DBT Newsletter #15/2017

Bitcoin – Drei große Miner könnten System zerstören

Digitale Währung könnte langsam „verblassen“, Foto: APA (AFP)






Die digitale Währung Bitcoin wirbt damit, dass praktisch jeder die Software herunterladen und selber neue Bitcoins herstellen kann. In der Praxis ist der Aufwand aber inzwischen so groß, dass sich nur mehr wenige große Organisationen die Berechnung neuer Bitcoins leisten können. Würden sich zwei oder drei absprechen, könnten sie das System auch zerstören, sagt der Kryptograf Adi Schamir. 

Schamir ist ein öffentlichkeitsscheuer Star der Kryptografen-Szene, der vor 30 Jahren einige der Grundlagen für die heutigen digitalen Währungen mit entwickelt hat. Er hielt kürzlich im Rahmen der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik an der Universität Wien einen Vortrag. „Die Kryptografie ist sehr gut“, attestiert Schamir dem anonymen Erfinder der Bitcoins gute Arbeit. Diesbezüglich gebe es keinen Grund, sich um die Sicherheit Sorgen zu machen.

Bitcoins stehen aber in der Kritik, weil die ermöglichte Anonymität dazu verleitet, kriminelle Geschäfte damit zu bezahlen. Auch Schamir sagt, Zahlungen mit Bitcoins, vor allem größere Beträge, entfielen vorrangig auf illegale Aktivitäten. Aber derzeit werde ohnehin nur ein sehr kleiner Teil der Bitcoins für Zahlungen verwendet. Der Großteil dient als Spekulationsobjekt.

Wer Bitcoins verwendet, muss sich auch im Klaren sein, dass es in diesem System niemanden gibt, bei dem man sich beschweren kann, sollte man sich betrogen fühlen. Irrtümer, etwa wenn man sich bei einer Zahlung vertippt, können nicht rückgängig gemacht werden. Außerdem kann es bis zu einer Stunde dauern, bis eine Transaktion endgültig bestätigt ist. Für kleine Alltagsgeschäfte wie den Zeitungskauf in der Trafik kaum praktikabel, meint Schamir.

Manipulation möglich

Für den Spezialisten Schamir ist dieser Missbrauch aber nicht die entscheidende Frage. Er verweist auf viel grundsätzlichere Probleme im Design der Bitcoins, die von einflussreichen Gruppen für systematischen Betrug oder zur Zerstörung des Systems genutzt werden können. Schon lange weiß man: Wenn 51 Prozent der Bitcoin-Schürfer sich absprechen, können sie das System manipulieren oder zerstören. Neue Berechnungen zeigen, dass dafür schon 33 Prozent genügen, wahrscheinlich auch nur 25 Prozent.

Das ist so bedrohlich, weil Bitcoins schon längst nicht mehr von unzähligen Einzelkämpfern geschürft werden. Inzwischen ist der Aufwand, neue Bitcoins zu produzieren so groß, dass nur mehr wenige große Organisationen dabei sind – meist in der Nähe besonders billiger Stromquellen. Der Stromverbrauch für die Bitcoin-Produktion ist so groß wie der einer deutschen Großstadt, hat eine Schätzung unlängst ergeben.

„Zwei oder drei chinesische Schürfer könnten Bitcoin zerstören“, so Schamir deshalb. Aber da die Schürfer daran kein Interesse haben, sei die Gefahr nicht so groß. Es wäre aber durchaus vorstellbar, dass einmal eine Regierung ein Drittel der Schürfkapazität aufbaut – und dann sehr wohl ein Interesse an der Zerstörung der Bitcoins entwickelt. Das sei bedenklich. Zugleich erinnert Schamir daran, dass es inzwischen schon um die 1.000 verschiedene Kryptowährungen gibt.

Spekulieren statt Bezahlen

Schon jetzt investiere in Bitcoins nur, wer daran glaubt, die digitale Währung später teurer an andere verkaufen zu können. Zahlungen tätigen damit nur etwa 20 Prozent der User. Genau genommen könnte man es als Pyramidenspiel bezeichnen, so Schamir. Er erwartet weiter sehr starke Ausschläge beim Wert. Auch bisher schon konnte der Wert eines Bitcoin an einem Tag um ein paar hundert Euro fallen oder steigen. Zwischen Jahresanfang und Anfang September 2017 kam es zu einer Verfünffachung des Werts auf zeitweise 5.000 Euro je Stück. Wahrscheinlich sei eine Regulierung durch Regierungen – das werde den Kurs massiv einbrechen lassen.

