DBT Newsletter #19/2015

Neue Sorgen in der Ära selbstlernender Maschinen

Computer werden zum Teil auch Büro-Jobs übernehmen. Foto: APA/dpa








Computer werden immer schlauer. Sie erkennen Sprache und Handschriften, schlagen eine passende Antwort für E-Mails vor und erkennen Objekte in Fotos. Sie übersetzen Sprachen, sagen den Verkehr voraus und lenken selbstfahrende Autos. Und: Sie lernen dabei selbst dazu. Experten warnen, dass sie damit Menschen aus immer mehr Jobs verdrängen könnten, mit massiven sozialen Folgen. Wie schnell so etwas passieren kann, ist jedoch noch unklar.

Die Zeiten, in denen Maschinen sich nur stur an die von Menschen vorgegebenen Programm-Befehle halten konnten, sind vorbei. Der Schlüssel dafür ist neben Algorithmen für maschinelles Lernen die Explosion von günstiger Rechenleistung und Speicher, mit denen die Verarbeitung gewaltiger Datenmengen in kürzester Zeit möglich wurde. 

Die Großen der Tech-Branche – Google, Apple, Facebook, Amazon, Microsoft – reißen sich um die klugen Köpfe, die Maschinen das Lernen beibringen können. Das Ergebnis des Fortschritts durchdringt heute unseren Alltag, von der Anordnung der Waren im Supermarkt bis hin zur Auswahl der angezeigten Facebook-Einträge. Doch Experten warnen vor schwerwiegenderen Folgen des maschinellen Lernens für die Gesellschaft: Computer und Roboter werden in der Lage sein, viel mehr Jobs zu übernehmen, die heute von Menschen ausgeführt werden. 

Analysten der Bank of America Merrill Lynch prognostizierten jüngst, dass zum Jahr 2025 rund 45 Prozent der Arbeit in der Produktion von Robotern ausgeführt werden dürften. Heute seien es zehn Prozent. Und der Silicon-Valley-Investor Joe Schoendorf warnt, dass der Trend sich nicht auf die Industrie beschränken werde: Die Computer kämen in die Lage, in großem Stil auch die Jobs von Büro-Angestellten zu übernehmen. "Wir haben die Konsequenzen davon noch nicht durchdacht", sagt der Branchen-Veteran, der in seiner Manager-Karriere unter anderem bei Hewlett-Packard und Apple gearbeitet hat und seit Ende der 80er Jahre beim Risikofinanzierer Accel Partners ist. "Was machen wir mit all den Leuten, deren Jobs wir ersetzen?" 

Trend ist nicht mehr zu stoppen

"Wir treten in eine neu Ära ein", betonte auch der Autor des Buchs "Rise of the Robots" (Aufstieg der Roboter), Martin Ford, vor kurzem in einem Interview mit Bloomberg TV. "Ich denke nicht, dass es einen Weg gibt, die Roboter davon abzuhalten, unsere Jobs zu übernehmen", räumte er ein. Das werde man als Mensch wahrscheinlich auch nicht wollen, schließlich habe die Technologie entscheidend zum heutigen Wohlstand beigetragen. "Aber wir müssen uns anpassen und dafür sorgen, dass alle davon profitieren." Ein Problem sei, dass Maschinen keine Konsum-Nachfrage erzeugten, die wichtigste Stütze der Volkswirtschaft. Eventuell sei dies mit Hilfe eines Mindesteinkommens lösbar, mutmaßte Ford. Zugleich könne man sich aber auch eine Zukunft ausmalen, in der niemand eine Arbeit machen muss, die er nicht mag oder einen gefährlichen Job. 

