DBT Newsletter #14/2015

Autobranche vor Umbruch – Internetanschluss bald "normal"

Daimler-Chef Zetsche schließt Kooperation mit IT-Firmen nicht aus Foto: APA/EPA









Der digitale Wandel mit neuen Konkurrenten wie Google und Apple drängt die Autoindustrie auf neue Wege. Kurz vor Beginn der Leitmesse IAA in Frankfurt pochten Firmenbosse darauf, auch im Internet-Zeitalter die Führungsrolle in der Branche zu behalten. Allein die deutschen Autobauer rüsten sich für den Umbruch in den kommenden Jahren mit Investitionen von bis zu 18 Mrd. Euro für die Forschung zum vernetzten und automatisierten Fahren. 

"Unser Geschäft bekommt ganz neue Spielregeln", sagte BMW-Chef Harald Krüger der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf Google und Apple. VW-Chef Martin Winterkorn hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt: Für Volkswagen bedeute der rasante digitale Wandel, alles zu hinterfragen. "Wir sind dabei, Volkswagen ein Stück weit neu zu erfinden." Google arbeitet seit über sechs Jahren an selbstfahrenden Autos. Das kleine Fahrzeug soll in der Zukunft komplett vom Computer gesteuert werden und ganz ohne Lenkrad und Pedale auskommen. Apple plant laut Medienberichten ein eigenes Elektroauto. 

BMW-Chef Krüger erwartet, dass die Digitalisierung die Branche umkrempeln wird – "mehr als wir uns das heute möglicherweise vorstellen können". Für Führungskräfte und Mitarbeiter bedeute dies: "Wir müssen an vielen Stellen schneller werden." Design und Marke seien nach wie vor wichtig für einen Oberklasse-Hersteller wie BMW. Allerdings werde in Zukunft "die digitale Vernetzung der Fahrzeuge ein mindestens genauso wichtiger Kaufgrund sein", sagte Krüger. "Wenn Sie hier nicht ganz vorne mit dabei sind, werden Sie als Hersteller in Zukunft ein Problem haben – da kann das Design noch so toll sein." 

"Daten (…) gehören dem Kunden"

Daimler-Chef Dieter Zetsche schloss Kooperationen mit IT-Firmen nicht aus. Daimler werde aber sicher kein Auftragsfertiger wie Foxconn werden, der nur Hardware herstelle. Die "rote Linie" verläuft für Zetsche beim Betriebssystem: "Wir wollen, dass die Systeme anderer in den Autos funktionieren, aber nicht die Funktionen unserer Autos übernehmen", sagte Zetsche dem "Handelsblatt". Auch bei den Kundendaten zieht Zetsche klare Grenzen: "Daten, die im Auto generiert werden, gehören dem Kunden." Daimler, Audi und BMW kaufen von Nokia den Kartendienst "Here". Hochpräzise digitale Karten sind besonders wichtig für selbstfahrende Fahrzeuge. "Wir wollen eine eigene Plattform schaffen und selbst entscheiden, was mit den Daten aus unseren Autos passiert und was nicht." 

Zunächst wird das Internet nach einer Prognose des Branchenverbandes VDA rasch Einzug ins Auto halten. Demnach werden schon 2017 weltweit vier von fünf Autos, die neu vom Band laufen, eine direkte Verbindung ins Netz haben, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Damit würde sich der Anteil der internetfähigen Neuwagen von aktuell rund 25 Prozent in den nächsten Jahren mehr als verdreifachen. Als eine Folge sieht der VDA Smartphones und Fahrzeuge verschmelzen. "Das vernetzte Auto wird zur mobilen Kommunikationsplattform", sagte Wissmann. 

Risiko durch Cyber-Attacken

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) stellte unterdessen in einer Studie den Vorteilen von selbst fahrenden Autos – weniger Staus und Unfälle, mehr Bequemlichkeit – auch Sicherheitsrisiken des computergelenkten Fahrens gegenüber. Allein in diesem Jahr sei es schon zu fünf Hackerangriffen auf die Elektronik in Autos gekommen. "Es ist noch schwer, Cyber-Attacken bei autonomen Fahrzeugen komplett zu verhindern", erklärte BCG-Autoexperte Nikolaus Lang. Die Autoindustrie sollte sich mit IT-Fachleuten in einem Forum zusammenschließen und gemeinsam gezielt Sicherheitslücken aufdecken. 