Was für Blüten diese Kursschwankungen treibt, zeige der Vergleich mit der ersten Bitcoin-Zahlung in der realen Welt: Damals wurde eine Pizza bestellt und ausgeliefert – gegen die Zahlung von 5.000 Bitcoins. Nach aktuellem Kurs wäre die Pizza also 25 Mio. Dollar wert.

Schamir geht im Moment nicht von einem Crash der Bitcoin aus, sondern von einem langsamen „Verblassen“. Wichtig sei aber, dass die technologischen Grundlagen der Bitcoins bleiben, die Verschlüsselung und insbesondere die Blockchain. Sie ist eine Art Datenbank, in der alle Transaktionen mit einem Zeitstempel verbucht sind. Die Technologie wird inzwischen von Banken und Versicherungen getestet, auch in anderen Wirtschaftszweigen wird damit experimentiert.


Digitalisierung – KMU brauchen mehr Know-how

Vor allem Kleinunternehmen haben Aufholbedarf, Foto: APA (dpa)





Bei der Digitalisierung sind die Kunden um einiges weiter als die Betriebe, eine aktuelle Studie bescheinigt den heimischen KMU weiter Aufholbedarf. Aussitzen ist nicht angesagt: „Digitale Transformation lässt sich nicht vermeiden“, so die Wirtschaftskammer (WKO) und will den Unternehmen einmal mehr die Angst nehmen. Denn: Ein Großteil der KMU befürchtet durch die Digitalisierung einen Jobabbau.

36 Prozent der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) sehen laut der Studie fehlendes Know-how als größte Herausforderung und wünschen sich Beratung. Entwicklungsbedarf hätten vor allem Kleinst- und Kleinunternehmen. „Viele gehen defensiv damit um und befürchten Jobverluste“, meinte Alexander Keßler vom Institut für KMU-Management der WU Wien bei der Studienpräsentation. Jene, die sich mit der Digitalisierung schon auseinandergesetzt haben, hätten weniger Angst.

Auf der anderen Seite sehen laut der Umfrage zwei Drittel der KMU in der Digitalisierung eine Chance zur Neugewinnung von Kunden. Die Hälfte erhofft sich dadurch Kostenersparnisse. 38 Prozent der KMU haben ihre Produkte und Services trotzdem noch nicht angepasst. „Der Großteil der befragten KMU über alle Branchen und Bundesländer hinweg befindet sich im Bereich 'Digitaler Neuling' oder 'Digital bewusst'„, stellte Sophia Pipke von der Unternehmensberatung Arthur D. Little fest. In die weiter fortgeschrittene Kategorie „digital orientiert“ fallen schon deutlich weniger Unternehmen, „digitale Champions“ sind hierzulande die große Ausnahme.

„Digitale Champions“ suchen neue Zugänge

Ein „digitaler Neuling“ wäre zum Beispiel ein Friseur, den man nicht über Google finden kann, der keinerlei Webpräsenz hat, so Pipke. Wer in die Kategorie „digital bewusst“ fällt, weiß zumindest schon, dass man sich „digital transformieren“ muss und setzt erste Schritte. Diese Betriebe arbeiten zum Beispiel an einer eigenen Homepage oder denken daran, soziale Medien für ihr Unternehmen zu nutzen. Letzteres mache hierzulande erst die Hälfte der KMU. Ein „digitaler Champion“ könnte laut Pipke etwa ein Friseursalon sein, der eine App entwickelt hat, mit der die Kunden Termine vereinbaren können. Eine App kann laut der Unternehmensberatung Arthur D. Little schon um wenige tausend Euro gebaut werden und ermögliche einen neuen Kundenzugang.

„Die Branche 'Information und Consulting' ist im Index am weitesten fortgeschritten, vor allem in den Sparten 'Gewerbe' und 'Handwerk' gibt es Aufholbedarf“, so Alfred Harl, Obmann des WKO-Fachverbandes für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT). An der Studie, die von der WKO, Arthur D. Little, Hutchison Drei und dem KMU-Institutsvorstand der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt wurde, haben 1.700 Unternehmen aus den sieben Sparten der Wirtschaftskammer teilgenommen.

Dass der finanzielle Aufwand die Betriebe abschreckt, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen, glaubt Pipke nicht. „Es gibt inzwischen viele günstige Möglichkeiten.“ Vielmehr ist es Unwissenheit und mangelnde Information, die die Unternehmer verunsichern. Die WKO will ihrerseits „Wegbegleiter in die Digitalisierung“ sein: Ab Herbst soll es umfassende landesweite Veranstaltungen und Digitalisierungs- sowie Beratungsförderungen geben.


