DBT Newsletter #14/2018

Gründer sehen Wien am Weg zum internationalen Start-up-Zentrum

Geografische Lage und Image für Start-ups attraktiv, Foto: APA (OTS/aws)







Im internationalen Vergleich schneidet Wien unter den Start-up-Zentren nur durchschnittlich ab, kritisiert die „Junge Wirtschaft“ der WKÖ. Dabei hätte die Stadt das Potenzial, zu den ganz Großen wie London oder Berlin zu gehören. Die zentrale Lage in Europa und das gute Image sprechen für Wien. Gesetzliche Hürden bremsen aber die noch vergleichsweise junge Start-up-Szene.

Die Stimmung der heimischen Gründer ist trotzdem optimistisch. Laut Umfrage findet fast die Hälfte, Wien schlage sich im weltweiten Vergleich eher gut. Ein Fünftel denkt sogar: gut bis sehr gut. Das geht aus einer Befragung von 140 Jungunternehmern durch die Junge Wirtschaft Wien (JWW) im Juni hervor.

Für die Start-up-Gründer ist das Image der Hauptstadt ein großes Thema. Dass Wien eine attraktive Stadt mit hohem Lebensstandard und guter Infrastruktur ist, sei weithin bekannt, so Matthias Blazanovic, CEO des Wiener Start-ups Bikemap, zur APA. Organisationen wie die Gründerplattform Austrian Start-ups und Events wie das Pioneers Festival tragen dazu bei, Wien attraktiver für Gründer zu machen. 

Zugang zu osteuropäischem Markt 

Ein weiterer Pluspunkt von Wien ist die geografische Lage. Innerhalb von wenigen Stunden sind wichtige Start-up-Zentren wie London, Berlin oder Tel Aviv erreichbar. Außerdem bietet Wien Zugriff auf den zunehmend an Bedeutung gewinnenden osteuropäischen Markt. Für Jubin Honarfar vom Wiener Start-up Watchado bedeutet all das: „viele spannende Expansionsmöglichkeiten“.

Außerdem lässt es sich in Wien gut „networken“. Sogenannte „Co-Working-Spaces“ - mietbare Arbeitsplätze in geteilten offenen Büros - gibt es viele in der Hauptstadt. Für Start-ups besonders reizvoll: gemeinsames Arbeiten und Kooperationen mit anderen Jungunternehmern.

Hinderlich sind vor allem rechtliche Hürden. Honarfar kritisiert den hohen Kapitalaufwand für die Gründung einer GmbH: „Das hindert viele daran, gleich zu gründen.“ Dabei verweist er auf die britische Rechtsform „limited“ - für deren Gründung wird lediglich ein Pfund benötigt. 

Schneller zu Schlüsselkräften 

Gutes Personal im IT-Bereich zu finden sei in Österreich schwierig - so die Rückmeldungen aus der Start-up-Szene. Ausländische Schlüsselkräfte einzustellen ist oft kompliziert, dauert lang und kostet dadurch viel. Hochqualifizierte Fachkräfte können zwar die „Rot-Weiß-Rot Karte“ - eine Arbeitserlaubnis - beantragen. Bis sie diese erhalten, könne es aber lange dauern, so Honarfar.

Oft wird auch die geringe Risikobereitschaft der Österreicher kritisiert. Aus der Gründerperspektive erklärt sich das Blazanovic so: „Ich kenne die Situation von damals als frischer Uni-Abgänger - die Alternativen zum Start-up sind attraktiv, sich jahrelang mit einem Start-up durchzubeißen ist oft nicht notwendig.“ Ein hoher Lebensstandard könne auch eine Hürde für Innovation sein, meint er.

Genug Kapital sei zwar in den Gründungsphasen in Österreich verfügbar, so Alexander Igelsböck vom Daten-Start-up Adverity im „Startup Report Austria 2017“, in den Expansionsphasen gebe es aber oftmals einen Kapitalmangel. 


