DBT Newsletter #15/2016

Regierung fördert Gründung von 1.000 neuen Start-ups

Paket im Wert von 185 Mio. Euro wird geschnürt





Die Bundesregierung verabschiedete kürzlich ein Paket zur Förderung von Start-ups, für das 185 Mio. Euro an frischem Geld und zusätzlich 100 Mio. Euro an Garantien für die Anfangsphase von innovativen neuen Unternehmen aufgewendet werden. Dadurch sollen 1.000 neue Start-ups entstehen.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sprach bei der Vorstellung von 10.000 bis 15.000 neuen Jobs. Die Unternehmen sollten aber nicht nur stark exportorientiert sein, sondern auch ein starkes Wachstumspotenzial haben. „Natürlich wird das Geld kosten, aber wenn man davon ausgeht, dass diese Maßnahmen dazu führen sollen, dass 1.000 neue Firmen gegründet werden, dann scheint das gerechtfertigt zu sein“, sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP).

Auch für Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ist es ein „ganz massiver Schritt“, der Österreich bei der Start-up-Förderung dort hinbringen werde, wo Großbritannien und Deutschland jetzt schon sind. Insbesondere sei es eine „gravierende Neuerung“, dass man die ersten drei Mitarbeiter in den ersten drei Jahren des Unternehmens fördere, indem die Lohnnebenkosten teilweise gestundet werden.

Der Löwenanteil der Förderung entfällt mit rund 100 Mio. Euro auf eine Verringerung der Lohnnebenkosten in den ersten drei Jahren. Fünf Mio. Euro soll es für Unternehmensgründungen aus Universitäten heraus geben, hier ist die Schweizer ETH Zürich das Vorbild. Der Business-Angels-Fonds soll um fünf Mio. Euro aufgestockt werden, wobei die Hoffnung besteht, dass aus dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) weitere fünf Mio. Euro dazukommen. Die Business Angels sollten noch einmal 20 Mio. Euro zusätzlich zur Verfügung stellen. Für die Finanzierung der Frühphase (Seed-Finanzierung) sind weitere 20 Mio. Euro vorgesehen.

Auch Garantien werden aufgestockt

Abgesehen von diesem frischen Geld, will die Bundesregierung auch die Garantien aufstocken, die Start-ups über das aws gewährt werden. Bisher sind es jährlich 200 Mio. Euro, ab 1. Jänner 2017 sollen weitere 100 Mio. Euro dazukommen. Das soll 350 Mio. Euro an Investitionen auslösen und 9.000 Jobs schaffen bzw. sichern. Weitere Leistungen sind beispielsweise Schecks über 10.000 Euro für die Einreichung von Patenten, neue Ideen können künftig für ein Jahr geschützt werden, auch wenn sie noch nicht patentreif sind.

Start-ups von anderen Jungunternehmen zu unterscheiden sei kein Problem, ist sich die Regierung sicher. Dafür gebe es schon klare Definitionen. Grundsätzlich haben diese Unternehmen ein innovatives Produkt oder eine innovative Dienstleistung oder ein innovatives Verfahren. Sie müssen auf schnelles Wachstum ausgerichtet sein. Das Unternehmen darf maximal fünf Jahre alt sein und muss den Hauptstandort in Österreich haben.


„Kollege Roboter“ – Unterstützung oder Gefahrenquelle?

Gemeinsames Arbeitsumfeld für Mensch und Maschine, Foto: Daimler AG






Ein kleiner Rempler, ein fester Schlag oder ein zupackender Greifarm: Wenn Industrieroboter nicht mehr abgetrennt in Käfigen, sondern Seite an Seite mit Menschen arbeiten, stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Antworten darauf wollen Fraunhofer Austria und TÜV Austria im Rahmen eines kürzlich gestarteten Forschungsprojekts in der Pilotfabrik der Technischen Universität (TU) Wien finden.

