DBT-Newsletter #3/2015

Hightech-Kampf ums Handgelenk hat begonnen

Foto: APA/EPA - Smartwatches sind bisher ein Nischenprodukt





Während die Smartphone-Displays immer größer werden, bietet eine Computeruhr nur wenige Quadratzentimeter Bildschirmfläche. Doch die Branche drängt aufs Handgelenk. Es ist eine Reise ins Ungewisse: Ob die Verbraucher überhaupt eine Smartwatch wollen, ist offen. 

Beim Mobile World Congress in Barcelona spielten die Computeruhren jedenfalls eine zentrale Rolle bei Neuheiten von Smartphone-Spezialisten wie LG oder Huawei. Und in Kürze stellt Apple vermutlich die Details zu seinem Gadget vor. Bisher sind die Smartwatches, von denen es schon Dutzende auf dem Markt gibt, ein Nischenprodukt. So wurden im vergangenen Jahr nach Berechnungen von Marktforschern erst 720.000 Geräte mit dem im Sommer vorgestellten spezialisierten Betriebssystem Android Wear verkauft. Und das im Vergleich zu 1,3 Milliarden verkauften Smartphones. 

Die kurzen Batterielaufzeiten sind nicht einmal das größte Problem: Viele Verbraucher können sich bisher kein echtes Nutzungsszenario vorstellen. Wie sinnvoll ist so eine Computeruhr im Alltag? Für viele hat schließlich das Handy längst schon die herkömmliche Uhr ersetzt. Ist es wirklich besser, aufs Handgelenk zu blicken, wenn eine SMS kommt? Oder wenn man wissen will, wer da gerade auf dem Mobiltelefon anruft? 

Wieder soll es Apple zufallen, eine Idee, an der viele zweifeln, zum Laufen zu bringen. Das hatte schließlich vor fünf Jahren schon mal mit dem iPad bei der totgeglaubten Geräteklasse der Tablet-Computer funktioniert. "Bis jetzt haben Hersteller wie Nike, LG und Huawei Geräte verkauft. Aber Apple hat mit seiner Apple Watch eine ganze Produktkategorie für das Handgelenk aufgebaut", sagt Analyst James McQuivey vom Marktforscher Forrester Research. Er geht davon aus, dass der iPhone-Konzern allein in diesem Jahr mehr von seiner Apple Watch verkaufen werde als alle anderen Anbieter von Technik fürs Handgelenk bisher zusammen loswurden – inklusive der Fitness-Armbänder, die es schon seit Jahren gibt. 

Dominanz von Apple hält nicht lange

Zugleich rechnen die Marktforscher nicht mit einer langanhaltenden Dominanz von Apple in dem Geschäft. Schon zum kommenden Jahr werde Apples Marktanteil unter die Marke von 50 Prozent sinken, prognostiziert McQuiveys Kollege J.P. Gownder. Diese Erwartung könnte erklären, warum die Hersteller in Barcelona so beharrlich auf den immer noch winzigen Markt drängen. LG rüstete seine neuen Modelle – wie im vergangenen Jahr schon der aktuelle Marktführer Samsung – mit einer Mobilfunk-Anbindung aus. Damit sollen sie im Gegensatz zur Apple Watch auch ohne die permanente Anbindung an ein Smartphone ins Netz gehen können. 

Immerhin gibt es von LG schon ein Anwendungsszenario, seit eines der neuen Modelle Anfang des Jahres bei der Technik-Messe CES in Las Vegas in Erscheinung trat. Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg ließ dort mit einer LG-Uhr den Prototypen eines selbstfahrenden Autos vorfahren. Die gesamte Aktion – vom Starten des Motors bis zum Losfahren – steuerte er dabei vom Handgelenk aus. Auch Apple-Chef Tim Cook sagte jüngst dem "Daily Telegraph", seine Uhr werde die Autoschlüssel ersetzen. 

Der iPhone-Konzern stellte zudem in Aussicht, dass auch sein Bezahldienst Apple Pay auf der Uhr laufen solle. Dann müsste es reichen, nur kurz die Uhr vor das Lesegerät an der Supermarkt-Kasse zu halten. Nach Einschätzung von Biometrie-Spezialisten könnte zum Beispiel die Kontrolle des Herzschlags durch die Sensoren der Uhr dabei zur Bestätigung der Zahlung die PIN-Eingabe oder den Fingerabdruck ersetzen. Neue offizielle Details von Apple – darunter auch die mit Spannung erwarteten Preise für die unterschiedlichen Watch-Varianten – wird es in Kürze bei einem Event in San Francisco geben.

Österreicher zeigen sich bei Crowdfunding skeptisch

Foto: APA/dpa - Pro Kopf wurden 2014 nur 40 Cent zur Verfügung gestellt









Übers Internet Geld einsammeln für private oder kleinere Firmenprojekte: Crowdfunding ist seit ein paar Jahren in aller Munde. Der Markt wächst auch in Europa rasant, das Niveau ist allerdings noch niedrig, zeigt eine EY/Cambridge-Studie. Der weitaus größte Markt für alternative Finanzierungen ist Großbritannien. Auch institutionelle Investoren zeigen langsam Interesse. Österreich hinkt hinterher. 

