DBT Newsletter #1/2017

Nächster Schritt im Internet der Dinge: Alles hört aufs Wort

Fehlerquote bei der Spracherkennung ist deutlich gesunken, Foto: APA (dpa)








Sprachsteuerung wird nach Einschätzung von Branchenexperten sehr schnell eine zentrale Rolle bei der Bedienung von Technik übernehmen. Heuer dürften Computer zum ersten Mal gesprochene Worte genauso gut verstehen wie Menschen, sagte der Chefökonom des amerikanischen Elektronik-Branchenverbandes CTA, Shawn DuBravac, anlässlich der Technik-Messe CES in Las Vegas.

Noch 2013 lag die Fehlerquote bei der Spracherkennung bei 23 Prozent. In diesem Jahr steht die CES im Zeichen digitaler Assistenten, die sich mit Menschen unterhalten und für sie kleine Aufgaben über verbundene Geräte und Dienste erfüllen können. Bei solcher Software zeichnet sich ein Wettstreit von Plattformen großer Tech-Konzerne ab: Alexa von Amazon, Siri von Apple, Googles Assistant und Cortana von Microsoft.

Dabei gelang Amazon zur CES ein erster Schritt, um Alexa über den hauseigenen smarten Lautsprecher „Echo“ hinaus auch in Geräte anderer großer Hersteller zu bringen. Der weltgrößte PC-Anbieter Lenovo stellte einen ähnlich aussehenden Lautsprecher vor, in dem Alexa das Herzstück ist. Außerdem kündigte der Hausgeräte-Spezialist Whirlpool an, dass seine neuen Waschmaschinen und Trockner sich auch per Sprachbefehl an Alexa steuern lassen werden.

Mikrofone für die Steckdose

Google landete zwar weniger Treffer, sicherte sich aber einen starken Verbündeten im Grafik-Spezialisten Nvidia. Der will den Google Assistant nicht nur in seine Plattform für vernetzte und selbstfahrende Autos bringen, sondern ihm auch helfen, im Haus allgegenwärtig zu werden. Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang demonstrierte in Las Vegas das kleine Mikrofon „Spot“, das direkt in die Steckdose kommt. Per WLAN schalten sich die Mikrofone mit dem Google Assistant, der in Nvidias Konsole „Shield“ läuft, zusammen und bilden so ein lückenloses Netz.

Wenn mehrere „Spot“-Mikrofone in einem Raum seien, könne man sogar die genaue Position des Nutzers bestimmen, betonte Huang. Das könnte einerseits die Möglichkeit bieten, Licht oder Raumtemperatur punktgenau anzupassen. Andererseits ist es auch eine ganz neue Dimension der Transparenz eines Verbrauchers für Online-Dienste, gerade nachdem vor kurzem ein Versuch von US-Ermittlern bekannt wurde, sich Alexa-Daten bei der Aufklärung eines Mordfalls zu sichern. Amazon blockte zunächst ab.

Doch Steuerung per Sprache dürfte sich im Haushalt trotz aller Bedenken durchsetzen, weil sie schlicht die direkteste Bedienmethode ist. Wenn man zum Beispiel Lampen per Smartphone einschalten wolle, müsse man es erst entsperren und dann die App öffnen – in der Zeit könnte man eigentlich auch zum Lichtschalter gehen, sagt der Chef des französischen Smarthome-Spezialisten Netatmo, Fred Potter. „Stimme ist deutlich schneller.“ Netatmo, das zur CES unter anderem vernetzte Rauchmelder vorstellte, will seine Geräte mit allen großen Plattformen zur Sprachsteuerung verknüpfen.

Smarter Lautsprecher für Kinder

Der Spieleriese Mattel ließ sich von der Datenschutz-Debatte um die vernetzte Barbie nicht abschrecken und kündigte zur CES einen smarten Lautsprecher für Kinder an. Das Gerät ist mit 300 Dollar (289 Euro) dabei teurer als ähnliche Geräte für Erwachsene – kann mit seiner Kamera zugleich aber auch die Funktionen eines Babyphones übernehmen. Mattel verspricht, dass „Aristotle“ (Aristoteles) besser als andere Geräte die Sprache kleiner Kinder verstehen kann.

Samsung zeigt in Las Vegas vernetzte Kühlschränke, die man ebenfalls nach dem Wetter oder der Uhrzeit fragen kann. Der Smartphone-Marktführer aus Südkorea will in dem neuen Markt mit seinen Rivalen mithalten und kaufte im vergangenen Herbst den sprechenden Assistenten Viv, hinter dem die Entwickler der ersten Versionen von Apples Siri stehen.

Der Markt für Geräte mit Sprachsteuerung steht nach Prognosen der CTA vor einem kräftigen Wachstum. „Wir schätzen, dass bisher rund fünf Millionen smarte Assistenten verkauft wurden“, sagte DuBravac. „Allein in diesem Jahr dürften es weitere fünf Millionen werden.“ Die Möglichkeit, künstliche Intelligenz in kleine Dinge zu bringen, und zwar zu überschaubaren Kosten, sei die große Veränderung im Vergleich zu früher.