„Derzeit werden automatisierte Produktionsanlagen hinter Schutzeinrichtungen eingesetzt. Die sind quasi hinter Zäunen eingesperrt wie im Zoo und haben keinen Kontakt zu den Arbeitern. Jetzt verschwinden aber die Zäune, was zu Unsicherheiten führt“, erklärte Christoph Schwald, Innovationsmanager beim TÜV Austria, im Gespräch mit der APA.

Die Vorteile der sogenannten kollaborativen Robotik seien klar: Einerseits würden Menschen bei schweren körperlichen oder Routine-Tätigkeiten entlastet. Andererseits gehe es um die Steigerung von Produktivität und Qualität.

Dass die Roboter nun „freigelassen“ werden, bedinge ganz neue Anforderungen an die Sicherheit: „Hier gibt es zwei Ausprägungen: Das eine ist die Maschinensicherheit, also dass die Maschine so programmiert ist, dass sie den Menschen nicht verletzen kann. Das andere ist die Cybersecurity, also etwa der Schutz vor Hackerattacken. Darauf wird häufig vergessen“, so Schwald. Bei kollaborativer Robotik müsse man aber beide Aspekte prüfen: „Denn Sicherheit ist hier absolut themenbestimmend. Wenn schwere Unfälle passieren, ist das Thema gestorben.“

Sensorik und Aktorik schon weit entwickelt

Kollaborative Roboter gelten an sich als eher ungefährlich – zumindest wenn ein entsprechendes Sicherheitskonzept angewendet wird. „Die Sensorik und Aktorik ist so weit entwickelt, dass man einen Roboter aufbauen kann, der völlig problemlos agiert. Wenn er einem Menschen zu nahe kommt, stoppt er ab“, so Wilfried Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria und Leiter des Instituts für Managementwissenschaften an der Technischen Universität (TU) Wien, zur APA.

„Dumme“ Roboter werde es weiterhin geben, da sie bestimmte Aufgaben am besten alleine erledigen könnten. „Kollaborative Roboter werden für ganz andere Sachen eingesetzt, etwa als Unterstützung in der Montage. Sie sind im Vergleich zehn Mal so klein, aber fünf Mal leistungsfähiger“, erklärte Sihn.

Das Problem sei, dass diese Aufgabenstellung – Roboter arbeiten zusammen mit Menschen in der Produktion – zum ersten Mal auftauche. „Jetzt muss man definieren, was geprüft wird und wie geprüft wird, um sicherzustellen, dass eine Systemumgebung für den Menschen ungefährlich ist“, sagte der Experte.

So gelte es beispielsweise sicherzustellen, dass ein Roboter stoppt, wenn der Kraftsensor misst, dass ein bestimmter Wert, mit dem er auf einen Menschen einwirkt, überschritten wird. „Wir erforschen diese Mensch-Roboter-Kollaboration im Detail, um einen gefahrlosen Einsatz zu ermöglichen und offene Sicherheitsfragen zu klären, die einen breiten Einsatz in der Industrie noch behindern“, erklärte Stefan Haas, Vorstandsvorsitzender der TÜV Austria Holding, die Zielsetzung.

Die Komplexität sei dabei durchaus hoch, weil viele Dinge berücksichtigt werden müssten. „Man programmiert den Roboter abhängig vom Anwendungsfall und dem Werkstück und weist ihm verschiedene Geschwindigkeiten zu. Bei einem runden, leichteren Werkstück könnte er sich schneller bewegen, weil er den Arbeiter damit nicht stark verletzen kann“, so Schwald. „Noch komplexer wird es, wenn man berücksichtigt, dass der Mensch unterschiedlich aufgebaut ist. Ein Stoß gegen den Arm ist weniger schlimm als ins Gesicht.“

Viele Unternehmen sind verunsichert

Diesbezüglich gebe es inzwischen auch eine erste Norm – die „biomechanischen Grenzwerte“. Sie seien von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gemeinsam mit Universitäten entwickelt worden und würden unter anderem regeln, mit welcher Kraft ein Roboter einen Menschen an welcher Stelle treffen darf. „Um einen kollaborativen Roboter sicher einsetzen zu können, muss man ihn entsprechend dieser Grenzwerte programmieren und das auch verifizieren“, erläuterte der TÜV-Manager. Bei den produzierenden Unternehmen führe es zu großen Unsicherheiten, wie sie gewährleisten können, ihre Mitarbeiter nicht zu gefährden.