Regional unterschiedlich sind auch Rechtsfragen und Haftungsprobleme. In Europa und Teilen Südamerikas, Asiens und Afrikas gilt die Wiener Straßenverkehrskonvention von 1968, die vorschreibt, dass jederzeit ein Mensch die Kontrolle über das Fahrzeug haben muss. Allerdings ist eine Überarbeitung initiiert, wonach es künftig reicht, wenn Menschen automatische Systeme ausschalten und die Kontrolle übernehmen können. In den USA gelten keine solchen Regeln, hier sind selbstfahrende Fahrzeuge grundsätzlich zulässig. Dafür haben die USA noch viel größere Haftungsfragen offen. Während in Europa bereits jetzt alle Fahrer haftpflichtversichert sind und damit ihr Risiko abgedeckt haben, sind in den USA im Ernstfall riesige Beträge fällig.


Unternehmen wittern Milliarden-Geschäft im „vernetzten Schlaf“

Umsatz mit vernetzter Haustechnik soll sich bis 2020 fast verdoppeln Foto: APA/EPA








Der Megatrend Vernetzung erobert die letzten Refugien des Privatlebens. Für viele ist derzeit noch die Nacht die einzige Zeit, in der auch Smartphone, Tablet und Fernseher ihre Auszeit nehmen. Sorglos schlafen und Kraft tanken für den nächsten Tag. Das soll sich ändern. Mehrere Technologiekonzerne zeigten auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin Produkte zur Überwachung des Schlafes. 

Samsung Electronics geht mit Sleep Sense an den Start, ein drahtloses flaches Gerät, das unter die Bettmatratze gepackt werden soll. Verbunden mit dem Smartphone zeichnet es Herzschlag, Atem und Bewegungen auf, um Schlafrhythmen zu erkennen. "Morgens werden die Daten analysiert, und man erhält einen kleinen Überblick", sagte der Samsung-Chef für digitale Produkte, Yoon C. Lee. Zudem könne der Sleep Sense mit anderen Geräten wie der Klimaanlage, Beleuchtung, den Jalousien oder dem Fernseher vernetzt werden. Die Südkoreaner haben sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2020 alle ihre Geräte miteinander kommunizieren können. 

Panasonic zeigt ähnliche Prototypen für die Überwachung der Körperdaten während der Bettruhe. Mit einer Auswertung am Morgen danach begnügen sich die Japaner nicht. Noch während der Nacht passt deren Technik etwa Luftfeuchtigkeit oder Temperatur in der Schlafstube an. Sie verfolgt auch den Schlafrhythmus des Kunden und weckt ihn just dann sanft, wenn er in einer Leichtschlafphase schlummert. Mit einer weitergehenden Vernetzung könnte etwa auch gleich die Kaffeemaschine anspringen. 

Verknüpfung mit Medizin- und Notfalldiensten

Die Anbieter haben allerdings nicht nur ausdefinierte Leistungsträger als Käufer im Blick, sondern wittern zudem die wirtschaftlichen Chancen alternder Gesellschaften. "Wir entwickeln auch Produkte, die es älteren Menschen ermöglichen, länger zu Hause zu leben", sagt Panasonic-Europachef Laurent Abadie. "Die Vernetzung des digitalen Zuhauses mit Medizin- und Notfalldiensten wird auch ein Teil der Zukunft sein." 

Marktforschern zufolge wird sich der Umsatz mit vernetzter Haustechnik von 36 Milliarden Dollar weltweit im kommenden Jahr bis 2020 auf knapp 60 Milliarden Dollar fast verdoppeln. Bitkom-Experte Timm Lutter sagt: "Das Interesse der Verbraucher steigt. Wir gehen davon aus, dass bis 2020 in Deutschland eine Million Haushalte per Smartphone Geräte steuern oder automatisierte Abläufe nutzen." Damit dürfte sich Deutschland in der Welt aber eher hinten anstellen. Die Marktbeobachter von IHS prognostizieren, dass sich bis 2019 in jedem Haushalt mindestens fünf interaktive Gerätschaften befinden – in den USA sogar zehn.


