DBT Newsletter #21/2017

 

ÖVP und FPÖ einigten sich auf Digitalisierungspaket

Geplant sind eine digitale Identität und ein Bürger- und Unternehmerkonto, Foto: APA (dpa)






Die Koalitionsverhandler ÖVP und FPÖ haben ein Digitalisierungspaket vereinbart. In einer Pressekonferenz präsentierten Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache sechs Eckpunkte, darunter etwa die digitale Betriebsstätte, ein Bürger- und Unternehmerkonto sowie den flächendeckenden Breitbandausbau. Kosten dafür nannte man allerdings nicht.

Die Digitalisierung berge Herausforderungen, aber auch „große Chancen“, zeigte sich Kurz überzeugt. Derzeit werde oft auf die Frage, welche Jobs durch die Digitalisierung wegfallen, fokussiert. Man müsse aber den Blick dafür entwickeln, welche Chancen mit der Digitalisierung entstehen: Der ÖVP-Obmann denkt dabei etwa an die Bildung oder die Wirtschaft sowie die Öffentliche Verwaltung, diese könne bürgerfreundlicher und effizienter werden. Kurz sieht auch eine Chance für den ländlichen Raum, dort bestehe die Möglichkeit, dass Jobs zurückkommen.

Geplant ist ein Bürger- und Unternehmerkonto „oesterreich.gv.at“, um Amtswege online erledigen zu können. Als erste Priorität sollen die zehn wichtigsten Behördenwege digitalisiert werden. Weiters wurde die Einführung einer digitalen Identität angekündigt. Damit soll etwa via Handy-App der Personalausweis, der Führerschein oder die Sozialversicherungskarte abgerufen werden können. FPÖ-Chef Strache betonte, dass es keine Zwangsverpflichtung auf die digitale Identität geben soll, ein kostenfreier Ausstieg sei möglich.

Eine Einigung gab es auch auf die Schaffung der digitalen Betriebsstätten. Bisher können Unternehmen wie Google oder Facebook ihre Gewinne in Österreich erzielen, diese aber in anderen Ländern versteuern. Diesem Steuerschlupfloch soll der Riegel vorgeschoben werden. Nun will man auf EU-Ebene für dieses Modell eintreten, ein halbes Jahr gibt man sich für die Gespräche Zeit. Sollte das nichts werden, will Kurz die digitale Betriebsstätte national lösen: „Damit Betriebe auch hier Steuern bezahlen müssen, sonst kommt es zu einer ungerechten Verzerrung.“ Vorstellbar wäre es auch, gleichzeitig mit anderen Ländern nationale Lösungen zu implementieren, meinte Kurz. Berechnungen, wie viel Geld die Maßnahme bringen würde, wollte Kurz auf Nachfrage nicht veröffentlichen, da diese noch zu vage sind.

Flächendeckender Breitbandausbau

Die IT-Ausstattung im Bundesbereich soll harmonisiert werden, um der Zersplitterung und unterschiedlichen Qualität entgegenzuwirken. Dadurch wolle man Kosten sparen und eine hohe Qualität gewährleisten. Kommen soll auch der flächendeckende Breitbandausbau. Als Zwischenschritt zum Gigabit-Netz sei es notwendig, flächendeckend eine Versorgung von zumindest 100 Mbit/Sekunde sicherzustellen. Dafür brauche es eine Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Ländern und Bund sowie der Wirtschaft. Der Ausbau des 5G-Netzes soll bis 2021 gestartet und dann auf ganz Österreich ausgeweitet werden. Ziel sei Glasfaser in jedem Neubau. Wie viel das kostet, müsse noch im Detail besprochen werden, betonte Kurz.

Auch im Bildungsbereich soll die Digitalisierung umgesetzt werden, dies bedeutet unter anderem eine Breitbandanbindung aller Bildungseinrichtungen oder eine Digitalisierungsoffensive in Form einer Aus- und Weiterbildungsstrategie - unter anderem mit einem breiten Angebot an digitalen Lehrberufen. Mitarbeiter in Unternehmen wiederum sollen etwa auch direkt im Betrieb fortgebildet werden.