Mentalität und Moneten: Tipps der „Start-up Nation“ 

Es braucht mehr Geld für Innovation, Foto: APA (Fohringer)






Rund 5.000 Start-ups gibt es in Israel, im Verhältnis zur Einwohnerzahl angeblich die weltweit größte Dichte solcher Unternehmen. Auch die österreichische Regierung hat ein Auge auf die jungen innovativen Unternehmen geworfen und will sie besser fördern, Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) holte sich nun Tipps in Tel Aviv. Ihr Fazit: Es brauche mehr Geld für Innovation und eine neue Fehlerkultur.

Österreich stecke zwar beachtliche Mittel in Forschung und Entwicklung, findet Duzdar. „Aber der Vergleich zu Israel zeigt, es gibt eine Steigerung nach oben.“ Das aktuelle Start-up-Paket der Bundesregierung ist 185 Mio. Euro schwer, mit dem Geld sollen etwa Lohnnebenkosten gefördert werden. Es sei wichtig, die Ressourcen zu bündeln und die Ausgaben für Innovation noch einmal zu steigern, meinte Duzdar. Eine konkrete Zahl nennt die Kanzleramtsstaatssekretärin im APA-Gespräch während ihres Arbeitsbesuches in Israel allerdings nicht.

Schon der Eingangsbereich im Co-Working-Haus „Mindspace“ ist typisch Tel Aviv: Da trifft eine türkise Retro-Vespa im gedämpften Licht der minimalistischen Designer-Lampen auf ein abgewetztes schwarzes Ledersofa, als Couchtisch dienen morsche Fensterläden mit Glasplatte drauf. Vorm Lift mit der eigenwilligen Tiertapete, der in die Büroebene führt, werden Weinverkostungstermine und Spa-Angebote des „Mindspace“ angepriesen.

Militär als Schlüsselfaktor

In einer der Arbeits-Kojen erklärt Wendy Singer von „Start-Up Nation Central“ der Delegation, warum Israel als Vorbild in diesem Bereich gilt: Die Regierung unterstützt innovative Unternehmen unter anderem mit niedrigeren Steuern und weniger Bürokratie. Außerdem würden Immigranten als Potenzial gesehen. Als einer der Schlüsselfaktoren wird auch das israelische Militär hervorgehoben: Viele gründeten nach ihrer Zeit in der hoch technologisierten Armee Start-ups, für die sie die als Soldaten erlernten Kompetenzen nutzen, heißt es.

Zudem herrsche in Israel eine Kultur, Scheitern zu akzeptieren: Von gut 1.000 neu gegründeten Start-ups pro Jahr verwelken 90 Prozent wieder, erzählte Singer. Für Duzdar ist diese Fehlerkultur „sehr erstaunlich“. Eine „Kultur der zweiten, dritten Chance“ sei zwar in Österreich nicht von heute auf morgen zu etablieren, aber eine gesellschaftliche Debatte wäre wünschenswert, befand Duzdar.

Die Organisation „Start-Up Nation Central“ will Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik aus der ganzen Welt mit jungen Unternehmern und ihren Technologien in Kontakt bringen, etwa im Bereich Cyber-Sicherheit oder Gesundheitstechnologie. Seit neuestem gibt es eine Datenbank, wo die Start-ups und ihre Leistungen nach Bereichen aufzufinden sind. Dieses Modell würde man gerne auch in anderen Ländern etablieren, versucht Singer der Staatssekretärin ihre Idee schmackhaft zu machen.

Förderprogramm „Go Tel Aviv“

Die Wirtschaftskammer hat angesichts des Booms in Israel auch schon leuchtende Augen bekommen: Mit dem Förderprogramm „Go Tel Aviv“ holt man für ein Monat österreichische Start-ups in die Stadt, um ihnen das Know-how zu vermitteln, wie man schnell wachsen kann, erklärte der österreichische Wirtschaftsdelegierte Günther Schabhüttl. „Allein die Tatsache, hier zu sein, ist ein Mehrwert“, schwärmte Schabhüttl. Bei dem Programm gehe es aber auch um echte Schulungs- und Mentoringmaßnahmen. Derzeit läuft die Bewerbung für den zweiten Durchgang im Mai. Umgekehrt gibt es das Projekt „Go Austria“, bei dem israelische Start-ups für zwei Wochen nach Österreich kommen, und zwar mit dem Ziel, in den europäischen Markt einzusteigen.

