DBT Newsletter #5/2017

Umsetzung von Start-up-Clustern soll schneller gehen

Rahmenbedingungen für Unternehmensgründer sollen rasch verbessert werden, Foto: APA (AFP)







Die Bundesregierung will „Exzellenz-Cluster“ für Start-ups schaffen – und das rascher als ursprünglich vorgesehen. Es könnten rund fünf werden, sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ), der sich bei einer Pressekonferenz zur konkreten Zahl aber sehr gesprächsbereit zeigte. Unterdessen sind zahlreiche Initiativen in den Bundesländern gestartet.

Bei den „Exzellenz-Clustern“ geht es um eine Vernetzung von Start-up-Firmen gewisser Felder mit großen Unternehmen und vor allem der Wissenschaft und Forschung an einem Ort. Dafür brauche es weniger Zeit als ursprünglich angenommen. Denn man wisse beispielsweise bereits, dass sich in der Steiermark Cluster für Autozulieferer und für Metallurgie anbieten und sich Wien für einen Biotech-Cluster empfehle, so Leichtfried. Also soll es noch im März eine Shortlist geben. Vor dem Sommer ist eine inhaltliche und regionale Ausrichtung von drei bis fünf Clustern geplant. Die Umsetzung soll dann ab Herbst stattfinden. „Wir würden ein halbes Jahr gewinnen.“

Zudem könne der im Ministerrat schon im November beschlossene Wachstumsfonds schwerer werden als bisher angestrebt – im Sinne des Haltens von Start-ups in Österreich, nachdem sie gewachsen sind, so Leichtfried. Nach dem bisherigen Plan kommen 30 Mio. Euro vom Bund in den Fonds, der durch private Mittel auf 100 Mio. Euro wachsen soll. Nun sagte der SPÖ-Politiker, dass „mittelfristig 300 bis 500 Millionen Euro möglich sein sollten“.

Leichtfried lobte hierbei dezidiert die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP). Vom ÖVP-Politiker hieß es zur APA, dass es „erfreulich ist, wenn wir die Umsetzung der Start-up-Cluster beschleunigen können“. Es handle sich um „eine wichtige Maßnahme für den Innovationsstandort Österreich“. Entscheidend sei aber, „dass wir diesen Prozess mit der Community gemeinsam erarbeiten und hier nicht aus dem Elfenbeinturm heraus Exzellenzfelder bestimmen“.

Salzburg präsentierte sich in Brüssel

Unterdessen hat sich Salzburg in Brüssel mit einer Start-up-Initiative präsentiert. „Wir wollen eine neue Gründerzeit in Salzburg und in Österreich auslösen“, sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP). Für Salzburg sei in Zukunft insbesondere die Förderung durch den aufgestockten EU-Fonds für Strategische Investitionen (EFSI) „sehr interessant“, da dann auch Klein- und Mittelbetriebe Zugang zu den EU-Fördertöpfen hätten.

In Salzburg wurden nach Angaben der Organisatoren seit 2016 im Rahmen der regionalen Netzwerkinitiative „Start-up Salzburg“ 40 Start-ups unterstützt, fünf wurden in eine engere Auswahl aufgenommen. In einem sechsmonatigen „Inkubationsprogramm“ werden sie an die Marktreife herangeführt. „Wir hätten uns ohne den Inkubator nicht gegründet“, sagte Thomas Weiss, der Gründer der Firma Authentic Vision, die fälschungssichere Fingerabdrucke von Produkten herstellt.

Linzer Ex-Tabakfabrik als Start-up-Campus

Auch in Linz werden große Pläne gewälzt. Die Tabakfabrik, die nach dem Ende der Zigaretten-Produktion als Zentrum für Kreativwirtschaft genützt wird, soll zu einem Start-up-Campus und einem Zentrum der Digitalisierung gemacht werden. Dazu zieht das Business-Angel-Netzwerk „startup300“ dort ein. startup300 ist Risikokapitalgeber, dient als Anlaufstelle für Start-ups in der ersten kritischen Unternehmensphase und bietet dabei Zugang zum Know-how, Erfahrungsschatz oder den Kontakten einflussreicher Investoren und Business Angels.