Zukunft mit schlauen Maschinen: „Wir müssen uns vorbereiten“

Künftig sind vor allem Kreativität und Improvisation gefragt, Foto: APA (dpa)





Schlaue Maschinen, die Berge juristischer Dokumente scannen, Testreihen zur Krebsforschung fahren - oder Killer-Waffen sind? Künstliche Intelligenz kann vieles bedeuten. Höchste Zeit, sich Gedanken über Sicherheit und Ziele zu machen, sagt Max Tegmark.

Als Kosmologe hält Max Tegmark, Physiker am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, die Existenz unzähliger Paralleluniversen für möglich. Als Experte für Künstliche Intelligenz (KI) sieht er auch für das Zusammenleben von Mensch und KI ungeahnte Möglichkeiten voraus. Allerdings nur, wenn die Menschen die Weichen rechtzeitig stellen, betont der streitbare Forscher und Wissenschaftsphilosoph im dpa-Interview.

Herr Tegmark, schauen Sie Science-Fiction-Filme?

Mit meiner Frau war ich vor kurzem in „Blade Runner 2049“. Wieder so eine Hollwood-Dystopie mit schießenden Robotern. KI wird da in der Regel mit irgendeiner Form von Katastrophe verknüpft. Dabei kann das Ganze riesige Vorteile bringen, wenn wir es richtig hinbekommen. Ich bin da optimistisch, aber ich bin kein naiver Optimist.

Viele Menschen sind etwas verunsichert und auch KI-Experten senden gemischte Botschaften aus...

Ja, manche sagen, es lohnt sich nicht, darüber zu reden, weil es frühestens in 100 Jahren passieren werde. Aber die meisten Experten sind sich einig, dass es in den nächsten paar Jahrzehnten so weit sein wird. Also sollten wir jetzt anfangen, uns möglichst gut vorzubereiten. Und das nicht, indem wir nur Science-Fiction-Filme gucken. Wir müssen das Rennen gewinnen zwischen der wachsenden Macht der Künstlichen Intelligenz und unserem wachsenden Wissen, KI zu managen. Und wir sollten dabei nicht versuchen, erst aus Fehlern zu lernen - das könnte fatal enden.

Wie intelligent kann KI werden?

Ich denke, die meisten Menschen halten übermenschliche KI für Science-Fiction. Sie glauben, ihre eigene Intelligenz ist etwas Mysteriöses, das nur in biologischen Organismen, vor allem Menschen, existiert. Aber aus meiner Sicht ist Intelligenz nur eine bestimmte Art der Informationsverarbeitung. Und es gibt kein physikalisches Gesetz, das besagt, dass diese Verarbeitung nicht noch besser laufen kann als in Gehirnen.

Was sind die wichtigsten Punkte für die nähere Zukunft?

Zunächst müssen wir unsere Computer deutlich robuster machen, damit sie nicht gehackt werden. Denken Sie an Stromnetze, Kraftwerke oder Ihr selbstfliegendes Flugzeug. Aber wir müssen auch über unsere Werte nachdenken und unsere Ziele exakt definieren - und der KI beibringen, diese Ziele zu adaptieren und auch dann beizubehalten, wenn sie selbst immer schlauer wird.

Verbrechen und Kriegsführung, Medizin, Justiz, Jobs - all das kann von Künstlicher Intelligenz beeinflusst werden. Wo liegen Chancen, wo Risiken?

Schon heute gibt es ja Roboter, die präziser operieren als Menschen. Und selbstlernende Systeme können die Medizin und andere Technologien immer schneller verbessern. Für Jobs heißt KI generell: Wir müssen unseren Kindern das Richtige raten. Sie sollten Berufe wählen, die mit Kreativität, Improvisation und Menschen zu tun haben. Längerfristig brauchen wir aber Lösungen, wie Menschen auch ohne Arbeit Ziel und Sinn in ihrem Leben finden. Vielleicht ist ein allgemeines Grundeinkommen eine Lösung. Vielleicht kostenlose Infrastruktur. Hier sollten Regierungen, zum Beispiel in Deutschland, jetzt schon regionale Versuche starten.

