DBT Newsletter #16/2017

Big Data in der Medizin: Große Chancen, große Risiken

„Ethical Hacker“ Ralph Echemendia warnt vor zunehmenden Attacken, Foto: Forbes/Susanne Einzenberger






Es kann passieren und es wird passieren: Unternehmen müssen davon ausgehen, dass sie Opfer eines Hacker-Angriffs werden. US-Cybersecurity-Experte Ralph Echemendia riet deshalb, Schwachstellen rechtzeitig zu identifizieren und sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Anlass war eine vom Wirtschaftsmagazin Forbes Austria organisierte Veranstaltung zum Thema „Datengesteuerte Medizin – Freund oder Feind?“ in Wien.

Nur ein Drittel aller Unternehmen bemerkt Hacker-Attacken selbst, zwei Drittel werden von anderen darüber informiert, so der selbst ernannte „Ethical Hacker“ und CEO des Start-ups Seguru, der die Sicherheitssysteme großer Konzerne seit 25 Jahren auf ihre Verwundbarkeit testet. Im Durchschnitt vergehen seinen Angaben zufolge 27 Tage, bis ein System nach einem Angriff wieder hergestellt ist. Beunruhigendes Detail: Hacker treiben sich im Schnitt 229 Tage in einem Netzwerk herum, ehe sie entdeckt werden.

Das oberste Ziel müsse sein, während eines Angriffs handlungsfähig zu bleiben, empfiehlt der IT-Experte. Besonders im Gesundheitssektor seien der Schutz und die Integrität der sensiblen Daten wichtig - auch wenn Hacker bisher noch keinen Weg gefunden hätten, diese Daten zu richtig viel Geld zu machen. Doch das Risiko ist hoch: Werden medizinische Daten manipuliert, kann das tödlich enden, siehe hackbare Herzschrittmacher. Eine steigende Zahl an medizintechnischen Geräten wie Armbänder, Insulinpumpen oder Implantate bietet Angriffsflächen. Dennoch würden die Vorteile von datengesteuerter Medizin die Risiken weit übersteigen.

Genom-Daten „spenden“

Der Gesetzgeber erschwere es Individuen, ihre Gesundheitsdaten der Forschung zur Verfügung zu stellen, bedauerte der IT-Experte, der aber zugleich forderte, jeder müsse die Kontrolle über seine Daten behalten können. Man müsse Wege finden, wie Patienten ihre Daten legal teilen können, sei es gegen Geld oder einen bestimmten Nutzen, wies Judy Sedwards vom US-Pharmakonzern Pfizer, hin. „Wer seine Genom-Daten 'spendet', könnte etwa eine genetische Beratung und Hinweise für seine künftige Gesundheit erhalten“, führte sie aus.

Die Daten unter Verschluss zu halten, sei jedenfalls keine Option, betonte auch Michaela Fritz, Vizerektorin der Medizinischen Universität Wien. „Wir müssen Wissen aus ihnen extrahieren“, hob sie das große Potenzial für das Feld der Präzisionsmedizin und in Folge auch für individuelle Präventionstherapien hervor.

Unterschiede ausgleichen

Viele Chancen ortete John Crawford von IBM Europe darin, mit Hilfe von datengesteuerter Medizin die unterschiedlichen Zugänge zu Gesundheitsleistungen innerhalb der Bevölkerung eines Landes - selbst in gut funktionierenden europäischen Gesundheitssystemen - auszugleichen und niederschwellige Angebote für unterprivilegierte Schichten zu entwickeln.

In Zukunft würde Big Data mehr Wissen über Wirkstoffe, Krankheiten und die Gesundheit ganzer Bevölkerungsgruppen bringen, zeigte sich Sedwards überzeugt. „Wir werden bessere Präventivmaßnahmen und einfachen Zugang zu den optimalen Diagnosemöglichkeiten haben - egal, ob das eine KI-Schnittstelle oder eine Person ist“, so Echemendia. Crawford betonte den Rollenwandel, der auf das System zukomme: „Der mündige Patient weiß Bescheid um seine Optionen und sieht den Arzt - den es auch in zwanzig Jahren geben wird - als Partner auf Augenhöhe.“


„Zoin“ – Neues Feature zum Geldtransfer über Smartphone

Weiterer Schritt in Richtung bargeldloser Geldtransfer, Foto: PSA





Die Payment Service Austria (PSA) hat eine neue Methode zum kontaktlosen Geldtransfer per Smartphone vorgestellt. „Zoin“ ermöglicht Kunden, Beträge bis zu 400 Euro pro Tag per Handy an Freunde oder Kollegen zu übersenden oder zu empfangen.