Der Chef des Autobauers Tesla und der Weltraumfirma SpaceX, Elon Musk, warnte zugleich bereits vor der Gefahr zu kluger Computer mit künstlicher Intelligenz für die Menschheit. "Wenn ich schätzen müsste, was die größte existenzielle Bedrohung für uns ist, würde ich vermutlich darauf tippen." Aber die Technik scheint noch lange nicht soweit zu sein: "Künstliche Intelligenz zu meistern, hat sich als viel schwieriger als erwartet herausgestellt", räumte der zuständige Microsoft-Forscher Eric Horvitz bei einem Auftritt in der Elite-Uni MIT ein. Die Auswirkungen für die Zukunft seien unklar. Aber die Revolution bei selbstlernenden Maschinen sei da.


Angst vor Cyber-Terror überschattet Internet-Wettrüsten

Kooperation der konkurrierenden Staaten notwendig Foto: APA/Hochmuth








Seit Jahren läuft zwischen den USA, Russland und China ein Wettrüsten im Cyberspace. Doch im Angesicht der neuen Terror-Bedrohung werden Stimmen lauter, die sich für eine Zusammenarbeit der konkurrierenden Staaten gegen mögliche Online-Sabotage aussprechen. In Großbritannien läutete Finanzminister George Osborne die Alarmglocke. 

Die Terror-Miliz IS sei noch nicht in der Lage, "Menschen zu töten, indem sie unsere Infrastruktur mit einem Cyber-Angriff attackiert", sagte er. "Aber wir wissen, dass sie das wollen und ihr Bestes tun, um das zu schaffen." Die Briten pumpen jetzt zusätzlich 1,9 Milliarden Pfund (2,7 Mrd. Euro) über einen Zeitraum von fünf Jahren in die Abwehr von Cyber-Bedrohungen. "Der Ausgangspunkt muss sein, dass jedes britische Unternehmen ein Ziel ist, dass jedes britische Netzwerk angegriffen werden wird", so Osborne. 

"Wir stehen vor dem Beginn der Ära des Cyber-Terrorismus", warnt auch der russische IT-Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky. Und die kritische Infrastruktur sei derzeit nicht wirklich gut geschützt. "Viele Systeme, mit denen die Anlagen laufen, haben eklatante Sicherheitslücken und sind mit dem Internet verbunden. Schlimmer noch, die Schwachstellen sind hinreichend bekannt." 

Kaspersky hofft, dass sich nach den Attentaten von Paris und den neuen Bedrohungen die Geheimdienste verschiedener Länder zu einer Kooperation gegen den gemeinsamen Gegner im Cyberspace durchringen können. "Die ganz bösen Jungs sind organisiert, kennen sich im Netz gut aus und sollen sogar einen technischen Support rund um die Uhr haben." Das könne man nur mit Informationsaustausch und koordiniertem Vorgehen bekämpfen. 

Digitales Wettrüsten hält an

Bisher kam eher ein digitales Wettrüsten zwischen den Ländern in Fahrt. "Es ist ein Streben nach Dominanz wie einst am Boden, zu Wasser oder in der Luft", sagt Dave DeWalt, der Chef der IT-Sicherheitsfirma FireEye, die häufig große Online-Angriffe auf amerikanische Unternehmen und Behörden untersucht. "In dem Cyber-Wettrüsten versucht gerade jeder Staat, einen Vorteil zu erlangen." Denn wer das Internet kontrolliere, halte einen Schlüssel zu allem. 

Schon heute schlügen dabei geopolitische Spannungen direkt auf die Internet-Welt durch. Und umgekehrt könnten Cyberattacken in Zukunft zu Vergeltungsschlägen in der realen Welt führen. Der Amerikaner fürchtet auch mehr Attacken wie auf Sony Pictures, die ganze Unternehmen ausradieren können. "In der physischen Welt haben wir Organisationen wie die Vereinten Nationen geschaffen. Im Cyberspace haben wir keine Friedensverträge und niemand will seinen Vorteil aufgeben."


Drei Viertel der User nutzen Online-Banking

Sicherheitsbedenken werden geringer Foto: APA/dpa









In Österreich wird einer neuen Umfrage zufolge von drei Viertel der erwachsenen Internetnutzer zumindest einmal im Monat Online-Banking genutzt. Bankgeschäfte im Internet stehen heuer auf Platz zwei der am häufigsten genannten Abwicklungsmöglichkeiten von Bankangelegenheiten. 

