DBT Newsletter #16/2018

IKT-Konvent: Österreich soll digitaler Vorreiter werden

Telekom-Betreiber fordern Ausbau der Infrastruktur hin zu 5G, Foto: APA (AFP)







Die Bundesregierung hat beim IKT-Konvent in Wien ihre neue Digitalstrategie vorgestellt. Die Kernthemen der Veranstaltung waren der Ausbau der 5G-Mobilfunktechnlogie, die Digitalisierung von Klein- und Mittelunternehmen sowie die Integration von digitalen Lehrinhalten in die Bildung. 

Österreich befinde sich im EU-Vergleich bei der Digitalisierung im Mittelfeld, so Michaela Novak-Chaid, Präsidentin der Internetoffensive Österreich. Dies zeige auch der sogenannte Desi-Index, der die Entwicklung der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft misst. Hier erreichte Österreich zum zweiten Mal infolge lediglich den elften Platz. „Wir wollen an die digitale Spitze“, so Novak-Chaid. Es brauche eine enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft um zum „Digital-Leader“, also zum Vorreiter, zu werden.

Laut Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck ist das Kernthema die Schaffung digitaler Kompetenzen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. „Jeder soll in der Lage sein, seinen Computer zu bedienen“, so Schramböck. Digitale Kompetenz sei heute wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Also „etwas, das wir nicht zurücklassen dürfen“. Die Regierung habe deshalb das Projekt „Fit4Internet“ gestartet, das aus drei Bereichen bestehe: Stärkung digitaler Fähigkeiten, Festlegung von Standards für digitale Kompetenzen sowie Zusammenbringen von Digitalisierungs-Experten mit der Wirtschaft.

Kompetenzen in KMU erhöhen

Bis Jahresende sollen für rund 1.000 Teilnehmer der Zielgruppe 60+ rund 50 Kurse zum Thema Digitalisierung angeboten werden. Ab Jänner soll es in jedem Bezirk jede Woche mindestens eine dieser Schulungen gratis geben, so Schramböck. In einem zweiten Schritt gehe es um die Kompetenzen der bereits Berufstätigen – vor allem in kleineren und mittleren Familienunternehmen. Österreich liege im EU-Vergleich bei der Internetnutzung auf dem drittletzten Platz. „Das ist beschämend für uns“, sagt Schramböck. Das digitale Einmaleins sei für die Zukunft unabdingbar.

Um auf Dauer kompetitiv zu bleiben und den Wohlstand zu erhalten, sei der Ausbau der Infrastruktur hin zu 5G notwendig. Darüber waren sich die Chefs der heimischen Telekom-Betreiber A1, Drei sowie T-Mobile einig. Erneut bekräftigt wurde das Versprechen der Mobilfunkbranche in Richtung Regierung, dass jeder Euro, der durch effizientere Regulierung gespart wird, wieder in den Infrastrukturausbau investiert wird.

 


EU-Finanzminister: Durch Digitalisierung verlorene Jobs ersetzen

Pissarides: 10 bis 30 Prozent der Arbeitsplätze werden wegfallen, Foto: APA (AFP)






Wirtschaftsnobelpreisträger Christopher Pissarides hat beim Treffen der Euro-Finanzminister in Wien einen Vortrag zur Zukunft der Arbeit gehalten. Demnach werden durch Digitalisierung und den Einsatz von Robotern 10 bis 30 Prozent der bisherigen Jobs wegfallen. Die Regierungen sollten die Betroffenen beim Wechsel zu neuen Arbeitsplätzen nach Möglichkeit unterstützen.

Laut dem zypriotischen Wirtschaftswissenschafter gibt es drei große Bereiche für neue und zukunftsfähige Jobs: Mehr Ingenieure, Techniker und Computerexperten werden gebraucht, um die digitalen Technologien zu entwickeln, umzusetzen und anzuwenden. Dies könnten die Regierungen unterstützen, indem es gute Universitäten mit technischer Kompetenz gebe und die Kooperation zwischen Universitäten und Unternehmen verstärkt werde. Auch in der Schule sollte den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) viel Raum gegeben werden.

Den zweiten Bereich, wo Menschen, die ihre Jobs an Computer verloren haben, unterkommen werden, sieht der Ökonom innerhalb der Unternehmen im Service-Bereich. Hier werden höhere Anforderungen an Dienstleistungen entstehen, die nur durch Menschen und nicht durch Maschinen erfüllt werden können. Als Beispiel nennt Pissarides Bankberater, die durch persönliche Gespräche eine enge Beziehung der Kunden zur Hausbank aufbauen sollen, während die reinen Kassier-Stellen zur Ein- und Auszahlung von Geldern weitgehend durch Bankomaten ersetzt wurden.

Manches kann nicht automatisiert werden

Der dritte und weitaus größte Bereich umfasse Dienstleistungen im gesundheitlichen und sozialen Bereich, in Unterhaltungs- und kreativen Bereichen und in der Erziehung. Auch Dienstleistungen im Haushalt gehörten dazu. Diese Arbeiten würden in einer immer reicher werdenden Gesellschaft immer wichtiger. Eine Produktivitätssteigerung sei aber kaum erzielbar, denn diese Jobs könnten nicht automatisiert werden. Viele dieser Arbeiten seien derzeit mit wenig Prestige verbunden und seien schlecht bezahlt. Für diese Arbeitsplätze solle es mehr Geld und mehr Wertschätzung geben, weil sie für die Gesellschaft wichtig seien, meint Pissarides. „Diese Jobs müssen 'gute Jobs' werden, wenn wir als Gesellschaft den Krieg gegen Roboter gewinnen wollen.“

„Die Fortschritte im Hinblick auf Robotik und künstliche Intelligenz bieten große Möglichkeiten“, sagte Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. Man müsse aber auch sicherstellen, dass das Bildungsangebot angepasst werde und jene Menschen unterstützt werden, die vom Wandel in der Arbeitswelt negativ betroffen sind. Es gelte ein Wachsen der Kluft zwischen „Gewinnern“ und „Verlieren“ in der Gesellschaft zu vermeiden. Die steigende wirtschaftliche Ungleichheit sei der Hauptgrund für das Erstarken populistischer Kräfte. Der Wirtschaftskommissar unterstrich die Bedeutung von „Reformen 2.0“, die auf die Stärkung des „Humankapitals“ abzielen.