Wie steht es um die Risiken durch KI-Waffen?

Es gibt Anzeichen dafür, dass ein KI-Aufrüsten bereits beginnt. Deshalb gibt es in diesen Tagen ein UN-Treffen in Genf, um tödliche autonome Waffen mit einer internationalen Konvention zu bannen. So ähnlich, wie Chemiker und Biologen sich gegen chemische und biologische Waffen eingesetzt haben, wollen auch viele KI-Experten autonome Waffen verhindern.

Derzeit werden weltweit Milliarden investiert, um KI immer stärker zu machen. In die Sicherheitsforschung fließt aber so gut wie gar nichts. Die ersten zehn Millionen US-Dollar hat jetzt Elon Musk gespendet. Davon vergibt unser „Future of Life Institute“ weltweit Stipendien, um KI sicherer zu machen. Da gibt es noch viele harte Nüsse zu knacken, wir müssen jetzt damit anfangen.

Von Andrea Barthélémy, dpa

ZUR PERSON: Der schwedisch-US-amerikanische Forscher Max Tegmark (50) ist Physik-Professor am MIT. 2015 beschrieb er in „Das mathematische Universum“ seine Multiversum-Theorie. Seit einigen Jahren befasst er sich auch mit Künstlicher Intelligenz (KI) und hat dazu das „Future of Life Institute“ mitgegründet, in dessen Beirat auch der Astrophysiker Stephen Hawkings sitzt. Tegmarks neues Buch „Leben 3.0“ ist am 17.11. erschienen.


Über die Seele von Assange und anderen Internetgeschöpfen 

Autor O'Hagan verbrachte mehrere Monate mit dem angeblichen Egomanen, Foto: APA (AFP)





Drei Porträts von Männern, die nur durch das Internet leben: Julian Assange, der Enthüllungs-Hacker, ein angeblicher Bitcoin-Erfinder und ein rein digitales Geschöpf. Andrew O'Hagan berichtet im Buch „Das geheime Leben“ spannend und stellt die wichtigste Frage: Was macht das Internet aus der Seele?

Julian Assange, Schöpfer der Enthüllungsplattform Wikileaks, wirkte auf ihn vom ersten Moment an wie ein „hyperventilierender Chatroom“, voller Verachtung für seine Helfer. Der australische Landsmann Craig Wright, vielleicht und vielleicht auch nicht Schöpfer des digitalen Kryptogeldes Bitcoin, hatte dieses „Cyberpunk-Glitzern“ in den Augen, wenn mal wieder unklar war, was er über seine Identität erlogen hatte und warum.

Ronald Pinn schließlich, nach seinem Drogentod über das Internet neu erfunden, ist nun „als Mann mit Cyberwährung überall willkommen“. Der Tote bekommt, nur durch Netzaktivitäten seines Digital-Schöpfers, nach und nach auch eine Postanschrift, einen Personalausweis mit neuem Gesicht, natürlich immer mehr „Freunde“ auf Facebook, und auch Maschinenpistolen.

Andrew O'Hagan legt in „Das geheime Leben“ faszinierende und noch beunruhigendere Porträts dieser Männer mit komplett von Computeralgorithmen und Netz bestimmten Leben vor. Assange und Wright studierte er als Ghostwriter für deren dann aus unterschiedlichen Gründen gescheiterten Autobiografien direkt an der Quelle. Beim dritten war er die Quelle, und in allen drei Fällen lieferte, so schreibt er im Vorwort, „der Wilde Westen des Internets“ das Fundament zusammen mit der großen Frage, was es aus uns macht, wenn kein Platz für alles andere bleibt.

