DBT Newsletter #18/2016

Cyber Security Summit: „Epische Schlacht“ um das Internet

Kampf gegen Cyberkriminelle ist mit heutigen Mitteln nicht zu gewinnen, Foto: APA (Hochmuth)






„Können Sie sich vorstellen, in einer Welt zu leben, in der einfach alles gehackt werden kann?“ Marc Goodman von der kalifornischen Denkfabrik Singularity University provoziert gerne. Deshalb legte er die Messlatte bei seinem Auftritt auf der ersten Auflage der Münchner Sicherheitskonferenz im fernen Kalifornien von Beginn an hoch.

„Wir stehen ganz am Anfang“, warnte Goodman. „Wenn das Internet heute so groß wie ein Golfball ist, ist es bald so groß wie die Sonne.“ Das sogenannte Internet der Dinge wird alles auf der Welt vernetzen. Milliarden von Geräten, von Kernkraftwerken über Flugzeuge, Herzschrittmacher bis hin zu Autos und Kaffeemaschinen werden Milliarden von Daten pro Sekunde in „die Cloud“ senden, die gigantischen Datenspeicher im Internet. Zwischen Regierungen, Unternehmen, Bürgern und Cyberkriminellen werde eine „epische Schlacht“ um das Internet entbrennen. Und der Ausgang sei völlig offen. Die Verluste und die Zahl der Verlierer können gewaltig sein.

Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, hofft deshalb, den Dialog auf eine neue Ebene hieven zu können. Bei der jährlichen Mutterkonferenz in München geben sich Staatsmänner und Politiker die Klinke in die Hand und reden über Terrorgefahren und Kriege. Jetzt, in der legendären kalifornischen Stanford-Universität, wurde auf dem Cyber Security Summit der Dialog mit der digitalen Elite gesucht.

Unfairer Kampf

Sicherheit, so Ischinger, ist heute eine gesamtheitliche und globale Aufgabe. Denn die Bedrohungen haben sich gewandelt. Panzer und Kanonen sind sichtbar und angreifbar. Cyber-Attacken dagegen kommen aus dem Nichts und die Angreifer sind wieder verschwunden, bevor man sie sehen konnte. Im Silicon Valley gibt es seit Jahren einen geflügelten Spruch: „Es gibt nur zwei Arten von Unternehmen: die, die gehackt wurden, und die, die es noch nicht gemerkt haben.“ Ein zentrales Problem beleuchtete Thomas Tschersich vom Sicherheitsteam der Deutschen Telekom: „Es ist ein unfairer Kampf. Ich muss tausende Rechner gleichzeitig schützen, der Angreifer nur einen einzigen – seinen eigenen.“

Außerdem gibt es ungelöste Probleme in der Art der Verteidigung. Angriffe, so Ryan Gillis vom Sicherheitsanbieter Palo Alto Networks, würden heute automatisiert in Sekundenbruchteilen gegen unzählige Systeme gefahren. Dem gegenüber stünden manuelle Antworten, die auf bestimmte Angriffe vorbereitet seien – und andere schlicht nicht kennen. Die Lösung könne nur „eine Automatisierung der Abwehrmaßnahmen“ sein. Also selbstlernende Systeme mit künstlicher Intelligenz, die einen Einbruchsversuch erkennen, selbst wenn sie ihn nie zuvor gesehen haben.

Wahlen beeinflussen

Denn es steht viel auf dem Spiel: „Was für eine Zeit, in der ein Mann die amerikanischen Wahlen entscheiden kann“, warnte Larry Ellison, Oracle-Gründer und einer der reichsten Menschen der Welt, auf der parallel laufenden Oracle-Hausmesse Openworld in San Francisco. Er meine damit niemand anderen als Wladimir Putin. Mutmaßlich russische Hacker im Staatsauftrag sollen E-Mails der demokratischen Partei gehackt und ins Internet gestellt haben. 

Erschwerend kommt eine generelle Ahnungslosigkeit der Bevölkerung in IT-Angelegenheiten hinzu, die sich nach Meinung vieler Experten auf der Tagung immer mehr auswirkt. Und selbst da, wo man sich mit diesen Themen intensiv beschäftigt, wächst die Angst. Denn die jahrzehntelange amerikanische technologische Überlegenheit schmilzt dahin.

In nicht öffentlicher Runde redeten sich Experten aus den USA, von früheren Präsidenten-Beratern bis zu hohen Funktionären der Homeland-Security, den Frust von der Seele. Sie sähen momentan keine wirkliche Gefahr, dass die diesjährigen Wahlen zur Präsidentschaft der USA zum Beispiel durch ferngesteuerte Manipulation von Wahlautomaten beeinflusst werden könnten. Doch die Angst steigt, man habe „konkrete Hinweise“ auf ausländische Aktivitäten. „Die Russen“, so ein Teilnehmer, „haben ungeheure Kapazitäten. Sie sind immer tätig, überall. Sie sind heute hier im Raum.“ Das wurde dann aber von den anwesenden rund 140 handverlesenen Vertretern aus Politik, Militär und Industrie doch mit leichtem Stirnrunzeln bedacht.