Trend zur Selbstbestimmtheit: "Start-ups nicht romantisieren"

Jungunternehmertum kann „knallhart“ sein Foto: APA/dpa








Wollten Wirtschaftsstudenten früher größtenteils bei einem der vier großen Wirtschaftsprüfer (Deloitte, Ernst & Young, PwC und KPMG) arbeiten, so drängt es nun immer mehr Uniabsolventen in Start-ups. "Die Entwicklung der Studenten geht immer mehr Richtung Selbstbestimmtheit, in Richtung Start-ups und Kleinunternehmen", beobachtet Birgit Hofreiter von der TU Wien. 

Köpfe, Mut und Kapital, das sind aus Sicht von Alexander Rinke, Gründer und Geschäftsführer des 2011 gegründeten Technologie-Start-ups Celonis, entscheidende Parameter für Start-ups. "Nicht um Erlaubnis fragen, nicht warten, einfach loslegen und machen", rät Rinke Jungunternehmern. Wenngleich er bei einer Diskussionsrunde beim Forum Alpbach davor warnte, das Start-up-Gefühl zu romantisieren. "Das ist knallhart, man wird am Anfang nicht ernst genommen." Davon wusste auch Ali Mahlodji, Gründer des Wiener Start-ups whatchado, zu berichten. "Wenn du deinen ersten Mitarbeiter mit Familie hast, scheißt dich fast an. Dann hast du Verantwortung", fand der Unternehmer deutliche Worte. 

Großunternehmen wie der Verbund, die ÖBB oder SAP arbeiten mit Start-ups zusammen, um Nischen abzudecken oder Leistungen auszulagern. "Wenn Großunternehmen mit Start-ups zusammenarbeiten, tun sie das sicher nicht aus Altruismus. Wir kaufen beim Besten und Billigsten", räumte ÖBB-Chef Christian Kern ein. Der Verbund arbeite im Bereich IT und im Dienstleistungsbereich zwar mit vielen Start-ups zusammen, es gebe aber "viele Regulative, die das verhindern oder erschweren", meinte Verbund-Boss Wolfgang Anzengruber.  

Große Firmen sind zu unbeweglich

Es gebe aber auch vieles, das Großunternehmen von Startups lernen könnten: Out of the Box-Denken, Experimentierfreudigkeit, Dynamik oder lernen zu scheitern, wurden etwa genannt. In großen Firmen fällt das vielfach schwer: "Wir sind ein großes Schiff, ein Tanker mit schwer beweglichen Strukturen", meinte Kern. 

Wenn es um Start-ups geht, wird oft das Silicon Valley bemüht. Es gilt als Start-up-Schmiede der Welt. Was heimischen Jungunternehmen fehle, sei deren Risikokultur, sagte die im Publikum anwesende US-Botschafterin in Wien, Alexa Wesner. Zu scheitern sei keine Schande, denn davon lerne man. Dem stimmten Kern und Anzengruber nicht uneingeschränkt zu: "Wir können nicht sagen, schauen wir mal, ob die Staumauer hält", wand Anzengruber ein. Für Kern kommt es darauf an, "aus den richtigen Gründen" zu scheitern.

  

Social Media: Menschen, Meer und Miezen als Motiv-Favoriten

Selfies am Meer sind ein Foto-Renner Foto: APA/EPA








Über die Sozialen Netzwerke ergießt sich täglich eine Flut an Bildern. 65 Prozent der Social-Media-User nutzen die diversen Kanäle, um Fotos anzusehen, 44 Prozent laden solche auch selbst hoch. Bei den Motiven dominieren Porträts von Menschen, gefolgt von Meeres-Bildern. Auch Tierfotos sind beliebt. Wer glaubt, damit nur Freude zu bereiten, irrt jedoch gehörig. Vor allem Selfies und Essensbilder nerven. 

Laut der diesjährigen A1 Social Impact Studie, für die im Auftrag des Telekomunternehmens 1.000 Personen in ganz Österreich befragt wurden, wollen die Poster vor allem zeigen, was ihnen "Spaß macht" (61 Prozent). 57 Prozent der Lichtbild-Versender möchten "Freunde informieren", 45 Prozent "Kontakte halten". Bei den veröffentlichten Schnappschüssen dominieren Fotos mit Menschen (89 Prozent). 