Künstliche Intelligenz: Europa fehlt digitale Infrastruktur

„Wer entwickelt KI zu welchem Zweck?“, Foto: APA (AFP)






In Europa fehlt digitale Infrastruktur, um im Bereich „Künstliche Intelligenz“ (KI) mithalten zu können. Eine solche Infrastruktur würde auch „bestimmen, ob wir Daten kontrollieren oder wir kontrolliert werden“, sagte Petra Schaper-Rinkel vom Austrian Institute of Technology (AIT) bei der Präsentation des Jahrbuchs zu den diesjährigen Alpbacher Technologiegesprächen.

Mit Hilfe „Künstlicher Intelligenz“ lernen Maschinen und Systeme, sich selbst zu verbessern und eigenständig zu handeln. Konsumenten sind mit der Technologie etwa bei der Spracherkennung am Handy oder individuellen Kaufvorschlägen von Internet-Händlern konfrontiert.  

Wettlauf um Führungsposition 

KI sei ein zentrales Thema im Rahmen des digitalen Wandels, betonte AIT-Aufsichtsratschef Hannes

Androsch bei der Buchpräsentation. Es sei auch eines der Wettbewerbsfelder im Wettkampf um die Vorherrschaft zwischen den USA und China. „Die USA haben einen Riesenvorsprung und China setzt Riesenmittel ein, um den aufzuholen“, so Androsch.

In den USA stecken die Technologie-Konzerne Milliardenbeträge in KI, China hat im Vorjahr eine nationale KI-Strategie vorgestellt, die das Land bis 2030 zur weltweit führende KI-Nation machen soll. Auch Deutschland will „zum weltweit führenden Standort für KI werden“ und setzt gemeinsam mit Frankreich auf mehr europäische Forschungskooperation bei dem Thema.

Das wollen auch Forscher, die fürchten, dass Europa bei KI künftig nicht mehr mithalten kann, vor allem weil Wissenschafter in die USA abwandern. Mehr als 500 europäische Wissenschafter haben daher kürzlich dazu aufgerufen, einen europäischen Forschungsverbund zu schaffen, die „Confederation of Laboratories for Artificial Intelligence in Europe“ (Claire). 

Mehr Transparenz für digitale Transaktionen 

Für Schaper-Rinkel ist die entscheidende Frage, „wer entwickelt KI zu welchem Zweck“. Ein wichtiger Faktor bei der Industrialisierung sei der Transport gewesen, Eisenbahnen daher im staatlichen Eigentum gestanden. „Warum müssen wir zum Einkaufen, Handeln und Bezahlen von einzelnen Unternehmen abhängig sein“, so die Politikwissenschafterin, die am AIT zu Fragen der technischen Zukunft forscht. Durch demokratisch legitimierte digitale Infrastrukturen, wo die Menschen bestimmen, wem sie welche Daten geben, würde auch die Transparenz steigen.

Die Frage, wer die Kontrolle über Daten habe, sei auch entscheidend, wer die Innovationspotenziale nutzen könne, die die Technologie biete, so Matthias Weber, Leiter des AIT-Center for Innovation Systems and Policy. Weber sieht auch den zunehmenden Bedarf nach Personen, die sowohl juristisches als auch KI-Verständnis haben. „Dies ist notwendig, um die Rahmenbedingungen zu definieren, wie sich die Künstliche Intelligenz entwickeln soll“, so Weber. 

Androsch fordert KI-Strategie 

Für Androsch braucht es in Österreich eine inhaltliche KI-Strategie, die von der Forschung kommen müsse, und eine entsprechende Unterstützung seitens der Politik. Es gebe durchaus einzelne „Nuklei“, wie den „Complexity Science Hub Vienna“. Notwendig wären aber zwei bis drei Zentren, die sich schwerpunktmäßig mit KI beschäftigen, „um an verlorenen Boden aufzuholen“.

Dazu würde auch eine entsprechende Großcomputerausstattung gehören. Denn Österreichs leistungsfähigster Computer habe eine Leistung von rund 600 Teraflops (Maß für Rechenschritte), jener der Schweiz 20.000 und der weltweit beste 122.000 Teraflops, so Androsch.