Aktuell ist die 2015 gegründete AG in über zwei Dutzend Start-ups investiert, 2016 wurden sieben Mio. Euro aufgebracht. Nun soll in der Tabakfabrik eine „factory300“ einen Platz für Gründer und einen Ort der Begegnung mit etablierten Unternehmen bieten. 80.000 Quadratmeter stehen für die Aktivitäten bereit.

„Female Founders“ will Gender-Gap schließen

Der Verein „Female Founders“ wiederum will Frauen in Start-ups vernetzen und Frauen unterstützen, die an Start-ups interessiert sind. Im Schnitt sind derzeit rund 10 Prozent der Gründer von Start-ups weiblich, diese Zahl soll erhöht werden. „Leider gibt es auch bei Start-ups einen Gender Gap“, sagte Lisa-Marie Fassl vom Verein bei einer Pressekonferenz. Der von drei Jungakademikerinnen getragene Verein „Female Founders“ ist aus dem Wissenstransferzentrum Ost herausgewachsen. Lisa-Marie Fassl, Tanja Sternbauer und Nina Wöss haben mit einer Online-Umfrage mehr über jene Frauen herausgefunden, die ein Start-up gründen wollen oder schon gegründet haben.

Über 200 Frauen haben Einblick in ihren Background, ihre Motive und Hoffnungen gegeben, davon 85 Gründerinnen und 115 zukünftige Gründerinnen. Als Motivation wird primär Selbstverwirklichung genannt, noch vor dem Vorteil, die eigene Chefin zu sein und flexible Zeiteinteilung zu haben. Verschwindend gering wurde von den befragten Frauen die Hoffnung auf ein hohes Einkommen als Motiv für die Gründung eines Unternehmens genannt. Als größte Hürden werden das Fehlen finanzieller Mittel, zu wenig Mut und Erfahrung gesehen.

Turbonetz 5G treibt Mobilfunkbranche an

Weltweit sind 200 bis 500 Mrd. Euro an Investitionen nötig, Foto: APA (AFP)





Es soll ein universelles Netz für alles werden und das Internet der Dinge antreiben. 5G war das Zauberwort auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Doch bis die ersten Netze 2020 verfügbar sind, stehen noch viel Arbeit und hohe Investitionen ins Haus.

Gigantische Mengen an Daten sollen mit dem künftigen Funk-Standard ohne merkbare Verzögerung durch das Netz fließen und etwa das autonome Fahren sicher und ohne Staus garantieren. Umweltprobleme und die Verschwendung von Ressourcen sollen eingedämmt werden, so das Versprechen der Mobilfunkindustrie. Doch bei allen Visionen steckt die Entwicklung noch tief in den Kinderschuhen. Zuerst einmal stehen gigantische Investitionen an.

Allen voran die Telekom-Provider stehen vor großen Herausforderungen. Allein wird das Projekt kein Anbieter realisieren können, davon sind alle Beteiligten überzeugt. Ganz neue Partnerschaften sind gefragt. Auch heutige Konkurrenten müssten für den Aufbau des 5G-Netzes zusammenkommen und Partnerschaften bilden, betonte Murthy Renduchintala, Mobilexperte des Chipherstellers Intel in Barcelona. Und wenn es um das Netzwerk eines global agierenden Unternehmens oder um Verkehrsdaten für ein autonomes Fahrzeug geht, darf auch an Ländergrenzen nicht Schluss sein.

Bisher sind erst wenige Standards für das Netz der Zukunft geknüpft. Doch es gibt bereits zahlreiche Feldversuche. Im Jahr 2020 sollen dann die ersten Netze verfügbar sein, in denen Daten vom Kühlschrank über Streaming-Videos bis hin zu den autonom fahrenden Autos in atemberaubender Geschwindigkeit fließen. Viele Betreiber werden die nötigen Investitionen in den Aufbau von 5G im Rahmen bestehender Geschäftslogik jedoch nur schwer bewältigen können, schätzt Martin Reitenspieß von der Managementberatung Oliver Wyman. Dafür seien radikal neue Ansätze erforderlich.

