DBT Newsletter #22/2016

Experte warnt vor Gefahren der vernetzten Welt

70 Prozent der „smarten






Während sich der Einfluss des Internets auf immer mehr Lebensbereiche rasant ausbreitet, bleibt die Sicherheit dabei oft auf der Strecke. Der amerikanische Politikwissenschafter und IT-Sicherheits-Experte Peter Singer beschrieb bei einem Hintergrundgespräch auf Einladung von Mastercard welch enorme Gefahren die vernetzte Welt mit sich bringt – und wie selten gegengesteuert wird.

Die Umwälzungen, die im Cyberspace derzeit stattfinden, sind geradezu atemberaubend. „Die Sprünge sind in etwa so wie von einem Walkman mit Kassetten zu einem iPhone", sagte Singer. Sind es heute vor allem Computer und Smartphones, die mit dem Internet verbunden sind, wird sich die Technologie mit dem „Internet der Dinge" schon bald auf unseren gesamten Alltag ausweiten. Ob „smarte" Heizungen, Tankstellen oder selbstfahrende Autos – die Experten gehen davon aus, dass bald 30 bis 50 Milliarden Gebrauchsgegenstände mit dem Web verbunden sind. Rund 70 Prozent davon hätten bekannte Sicherheitsmängel – „und das sind nur die von denen wir wissen", sagte Singer.

Doch nicht nur Konsumenten, sondern auch große Unternehmen stehen den Attacken der inzwischen hochprofessionellen Hacker oft hilflos gegenüber. Das zeigen etwa die großen Angriffe auf Banken, Fluglinien oder Versicherungsunternehmen. Singer nannte dafür vor allem zwei Gründe: Es gibt zum einen viel zu wenige IT-Sicherheitsspezialisten und zum anderen sind immer mehr Branchen betroffen, die sich auf den ersten Blick gar nicht als gefährdet einstufen. „Bei einem Autohersteller arbeiten vor allem Ingenieure. Die Autos, die gebaut werden, sind aber inzwischen Computersysteme", sagte der Experte.

Zwischen allen Fronten

Für Unternehmen droht aber noch eine weitere Gefahr: Sie können bei einem Konflikt schnell zwischen alle Fronten geraten. Bestes Beispiel dafür war die Causa Chelsea Manning. Manning hatte – noch als Bradley Manning – illegal geheime Depeschen des US-Außenministeriums beschafft und an Wikileaks übergeben. Die US-Regierung verlangte danach, dass diverse Bezahl-Dienste keine Spenden an Wikileaks mehr zulassen sollten. Seiten, die dem Ansuchen folgten, sahen sich dann mit einem Angriff des Hackerkollektivs Anonymous konfrontiert.

Aber auch Staaten sind Singer zufolge oft Urheber von Attacken. Die USA griffen mit dem Trojaner Stuxnet das Atomprogramm des Irans an, der Iran revanchierte sich mit einer Attacke auf den Ölproduzent Saudi Aramco, Nordkorea hackte nach dem Film „The Interview" die Computer von Sony und Russland wurde beschuldigt, für die Veröffentlichung der E-Mails von Hillary Clinton verantwortlich gewesen zu sein.

Singer plädierte, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Zwar werden sich die Akteure den Gefahren zunehmend bewusst, aber noch sei viel zu tun. Weiterhin würden etwa nur 37 Prozent der Unternehmen ihre internen Dokumente und den E-Mail-Verkehr verschlüsseln. Letztlich liege die Lösung aber darin, jeden einzelnen Nutzer für seine Sicherheit in der vernetzten Welt zu sensibilisieren.


Digitalisierung setzt Gesellschaft enorm unter Druck

Disruption löst auch Ängste aus, Foto: APA (dpa)





„Roboter übernehmen immer mehr Arbeiten, die von Menschen gemacht werden", stellte der US-Sachbuchautor Martin Ford im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Wien fest. In der Zukunft könnten Menschen durch diese unaufhaltsame Entwicklung zwar von lästigen und schweren Arbeiten befreit sein, bräuchten dann aber auch ein von der Erwerbstätigkeit entkoppeltes Einkommen.

„Wir leben in einer disruptiven Zeit, die einen enormen Druck auf die Gesellschaft und die Wirtschaft ausübt", so der Autor des Bestsellers "The Rise of the Robots: Technology and the Threat of a Jobless Future" bei der vom Technologieministerium (BMVIT) veranstalteten Diskussion. Denn nicht nur in der klassischen Industrieproduktion würden Prozesse immer automatisierter ablaufen, auch Teilbereiche von „White Collar"-Jobs im Finanzwesen, in der Medizin oder im Journalismus würden zunehmend von Algorithmen gelenkt. Manchen Schätzungen zufolge könnte so mittelfristig die Hälfte aller Jobs wegfallen.

„Informationstechnologie und künstliche Intelligenz werden alle Bereiche quer durch die Wirtschaft durchdringen", verglich Ford die Digitalisierung mit der Omnipräsenz der Elektrizität. Von Jobverlusten betroffen wären vor allem Bereiche mit niedrigen Qualifikationen, die ohnehin kontinuierlich schlechter bezahlt würden. Dazu seien viele neue Industrien per se weniger arbeitsintensiv, benötigen also für gleiche oder höhere Erträge nur mehr einen Bruchteil der menschlichen Arbeitskraft früherer Zeiten. So hätte der Autohersteller General Motors 1979 mit 840.000 Arbeitern weniger Gewinne gemacht als Google 2012 mit nur 38.000 Mitarbeitern. „Letztendlich wird die ganze Wirtschaft viel mehr wie Google aussehen als General Motors", sagte Ford.

