DBT Newsletter #21/2016

Startschuss für österreichisches Daten-Ökosystem

Datenmarkt soll neue Geschäftsmodelle ermöglichen, Foto: APA (dpa)






Daten gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Lukrative neue Geschäftsmodelle sind hingegen noch Mangelware. Das soll sich mit dem Projekt „Data Market Austria" ändern. Nichts anderes als „Österreichs erstes digitales Ökosystem für Daten, Business und Innovation" soll in den kommenden drei Jahren entstehen, hieß es bei einem Auftaktworkshop in Wien.

Letztendlich wolle man „Daten und Services von unterschiedlichen Anbietern zusammenbringen, um neue und innovative Anwendungen zu schaffen", so Projektleiter Allan Hanbury von den Research Studios Austria. Tummeln sollen sich auf diesem Datenmarkt einerseits Daten-und Servicelieferanten, andererseits natürlich auch Kunden und Makler, die Angebot und Nachfrage zusammenbringen.

Erste Pilotanwendungen soll es in den Bereichen Erdbeobachtung und Mobilität geben. Als Beispiel nannte Hanbury ein Taxi-Flottenmanagement. „Wenn man in Echtzeit vorhersagen will, wo Taxis benötigt werden, braucht man Standortdaten, anonymisierte Bewegungsdaten von Mobilfunkern, Informationen über Events, Fahrpläne und Wetterdaten." Anhand von Anwendungen wie dieser soll gezeigt werden, was auf einem funktionierenden Datenmarkt möglich ist.

Cloud-Systeme und Blockchain-Ansätze

Um ein entsprechendes Ökosystem zu etablieren, soll die Technologiebasis durch neue Analyseprogramme, innovative Werkzeuge für den Datenhandel sowie den Einsatz von Blockchain-Ansätzen (darunter wird eine Datenbank verstanden, die von allen Teilnehmern eines Transaktionssystems gemeinsam geführt wird und so besonders transparent ist) verbessert werden. Auf der Agenda stehen auch die Bereitstellung von interoperablen Cloud-Systemen sowie die Entwicklung von Pilotsystemen. Zudem sollen eine „Daten-Community" und ein breites Innovationsumfeld aufgebaut werden, das klare Rahmenbedingungen anbietet und die Nachhaltigkeit des Ökosystems sicherstellt. Auch ein Start-up- und KMU-Programm ist geplant.

Das von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms „IKT der Zukunft" des Infrastrukturministeriums (BMVIT) durchgeführte Projekt wird von der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft geleitet, insgesamt sind 17 Partner beteiligt.

Service: Weitere Informationen zu dem Projekt: http://www.datamarket.at.

o viel Datensammelwut gerät die Privatsphäre in Bedrängnis", warnte AK-Datenschutz-Expertin Daniela Zimmer. „Innovationen sollen vorangetrieben werden, dabei dürfen aber Verbraucherrechte nicht auf der Strecke bleiben", sagte Zimmer: „Konsumenten sind chancenlos, bei dem Versuch, Herr ihrer Daten zu bleiben."


Digitalisierung gefährdet mehr als 40 Prozent der Jobs

A.T. Kearney: „Menschenleere Fabriken rücken näher“, Foto: CPS Week 2016





Das Beratungsunternehmen A.T. Kearney sieht in den nächsten 25 Jahren durch die Digitalisierung 44 Prozent aller österreichischen Arbeitsplätze bedroht. Alleine von den 1,8 Millionen Jobs in der Industrie und den industrieorientierten Dienstleistungen seien 42 Prozent - also über 750.000 - gefährdet, so die Autoren der Studie „Wertschöpfung 4.0 - Österreichs Industrie in der Zukunft".

„Menschenleere Fabriken rücken näher, denn sowohl niedrig qualifizierte als auch hochqualifizierte Arbeitskräfte werden durch Automatisierung ersetzt", so Achim Kaucic, Co-Autor der Studie. Für die Studie wurden im Herbst 100 heimische Industrieunternehmen befragt.

Der Wegfall von Arbeitsplätzen aufgrund der Automatisierung könnte durch drei Aspekte aufgefangen werden: Einerseits würden neue Arbeitsplätze im Sozialbereich, in Bildung und Softwareentwicklung entstehen, anderseits werde ein Teil durch die Verkürzung der durchschnittlichen Jahresarbeitszeit, durch den Ausbau von Teilzeit, Bildungsurlauben und Auszeiten erfolgen. Der dritte und wichtigste Aspekt sei die Entwicklung von neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen.