Virtualisierung bestehender Infrastruktur

„Anders als vorherige Mobilfunkgenerationen ist 5G nicht nur eine technologische Weiterentwicklung“, sagte Dieter Trimmel, Telekommunikationsexperte bei dem Unternehmen. 5G erfordere neue Geschäftsmodelle. „Auf diesen tief greifenden Wandel haben sich die Betreiber bisher zu wenig eingestellt.“ Beim Aufbau von 5G geht es vor allem auch um die Virtualisierung bestehender Infrastruktur. Damit wird der Grundstein gelegt dafür, dass künftig jede Leitung individuell adressiert werden kann – je nachdem, welche Daten mit welcher Dringlichkeit unterwegs sind.

Bisher hätten es die Netzanbieter nicht geschafft, in angemessenem Maß am Erfolg von Diensteanbietern wie Google, Facebook oder Netflix zu partizipieren, heißt es bei Oliver Wyman. Dabei wäre das mobile Internet ohne die erheblichen Investitionen der Netzbetreiber in der heutigen Form gar nicht möglich. „Mit der Einführung von 5G ist es für die Netzbetreiber von essenzieller Bedeutung, Diensteanbieter an der finanziellen Last zu beteiligen“, sagt Trimmel. Die Internet-Unternehmen kontern allerdings, ihre Dienste seien es erst, die für Verbraucher die Daten-Tarife der Netzbetreiber überhaupt attraktiv machten.

Übernahmekarussell in Technologiebranche dreht sich

Rekordwert von 467 Mrd. Dollar erreicht, Foto: APA (Fohringer)








Die  Digitalisierung stärkt den Hunger auf Technologieunternehmen. Im Jahr 2016 stieg das weltweite Übernahmevolumen um zwei Prozent auf einen Rekordwert von 467 Mrd. Dollar (442 Mrd. Euro), errechnete der Berater EY. Die größten Übernahmen gab es in der Halbleiterbranche – auch in Österreich.

Der größte Deal hierzulande war laut EY die Übernahme der defizitären Optik-Sensorfirma Heptagon Advanced Micro-Optics mit Sitz in Singapur durch den steirischen Sensor- und Chiphersteller ams um 855 Mio. Dollar. Die weltgrößte Übernahme 2016 war der Kauf des niederländischen Halbleiterkonzerns NXP Semiconductors durch den US-Konkurrenten Qualcomm um knapp 40 Mrd. Dollar. Die zweitgrößte Akquisition ging ebenfalls im Halbleitersektor vonstatten: Die SoftBank zahlte für die ARM Holding mehr als 32 Mrd. Dollar. Drittgrößte Technologieübernahme war der Kauf des Karrierenetzwerks LinkedIn durch Microsoft um 26 Mrd. Dollar.

„Vor allem das Internet der Dinge hat die Übernahmen im Technologiebereich 2016 bestimmt. Die Mikrochips der Halbleiterbranche helfen dabei, Produkte und Maschinen zu vernetzen. Ein weiterer Megatrend – das vernetzte Auto – spielt in den Übernahmeplänen ebenfalls eine große Rolle“, so EY-Expertin Eva-Maria Berchtold. 2017 erwartet EY allerdings keinen neuen Rekord, sondern eine leichte Delle. Schon im zweiten Halbjahr 2016 habe es einen Rückgang gegeben. Die Investoren hielten sich wegen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten zurück.

„In Österreich sind CIOs häufig noch damit beschäftigt, die Basis für den digitalen Wandel zu schaffen, indem sie die IT-Infrastruktur im Unternehmen modernisieren und vor Cyber-Angriffen absichern. Deshalb spielen bei uns neue Technologien noch keine so große Rolle“, so Deloitte-Experte Bernhard Göbl.


Service

Digital Business Trends-Award 2017

Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2017 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2017 möglich.

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