Es ist freilich nicht alles Gold, was glänzt: Im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft sind die Start-ups auch in Israel bei weitem nicht der bestimmende Faktor. Und dem Vernehmen nach gibt es durchaus Kritik am Staat, dass er bei all seinen Förderungen für Start-ups und innovative Firmen auf die anderen Unternehmen vergisst. Duzdar verweist auch darauf, dass die hochtechnologische Entwicklung offenbar zum Großteil an der Bevölkerung vorbeigehe. Als zuständige Staatssekretärin für Digitalisierung sei es ihr aber wichtig, dass der technologische Wandel möglichst vielen zugutekomme. Man müsse versuchen, die digitale Kluft zu schließen, bekräftigte sie. Der Ausbau der Infrastruktur sei ebenso wichtig wie die Stärkung der digitalen Bildung.


WKÖ: Heimische Händler müssen Online-Präsenz ausbauen

Derzeit fließt viel Geld in ausländische Shops, Foto: APA (Fohringer)






Alleine im heurigen Weihnachtsgeschäft flossen 100 Mio. Euro am österreichischen Handel vorbei und landen in ausländischen Shops wie Amazon und Co. Der Anteil des Online-Geschäfts am Gesamtumsatz im Handel steigt. Damit die heimischen Händler mit der Entwicklung schritthalten können, müssen sie an ihrer Online-Präsenz arbeiten, rät die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

„Ohne Online-Präsenz wird es nicht gehen“, so Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel der WKÖ, die den Händlern beim Aufbau eines Internet-Auftritts unter die Arme greifen will. „Man braucht zumindest eine klickbare Telefonnummer und Öffnungszeiten“, sagte sie. Findet ein potenzieller Kunde online keine Kontaktdaten, würde er einfach woanders hingehen. Das Ganze sollte dann auch noch für das Smartphone optimiert sein.

Zwar hätten bereits 80 Prozent der Einzelhändler eine Webseite und 10.000 Unternehmen betreiben einen Web-Shop. Es gebe aber noch viel Luft nach oben. Vorreiter sind hierzulande etwa die Buchhändler. „Die sind schon vor mehreren Jahren aufgrund des Drucks von Amazon in den Internethandel eingestiegen“, so Barbara Thaler, Obfrau der Fachgruppe Internethandel der WK Tirol, zur APA.

Vorab-Info im Internet

Laut KMU Forschung Austria informiert sich die Hälfte der Österreicher ab 15 Jahren schon vor dem heurigen Weihnachtsgeschenkeinkauf im Internet, 40 Prozent kaufen ihre Gaben auch – aber nicht ausschließlich – online. Mit dem Smartphone suchen drei von zehn Österreichern nach dem besten Geschenk, ein Zehntel kauft auch via Handy. „Die Händler müssen auf den Zug aufspringen und ihre Webseiten auch mobil zugänglich machen“, erklärte Thalbauer. Jene, die noch keinen Internet-Auftritt haben, betreiben zum Teil eine „Vogel-Strauß-Politik“.

„Ein Webshop ist wie eine zweite Filiale zu führen“, so Thalbauer, dessen müsse man sich bewusst sein. „Ich muss mir dann Gedanken über die Logistik oder das Marketing machen.“ Wichtig sei auch, sich zu überlegen, welche Zahlungsarten man anbietet. Will man junge Kunden ansprechen, werde man eher keine Kreditkartenzahlung offerieren, sondern zur Sofortüberweisung greifen. Kaufkräftiges Klientel bezahle hingegen gerne mit Visa, MasterCard und Co. Der Bezahldienst PayPal sei zwar für die Konsumenten sehr angenehm, aber für die Händler vergleichsweise teuer.

Man müsse aber nicht jedem Händler eine Webseite aufdrängen. Kleinen Händlern mit Nischenprodukten empfiehlt Thalbauer eher, Online-Marktplätze zu nutzen, das sei auch um einiges günstiger.

Ausrichtung auf Multi-Channel

Die Ausrichtung auf Multi-Channel werde die Zukunft für den Handel sein. „Die Kunden können dann zum Beispiel bestellte Ware im Shop abholen oder auch zurückgeben“, so Thalbauer. Durch die Verknüpfung von on- und offline könnten die Händler ganz neue Strategien zur Kundenbindung entwickeln. Eine einfache Webseite gebe es bereits ab mehreren hundert bis 1.000 Euro, nach oben gibt es keine Grenzen. Ein Webshop kommt schon teurer: Um die 5.000 Euro müsse man dafür mindestens in die Hand nehmen. Große Webshops könnten einige hunderttausend Euro kosten.

Auch auf EU-Ebene will sich die WKÖ für heimische Händler einsetzen. „Wir wollen die ungleichen Wettbewerbsbedingungen aufzeigen“, sagte Thalbauer und verwies auf die großen Punkte Steuern und Lohnpolitik. Auch die Konsumenten sollten vermehrt dazu angehalten werden, bei heimischen Händlern zu shoppen. „Wenn alle im Ausland einkaufen, schadet das dem Wirtschaftsstandort. Dann könnte auch irgendwann der eigene Arbeitsplatz verloren gehen“, meinte Thalbauer.

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