DBT Newsletter #23/2016

„Smart Home“ beschwört neue Risiken herauf

Cyber-Angreifer haben „Smart Homes“ im Visier, Foto: APA (dpa)






Das Smart Home ist längst keine Zukunftsvision mehr. In vielen Haushalten halten intelligente, vernetzte Geräte Einzug. Das eigene Zuhause schon von unterwegs mit dem Smartphone auf eine wohlige Temperatur bringen, die Beleuchtung steuern oder von unterwegs sehen, wenn die Kamera eine ungewöhnliche Bewegung wahrnimmt – es gibt inzwischen zahlreiche Anwendungsszenarien.

Doch bei aller Euphorie über den wachsenden Markt hat sich zuletzt Ernüchterung eingestellt: Öffnen die Anwendungen ein Scheunentor für Angreifer? Erst kürzlich legte eine weltweite Attacke auf Router die Internet-Verbindungen von 900.000 Kunden der Deutschen Telekom lahm. Die Grundvoraussetzungen für ein smartes Zuhause sind in den größten europäischen Ländern jedenfalls gelegt. Wie die deutsche Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) ermittelte, gibt es in drei von vier Haushalten einen Internet-Router, 84 Prozent der Menschen besitzen ein Smartphone.

Erst knapp 3 Prozent der Haushalte nutzten laut der gfu-Studie aktuell etwa eine smarte Heizungssteuerung, doch 20 Prozent haben großes Interesse daran, weitere 27 Prozent stehen solchen Anwendungen eher positiv als negativ gegenüber. Bei der Lichtsteuerung sieht es ähnlich aus: Zwei Prozent nutzen eine entsprechende Anwendung, aber 45 Prozent sind daran interessiert. Der Befragung von 5.000 Haushalten in den größten europäischen Ländern zufolge sorgten sich jedoch 59 Prozent der Europäer, dass Fremde von außen die Steuerung übernehmen könnten. 

Attacke auf Router glimpflich verlaufen

Dass diese Sorge durchaus berechtigt ist, zeigte jüngst die Attacke auf die Router der Deutschen Telekom. Bei dem weltweit angelegten Angriff hatte eine dem Mirai-Botnetz zugerechnete Schadsoftware bestimmte Router des Konzerns unter Dauerfeuer gesetzt. Anders als ursprünglich angenommen, konnte sich die Software zwar nicht in den Routern einnisten, doch der Beschuss ließ sie schließlich abstürzen. Als der Angriff weitestgehend abgewehrt war, waren sich alle Experten einig: Es hätte auch weitaus schlimmer kommen können. Routern wurde bisher nicht allzu viel Aufmerksamkeit gezollt. Die kleinen Geräte fristen in der Regel in irgendwelchen Ecken der Haushalte unbeobachtet ihr Dasein.

Viel Beachtung finden allerdings auch Babyfones nicht. Inzwischen oft mit Kamera und WLAN-Anschluss ausgestattet, bieten auch sie potenziellen Eindringlingen oft ein leichtes Spiel. Erste Schreckensmeldungen gab es bereits aus den USA, wo sich Fremde offenbar Zugriff auf die Geräte in Kinderzimmern erschlichen. Beunruhigend sind nicht allein die Testergebnisse der IT-Sicherheitsfirma Rapid7, die zahlreiche Schlupflöcher für Angreifer offenbarten. Es liege für die Hersteller weit ab von der Norm, sich überhaupt darum zu kümmern, entdeckte Sicherheitslücken zu schließen, kritisierten die Experten. Bei einigen Anbietern habe es nicht einmal die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme gegeben. 

Gigantische Botnetze entstehen

Die Dringlichkeit dürfte exponentiell mit dem Wachstum des Internet der Dinge zunehmen. Wie die letzten Cyberangriffe gezeigt haben, werden aktuell eher relativ „dumme“ Geräte wie Babyfones, Webcams, vernetzte Heizungsthermostate, mit dem Netz verbundene Kühlschränke - oder eben Router - zum attraktiven Ziel von Kriminellen. Nicht nur, dass Smart-Home-Geräte, die mit Kamera oder Mikrofon ausgestattet sind, sich als Tür für Spione eignen. Sind sie einmal gekapert, lassen sie sich zu einem gigantischen Botnetz verbinden. Wie auch bei der Schadsoftware Mirai können diese Heerscharen von Geräten dann für einen verheerenden Angriff genutzt werden.