Relativ knapp dahinter folgen mit 83 Prozent urlaubsbezogene Motive wie Strand und Meer bzw. Landschaften (78 Prozent). 58 Prozent all jener, die Fotos auf Facebook, WhatsApp oder vergleichbaren Plattformen teilen, verbreiten Porträts ihrer Katzen, Hunde oder sonstigen tierischen Freunde. Glücklich sind die Empfänger und "Friends" mit der Zwangsbeglückung offenbar nur bedingt. Das Posten von Bildern bringe "durchaus ein negatives Erregungspotenzial mit sich", wie es Rudolf Bretschneider vom Marktforschungsinstitut GfK Austria in einer Pressekonferenz formulierte. 

Essens-Fotos nerven

Ein Drittel aller Befragten beklagte, dass Fotos auch nerven. Als Aufreger entpuppten sich mit 52 Prozent Selfies. Gleich nach den qualitativ meist bedenklichen Selbstaufnahmen folgt: Essen. "Food-Kult", also das Publizieren von Menü-Fotos aus Restaurant oder Privatküche, wird von 39 Prozent der sich genervt fühlenden User als entbehrlich erachtet. Dass solche Fotos trotzdem das Licht der Welt erblicken, dürfte laut Bretschneider schlicht mit fehlendem Bewusstsein zu tun haben. Nicht wenige würden sich offenbar denken: "Die Sachen, die ich verschicke, sind wirklich interessant." 

Die Kategorie junge User (bis 24 Jahren) ergibt generell ein etwas anderes Bild: Hier verbreiten mehr als die Hälfte Fotos. 64 Prozent nannten "Selbstdarstellung" als Motiv (das insgesamt nur auf 37 Prozent kam, Anm.). Rund die Hälfte der Jüngeren leidet zudem unter FOMO ("Fear Of Missing Out"), also die Angst etwas zu verpassen, wenn sie keinen Zugang zu ihren Online-Netzwerken haben. Wobei dies nicht per se ein Jungmenschenphänomen ist: Der zweithöchste FOMO-Wert wird für die Über-70-Jährigen ausgewiesen.


Service

Digitaldialog


DigitalDialog am 29. September in Graz:
Erfolgsfaktor Corporate Publishing im digitalen Raum

Digitales Publizieren und Content Marketing zählen immer häufiger zur Strategie in Kommunikationsabteilungen von Unternehmen. Und das aus gutem Grund: Leserinnen und Leser von Kundenmagazinen oder Geschäftsberichten werden nicht länger eindimensional, sondern interaktiv eingebunden – und das vor allem auf Mobile Devices. Für innovative Unternehmen sind mobile Outlets der Corporate Communication heute ein Must. Doch welche Erfolgsfaktoren braucht es beim digitalen Publizieren? Wie kommuniziert man richtig im digitalen Raum? Welche Spielregeln gelten? Welche Tools sind nötig und wie serviciert man seine Zielgruppe auf den neuen Kanälen richtig? Diese und andere Fragen beantworten Experten beim 33. Digitaldialog. Auch Best-practice-Beispiele kommen nicht zu kurz.

Roman Grandits, (ÖGB-Verlag)
Nadine Rigele, (APA-IT)
Martin Schevaracz
, (APA-IT)
Andreas Wanda,
(TÜV)

Wann: 
Dienstag, 29.9.2015, 
15:30 bis 19:00 Uhr

Wo: 
IBC Graz (Hotel Ramada)
Seering 10
8141 Unterpremstätten

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Service

DBT




Digital Business Trends am 29. Oktober in Graz: "Neustart: Wie Österreich zum Start-up-Wunderland wird"

TV-Shows und Cover-Stories, Millionen-Deals, die aufhorchen lassen, ausgebuchte Festivals sowie enthusiastische Politiker und Unternehmer: Das Thema Start-ups scheint in Österreich einen Höhenflug sondergleichen hinzulegen.  

Glaubt man Experten, ist Euphorie aber alles andere als angebracht und das entsprechende Ökosystem gerade erst im Entstehen. Notwendig sind Risikokapital, unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen, kooperationswillige Großbetriebe und Universitäten sowie erfolgreiche Gründungen als Leuchtturm-Projekte. Woran fehlt es und wie weit ist Österreich auf dem Weg zum "Start-up-Wunderland“?

Wann: 
Donnerstag, 29.10.2015, 
19:30 bis 23:30 Uhr

Ort:
Styria Media Center
Gadollaplatz 1
8010 Graz

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