BRANCHEN-NEWS

Sprachassistenten noch wenig verbreitet

Die Verwendung von Sprachassistenten ist noch sehr selten. So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes IMAS unter 1.019 Personen ab 16 Jahren im Juni und Juli. Demnach waren sie 63 Prozent der Gesamtbevölkerung bekannt und von 18 Prozent wurden sie auch verwendet. Personen zwischen 16 und 33 Jahren sowie jene mit höherer Bildung waren unter den Nutzern überdurchschnittlich vertreten. Besonderes Potenzial hat die Sprachsteuerung im Auto beim Telefonieren und bei der Bedienung des Navigationsgerätes. Auch das Erinnern an persönliche Termine, das Abspielen von Musik und das Abfragen von Wettervorhersagen sowie von Informationen aus Suchmaschinen per Sprachassistenten war für die Befragten in der Zukunft „sehr“ oder „eher wahrscheinlich“.

KMU schwächeln bei Digitalisierung

Bei der Digitalisierung haben die heimischen Klein-und Mittelunternehmen weiterhin Aufholbedarf. Der Datenschutz stellt derzeit die größte Herausforderung für die digitale Transformation dar. Das hat eine von der Wirtschaftskammer in Auftrag gegebene und bereits zum zweiten Mal durchgeführte Studie unter 1.100 KMU ergeben. Beim Digitalisierungsindex (Skala von 0 bis 100), der den Digitalisierungsgrad eines Betriebes misst, erreichten mehr als die Hälfte der Unternehmen lediglich einen Wert von unter 30 Punkten. Kein einziger der befragten Betriebe hat die 60-Punkte-Marke überschritten. Der Durchschnitt lag bei 27 Punkten.

Tschas wird Leiter der Digitalisierungsagentur

Andreas Tschas leitet die von der österreichischen Bundesregierung eingerichtete Digitalisierungsagentur DIA. Das gaben Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Verkehrsminister Norbert Hofer bekannt. Tschas habe im Ausschreibungsprozess mit seiner bisherigen Erfahrung – unter anderem als Mitgründer des Start-up-Brutkasten Pioneers – überzeugt. Tschas ist Mitgründer des Pioneers Festival, bei dem sich Start-ups vernetzen. Im Juli 2017 zog er sich aus der aktiven Rolle bei Pioneers zurück und übernahm die Leitung des Bereichs Marketing und Business Development beim Wiener Hightech-Unternehmen TTTech. Tschas ist Mitglied der Global Shapers Community des World Economic Forums.

 

Aus der Wissenschaft:

Faden-Kunst aus Roboterhand

Der Roboterarm erzeugt ein Bild von Albert Einstein, Foto: TU Wien





Als „String Art“ bezeichnet man Bilder aus kunstvoll gespannten Fäden. Ein Industrie-Roboter übernimmt die Arbeit des Fadenspannens und erzeugt ein kreisrundes Fadenbild – ein Beispiel, welch komplexe Aufgaben digitale Fabrikation mittlerweile lösen kann. Aus wissenschaftlicher Sicht ein interessantes Problem, weil es besonders schwer zu lösen ist.  Die Anzahl der Möglichkeiten, wie man einen Faden zwischen einer größeren Anzahl von Nägeln spannen kann, ist astronomisch hoch. Außerdem ist es völlig unmöglich, alle denkbaren Varianten durchzuprobieren.  

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=UBQLxOoSbzA#action=share

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Service:

DBT-Blog | Mehr Ethik durch Regulierung? Zur Verantwortung von IT- und MedienmanagerInnen

Foto: Michael Litschka, Department Medien & Wirtschaft der FH St. Pölten und IMEC






Die aktuellen ethischen Fragen in der IT- und Medienbranche sind vielfältig: Im journalistischen Bereich sehen wir eine starke Marktkonzentration, Vorurteile eines Teils der Öffentlichkeit, dass nur noch Fake-News produziert werden oder auch das Phänomen der Klickökonomie für die Werbeeinnahmen. Die Plattformunternehmen mit ihren inhärenten Netzwerkeffekten (je mehr Personen ein Netzwerk nutzen, desto mehr Nutzen stiftet es der einzelnen Person, was für automatisches Wachstum eines Netzwerks sorgt) bestimmen die Medien- und IT-Wirtschaft in vielen Bereichen (s. Suchmaschinen, Social Networks…). Inwiefern deren Algorithmen-gesteuerte und Big Data basierten Geschäftsmodelle die Nutzer „benützt“ oder ihnen hilft, bzw. ob wir KonsumentInnen hier noch Wahlfreiheit bei manchen Angeboten haben, bleibt fraglich. Was also kann die Medien-, IT- und Wirtschaftsethik zur Minderung dieser Probleme beitragen? ...

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