Solche Attacken hatten zuletzt im Oktober auf den amerikanischen Verwalter von Domain Name Server, Dyn, gezielt - und prompt zahlreiche Websites in die Unerreichbarkeit geschossen. Aber was ist mit WLAN-Druckern, intelligenten Thermostaten oder Assistenten wie Amazons Echo? Bei vielen Produktgruppen des smarten Zuhauses, die das Internet der Dinge inzwischen bevölkern, stand das Thema Sicherheit bisher nicht gerade oben auf der Agenda. Oftmals kommen nicht einmal simple Sicherheitsvorkehrungen wie ein Passwort-Schutz zum Einsatz. Dabei zeigten Hacker immer wieder, wie zum Teil erschreckend einfach sich jemand von außen Zugriff verschaffen kann.

Um der wachsenden Gefahr zu begegnen, haben unterdessen Sicherheitsexperten, darunter Arne Schönbohm, Präsident des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), eine Art Sicherheitsgütesiegel für die Geräte gefordert. Auch Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratschef der gfu, sieht hier Handlungsbedarf - und plädiert für einheitliche Standards. Die Anbieter müssten „hart daran arbeiten“, die Lösungen so einfach wie möglich, „aber auch so sicher wie nur irgend möglich zu gestalten“, um die Nutzer vom Smart Home zu überzeugen.

Fabriken produzieren in Zukunft billiger und flexibler

Fließband soll durch flexible Fertigungsinseln abgelöst werden, Foto: APA (dpa)





Die „smarte Fabrik der Zukunft“ verheißt billigere und flexiblere Produktionsabläufe. „Industrieunternehmen können in den nächsten zehn Jahren bis zu 40 Prozent ihrer Herstellungskosten sparen“, betont das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG). „Die Fabrik, wie wir sie heute kennen, wird sich radikal verändern: Das Fließband wird durch flexible Fertigungsinseln abgelöst“, heißt es.

Ermöglicht werde dies „durch eine vollständig vernetzte, schlanke Produktion“, ist sich BCG-Partner Daniel Küpper sicher. „Die Fabrik der Zukunft muss auf die Agenda des Topmanagements“, meint er deshalb. Sie habe eine viel größere Variantenvielfalt zu bewältigen - bei gleichzeitig steigender Produktivität. „Die steigende Komplexität ist die zentrale Herausforderung der Produktion“, so Küpper.

Flexible Fertigungsstrukturen gewinnen laut BCG vor allem in der Automobilproduktion immer mehr an Bedeutung. Für 92 Prozent der befragten Originalausrüstungshersteller (Original Equipment Manufacturers, OEM) und Zulieferer der Branche stünden sie „weit oben auf der Agenda“, heißt es in einer gemeinsamen Studie der BCG mit dem deutschen Werkzeugmaschinenlabor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, für die weltweit über 750 Produktionsverantwortliche bei führenden Industrieunternehmen aus der Automobil-, Maschinenbau und Anlagenbaubranche sowie aus der Prozessindustrie befragt wurden. 85 Prozent wollen demnach auf smarte Roboter setzen.

Üppige Investitionen notwendig

Ehe die Fabrik der Zukunft Realität wird, müssen die Betriebe laut BCG allerdings zunächst einmal zehn Jahre lang zwischen 13 und 19 Prozent ihres Jahresumsatzes investieren. Das zahle sich aber aus, ist Küpper überzeugt. Eine weitere Voraussetzung für smarte Fabriken ist den Angaben zufolge eine sichere und leistungsfähige IT-Infrastruktur. Besonders schwierig sei die Suche nach kompetenten Mitarbeitern mit den entsprechenden IT- und Technologiekenntnissen. 38 Prozent der Befragten sind laut Studie „skeptisch, dass es überhaupt gelingt, künftig genug Mitarbeiter mit ausreichenden IT- und Technologiekenntnissen zu gewinnen“.

