Niederösterreich (22.000 Quadratkilometer). „Wir sind das beste Land in der Welt um ein Unternehmen zu gründen, und das schlechteste, um es am Leben zu erhalten“, sagte Wiener.

Die vom ehemaligen Geschäftsführer von Apple Israel, Aharon Aharon, geleitete Israel Innovation Authority unterstützt jährlich 2.000 Projekte aus allen Sektoren - ausgenommen Grundlagen- und militärische Forschung - mit einem strategischen Fokus auf Public-Private-Partnerships (PPP). Im Incubator-Programm werden Jungunternehmen mit 85 Prozent der Projektsumme, Universitäten mit 90 Prozent unterstützt. So verbleibt das Hauptrisiko bei der Behörde, die im Erfolgsfall am Gewinn beteiligt ist. 35 Prozent der Investitionen fließen im Schnitt pro Jahr an die Behörde zurück. „Wären es mehr, würde das bedeuten, dass wir zu wenig Risiko eingehen“, beschrieb die innerhalb der Organisation für die „Early Stage Division“ zuständige Anya Eldan die Philosophie, die Erfolg an Kriterien wie Wettbewerbsfähigkeit, geschaffene Jobs, geistiges Eigentum und Spillover-Effekten festmacht.

Techniker-Nachwuchs ist Mangelware

Neben anderen Herausforderungen wie der Integration der arabisch sprachigen Bevölkerung in den Arbeitsmarkt und steigenden Lebenshaltungskosten sieht sich Israel auch mit einem zunehmenden Nachwuchsmangel bei Technikern konfrontiert. Und bei allen Erfolgen der Hightech-Industrie sind traditionelle Industriebereiche ins Hintertreffen geraten. „Das größte Ziel derzeit ist es, Innovation in die traditionellen Industrien zu bringen“, sagte Eldan. Der israelischen Mentalität entsprechend wird aber auch hier der rasche Zug zum Tor gesucht. Das im Juni startende neue Förderprogramm „Innovation Labs“ will unter anderem mit Innovationsmanagern die Lücke zwischen Industrie und kleinen Unternehmen schließen und diese beim Innovieren stärker zusammenbringen.

Spätestens bei diesem Beispiel steht ACR-Präsident Leitl wieder vor der Hürde der etwas zäheren österreichischen Forschungskultur. Ein Versuch, den bei einer Studienreise nach Dänemark zum Vorbild genommenen „Innovationsagenten“ als Vermittler zwischen Forschung und KMU in Österreich zu etablieren, scheiterte nach einer Pilotphase an der Finanzierung. Infiziert vom israelischen Forschergeist will Leitl nicht aufgeben: „Wir versuchen es weiter.“


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Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2017 möglich.

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