DBT Newsletter #16/2016

Das Internet macht uns schlauer

Mehr als 80 Prozent holen sich Tipps und Tricks aus dem Internet, Foto: APA (dpa)





Das Internet macht uns schlauer: Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter heimischen Handynutzern. 82 Prozent gaben an, sich online weiterzubilden oder durch „Do it yourself“-Videos beziehungsweise ähnliche Anleitungen ihre Fertigkeiten zu verbessern. Zwei Drittel davon haben Tipps und Tricks aus dem Netz schon in die Praxis umgesetzt, hieß es bei einem Pressegespräch des Mobilfunkers A1 in Wien.

Für die Untersuchung wurden vom GfK-Institut Mitte Juni 1.000 Personen ab zwölf Jahren online befragt, die bereits seit mindestens drei Monaten ein Handy verwenden. Knapp neun von zehn der Befragten, die sogenannte Lifehacks – also einfache Lösungen für alltägliche Probleme oder Aufgaben – und sonstige Anleitungen oder Weiterbildungsangebote aus dem Internet nutzen, machen das zur Lösung eines akuten Problems oder Bedürfnisses. Drei Viertel wollen sich aus reinem Interesse neues Wissen aneignen. Immerhin 24 Prozent möchten im Internet etwas langfristig lernen, bei den bis 24-Jährigen sind es sogar 40 Prozent, erläuterte Rudolf Bretschneider von GfK Austria.

Sorge um Verbreitung von „gefährlichem Halbwissen“

Ob gefundene Inhalte immer wieder gebraucht werden können, beantworteten 91 Prozent mit „ja“, oder „eher ja“. Mehr als die Hälfte meint, die ständige Verfügbarkeit solcher Inhalte erleichtere das Leben. Das Internet führe aber auch „zu einer Verbreitung von gefährlichem Halbwissen“, sagten sieben von zehn Befragten. „Wir alle müssen lernen zu unterscheiden, was ein gesichertes Wissen ist“, betonte Bretschneider. Bei Anleitungsvideos sei die Anwendung beispielsweise direkt zu sehen und nachvollziehbar.

Mehr als 80 Prozent halten Wissen aus dem Internet in einer modernen Gesellschaft für unverzichtbar. Dabei habe es diese Dinge vor 15 Jahren noch gar nicht gegeben, merkte Bretschneider an. Beim Kochen und Ausprobieren von Rezepten wird das Internet besonders gern als Helfer genutzt. 59 Prozent vertrauen dabei auf Online-Seiten und nur 15 Prozent auf gedruckte Bücher. Bei kleineren Reparaturen im Haushalt ist dagegen zu 43 Prozent Hilfe von Freunden oder Familie gefragt und zu 39 Prozent das Internet als Ratgeber.

Ältere und Jüngere schätzen Anonymität stärker

Jüngere Personen nützen beim Nachschlagen im Internet vor allem Smartphone oder Tablet, bei der älteren Generation sind es herkömmliche Computer oder Laptops. Personen ab 70 Jahren sehen das Internet verstärkt als Möglichkeit zur Informationsbeschaffung, ohne abhängig von anderen zu sein. Sie schätzen das Netz außerdem überdurchschnittlich stark wegen der Anonymität bei heiklen Themen, genauso wie die Befragten bis 24 Jahre. Bei Jugendlichen sind außerdem Video-Plattformen und langfristiges Lernen im Internet beliebter als im Durchschnitt.

Bei der Untersuchung im Auftrag von A1 zeigte sich auch, dass Online-Kommunikationsdienste weiter auf dem Vormarsch sind. So nutzen mittlerweile sieben von zehn Österreichern WhatsApp. Damit wurde Facebook mit seinen rund 60 Prozent Nutzeranteil überholt, erläuterte A1-Chefin Margarete Schramböck. Der Trend gehe dazu, sich im kleinen, geschlossenen Kreis auszutauschen. Den bis 24-Jährigen sind Kommunikationsdienste wie WhatsApp sogar nahezu gleich wichtig wie die Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht.

„Diese Kommunikationsmöglichkeiten machen die Menschen zu einem gewissen Maß zeitsouverän. Hier kann ich selbst entscheiden, wann ich antworte“, sagte Bretschneider. Das Handy wird aber im Vergleich zu den Vorjahren auch öfter abgedreht, durchschnittlich über vier Stunden pro Werktag. Jüngere Personen verwenden verstärkt die Lautlos-Funktion ihres Mobiltelefons.


Wie das Internet die Preise in Bewegung bringt

Preise ändern sich je nach Tageszeit und Nachfrage, Foto: APA (Fohringer)






Rauf, runter, rauf: Online-Händler jonglieren immer stärker mit den Preisen. Manchmal sogar mehrmals am Tag. Für die Kunden ist das oft schwer durchschaubar. Doch hilflos ausgeliefert sind sie der Achterbahnfahrt nicht.

