DBT Newsletter #13/2018

Wirtschaftsminister setzen auf Künstliche Intelligenz

Europa hinkt bei Investitionen meilenweit hinter den USA und Asien her, Foto: APA (AFP)






Die EU-Wirtschaftsminister haben sich bei ihrem informellen Treffen in Wien vollständig dem Thema Künstliche Intelligenz gewidmet. Es ging um Vorarbeiten für ein Grundsatzpapier, das laut der heimischen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) im September fixiert und präsentiert werden soll. Es gehe darum, Jobs nach Europa zurückzuholen.

Freilich gibt es im Zusammenhang mit Digitalisierung und Robotik die Sorge um Jobverluste. „Wir warten auf Arbeitsplätze, die noch nicht erfunden sind. Sie werden die Arbeitsplätze ersetzen, die wegfallen“, sagte dazu EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska. Dahingehend müsse sich auch in den Bildungssystemen etwas ändern. Es fehle an Fachkräften in spezialisierten Bereichen wie der Robotik. Dafür brauche es mehr digitale Qualifikationen.

„Wir können dem Fortschritt keinen Riegel vorschieben und wollen das auch nicht“, sagte EU-Digitalkommissar Andrus Ansip. Die Künstliche Intelligenz erfasse alle Branchen von der Medizin bis zur Landwirtschaft. Die Pro-Kopf-Roboterquote sei in Österreich eine der höchsten weltweit, trotzdem sei die Arbeitslosigkeit in Österreich sehr gering, sagte der EU-Politiker. Natürlich würden einige Jobs verlorengehen, den Betroffenen müsse man helfen. Viel drehe sich hierbei um „lebenslanges Lernen“; auch Unternehmen und Gewerkschaften müssten in diesen Prozess miteinbezogen werden.

Kraftakt aller Player notwendig

So weit, wie es die Politiker heute wünschen, ist Europa aber noch bei weitem nicht: Ansip rechnete vor, dass in Europa derzeit lediglich 3 bis 4 Mrd. Euro in Künstliche Intelligenz bzw. dahingehende Forschung und Entwicklung investiert würden. In Asien seien es hingegen 8 bis 12 Milliarden pro Jahr und in den USA überhaupt 15 bis 23 Milliarden, so der Kommissar. Schlussfolgerung von Bienkowska: „Also heißt es, die Kräfte bündeln, um erfolgreich den Wettbewerb mit China und den USA anzugehen.“ Ein Kraftakt aller Player wird nötig.

Es geht laut Schramböck und den beiden Kommissaren darum, in Europa jene Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle - Unternehmen, Menschen, Volkswirtschaften - von der Künstlichen Intelligenz profitieren können. Laut der Wirtschaftsministerin, die den informellen Rat leitete, erfolgte zeitgleich der Auftakt für eine intensive Diskussion, um hochwertige Arbeitsplätze in Europa zu schaffen. Dafür müssten der Fokus auf öffentliche und private Investitionen gelegt, geeignete Rechts- und Ethikrahmen geschaffen und digitale Kompetenzen der Bevölkerung gesteigert werden.


Künstliche Intelligenz könnte Preise im Internet steigen lassen

Sorge vor Preisabsprachen der Algorithmen, Foto: APA (Fohringer)





Künstliche Intelligenz könnte sich nach Einschätzung von Experten als Preistreiber im Internet-Handel erweisen. Zur Festlegung von Preisen im Online-Handel würden zunehmend Algorithmen eingesetzt, erklärte die Monopolkommission in Berlin nach der Übergabe ihres neuen, rund 400 Seiten starken Gutachtens an den deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Diese Algorithmen könnten künftig lernen, sich an andere Preise im Netz anzupassen oder sich über unterschiedliche Händler hinweg abzustimmen. „Eine Sorge, die die Wettbewerber haben, ist, dass es durch Künstliche Intelligenz dazu kommt, dass die Preisalgorithmen merken: Ups, das ist ja schön, wenn wir alle gemeinsam die Preise erhöhen“, warnte der Vorsitzende der Kommission, Achim Wambach.

Derzeit geschehe dies zwar noch nicht, in Zukunft könne es aber dazu kommen. „Das ist eine Möglichkeit, wir sehen das Gefährdungspotenzial“, sagte Wambach, der zugleich Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist. Um dagegen vorgehen zu können, werde man bei den erhöhten Preisen ansetzen müssen statt wie bisher üblich bei Absprachen. „Es gibt ja dann keine expliziten Absprachen, das sind dann Algorithmen, die sich koordinieren, und wenn die mit Künstlicher Intelligenz betrieben werden, dann sieht man es nicht mal in der Formel des Algorithmus, weil die ja selbst lernen“, erklärte Wambach.

Wer haftet?

Er gehe davon aus, dass Verbraucherschutzverbände solche Preissteigerungen zuerst entdecken würden. Die Monopolkommission empfehle der Regierung daher, den Verbänden in diesen Fällen das Recht zu geben, eine Untersuchung durch die Kartellbehörden anzuregen. Das Kartellamt müsste dann begründen, wenn es eine Prüfung ablehne. Die Monopolkommission forderte die Bundesregierung zudem auf, die Haftung für wettbewerbsrechtliche Verstöße durch Algorithmen zu klären. Es stelle sich die Frage, ob der betroffene Internet-Händler oder der Entwickler des Algorithmus für Schäden aufkommen müsse.