A.T. Kearney erwartet, dass bis 2040 bis zu 30 Prozent der Wirtschaftsleistung mit neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen erwirtschaftet werden muss, um das Wohlstandsniveau in Österreich zu erhalten. Die Digitalisierung biete dabei die Chancen, den Wandel erfolgreich zu gestalten.

„Größter Schub seit der industriellen Revolution“

„Digitalisierung ist der größte Entwicklungsschub für die Industrie seit der industriellen Revolution. Dafür müssen aber Unternehmen, Politik und Wissenschaft aktiv den notwendigen Umbau der österreichischen Wirtschaft einleiten und vorantreiben", so Studienautor Florian Haslauer.

Die Betriebe stünden der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber. Ein anderer Effekt der Digitalisierung werde aber unterschätzt. „Nur 8 Prozent sehen einen Eintritt in fremde Branchen als große Chance für ihr Unternehmen. Und auch das Szenario, dass sich durch den Eintritt branchenfremder Unternehmen der Wettbewerb für ihr Unternehmen deutlich verschärfen wird, sieht die Mehrheit der Befragten als unwahrscheinlich an", so Oskar Schmidt, Co-Autor der Studie.


Behördenverkehr soll elektronischer werden

Ministerrat beschloss E-Government-Paket, Foto: APA (dpa)





Der Ministerrat hat ein E-Government-Paket geschnürt, das für Bürger und Unternehmen Verbesserungen im elektronischen Behördenverkehr bringen soll. So werden behördliche Zustellungen künftig in einen zentralen, digitalen Postkasten zugestellt.

„Zahlreiche Behördenwege werden in Zukunft obsolet", betonte Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ). Das Service-Portal „help.gv.at" wird weiterentwickelt und personalisiert. Im Sinnen eines „One/No-Stop Shops" soll durch einen digitalen Austausch der Behörden untereinander der Kontakt der Bürger mit den Behörden auf ein Minimum reduziert werden. Ein erster Schritt dazu betrifft Namens-und Adressänderungen - zum Beispiel soll es in Zukunft im Zuge einer Ummeldung automatisch zu einer Meldung bei den Zulassungsbehörden kommen und der Zulassungsschein wird dann mit geänderter Adresse dem Bürger antragslos zugestellt.

Schrittweise bis 2019 sollen Behördengänge zur Familienbeihilfe wegfallen, indem diese antragslos gewährt und automatisch verlängert wird. Studierende müssen künftig außerdem Erfolgsnachweise nicht mehr auf Papier vorlegen. Wie im Rahmen der letzten Steuerreform versprochen, kommen im Herbst 2017 mit der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung erstmals automatische Steuergutschriften (für das Jahr 2016). Auch will die Regierung die Zahl der gebührenpflichtigen Rechtsgeschäfte beziehungsweise die Höhe der Gebühren reduzieren und das System der festen Gebühren vereinfachen.

Vorteile für Unternehmen

Um Unternehmen bürokratisch zu entlasten, wird das Unternehmensserviceportal (USP) ausgebaut - dieses soll in Zukunft nahezu alle Behördengänge integrieren, erklärte ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer. Datenbanken werden vernetzt, so sollen etwa Informationen, die bereits bei einer Behörde bekannt sind, zwischen den Behörden ausgetauscht werden. Durch eine Digitalisierung von Formularen werde eine durchgängig elektronische Verfahrensabwicklung für Unternehmen ermöglicht. Über das „USP" sollen Informationen zu Vergabeverfahren zentral verfügbar sein.

Die Unternehmensgründung werde für Einzelunternehmen und Ein-Personen-GmbHs einfacher, und zwar mit einer einheitlichen, elektronischen Abwicklung über das Portal. Sämtliche Wege von der Meldung an Sozialversicherung und Finanzamt bis zur Gewerbeanmeldung sollen an einer Stelle online erledigt werden können. Die Regierung plant zudem, Eichpflichten zu reduzieren sowie Melde-, Veröffentlichungs-, Informations- und Aushangpflichten für Unternehmen zu vereinfachen.



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