Alternative Finanzierungsformen werden zum Mainstream, aber es gibt Risiken, die diese Entwicklung bremsen könnten, so die Studienautoren von der Universität Cambridge und dem Beratungskonzern EY (Ernst & Young). Am wichtigsten sei, dass die Online-Plattformen, über die Privatkredite lukriert werden, als vertrauenswürdig wahrgenommen werden, und zwar von Geldgebern und Kreditnehmern gleichermaßen. Die Politik müsse für klare Regeln sorgen. 

Derzeit bewegen sich viele Crowdfunding-Plattformen in einer rechtlichen Grauzone. Auch in Österreich wurde deshalb bei Wirtschaftstreibenden schon mehrfach der Ruf nach einer gesetzlichen Grundlage laut. Dies, weil vor allem kleine Unternehmen (KMU) schwer an herkömmliche Bankkredite kommen. Hauptforderung ist eine abgespeckte Prospektpflicht für die Alternativfinanzierung, was wiederum Konsumentenschützer kritisch sehen. 

Aufs öffentliche Tapet gebracht wurde Crowdfunding in Österreich durch den Schuhhersteller Heini Staudinger, der seinen Streit mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) medienwirksam ausgetragen hat. Staudinger hat Geld für seine Investitionen bei Privaten aufgestellt, aus Sicht der Finanzhüter war das aber ein illegales Bankgeschäft. 

Extreme Unterschiede zwischen den Ländern

Sieht man sich die nackten Zahlen an, ist Crowdfunding noch lange nicht im Mainstream angekommen. 2014 haben die Österreicher im Schnitt pro Kopf nur 40 Cent in entsprechende Projekte investiert. Der Europa-Schnitt lag der Studie zufolge bei 5,1 Euro, wobei es extreme Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gab. 

In Großbritannien wurden vergangenes Jahr insgesamt 2,34 Mrd. Euro oder 36 Euro pro Kopf an alternativem Kapital lukriert. Das sind 80 Prozent des europäischen Gesamtvolumens (2,96 Mrd. Euro). Weit abgeschlagen dahinter kamen Frankreich (154 Mio. Euro), Deutschland (140 Mio. Euro) und Schweden (107 Mio. Euro). In Österreich waren es lediglich 3,6 Mio. Euro, womit das Land auf dem 12. Platz landete. Im Pro-Kopf-Ranking waren die Esten die zweitfleißigsten Crowdfunder: Sie stellten im Schnitt 16,7 Euro zur Verfügung, gefolgt von den Schweden (10,9 Euro) und den Niederländern (4,6 Euro). Österreich landete mit seinen 40 Cent pro Kopf ebenfalls auf Platz 12. 

Transaktionsvolumen hat sich versechsfacht

Der Studie zufolge gibt es noch viel Raum nach oben: Allein von 2012 bis 2014 hat sich das Transaktionsvolumen diverser Crowdfunding-Plattformen in Europa von 500 Mio. auf fast 3 Mrd. Euro versechsfacht. Für 2015 sagen die Experten, die sich Daten von 255 Portalen in 16 Ländern angesehen haben, ein Wachstum auf 7 Mrd. Euro voraus. Davon sollen 5,7 Mrd. Euro auf Großbritannien entfallen und 1,3 Mrd. Euro auf die anderen europäischen Länder. 

Zuletzt haben rund 350.000 Projekte ihre Geldgeber übers Internet gefunden. Mehr als eine Million Investoren waren engagiert. "Der Markt zieht jetzt größere und erfahrenere Investoren an. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich das Wachstum beschleunigen wird", so die Experten. Für Österreich ist EY-Finanzfachmann Georg von Pföstl weniger optimistisch: "Österreich hinkt im internationalen Vergleich hinterher und das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern."

Europa hat Aufholjagd in Cybersicherheit nötig

Foto: APA/dpa - Unterstützung für Start-ups geplant





Um lückenlosen Datenschutz zu gewährleisten, muss Europa die technische Aufholjagd auf führende Nationen wie die USA und Südkorea starten, erklärte Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, bei einem Hintergrundgespräch im Rahmen des KSÖ-Sicherheitskongresses in Wien. „Wir brauchen einen stabilen europäischen Standard des Datenschutzes“, sagte er. 

In Europa gäbe es laut Oettinger momentan noch keinen „digitalen Binnenmarkt“, sondern 28 fragmentierte, digitale Märkte. „Wir streben eine digitale Union an, damit wir digital souverän werden. Wer nur ‚Importeur‘ ist, also Hardware und Software vom Ausland bezieht, hat beim Thema Datenschutz nämlich nur wenig Mitrederecht“, so der EU-Kommissar. 

Auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte bei der Veranstaltung des Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) die Wichtigkeit der digitalen Unabhängigkeit. „Wir sind hier besonders gefordert, in Cybersicherheitstechnologien zu investieren, um nicht in voller Abhängigkeit zu amerikanischen oder asiatischen Anbietern zu stehen.“ Zwar sei Österreich vor allem in den Kommunikationstechnologien von ausländischen Zulieferern abhängig, Bereiche wie die Kryptographie, der Cloud-Bereich und die Sicherheit digitaler Identitäten müssen laut ihr aber wieder als Kompetenzen zurückgewonnen werden. 

Um dieses Ziel zu erreichen, will das Innenministerium Österreich als Wirtschaftsstandort für entsprechende Start-up-Unternehmen attraktiv machen. „Wir wollen Unterstützung leisten, damit Cybersicherheitsprodukte am Markt Fuß fassen können“, so Mikl-Leitner. Crowdfunding, steuerliche Erleichterungen und Technologiefonds wären hierfür unter anderem Möglichkeiten.

Mobiler Datenverkehr nahm um zwei Drittel zu

Foto: APA/EPA - Videos werden bis 2019 drei Viertel des Datenvolumens ausmachen






Der mobile Datenverkehr hat im vergangenen Jahr um 69 Prozent zugenommen und war 30-mal so groß wie das gesamte Internet im Jahr 2000. Bis 2019 werde sich das von Mobilfunkgeräten generierte Datenvolumen sogar fast verzehnfachen, schätzt der Netzwerk-Ausrüster Cisco in seinem neuen Weißbuch. 

497 Millionen Handys, Tablets und Laptops mit Internet-Zugang wurden im vergangenen Jahr neu in Betrieb genommen, davon waren 88 Prozent Smartphones. Insgesamt sind jetzt 7,4 Milliarden Geräte in Verwendung, etwa so viele wie es Menschen auf der Welt gibt. 

Die Geschwindigkeit der Datenübertragung in den Mobilfunknetzen wird sich nach Ansicht der Cisco-Experten bis 2019 mehr als verdoppeln und dann durchschnittlich 4 Mbps (Megabits pro Sekunde) betragen. Der neue Mobilfunkstandard 4G (LTE) soll ein Viertel aller Datenverbindungen ausmachen und zwei Drittel des Datenverkehrs verursachen. Fast drei Viertel des Mobilfunk-Datenverkehrs werden dann für die Übertragung von Videos benötigt.

SERVICE:

Quantified Self Treffen am 10. März in Wien

Quantified Self Vienna







Am 10. März findet das Quantified Self Treffen in Wien statt. Die Quantified Self Bewegung steht für das Verbessern des Lifestyles, getrieben von Erkenntnissen durch Datenerfassung. Die Themen des kommenden Treffens sind Vermessung des Metabolismus und Alltagsgewohnheiten.

Mehr Infos unter: www.qsvienna.at

Wann: 
Dienstag, 10.03.2015, 
19:00 Uhr

Wo: 
IBM Austria 
Obere Donaustraße 95
1020 Wien

SERVICE:

DigitalDialog am 24. März in Graz:
Die Kraft der Aussage: Kommunikationscontrolling 3.0

DigitalDialog




Die Be“WERT“ung von Kommunikationsarbeit ist gleichsam wichtig wie komplex. Welchen Beitrag die PR am Unternehmenserfolg leistet, ist selten eindeutig auszumachen. Das vielgenützte Bauchgefühl ist für Profis zwar kein schlechter Indikator, taugt jedoch zur profunden Argumentation denkbar wenig.

Durch die ständig anwachsenden Kommunikationskanäle wird der Ruf nach fundierten Analysen im PR-Bereich immer lauter. Diese sollen sowohl Print, Web, TV, Radio, Social Media umfassen. Moderne digitale Beobachtungs- und Analysetools schaffen scheinbar den Durchblick. Doch welche sind die aussagekräftigen Parameter? Wie integriert sich Social Media in dieses Gefüge? Wo sind Faktoren wie Tonalität oder die Vermittlung von Kernbotschaften einzuordnen? Und lässt sich Image wirklich in Euros gießen?

Diese und weitere Fragen sind Inhalt des 29. DigitalDialoges am 24. März in Graz. Expertinnen, Anwender und Anbieter treffen sich am Podium zu dieser Thematik. Diskutieren Sie mit!

                    
Mag. Mario Lugger,
 Wirtschaftskammer Steiermark
Susanne Senft, PRVA Public Relations Verband Austria 
Waltraud Wiedermann
, APA-DeFacto GmbH
Dr. Julia Wippersberg, APA-Corporate Science


Durch die Diskussion führt Oliver Zeisberger, ORF. 

Wann: 
Dienstag, 24.03.2015, 
15:30 bis 19:00 Uhr

Wo: 
IBC Graz (Hotel Ramada)
Seering 10
8141 Unterpremstätten

Anmeldung und Info: http://www.sfg.at/cms/393/4579/anmeldung/

Empfehlen & Verbreiten Facebook Google+ Twitter
Load more