Künstliche Intelligenz sorgt vor allem für mehr Führungsjobs

Repetitive Aufgaben werden zunehmend ersetzt, Foto: APA (dpa)





Künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung krempeln den Arbeitsmarkt um: Einer internationalen Studie zufolge haben 83 Prozent der Großunternehmen mit dem Einsatz von KI neue Jobs geschaffen. Fast zwei Drittel der Befragten geben an, durch KI keine Stellen abzubauen. Mehr Arbeitsplätze gibt es aber hauptsächlich für höher qualifizierte Mitarbeiter, zeigt eine Erhebung von Capgemini. 

In erster Linie werden Jobs für erfahrene Kräfte geschaffen, „zwei von drei Stellen entstehen im Führungskräfteumfeld“, so das Beratungsunternehmen. 71 Prozent der Befragten stecken ihre Mitarbeiter deshalb in Umschulungen und Weiterbildungen. „KI spart jene Zeit, die die Menschen bisher für repetitive Aufgaben aufwenden“, so Michael Natusch vom britischen Lebensversicherer Prudential. 

Drei Viertel der befragten Großunternehmen haben ihren Absatz laut der Studie mit der Einführung von KI um zehn Prozent gesteigert. Die Unternehmen würden aber zu sehr auf anspruchsvolle Projekte wie autonomes Fahren setzen und einfache Einsatzmöglichkeiten, die sich schnell rechnen, vernachlässigen – beispielsweise das Nutzen von Chatbots und virtuellen Assistenten. 

Für die Studie wurden fast 1.000 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500 Mio. US-Dollar (419 Mio. Euro) befragt. Die teilnehmenden Organisationen aus Australien, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, den Niederlanden, Spanien, Großbritannien und den USA setzen KI laut Capgemini entweder im Rahmen eines Pilotprojekts oder in größerem Stil ein.


Aus der Wissenschaft:

Der Blick in die Lunge mit elektrischem Strom

Florian Thürk (links) beim Testen des Elektrodengurts, Foto: Darja Österle / TU Wien

Einfacher, bequemer und billiger geht es kaum: Ein Gurt mit Elektroden wird direkt auf der Haut angebracht. Winzige Ströme werden durch den Körper geschickt, und aus der Messung der elektrischen Spannung werden Bilder verschiedener Körperfunktionen berechnet.

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Rückblick VIP-DBT:

Digitaler Wandel – „Alles steht auf dem Spiel“

Im Bild v.l.n.r.: Alexis Johann (styria digital one), Barbara Rauchwarter (APA – Austria Presse Agentur), Livia Dandrea-Böhm (A1 Telekom), Jean Zivkovic (ING-DiBa), Christoph Thun-Hohenstein (Generaldirektor MAK)

Die Entwicklung in Richtung Künstliche Intelligenz, Algorithmen, Start-ups und neue Geschäftsmodelle bietet enorme Chancen, die Zukunft lebenswert zu gestalten. „Wir können es aber auch vertun. Alles steht auf dem Spiel“, erklärte Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des Museums für angewandte Kunst und Gegenwartskunst (MAK), im Rahmen eines exklusiven VIP-Events der Networking-Reihe „Digital Business Trends“ von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one (sd one) am Mittwochabend, in Wien.

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Service:

Einladung zur Digital Business Trends Südtirol in Bozen

APA


DBT goes international – Gemeinsam mit der Werbeagentur Südtirol Online Marketing, die ein Teil der Unternehmensgruppe Athesia ist, wurde die DBT Südtirol ins Leben gerufen. Das Auftaktevent widmet sich am Donnerstag, 21. September 2017, dem Thema „Digitaler Wandel: Was auf Führungskräfte und Unternehmen zukommt“. Die Keynote hält Prof. Kurt Matzler (Universität Innsbruck). Mit ihm diskutieren im Anschluss Karl Manfredi (Brennercom), Marco Marchetti (Despar), Sergio Marchiori (Alperia) und Alex Mayr (Südtirol Online Marketing). ...

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Chatbot-Wahn in Wien: Facebook, Twitter und Co. kommen zur ChatbotConf

Amir Shevat von Slack bei der ChatbotConf 2016, Foto: Jan Hrubý, oratio


Bereits zum zweiten Mal holt das Wiener Start-up oratio die internationale Chatbot- und Messagingszene nach Wien zur oratio presents ChatbotConf Konferenz. Von 2. bis 3. Oktober 2017 präsentieren Facebook, Twitter, Slack, Amazon und 25 weitere Speaker ihre Insights live auf der Bühne, bei Community-Events, oder direkt beim Networken. Seid dabei und lernt alles über Chatbots und die Zukunft der Messaging-Industrie bei der #CBC17. ...

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