Das neue Feature richtet sich in erster Linie an Privatpersonen und bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung bargeldlosem Geldtransfer. Mittels App können Kunden Beträge bis zu 400 Euro pro Tag und bis zu 1.000 Euro pro Woche an Kontakte im Smartphone überweisen. Die Anwendung ist bankenübergreifend und soll den Nutzern aller Institute zur Verfügung stehen.

Notwendig hierfür sind die einmalige Registrierung zur Nutzung bei der eigenen Bank und die Aktivierung der „Zoin“-App beim Empfänger. Das im Smartphone installierte „Wallet“, eine digitale Brieftasche, ein selbst gewählter 4-stelliger Pin-Code, der bei jeder Überweisung notwendig ist und eine allgemeine Smartphone-Sperre sollen vor fremden Zugriffen schützen. Dadurch biete „Zoin“ dieselbe Sicherheit wie das Bezahlen mit Bankomatkarte, betonte Harald Flatscher, Geschäftsführer der PSA bei einem Pressegespräch in Wien. Die PSA ist die Abwicklungsstelle der österreichischen Banken, die auch die gemeinsamen Bankomaten betreibt.

Banken legen Kosten selbst fest

Das Angebot richtet sich an alle Banken in Österreich, mit Ausnahme der Erste Bank hätten bereits alle Institute mit der Nutzung gestartet, so Flatscher. Die genaue Umsetzung von „Zoin“ liegt trotzdem in den Händen der Banken, die Kosten der Anwendung und die Geschäftsbedingungen legen diese selbst fest. Ein flächendeckendes kontaktloses Zahlungsmodell gibt es bisher nur in Schweden. Im mitteleuropäischen Raum sei man damit Vorreiter, so Flatscher.

Grundsätzlich wird kontaktloser Zahlungsverkehr für die Österreicher immer attraktiver. Rund 87 Prozent der Bankomatkarten funktionieren bereits kontaktlos, mehr als ein Drittel der Bankomatzahlungen werden kontaktlos abgewickelt, Tendenz steigend.


Digitalisierung: Startschuss für KMU-Förderpaket

Pro Unternehmen bis zu 4.000 Euro Förderung, Foto: APA (Fohringer)






Die heimischen Unternehmen sehen die Digitalisierung laut einer Umfrage großteils positiv, viele wissen aber nicht, wie sie das Thema angehen sollen. Um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) digital fit zu machen, haben die WKÖ und das Wirtschaftsministerium nun eine Digitalisierungsoffensive auf den Weg gebracht. „KMU Digital – der Name ist Programm“, sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl.

Im Topf stecken 10 Mio. Euro, die aus dem Wirtschaftsministerium fließen. „Die Finanzierung ist bis Ende 2018 gesichert“, so Leitl bei der Präsentation. Pro Unternehmen sind bis zu 4.000 Euro an Förderung möglich. Unterstützt werden unter anderem Beratungen für KMU, Qualifizierungen für Unternehmer und Mitarbeiter sowie Weiterbildungen und Zertifizierungen für Berater. Ein online „Status-Check“, der zeigt, wo das Unternehmen gerade steht, sowie eine Erstberatung sind kostenlos. Die Offensive soll aber keine „Dauereinrichtung“ werden, sondern einen Startimpuls geben.

Die heimischen Unternehmen seien sich jedenfalls bewusst, dass die Digitalisierung gekommen ist, um zu bleiben, so Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP). Laut einer Marketagent-Umfrage im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKÖ) glauben 84 Prozent der Unternehmen, dass digitale Technologien für ihr Geschäft in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Trotzdem haben oder entwickeln nur 41 Prozent der Unternehmen eine „Digital-Strategie“.