O'Hagan verbrachte mehrere Monate mit Assange in der Zeit des größten Hypes um Wikileaks 2011. Verlage zahlten (wohl dringend benötigte) Millionenvorschüsse für seine Erinnerungen. Der Australier meinte, ganz natürlich alles Recht der Welt auf die Enthüllung aller digitalen Geheimnisse dieser Welt nach eigenem Gutdünken zu haben.

Mit feiner Beobachtungsgabe, aber leider grob und schlecht ins Deutsche übersetzt, erzählt O'Hagan, wie sich die an Rockstars erinnernde Egomanie dieses Hackerstars auch in unfassbar schlechten Tischmanieren Bahn bricht. Vor allem aber: „Der Mann, der sich vorgenommen hatte, die größten Geheimnisse der Welt preiszugeben, konnte seine eigenen Geheimnisse ganz einfach nicht ertragen.“ Kein Wunder, dass die Zusammenarbeit durch Obstruktion der Hauptperson „mit Zügen des Wahnsinns“ im Fiasko und mit Regressansprüchen endete.

„Er war der Ansicht, ich wäre seine Kreatur“

Dass Assange meinte, wie seinen Laptop könne er alle Menschen um ihn herum auf- und zuklappen, resetten, ans Netz anschließen oder davon abkoppeln, wurde für den Ghostwriter zur Grunderfahrung: „Er war der Ansicht, ich wäre seine Kreatur.“ Sein zeitweiliger Brotgeber meinte ganz einfach, dass er jede Form von Lebensäußerung, das Wikileaks-Material genau wie die eigene Biografie, wie ein absolutistischer Herrscher kryptiert für sich behalten oder freigeben könne.

Komplexer beim Zusammenwirken von Computerwelt und menschlicher Psyche liest sich O'Hagans Geschichte über die bizarr scheiternde Selbstenttarnung des angeblichen Bitcoin-Erfinders, der bis dahin nur unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ bekannt war. Das Geheimnis hinter dem genial konzipierten digitalen Kryptogeld sollte nach jahrelangem Rätselraten und mehreren falschen Fährten 2016 gelüftet werden. Der Bitcoin hatte sich als Zahlungsmittel zum Big Business gemausert. Der IT-Informatiker Wright hob den Finger: Ich bin Nakamoto! Wie ein anspruchsvoller Psychothriller liest sich O'Hagans Geschichte über das Zickzack beim Outing mit Knalleffekt am Ende. Es geht um erhoffte Milliarden-Einnahmen für ein digital seltsam verbogenes Ich.

Aus gutem Grund komplett unbekannt ist der dritte Porträtierte: Autor O'Hagan hat den 1984 mit 20 Jahren an einer Überdosis Heroin gestorbenen Ronald Pinn im Netz neu erfunden. So wie Geheimdienste irgendwo einzuschleusende Agenten mit einem „falschen Leben ummanteln“ und dabei als Startpunkt Namen und Geburtsdatum eines Toten verwenden. O'Hagan kann „seinen“ Ronnie Pinn nach und nach mit einer kompletten Identität ausstatten. Irgendwann kommen auch amtliche Bestätigungen. Klar doch - wer so viele Freunde auf Facebook hat, muss wohl existieren. Völlig vorbehaltlos angenommen wird Ronnie im „Darknet“, der verschlüsselten Schwarzmarktabteilung des Internet. Solange er mit einer digitalen Methode á la Bitcoins zahlen kann, bekommt er anstandslos „Sturmgewehre, Kits zum Bombenbau, Granaten, Macheten und Pistolen“ an die gewünschte Adresse geschickt. Drogen aller Art sowieso. Was das Darknet mit der Seele macht? „In den Tiefen des Darknets herrscht ein antiautoritärer Wahnsinn, eine Verherrlichung von Chaos, solange der eigene Besitz nicht bedroht ist.“

Von Thomas Borchert, dpa

Service: Andrew O'Hagan: Das geheime Leben - Wahre Geschichten von der dunklen Seite des Internets. S.Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 336 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-10-397326-6

 

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