Wer öfter im Internet einkauft, merkt es schnell: Viele Preise fahren Achterbahn. Online-Shops wie Amazon verändern die Preise viel, viel öfter als das Geschäft nebenan. Der auf E-Commerce spezialisierte Marktforscher Metoda zählte allein bei Amazon in Deutschland im vergangenen April über 3,4 Millionen Preisbewegungen.

Für den Kunden ist das schon heute oft verwirrend. Doch ist der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU überzeugt: „Die Preise im Online-Handel werden in den nächsten Jahren noch mehr in Bewegung geraten. So wie an Tankstellen oder bei Flugreisen werden sie je nach Tageszeit und Nachfrage schwanken.“

Möglich ist das nur, weil die Preise immer öfter vom Computer festgesetzt werden. Eines der Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, ist der Karlsruher Big-Data-Spezialist Blue Yonder. Sein Gründer, der Physiker Michael Feindt, hat im Zuge seiner Arbeit am Europäischen Kernforschungszentrum CERN einen Algorithmus zur Auswertung großer Datenmengen entwickelt. Das Computerprogramm nutzt er heute, um Unternehmen wie den Versender Otto.de bei der Preisfestsetzung mit wissenschaftlicher Methodik unter die Arme zu greifen.

Derzeit regiert noch das Bauchgefühl

Das Urteil von Feindt über die Preispolitik vieler deutscher Einzelhändler fällt verheerend aus. „Heute wird noch viel mit dem Bauchgefühl gemacht, oder es gibt einen Preisführer wie Aldi und alle anderen versuchen, hinterher zu laufen. Doch beides ist ziemlicher Blödsinn“, meint Feindt. Stattdessen setzt der Wissenschafter darauf, mit Computerhilfe die im Handel vorhandenen Datenberge über die Preis- und Umsatzentwicklungen der Vergangenheit zu analysieren, um den idealen Preis für die Gegenwart zu finden. Und der kann durchaus in der Früh ein anderer sein als abends. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Ziele des Unternehmens: Soll der Marktanteil gesteigert werden, steht ein höherer Ertrag im Vordergrund oder müssen volle Lager kassenschonend geleert werden.

Für den Kunden macht der High-Tech-Preiszauber den Einkauf nicht einfacher. Selbst wenn er weiß, was er wo kaufen will, wird die Entscheidung über den Zeitpunkt zum Glücksspiel. Zwar gibt etwa der Preisbeobachtungsdienst Spottster einige Tipps für Verbraucher: So seien Elektronikprodukte tendenziell dienstags etwas günstiger als an anderen Tagen, Wein dagegen sei am Donnerstag billiger, verriet das Unternehmen kürzlich dem Hessischen Rundfunk.

Doch warnt Feindt davor, zu große Hoffnungen in solche Tipps zu setzen. „Ein echt cleverer Preisfestsetzungsalgorithmus ist nicht leicht voraussehbar“, betont der Experte. Sonst sei die Gefahr zu groß, dass er ausgenutzt werde. Völlig ausgeliefert ist der Kunde den Computer-Algorithmen dennoch nicht, ist Marketingexperte Fassnacht überzeugt: „Es ist das alte Spiel: Wenn Sie günstigere Preise haben wollen, müssen sie sich als Kunde bei der Suche mehr Mühe geben und mehr Zeit investieren. Dann finden Sie wahrscheinlich noch ein günstigeres Angebot.“

Schwankungen sind relativ klein

Aber auch wenn der Kunde den idealen Zeitpunkt zum Einkauf verpasst: Der Schaden dürfte sich nach Einschätzung von Preisfachmann Feindt in den meisten Fällen in Grenzen halten. „Die Schwankungen sind in der Regel nicht idiotisch groß. Sie liegen vielleicht bei fünf Prozent, nicht bei 30 Prozent“, betont er.

Der Handelsexperte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) dämpft ebenfalls die Sorgen angesichts der verwirrenden, neuen Preisvielfalt. Letztlich sei der Spielraum der Händler durch die hohe Preistransparenz und die zumeist geringen Gewinnmargen im Online-Handel sehr begrenzt. „Bei zu extremen Preisbewegungen nach unten oder oben drohen rote Zahlen oder die Gefahr, auf der Ware sitzen zu bleiben“, meint er.

Die weit verbreitete Angst, dass Online-Händler Kundendaten nutzen könnten, die Preise ganz individuell nach der Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft des einzelnen Kunden auszurichten, hält Hudetz erst recht für übertrieben. „In dem harten Wettbewerb im Online-Handel kann kein Anbieter so einfach höhere Preise diktieren, nur weil der Besteller etwa ein iPhone benutzt oder in einem besseren Viertel wohnt.“


WWW – Das World Wide Web hat die Welt verändert

Inzwischen wurde auch das mobile Internet massenkompatibel, Foto: APA (dpa)






Kaum eine Innovation hat die Gesellschaft so rasant und drastisch verändert: Von Information und Kommunikation über Beruf und Bildung bis hin zu unserem Shopping- und Datingverhalten – das World Wide Web hat sämtliche Bereiche des Lebens umgekrempelt. Am 6. August 1991, also vor gerade einmal 25 Jahren, wurde in der Schweiz die erste Webseite der Welt öffentlich gemacht.