In der deutschen Industrie haben den Angaben zufolge bereits 74 Prozent der Befragten Konzepte für die Fabrik der Zukunft ausgearbeitet - in den USA sind es nur 29 Prozent. Doch jeder fünfte Produzent in Deutschland sieht sich noch nicht dafür gerüstet, die neuen Produktionskonzepte auch umzusetzen.


Auf einen Plausch mit der Maschine: der Hype um Chatbots

Bots holen Menschen in WhatsApp, Facebook und Co. ab, Quelle: APA (dpa)






Das Plaudern mit Maschinen könnte in Zukunft öfter zum Medienalltag gehören: Immer mehr sogenannter Chatbots bevölkern populäre Nachrichtendienste wie den Facebook-Messenger. Der Dialog mit dem User steht dabei im Zentrum. Auch österreichische Medien setzen auf diesen Trend, der allerdings noch ganz am Anfang steht, zeigte sich bei einer Diskussion von APA-OTS in Wien.

ORF.at etwa hat jüngst via Facebook einen „Wahlbot“ lanciert (http://go.apa.at/ISYBTfSu), der am Wahlsonntag unter anderem aktuelle Ergebnisse verschickt hat. OTS-Meldungen sind seit neuestem auch über einen Bot zu beziehen (http://go.apa.at/CdyWEnCv). Es handelt sich um sogenannte dialogbasierte Kommunikationssysteme: Der User kann Fragen stellen, die intelligente Maschine antwortet.

Das funktioniert derzeit umso besser, je genauer der Nutzungsbereich abgegrenzt ist, betonte Bernhard Hauser vom Wiener Start-up oratio bei der Diskussion im Funkhaus. Klassisches Beispiel ist der Wetterbot „Poncho“: Von dem wollen die User wissen, ob es regnet oder schneit - und darauf kann er antworten. Maschinen, die vorgeblich „alles können“ - oder zumindest beim User diesen Eindruck erwecken -, scheitern dagegen mitunter kläglich. Und wenn der Mensch zu oft keine sinnvolle Auskunft bekommt („Auf diese Frage weiß ich keine Antwort“), ist die Frustration groß, ergänzte Michael Leitner von Futurezone.at.

„Da ist noch viel unausgereift“, sagte auch Cliff Kapatais vom Kommunikationsdesigner Chatbotsagency. Hinzu kommt die humane Lust, die Maschine an ihre Grenzen zu bringen. Wer hat nicht schon einmal versucht, Apples Sprachassistentin Siri in den Wahnsinn zu treiben? Die Entwickler machen das ganz systematisch mit „ihren“ Geschöpfen - und verfolgen auch aufmerksam, was die User den Bot so zu sagen haben. „Ich liebe dich“ hört man da des öfteren.

Vorteile für Medien

Wie aber können Medien den Hype nutzen? Zum einen hole man die User dort ab, wo sie ohnehin schon unterwegs sind: in den „Publishing-Kanälen“ wie WhatsApp, Facebook und Co, meinte Harald Mayer, als Chief Digital Officer der APA-Austria Presseagentur für deren neues Medialab verantwortlich. Zum anderen eröffne der Bot auch den Weg vom Nutzer zum Medium, Stichwort „Sourcing“ von Content. So habe Buzzfeed im US-Wahlkampf Content der User sammeln können.

Freilich sollten Themen wie Datenschutz und Privatsphäre sowie die Gefahr von Manipulationen auch im Hype um die Bots nicht ignoriert werden, so ein abschließender Befund: Wer mit Robotern via Facebook chattet, gibt Informationen immer noch über Facebook Preis. Und nicht zuletzt nach der Wahl in den USA wurde die mögliche Beeinflussung des Diskurses durch Twitter-Bots heftig diskutiert. Versuche mit „selbstlernenden“ Maschinen haben schließlich schon gezeigt, dass eine künstliche Intelligenz auch schnell aus dem Ruder laufen kann.

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