Das hat eine Onlineumfrage von GfK unter 500 Österreichern ab 15 Jahren ergeben. Auf Platz eins in der Liste der meistgenannten Bank-/Zahlungsabwicklungen lag demnach das Bezahlen mit Bankomatkarte. Auf Platz drei die Bargeldbehebung am Bankomat. 

Jeder Dritte gab an, mit Direktbanken in irgendeiner Weise zu kooperieren, mit steigender Tendenz, teilte GfK zu seiner Umfrage ("Direktbank oder Filialbank – wohin geht der Trend?") mit. Jeder Zweite könne sich das gut vorstellen – wenngleich meist eher in der Rolle der Zwei- oder Drittbank. Eine alleinige Bankverbindung via Direktbank komme zurzeit nur für etwa jeden Achten infrage. 

Klare Vorteile

Nicht vorhandene oder niedrige Kontoführungsgebühren sowie Unabhängigkeit von Öffnungszeiten gelten für die Mehrheit der Befragten als größter Vorteil im Vergleich zu den klassischen Filialbanken. Sicherheitsbedenken sind offenbar weniger geworden: Jeder Zweite meint, dass die Sicherheit bei Bankgeschäften im Internet "eher" oder sogar "viel" besser geworden sei. 

Rund zwei Drittel jener Umfrageteilnehmer, die nicht in einer Geschäftsbeziehung mit einer Direktbank stünden, sähen das Fehlen eines persönlichen Ansprechpartners und die Abwesenheit von Filialen als wesentliches Hindernis an. Diese Ergebnisse, so resümiert GfK, legten nahe, dass die Mehrheit der Österreicher weiterhin Filialbanken nutzen wolle, gleichzeitig aber offen für eine zusätzliche Direktbankverbindung sei.


Knapp jedes dritte KMU fürchtet Datendiebstahl

Risikobewusstsein in Österreich auf sehr gutem Niveau Foto: APA/dpa








Fast jeder dritte heimische Unternehmer fürchtet sich vor Datenklau im Internet. Laut einer Umfrage der Zurich-Versicherung unter 200 österreichischen Firmen zum Thema Cyberkriminalität steht für 29 Prozent der Diebstahl von Kundendaten an erster Stelle der Risiken, gefolgt von der Sorge ums eigene Geschäft mit 27 Prozent, wie die Schweizer Versicherung mitteilte. 

15 Prozent der befragten kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) fürchten, dass Bankdaten missbräuchlich verwendet werden könnten. Laut Zurich ist das Risikobewusstsein in Österreich auf einem sehr guten Niveau.


Service

Digital Business Trends






Digital Business Trends am 28. Jänner in Wien: "Smart Home/Active Assisted Living – Wie Technik den Alltag erleichtert“

In die Wohnumgebung integrierte Assistenzsysteme und diverse digitale Helferlein führen bisher ein Nischendasein. Die steigende Zahl von Sensoren, die auch den Trend zum Internet der Dinge antreibt, macht nun aber Dinge möglich, von denen die Entwickler schon lang träumen.

Zahlreiche Prototypen schlummern in den Labors, noch lässt der große Durchbruch allerdings auf sich warten. Dabei ist Vernetzung erst der Anfang. Neue Technologien werden lernen und vorausdenken. Was fehlt, um heimischen Lösungen zum Erfolg zu verhelfen? Welche Hürden gibt es? Wie sicher sind die Systeme? Und wie lebt es sich im Haus der Zukunft?

Darüber diskutieren Expertinnen und Experten am Donnerstag, 28. Jänner, ab 19.30 Uhr, im Haus der Musik in Wien (Einlass 19.00 Uhr).

Wann: 
Donnerstag, 28.01.2016,
19:30 bis 23:00 Uhr

Ort:
Haus der Musik
Seilerstätte 30
1010 Wien

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