Einkommen von traditionellen Jobs entkoppeln

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen könne man freilich heute erst erahnen. Wenn immer weniger Menschen arbeiten, geben sie auch weniger Geld aus, was zu verringerter Nachfrage, Stagnation und einer Deflationsspirale führen könnte. Die Freiheit, die mit weniger Arbeit einhergehe, könne so wegen der steigenden gesellschaftlichen Ungleichheit rasant zu einem gewaltigen Problem anwachsen. Ein kurzfristiger Ausweg sei mit dem Ausbau und der Stärkung sozialer Sicherheitsnetze möglich. „Irgendwann wird man Einkommen von traditionellen Jobs entkoppeln müssen", sprach sich der Autor langfristig für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.

Ähnlich, wenn auch in anderen Worten formulierte das Anliegen Markus Tomaschitz, Vizepräsident des Bereichs Human Resources beim steirischen Motoren- und Antriebssystementwickler AVL List: „Wenn man Ökonomen glauben kann, dann müsste man das ideologiefrei als Technikdividende für alle diskutieren. Arbeit für alle war gestern."

Für Technologieminister Jörg Leichtfried (SPÖ) müsse es letztlich das Ziel sein, "eine möglichst hohe Zahl von guten, erfüllenden und gut bezahlten Arbeitsplätzen aus dieser Entwicklung herauszutragen. Alles andere wäre ein Rückschritt und würde eine Entwicklung forcieren, bei der große Sorgen und Ängste im Mittelpunkt stehen. Und das ist etwas, das ins Unglück führen kann, wie wir aus unserer europäischen Geschichte gut wissen."

Technologische Errungenschaften rascher einsetzen

„Das Problem ist nicht, dass die Betriebe zu rasch und schnell neue Technologien einsetzen und dadurch Arbeitsplätze vernichten, sondern dass sie gar nicht oder viel zu wenig investieren", befand Herbert Buchinger, Vorstandsvorsitzender des Arbeitsmarktservice (AMS). Eigentlich müssten aus Sicht der heimischen Wirtschaft die neuen technologischen Errungenschaften rascher eingesetzt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben und neue Märkte zu erschließen.

„Riesenchancen" durch eine flexibler agierende Produktion sieht auch Andreas Kugi, Vorstand des Instituts für Automatisierungs- und Regelungstechnik der Technischen Universität (TU) Wien. Entscheidend sei eine Sensibilität für den richtigen Zeitpunkt, neue Technologien einzusetzen oder damit verbundene politische Maßnahmen wie etwa eine kürzlich von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zur Diskussion gestellte „Maschinensteuer".

Für mehr „soziale Fantasie" plädierte Ursula Holtgrewe vom Zentrum für Soziale Innovation (ZSI). Anstatt sich von einer „Inflation bedrohlicher Zahlen" einschüchtern zu lassen, sollte man beginnen, stärker außerhalb der üblichen „Boxes" zu denken und in der Berufswelt mehr Quereinstiege und Umstiege schaffen: „Es kommt darauf an, ob man einen Wandel nur erleidet oder ob man ihn gestaltet."


Start-ups – Weniger Gründerinnen, mehr digital

Jungunternehmer sind Überzeugungstäter, Foto: APA (dpa)






Das Gründungszentrum der Wirtschaftsuniversität Wien hat zum zweiten Mal die heimische Start-up-Szene unter die Lupe genommen. Im Vergleich zur ersten Untersuchung gab es deutlich weniger Gründerinnen. Wesentlich mehr Firmen waren in der digitalen Industrie tätig und auch der Anteil der Ausländer stieg spürbar. 134 Start-ups wurden befragt, gut die Hälfte glaubt, eine globale Innovation zu haben.

Frauen machten nur 7,1 Prozent der Gründer aus, bei der ersten Befragung für das Jahr 2015 waren es noch 15,5 Prozent gewesen. Im EU-Schnitt liegt der Frauenanteil bei 14,8 Prozent. Die Studie wurde vom WU-Gründungszentrum im Rahmen der europaweiten Initiative „European Startup Monitor" durchgeführt.

Drei Viertel der Start-ups sind schon international unterwegs, etwas mehr als die Hälfte will andere Firmen ansprechen (B2B) – dieser Anteil ist im Vergleich zur ersten Befragung (67,8 Prozent) deutlich niedriger. Höher geworden ist dafür der Anteil der Nicht-Österreicher: Jeder dritte Gründer (32,2 Prozent) war ein Ausländer, zuletzt war es nur jeder Fünfte. Wobei vier von fünf Ausländern EU-Bürger waren. Auch die Mitarbeiter der Start-ups stammen zu einem Drittel nicht aus Österreich. Im Schnitt haben diese Unternehmen 8,7 Mitarbeiter, um 1,2 mehr als im vergangenen Jahr.

Start-ups gründen ist offenbar eine Überzeugung: Für 41 Prozent der Befragten ist es nicht die erste Unternehmensgründung, 18 Prozent haben sogar schon zwei oder mehr Gründungen hinter sich. Und 60 Prozent würden gleich wieder ein Start-up ins Leben rufen, sollte ihr Projekt scheitern.

Service: Die ganze Studie: https://www.wu.ac.at/gruenden/materialien/european-start-up-monitor/



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