DBT Newsletter #14/2017

Digitalisierung: (Kein) Ende der Arbeit?

Arbeitswelt ist (wieder einmal) im Umbruch, Foto: APA (dpa)






Das Versprechen von rauchenden Köpfen statt rauchenden Schornsteinen auf der einen Seite, „Mensch gegen Maschine“-Szenarien auf der anderen: Killt die Digitalisierung Jobs? APA-Science hat versucht, etwas Licht in die Debatte über die Zukunft der Arbeit zu bringen.

Es begann mit einer aufsehenerregenden, aber auch umstrittenen Studie der Wissenschafter Carl Benedikt Frey und Michael Osborne von der Universität Oxford im Jahr 2013. Laut dieser Untersuchung arbeiten 47 Prozent der Beschäftigten der USA in Berufen, die in den nächsten zehn bis 20 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent automatisiert werden können. Besonders betroffen sind Bürotätigkeiten, Handel und andere Dienstleistungen. Mit Berechnungen auf derselben Basis sieht das Beratungsunternehmen A.T. Kearney in den nächsten 25 Jahren 44 Prozent aller österreichischen Arbeitsplätze bedroht. Für Deutschland kommt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf 42 Prozent.

Die Ergebnisse von Frey/Osborne und darauf aufbauende, nachfolgende Studien sollten aber mit Vorsicht interpretiert werden. Laut ZEW-Expertise wurden Berufe und nicht die Tätigkeiten der Erwerbstätigen betrachtet. Allerdings werden vermutlich nicht unbedingt komplette Berufe durch Innovationen ersetzt werden, sondern einzelne Tätigkeiten der Arbeitskräfte, die zum Teil auch schwer automatisierbare Aufgaben ausüben. Zweitens beruht die Frey/Osborne-Erhebung auf Experteneinschätzungen, die laut ZEW typischerweise zur Überschätzung technischer Potenziale führen. Und drittens könnten neue Technologien Arbeitsplätze verändern, ohne sie zu beseitigen, oder auch neue schaffen. Das wurde ebenfalls nicht berücksichtigt.

Anderer Blick - andere Zahlen

Deshalb hat das ZEW die Automatisierungswahrscheinlichkeiten anhand der Tätigkeitsstrukturen am Arbeitsplatz berechnet. Und schon sehen die Zahlen ganz anders aus: In den USA sind neun Prozent der Jobs gefährdet, in Deutschland zwölf Prozent. Für Österreich kommt eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) auf eine mittelfristige Gefährdung von rund neun Prozent aller Jobs (360.000 Stellen). Auch die IHS-Forscher haben im Unterschied zu Frey und Osborne individuelle Tätigkeitsstrukturen der Erwerbstätigen berücksichtigt.

„Ich persönlich glaube nicht, dass uns die Arbeit ausgehen wird“, schreibt AMS-Vorstand Johannes Kopf in einem Gastkommentar zum Thema „Nehmen uns die Maschinen die Arbeit weg?“. Er wies ebenfalls darauf hin, dass die Oxford-Studie von Frey/Osborne nicht untersucht hatte, wie viele Berufe und Tätigkeitsfelder im gleichen Zeitraum neu entstehen: „Ein Umstand, den die berichtenden Medien in ihren 'Das Ende der Arbeit'-Artikeln jedoch kaum erwähnten.“ Die Auswirkungen der Digitalisierung seien „weniger dramatisch als kolportiert. Per saldo könnte es sogar positive Effekte auf den Arbeitsmarkt haben“, glaubt auch IHS-Chef Martin Kocher.

Völlig unklar scheint, wie die Unternehmen mittel- bis langfristig auf den technischen Wandel reagieren und welche neuen Berufsfelder und Arbeitsplätze die Digitalisierung bringt. Das AMS, das laut Kopf wahrscheinlich jene Organisation ist, die am meisten Forschungsarbeit zur Frage „Welche Qualifikationen braucht unser Arbeitsmarkt morgen?“ leistet, kann diese Frage recht gut und detailliert beantworten, „allerdings nur für 'morgen'. Welche Qualifikationen der Arbeitsmarkt 'übermorgen' also in mehr als drei bis fünf Jahren braucht, wissen auch wir kaum“, so Kopf.


Bitcoin & Co: Sicherheitsbedenken überwiegen

Extreme Kursschwankungen möglich, Foto: APA (dpa)





Die Digitalwährung Bitcoin hat kürzlich die 4.000-Dollar-Marke geknackt, Ende 2016 waren es noch 900 US-Dollar. Besonders verbreitet sind digitale Währungen hierzulande unterdessen noch nicht: Laut einer Umfrage haben erst sechs Prozent damit bezahlt. Viele sind skeptisch und fürchten bei Kryptowährungen, die keiner Kontrolle durch Behörden unterstehen, beispielsweise Hackerangriffe.

Laut einer aktuellen Marketagent-Erhebung im Auftrag des Handelsverbands unter 501 „webaktiven“ Personen zwischen 14 und 69 Jahren können sich 40 Prozent der Befragten vorstellen, in Zukunft mit digitalen Währungen zu bezahlen, während rund ein Viertel damit noch nichts anfängt. „Fast die Hälfte ist überzeugt, dass Bitcoin und alternative Digitalwährungen im Handel stark an Bedeutung gewinnen werden“, kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, die Erhebung.