„Nichts ist vom Aussterben bedroht“

Als größte Vorteile der Digitalisierung sehen die Unternehmen einfachere Arbeitsabläufe sowie die Gewinnung neuer Märkte und Kunden. „Nichts ist vom Aussterben bedroht“, so Leitl und verweist etwa auf einen „digitalen Schuster“, dessen Dienstleistungen man auch online bestellen kann. „Nachhaltigkeit, weg von der Wegwerfgesellschaft, mehr reparieren lassen“ – diese Trends brächten große Chancen für die österreichischen Unternehmen.

Die Gefährdung der Datensicherheit und die Abhängigkeit von digitaler Infrastruktur sind in diesem Zusammenhang die größten Sorgen der Unternehmer. Bei der IT-Sicherheit habe sich die WKÖ aber ohnehin ein „Warnglöckchen“ umgebunden und wolle die Betriebe sensibilisieren.

Service: http://www.kmudigital.at


Aus der Wissenschaft:

Mit YLVI der eigenen Handynutzung auf der Spur

YLVI - jetzt mitmachen und mehr über die eigenen Handy-Gewohnheiten erfahren, Foto: TU Wien

Die Trennlinie zwischen Arbeit und Privatleben ist oft nicht ganz einfach zu ziehen. Studien der TU Wien und der Arbeiterkammer Niederösterreich zeigen: Je mehr man außerhalb der Arbeitszeit erreichbar ist, desto eher wird das Grübeln über die Arbeit gefördert. Das wiederum beeinträchtigt die Schlafqualität. Mittels der Smartphone-App „YLVI“ können auch Sie bei der Studie mitmachen und mehr über Ihre persönliche Handynutzung erfahren. ...

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Rückblick DBT Südtirol:

Digitaler Wandel – „Alles steht auf dem Spiel“

Die Initiatoren, Veranstalter und Podiumsteilnehmer der ersten DBT Südtirol in Bozen, Foto: Armin Pixner

Beim Auftaktevent der DBT Südtirol am 21. September 2017 diskutierte eine Expertenrunde aus Kurt Matzler (Keynote-Speaker, Universität Innsbruck), Karl Manfredi (Brennercom), Marco Marchetti (Despar), Sergio Marchiori (Alperia) und Alex Mayr (Werbeagentur Südtirol Online Marketing) zum Thema Digital Readiness und gaben Antworten auf die Frage, was auf Führungskräfte und Unternehmen im digitalen Wandel zukommt. ...

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Service:

DBT-Blog: Verarbeitung personenbezogener Daten: So meistern Unternehmen die gesetzlichen Änderungen ab Mai 2018

Christoph Stangl, Fabasoft


Christoph Stangl, Fabasoft

Der Schutz der Persönlichkeitssphäre ist ein hohes Gut – deshalb hat die Politik die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) ins Leben gerufen, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt.

Allerdings haben sehr viele Unternehmen zurzeit noch massiven Nachholbedarf bei ihrer Vorbereitung auf die EU-DSGVO. Die Zeit läuft – und Handlungsbedarf ist gegeben: Laut einer Dell-Studie haben 97 Prozent der befragten IT- und Business-Professionals keinen Plan zur Umsetzung der EU-DSGVO. Die Drohkulisse von fälligen Strafzahlungen bei Nichteinhaltung der Verordnung ist jedoch kein Grund zur Panik, denn bereits heute können Unternehmen rechtssichere Business-Cloud-Lösungen nutzen und dem Inkrafttreten der Verordnung im Mai 2017 gelassener entgegenblicken. ...

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DBT-Blog: Das neue Datenschutzrecht – ab 25.05.2018 gilt die DSGVO!

Michael M. Pachinger, SCWP Schindhelm

Michael M. Pachinger, SCWP Schindhelm

Bekanntlich wird die DSGVO ab 25. Mai 2018 als neues Regelwerk für die gesamte Europäische Union gelten. Auf Unternehmen als für Datenschutz-Verantwortliche kommen damit gravierende Änderungen zu:

  • Selbstverantwortung & Rechenschaftspflicht
  • Stärkung der Rechte der betroffenen Personen
  • Strengere Vorgaben für Datensicherheit

Die Zeit bis Mai 2018 ist kurz, um entsprechende Datenschutz‐Audits und Projekte zur Umsetzung der Verpflichtungen der DSGVO im Unternehmen zu bewerkstelligen. ...

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