DBT Newsletter #16/2015

Netzneutralität: Der Streit in Europa und das Prinzip des Internets

Gesetz lässt mehrere Hintertüren offen Foto: APA/Techt







In den meisten Staaten der Europäischen Union gibt es bisher keine gesetzlichen Regelungen zur Netzneutralität, einem Grundprinzip des Internets. Im Europaparlament wurde nun nach einer langen Abstimmungsphase mit der Kommission beschlossen, dass die Netzanbieter im Prinzip keine bestimmten Dienste gegenüber anderen bevorzugen dürfen. Allerdings sind in dem Gesetz mehrere Hintertüren eingebaut, die Netzaktivisten auf die Barrikaden bringen. 

Das Parlament hat Regeln zur Netzneutralität beschlossen. Was versteht man unter Netzneutralität? 

Netzneutralität bedeutet, dass Internet-Anbieter alle Datenpakete gleichberechtigt durch ihre Leitungen schicken, egal woher sie stammen oder welchen Inhalt sie haben. Da die Datenmenge ständig wächst, steigt damit auch die Gefahr von Staus im Netz. Deshalb wurde diskutiert, ob in Sonderfällen nicht doch manche Internetdienste Vorfahrt bekommen sollten. 

Wie wird die Netzneutralität in Europa nun geregelt? 

Niemand soll sich seine Vorfahrt im Internet erkaufen dürfen, legt die Verordnung fest. Allerdings wird in dem Papier der Begriff der "Spezialdienste" eingeführt, der das Prinzip der Netzneutralität aushebeln könnte. Die Rede ist von Diensten wie der Telemedizin oder dem Fernsehen im Internet. Diese Dienste sollen andere Nutzungen nicht verdrängen und nur angeboten werden, wenn es genügend Kapazität gibt. Sie dürfen aber privilegiert behandelt werden. Die Ausnahme von der Regel soll also dafür sorgen, dass beim Video-Streaming das Bild nicht ruckelt oder bei einer Telemedizin-Anwendung das Bild während einer Operation nicht plötzlich unscharf wird – nur weil gerade nicht genügend Bandbreite zur Verfügung steht. 

Warum ist das alles so umstritten? 

Kritiker fürchten, dass die Netzneutralität durch vage Formulierungen praktisch abgeschafft wird. Vor der Abstimmung hatten mehr als 30 führende Start-ups, Internetunternehmen und Investoren aus Europa und den USA Änderungen der Pläne gefordert. Auch Web-Erfinder Sir Tim Berners-Lee wandte sich gegen die Regelung. Die Kritiker befürchten, dass die Entwicklung innovativer Dienste behindert wird, wenn Internet-Provider bezahlpflichtige "Überholspuren" für bestimmte Daten einrichten und andere Dienste ausbremsen dürfen. Pilar del Castillo von der spanischen konservativen Partei PP, Berichterstatterin im EU-Parlament, rechtfertigte die Ausnahmen mit dem Argument, dadurch würden innovative Dienste erst möglich. 

Worum geht es beim sogenannten "Zero Rating"? 

Die meisten "Flatrates" für einen Internet-Zugang sehen eine Drosselung der Geschwindigkeit ab einem bestimmten verbrauchten Volumen vor. Beim "Zero Rating" bieten die Provider an, bestimmte Dienste aus der Volumen-Berechnung für eine Drosselung auszuklammern. So bietet die Deutsche Telekom schon heute einen Mobilfunktarif mit einer "Music Streaming Option" an, bei dem die Songs von Spotify ohne Belastung des Datenvolumens aufs Smartphone kommen. Wer dagegen einen anderen Dienst wie Deezer, Napster, Juke oder Apple Music nutzt, muss sich die Streamingdaten auf sein Kontingent anrechnen lassen. Ähnliche Deals bieten manche Internet-Provider den Kunden von Video-Streamingdiensten an. Im ersten Gesetzesentwurf war dieses "Zero Rating" noch untersagt, im aktuellen Entwurf findet sich das Verbot nicht mehr. Kritiker meinen, dass mit dem "Zero Rating" Strukturen geschaffen werden, die kleineren Firmen den Einstieg in einen Markt erschweren. 

Welchen Spielraum haben die Provider beim Management ihrer Netze? 