36 Prozent könnten sich demnach vorstellen, in großen Online-Shops mit Digitalwährungen zu bezahlen, rund ein Viertel würde das auch bei Musik- und Video-Downloads, Einkäufen auf Verkaufsplattformen wie willhaben und kostenpflichtigen Apps tun. Alltags-Rechnungen wie Miete oder Strom würde nur ein Zehntel der Befragten mit Bitcoin und Co begleichen.

Ob die digitalen Währungen salonfähig werden, hänge vor allem vom Vertrauen der Menschen ab - und das ist hierzulande nicht sehr hoch. Fast die Hälfte der Befragten äußert Sicherheitsbedenken, 37 Prozent sind gegenüber Kryptowährungen generell misstrauisch eingestellt. Ein Drittel sieht das Risiko hoher Kursschwankungen. Und: 30 Prozent haben lieber einen persönlichen Ansprechpartner bei einer Bank, falls es Probleme gibt.

(Zu) schneller Kursanstieg

„Der jüngste Anstieg verlief sehr schnell, vielleicht etwas zu schnell“, so Johannes Grill, Präsident des Vereins Bitcoin Austria, zur Kursentwicklung der weltweit bekanntesten Kryptowährung Bitcoin. Er erwartet kurzfristig eine sehr volatile Phase, Korrekturen um mehrere hundert Euro binnen weniger Minuten seien jederzeit möglich. „Viel wichtiger ist jedoch die Frage, welche Bedeutung Bitcoin in drei, fünf oder zehn Jahren haben könnte - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Wert der Währung“, meinte Grill zur APA.

Wie sich der Bitcoin-Kurs weiter entwickelt, hänge wesentlich davon ab, „ob die Zentralbanken die Geldflut stoppen können beziehungsweise wollen oder weiterhin marode Banken und bankrotte Staaten mittels Notenpresse zu retten versuchen“, so Grill. „So utopisch - wenn auch nicht völlig ausgeschlossen - aus heutiger Sicht 5- oder 6-stellige Kurse erscheinen mögen, so unwahrscheinlich erschienen noch vor wenigen Jahren 3- oder gar 4-stellige Bitcoin-Kurse.“


Industrie 4.0: Firmen müssen rasch und selbst aktiv werden

Digitale Transformation nimmt Fahrt auf, Foto: CPS Week 2016






Die heimischen Unternehmen sollten rasch und möglichst von sich aus Strategien für den digitalen Wandel entwickeln und umsetzen - dies ist der Schluss aus einer von Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) initiierten Studie zum Themenkomplex „Industrie 4.0“, für die 68 Firmen in ganz Österreich mittels qualitativer Interviews befragt wurden.

Laut Studienautor Markus Lassnig von Salzburg Research lassen sich aus den Ergebnissen der Untersuchungen sieben Empfehlungen an Unternehmer ableiten. Zweck der Studie sei es auch gewesen, die Dringlichkeit der Sache klarzumachen, obwohl die digitale Transformation noch in einer frühen Phase sei. In Fallstudien wurden fünf Unternehmen, darunter AVL, Atomic und Zumtobel, als Best-Practise-Beispiele dargestellt.

Zu den sieben Empfehlungen gehört zum ersten der Rat, die digitale Transformation auf ein strategisches Level innerhalb der Firma zu heben, sagte Lassnig. Sie operativ im Tagesgeschäft zu managen sei zu wenig, damit könne man Wettbewerbsvorteile verspielen. Zum zweiten solle man sich mit Stakeholdern im Wertschöpfungs-Netzwerk abstimmen, möglichst früh und aus eigener Initiative. „Sonst kann es geschehen, dass man im Wertschöpfungs-Netzwerk substituiert wird“, so Lassnig. Zum dritten gelte es eine Strategie zur Sicherstellung der eigenen IT- und Datensicherheit sicherzustellen.

Weitere Punkte sind laut Lassnig die Entwicklung einer eigenen Datenstrategie unter Einbeziehung der Mitarbeiter, da das Thema Industrie 4.0 Ängste unter der Belegschaft hervorrufen könne. Die Punkte sechs und sieben umfassen die Weiterbildung der Mitarbeiter in Industrie 4.0-relevanten Themen sowie neue Geschäftsmodelle als vom Kerngeschäft getrennte Einheiten zu schaffen.

Service: Die Studie kann unter http://www.bmvit.gv.at/innovation/publikationen/produktion/index.html heruntergeladen werden.


Service:

Digital Business Trends Südtirol 

APA

DBT goes international – Gemeinsam mit der Werbeagentur Südtirol Online Marketing, die ein Teil der Unternehmensgruppe Athesia ist, wurde die DBT Südtirol ins Leben gerufen. Künftig werden in Bozen zweimal pro Jahr Veranstaltungen im Rahmen der Digital Business Trends stattfinden.

Das Auftaktevent widmet sich am Donnerstag, 21. September 2017, dem Thema „Digitaler Wandel: Was auf Führungskräfte und Unternehmen zukommt“. Die Keynote hält Kurt Matzler (Universität Innsbruck). Im Anschluss daran diskutieren mit ihm Expertinnen und Experten zu diesem spannenden Thema. Durch den Abend führt Cristina Ferretti (Athesia Druck GmbH). 

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