Zu Fuß oder per Bim: Smartphone erkennt Verkehrsmittel automatisch

AIT-Software analysiert Mobilitätsverhalten, Foto: AIT






Smartphones „wissen“ bereits sehr viel über ihre Nutzer. Eine vom Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelte Software erkennt nun auch, wie wir uns fortbewegen – also zu Fuß, mit Auto, Bus oder Bim. Dadurch könnten künftig etwa Öffi-Tickets automatisch abgerechnet werden. Die Innovation wurde auf der internationalen Verkehrstechnikmesse „InnoTrans“ in Berlin vorgestellt.

„Die Software kann in verschiedene Smartphone-Apps integriert werden und unterscheidet automatisch zwischen acht verschiedenen Verkehrsmitteln“, erklärt der zuständige Projektleiter Markus Ray gegenüber der APA. So könnten detaillierte und zuverlässige Informationen über die zurückgelegten Wegstrecken zu Fuß, per Fahrrad, Motorrad, Auto, Bus, Straßenbahn, U-Bahn sowie Eisenbahn gewonnen werden. Die Anwendung starte automatisch, „der Anwender muss gar nichts machen“.

Ein mögliches Einsatzgebiet ist automatisiertes E-Ticketing: „Eine App stellt im Hintergrund fest, welches Verkehrsmittel ich auf welche Weise nutze und führt darauf basierend die Verrechnung durch“, so Ray. Auch bei der Erhebung von Bewegungsdaten in der Mobilitätsforschung würde die Software gute Dienste leisten: „Derzeit werden noch Fragebögen an Probanden ausgeschickt, um zu protokollieren, wann sie mit welchem Verkehrsmittel wohin fahren. Wir haben das jetzt auf das Smartphone gebracht.“ Denkbar seien auch Reisetagebücher und Mobilitätsprofile inklusive CO2-Fußabdruck.

Derzeit nur Android-Version verfügbar

Aufgezeichnet werden von der „Travel Mode Identification“ genannten Software diverse Sensordaten des Smartphones – vor allem Beschleunigungs- und Lokalisierungsdaten. Die Analyse und Feststellung des Reisemodus findet dann am Server des Anbieters statt, um den Handy-Akku zu schonen. Derzeit gibt es nur eine Android-Version. Ein Angebot für Apple-Geräte ist in Planung. Das AIT selbst stellt die Technologie in Form von Software-Bibliotheken zur Verfügung. Systemintegratoren und App-Entwickler können diese dann einbinden, um bestimmte Anwendungsbereiche abzudecken.

Im Rahmen der Entwicklung des vom Infrastrukturministerium und der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützten Projekts haben laut Ray mehrere hundert Probanden manuell die zurückgelegten Wege und das jeweilige Verkehrsmittel aufgezeichnet. Das wurde mit den Sensordaten abgeglichen. Herausgekommen sind Modelle, mit denen anhand einer Vielzahl von Kriterien eine Klassifikation durchgeführt werden kann.



Smart, aber intransparent: Das Internet der Dinge

Datenschutz-Defizite bei vernetzten Alltagsgegenständen, Foto: APA (AFP)






Ob Spielkonsole, Fitness-Tracker oder vernetzte Zahnbürste – sogenannte smarte Geräte erleichtern den Alltag und begeistern so manchen Anwender. Datenschützer schauen allerdings mit Sorge auf die Produkte, die mit dem Internet vernetzt sind. Denn: Im Bereich Datenschutz und Transparenz gegenüber dem Nutzer weist das „Internet der Dinge“ große Defizite auf.

Das hat die internationale Prüfaktion „Global Privacy Networks“ ergeben, wie das deutsche Landesamt für Datenschutzaufsicht in Ansbach mitteilte. Zusammen mit 25 weiteren Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt nahmen die Datenschützer vernetzte Alltagsgegenstände unter die Lupe.

Demnach sammelt jedes der 314 getesteten Geräte eine große Menge an persönlichen Daten, aus denen teilweise konkrete Nutzerprofile erstellt werden. Doch der Nutzer weiß meistens nicht, was das Gerät mit seinen Daten macht. 68 Prozent der Datenschutzbestimmungen der Geräte enthalten dem Landesamt zufolge keine Information, welche Daten gespeichert werden. Ein noch größerer Anteil enthält keine Informationen zur Datenlöschung. Vor allem im Gesundheitsbereich – wo es um besonders sensible Informationen geht – sei dies kritisch.

„So groß die Euphorie für die smarten Alltagsgeräte auch ist, so tief sind die Sorgenfalten der Datenschützer“, sagte Behörden-Präsident Thomas Kranig. „Die Nutzer werden weder über den Datenumgang hinreichend aufgeklärt, noch können sie sich bei Fragen zu diesem Thema an die Unternehmen auf schnellem Wege wenden.“

Service: http://go.apa.at/uebec5HV


Service

Graz-DBT: Die Schattenseiten der Digitalisierung

Digital Business Trends, Foto: APA




Trotz der Vorteile von Digitalisierung und Vernetzung dürfen die potenziellen Risiken nicht ausgeblendet werden. Denn auch die Verletzlichkeit und die möglichen Schäden durch Cyberkriminalität, Datenlecks und außer Kontrolle geratene Systeme nehmen zu. ...

Weitere Informationen


Wann? Donnerstag, 20. Oktober 2016, 19:00 Uhr - 23:00 Uhr
Wo? Styria Media Center, Gadollaplatz 1, 8010 Graz


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