Zwei Jahre später wurde das Internet massenkompatibel. Dass das Netz so ist, wie wir es in der heutigen Form kennen, ist maßgeblich einem Mann zu verdanken: Der britische Physiker Tim Berners-Lee, damals am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf beschäftigt, wollte das dortige Informationschaos eindämmen. Im März 1989 schlug er seinem Arbeitgeber ein Projekt auf Basis des Hypertexts vor, um den Datenaustausch zwischen den Forschern weltweit zu vereinfachen. Unterstützung bekam er von seinem Kollegen Robert Cailliau. Zu Weihnachten 1990 legte Berners-Lee mit info.cern.ch den ersten Web-Server der Welt an. Am 6. August 1991 machte der damals 36-Jährige die erste Webseite im Internet öffentlich.

„Das war ein technischer Meilenstein“, sagt Informatiker Werner Zorn, der als Gründungsvater des deutschen Internets gilt und 1984 an der Universität Karlsruhe das erste deutsche Internet E-Mail empfing. „Die Idee dahinter war die Verbindung von Apples Hypertext mit der Internet-Technologie auf der Netzebene“, erklärt er. Denn das Internet, also die Netzwerk-Infrastruktur, gab es schon einige Jahre. Nach dem E-Mail wurde nun mit dem World Wide Web ein weiterer Dienst geschaffen, der das Internet quasi zum Leben erweckte.

Im Wesentlichen basiert Berners-Lees Entwicklung auf drei Kernpunkten: Zum einen entwickelte er die „Hypertext Markup Language“ (HTML), die beschreibt, wie Seiten mit Hypertextverknüpfungen („Links“) auf unterschiedlichsten Rechnerplattformen formatiert werden. Mit dem „Hypertext Transfer Protocol“ (HTTP) definierte er den technischen Kanal, den Computer benützen würden, um über das Internet zu kommunizieren. Der „Universal Resource Identifier“ (URI), heute ist die Unterform „Uniform Resource Locator“ (URL) geläufiger, bezeichnet die Webadresse, mit der Inhalte im Netz gefunden werden.

Verzicht auf Lizenzzahlungen und Patentierung

Einen wichtigen formalen Schritt machte das CERN 1993, als das Institut das World Wide Web für die Öffentlichkeit freigab und ganz bewusst auf Lizenzzahlungen und Patentierung verzichtete. Damit trugen die Forscher maßgeblich zur Bedeutung des Webs in seiner heutigen Form bei. „Die freie Verfügbarkeit war natürlich der Erfolgsfaktor schlechthin“, sagt Internet-Pionier Zorn.

Den Durchbruch des WWW für Nicht-Computerspezialisten gelang dann 1993 Marc Andreessen. Der Student entwickelte an der University of Illinois den ersten Mosaic-Browser und machte sich später mit Netscape daran, seine Software zur führenden Online-Plattform zu machen. Microsoft-Gründer Bill Gates zog mit seinem Explorer nach und zettelte den „Browser-Krieg“ an, in dem Netscape dann auf der Strecke blieb.

Das Web wuchs rasant und brachte viele Tech-Milliardäre hervor: 1995 gingen mit Yahoo, Ebay und Amazon gleich drei spätere Internet-Riesen an den Start. 1998 folgte Google, sechs Jahre später gründete der damalige Harvard-Student Mark Zuckerberg Facebook. 2007 präsentierte Apple-Chef Steve Jobs das erste iPhone, ein Jahr später kam das erste Smartphone mit der Google-Software Android auf den Markt. Das mobile Internet wurde massenkompatibel und Millionen von Apps drängen das Surfen über einen Browser zunehmend zurück. Heute stehen Begriffe wie das Internet der Dinge oder Industrie 4.0 für eine immer vernetztere Gesellschaft, die aber nicht unbedingt auf das WWW angewiesen ist.


Service

VBEN: Neue Plattform zur verhaltensökonomischen Revolution in Wirtschaft und Politik

Foto: Vienna Behavioral Economics Network (VBEN)





 
Die erste Veranstaltung des Vienna Behavioral Economics Network (VBEN) zu Behavioral Economics in der Politik findet am 7. September 2016, 18:30 bis 20:00 im Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, 1030 Wien statt. Das Thema: „Field Experiments as a Revolution in Economics & Politics“. Die beiden Verhaltensökonomen John List (University of Chicago) und Jean-Robert Tyran (Universität Wien) diskutieren das große Potenzial von Feldexperimenten für eine evidenzbasierte Politik. Gemeinsam werden sie zeigen, wie mit experimenteller Feldforschung die Grundlagen für nachhaltige Verhaltensänderungen geschaffen werden. ...

Weitere Informationen

Wann: Mittwoch, 07.09.2016, 18:30 bis 20:00 Uhr
Ort: Haus der Industrie – Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien

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