Wenn das Netz tatsächlich überlastet ist, dürfen die Provider ohnehin steuernd eingreifen und beispielsweise dafür sorgen, dass Notrufnummern noch erreichbar sind. Die Vorfahrt für bestimmte Dienste wird in der Verordnung allerdings schon dann erlaubt, wenn eine Netzüberlastung noch gar nicht eingetreten ist. Web-Erfinder Berners-Lee befürchtet, dass auf dieser Grundlage beispielsweise alle verschlüsselten Datenströme in eine Kategorie gepackt und dann gedrosselt werden.


EU plant Initiative für europäische Datenwolke

 Oettinger schwebt eine Art








Die EU will nach den Worten von Digitalkommissar Günther Oettinger eine europäische Cloud für das sichere Speichern von Firmendaten auf den Weg bringen. "Das ist ein Angebot an die Industrie, ihre sensiblen Daten in dieser Cloud zu speichern – als Alternative zu solchen Diensten in den Vereinigten Staaten, wo wir eben nicht genau wissen, was damit passiert", sagte Oettinger in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung". 

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wolle die Initiative zusammen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Francois Hollande in Kürze vorstellen. 

Das sei eine Art "Cloud-Airbus", sagte Oettinger unter Anspielung auf den Flugzeugbauer Airbus der als europäischer Konkurrent für den US-Konzern Boeing geschaffen und subventioniert wurde. Träger der Cloud-Computing-Initiative sei unter anderem das Fraunhofer-Institut, so Oettinger.


Österreich ist Europameister – im Hacken

Heimisches Nationalteam holte sich den Titel Foto: APA/Swiss Cyberstorm/Matthias Käser








Die besten Hacker Europas kommen aus Österreich. Das heimische Nationalteam hat sich bei der "European Cyber Security Challenge" in Luzern den Titel geholt. Das aus den zehn besten Jung-Hackern Österreichs bestehende Team verwies die Kollegen aus Deutschland und der Schweiz auf die Plätze zwei und drei, teilte die Cyber Security Austria (CSA) mit. 

Bei dem Nachwuchswettbewerb für junge Cyber-Talente mussten die Teilnehmer unter Zeitdruck Aufgaben zu IT-Sicherheit lösen und präsentieren. Das österreichische Nationalteam setzte sich aus den fünf besten Schülern und fünf besten Studenten zusammen, die aus der Cyber Security Challenge Austria hervorgegangen waren. Die teilnehmenden Teams wurden im Rahmen der offiziellen Preisverleihung in Bern geehrt. 

"Das Niveau aller Teams war außergewöhnlich hoch. Unsere Teilnehmer haben eine tolle Leistung gezeigt und das Ruder nach Rückstand durch eine herausragende Präsentation herumgerissen", so Paul Karrer, Vorstand der Cyber Security Austria. 

Service: http://www.verbotengut.at


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Digital Business Trends am 26. November in Wien: "Digitale Bedrohung: Wie sicher ist unsere kritische Infrastruktur?"

Die Frequenz und das Ausmaß von Cyberattacken werden Experten zufolge weiter rasant ansteigen. Das ist eine der Kehrseiten der Segnungen der neuen vernetzten Welt. Egal, ob es um Industrie 4.0, Smart Cities bzw. Grids oder vernetzte Mobilitätsangebote geht: Das Internet selbst hat sich zur kritischen Infrastruktur entwickelt. 

Cyberkriminelle hacken sich in öffentliche Netze, legen die Strom- und Wasserversorgung lahm oder programmieren Ampeln und Verkehrssysteme um: Szenarien wie diese beschäftigen inzwischen auch Wissenschaft und Politik. Der Schutz dieser kritischen Infrastrukturen für den Betrieb der in sich greifenden digitalen Systeme über alle Bereiche und Branchen hinweg wird zu einer zentralen Herausforderung. Es sei keine Frage ob, sondern wann Österreich von einem massiven Cyber-Angriff betroffen sein wird, sagt etwa Helmut Habermayer, Leiter der Gruppe Strukturen und Organisation im Verteidigungsministerium. 

Welche neuen Bedrohungsszenarien tauchen am Horizont auf? Was bringen Meldepflicht bei Angriffen und verpflichtende Sicherheits-Mindeststandards? Können entsprechende Zwischenfälle die Funktionsfähigkeit des Staates in Summe erschüttern? Wie reagieren Infrastrukturbetreiber aus Bereichen wie Telekommunikation, Finanzen, Verkehr, Gesundheit oder Energieversorgung?

Wann: 
Donnerstag, 26.11.2015, 
19:30 bis 23:00 Uhr

Ort:
Haus der Musik
Seilerstätte 30
1010 Wien

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