Die Experten sehen dennoch viel Potenzial: „Kollaborative Robotik wird in unsere industrielle Arbeitswelt massiv Einzug halten und sich letztendlich auch in ganz anderen Bereichen durchsetzen. Das heißt aber nicht, dass der Mensch ersetzt wird“, stellte Sihn klar. Eine deutliche Beschleunigung der Entwicklung erwartet Schwald durch weitere technologische Fortschritte: „In fünf Jahren könnten Roboter vielleicht nicht nur fühlen, wenn man sie berührt, sondern eine Annäherung schon vorher durch Kameras oder Induktionssensoren merken. In dem Bereich gibt es etliche Forschungsprojekte“, so der Innovationsexperte.


Wirtschaftsagentur fördert Innovationen mit „Benutzern im Fokus“

Bedürfnisse der Anwender rücken in den Vordergrund, Foto: Wirtschaftsagentur Wien/Vyhnalek






Vom intelligenten Assistenzsystem zur Videoerstellung auf Mobilgeräten bis zu einer intuitiven Steuerung für Handprothesen: Die Wirtschaftsagentur Wien fördert neun Unternehmen mit 1,6 Mio. Euro, die mit innovativen Projekten den Benutzer in den Mittelpunkt stellen. Zusätzlich zur Förderung wurden insgesamt 30.000 Euro Preisgeld an Otto Bock, Exputec und Battenfeld-Cincinnati Austria vergeben.

Viele rein technologiegetriebenen Entwicklungen würden die Anwenderperspektive oft vernachlässigen und daher an der Akzeptanz des Marktes scheitern, teilte die Wirtschaftsagentur zum Hintergrund der Ausschreibung mit. Bis zu 90 Prozent aller Innovationsversuche würden unter anderem fehlschlagen, weil die Bedürfnisse der User und der Kontext der Nutzung falsch eingeschätzt werden. „Mit diesem Förderwettbewerb haben wir zum ersten Mal userzentrierte Forschung und Entwicklung (F&E) in den Vordergrund gerückt“, so Katja Mair von der Wirtschaftsagentur.

Gefördert wird unter anderem die Alysis Gmbh für den digitalen Assistenten „SmartCOPDTrainer“, der Patienten mit der lebensbedrohlichen Lungenkrankheit COPD beim Umgang mit ihrer Krankheit unterstützt. Ein benutzerorientiertes Arbeitsplatzkonzept steht auch im Mittelpunkt eines intelligenten Rettungssystems für die hohe See („Next Generation Maritime Research and Rescue Operator Position“) von Frequentis, denn historisch gesehen seien die zum Einsatz kommenden Systeme aufgrund unterschiedlicher Technologien nicht oder nicht ausreichend miteinander vernetzt.

Zusätzlich zur Förderung erhält Otto Bock Healthcare ein Preisgeld von 15.000 Euro für das Projekt „Myonic“. Dabei soll ein Musterkennungsmodul für ein bereits bestehendes Handprothesensystem entwickelt werden. Werden die Muskelsignale der verbleibenden Stumpfmuskulatur bisher über zwei Oberflächenelektroden weitergeleitet, sollen künftig bis zu acht Signale gleichzeitig aufgenommen werden. Ein individuell ermittelter Datensatz erlaube es der Steuerung später, automatisch die richtigen Bewegungen in allen Situationen des Alltags des Anwenders zu ermitteln.

Service: Überblick über die geförderten Projekte auf der Webseite der Wirtschaftsagentur: http://go.apa.at/2hi3i0K3


Service

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Digital Business Trends-Award 2016

Digital Business Trends-Award, Foto: APA








Digitale Innovationen gesucht - 4.000 Euro pro Kategorie - powered by APA-IT - www.dbt.at/award 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2016 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscher, Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind ab 1. März bis Ende Juli 2016 möglich.

Zur Einreichung


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