In dem von Androsch und den beiden AIT-Geschäftsführern Wolfgang Knoll und Anton Plimon herausgegebenen Buch „Künstliche Intelligenz“ werden nicht nur Grundlagen der Technologie erklärt, sondern auch gesellschaftliche Auswirkungen diskutiert, Anwendungen vorgestellt und Nutzen und mögliche Bedrohungen beschrieben. 

Service: Jahrbuch zu den Alpbacher Technologiegesprächen 2018: „Technologie im Gespräch: Künstliche Intelligenz“, Hannes Androsch, Wolfgang Knoll, Anton Plimon (Hg.), Holzhausen Verlag, 212 S., 36 Euro


Weltweites Forum für Ethik in der Digitalisierung gegründet

Algorithmen und Sensoren werden unser Leben massiv beeinflussen, Foto: APA (dpa)





Die fortschreitende Digitalisierung, die autonome und intelligente Systeme mit sich bringt, erfasst nicht nur so gut wie alle Branchen, sie wirft auch ethische Fragen auf. Ein griffiges Thema ist beispielsweise das autonome Fahren: Wie und wohin weicht ein selbstfahrendes Auto aus, wenn ein Unfall nicht mehr vermeidbar ist?

Austrian Standards International (A.S.I.) und der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE) haben wegen solcher Fragen nun die Open Community for Ethics in Autonomous and Intelligent Systems (OCEANIS; http://ethicsstandards.org/) mitbegründet. Dieses weltweite Forum bringt Organisationen zusammen, die an der Entwicklung und Anwendung von Standards zur Berücksichtigung ethischer Aspekte in intelligenten Systemen interessiert sind, teilten A.S.I. und OVE mit.

„Der schnelle technische Fortschritt in der Digitalisierung bringt eine Fülle von kritischen Fragen zu ethischen Themen mit sich, so zum Beispiel im Bereich des autonomen Fahrens. Die Diskussion bezüglich der ethischen Grenzen und wie diese Grenzen in Normen verankert werden können, wird zunehmend international geführt. Eine koordinierte Vorgehensweise ist für ein gemeinsames Verständnis notwendiger denn je“, so Andreas Kugi, OVE-Vizepräsident und Mitglied des österreichischen Rats für Robotik und künstliche Intelligenz. 

Nicht nur Technologie und Wirtschaft 

„Wenn man sich überlegt, welche Konsequenzen sich aus der Digitalisierung sowie aus autonomen und intelligenten Systemen ergeben können, dann liegt auf der Hand, dass nicht länger 'nur' die Dimensionen Technologie und Wirtschaft unser Denken bestimmen dürfen“, hieß es in der Aussendung von A.S.I.-Direktorin Elisabeth Stampfl-Blaha.

Demnach sollen Standards Endanwendern Sicherheit geben und eine wichtige Rolle beim Ausräumen von ethischen Bedenken spielen. Es bestehe realer Bedarf und eine echte Chance für eine breite Zusammenarbeit aller relevanten nationalen und internationalen Organisationen bei der Schaffung von lokal und global anwendbaren Lösungen zur Unterstützung von technischen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen.

 

Aus der Wissenschaft:

Browser-Plugin für mehr Internet-Sicherheit

Viele Webseiten, eine Anmeldung mit verschiedenen Social-Media-Profilen, Foto: TU Wien





Wer sich auf bestimmten Webseiten über Facebook- oder Google-Accounts authentifiziert, handelt gefährlich. An der TU Wien wurden diese Authentifikations-Prozesse genau untersucht und nun ein Browser-Plugin entwickelt, das diese Sicherheitslücken rigoros schließt. Eine erste Version kann bereits probeweise installiert werden, derzeit laufen Gespräche mit Webbrowser-Herstellern, um das Plugin in Zukunft in Browser einzubauen. ...

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Foto: Philipp Dimitri / Westend61 / picturedesk.com





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