Altmaier sagte eine Prüfung der Vorschläge zu. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir von Algorithmen schon alles verstanden haben - und zwar sowohl wie sie heute funktionieren und wie sie auch in einigen Jahren oder Jahrzehnten funktionieren werden“, erklärte er.


Branchen-News:

aws Gründerfonds verkauft Anteil an Tourradar

Der Gründerfonds der staatlichen Förderbank aws hat seinen 10-Prozent-Anteil am Wiener Start-up Tourradar an den US-amerikanischen Investor TCV verkauft. Kürzlich hat die Plattform für mehrtägige Touren eine 50 Mio. US-Dollar (43 Mio. Euro) Kapitalrunde - angeführt von TCV - bekanntgegeben. TCV hat bisher in Reiseunternehmen wie Airbnb, Expedia, HomeAway, Orbitz, SiteMinder und TripAdvisor investiert. Die Tourradar GmbH mit Sitz in Wien wurde im Jahr 2013 von den Brüdern Travis und Shawn Pittman gegründet. Nach eigenen Angaben ist die Plattform das weltweit größte Online-Reisebüro für mehrtägige Reisen. Aktuell kann man über die Website rund 25.000 Reisen und Touren in 200 Ländern buchen.

Parkbob expandiert nach New York

Das Wiener Start-up Parkbob bietet seine App jetzt auch in New York an. „Wir freuen uns, nun auch den Menschen in der größten Metropole der USA beim Finden von Parkplätzen und Vermeiden von Parkstrafen zu helfen. New York City ist ein Meilenstein für uns“, erklärte Gründer und Chef, Christian Adelsberger, in einer Aussendung. Parkbob kombiniert Echtzeit-Parkdaten aus verschiedensten Quellen mit einer Datenbank aus Parkregeln und verknüpft diese mit Geo-Informationen. Die App ist derzeit in 40 Städten verfügbar, heuer sollen noch weitere 30 Städte weltweit erschlossen werden, 20 davon in den USA und Kanada.

WKÖ hilft bei Internationalisierung

Die Wirtschaftskammer gibt acht Start-up-Firmen die Möglichkeit, ihr eigenes Unternehmen vor Venture Capitalists und potenziellen Investoren in London zu präsentieren. Gesucht werden dafür etablierte Jungunternehmen aus den Bereichen Medtech, Biotech, Software as a Service und Fintech, die Kapitalbedarf haben. Das AußenwirtschaftsCenter London der WKÖ nimmt Bewerbungen bis 15. August 2018 entgegen. Nach einer Vorauswahl findet das sogenannte Pitching vom 25. bis 28. November in London statt. Anmeldeformular und Programm finden sich hier 


Aus der Wissenschaft:

Ein Algorithmus soll die Musikbranche fairer machen

Blick in andere Disziplinen, Foto: TU WienBlick in andere Disziplinen, Foto: TU Wien





Die Musikbranche hat ein Betrugsproblem: Wenn Musik elektronisch vertrieben wird, ist es kaum möglich, die Verkaufszahlen exakt zu überprüfen. Eine Technologie der TU Wien soll nun allerdings Klarheit schaffen: Die Statistikerin Nermina Mumic entwickelte im Rahmen ihrer Dissertation gemeinsam mit Prof. Peter Filzmoser und Dr. Radostina Kostadinova mathematische Werkzeuge, mit denen man Betrügereien mit hoher Zuverlässigkeit aufdecken kann. Damit soll die Musikbranche nun transparenter und fairer werden. ...

WEITERLESEN


Service:

DBT-Blog: Digitalisierung der Arbeitswelt: Welche Qualifikationen und Kompetenzen sind künftig gefragt?

Julia Bock-Schappelwein, Foto: WIFO

Digitalisierung der Arbeitswelt: Wohin geht die Reise? Ja, wohin? So gerne uns eine eindeutige Antwort als wünschenswert erscheint, um der Unsicherheit ob der Unkenntnis entgegenzuwirken, so schwer möglich ist es, eine solche einfache Antwort zu geben. Erstens wird die Arbeitswelt nicht nur von technologischen Veränderungen beeinflusst, gleichermaßen wirken auch Globalisierung, Strukturwandel, Demographie oder auch das Aufbrechen traditioneller Familienstrukturen auf die Arbeitswelt ein.  ...

WEITERLESEN


Service:

Start-up-your-Business: Digital Business Trends-Award 2018

Digital Business Trends, Foto: APA

Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre vergibt die Plattform Digital Business Trends, initiiert von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one, 2018 erneut den gleichnamigen Award, unterstützt von der APA-IT.

Der in zwei Kategorien ausgeschriebene Digital Business Trends-Award prämiert innovative, zukunftsträchtige Digitalisierungslösungen aus den Bereichen Medientechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie. Zur Einreichung berechtigt sind sowohl aufstrebende Jungforscherinnen und Jungforscher, Entwicklerinnen und Entwickler, Einzelpersonen, öffentliche Einrichtungen als auch Unternehmen jeder Größe: vom Start-up über KMUs bis zu Großunternehmen. 

Einreichungen sind bis 31. Juli 2018 möglich.

Jetzt einreichen
Empfehlen & Verbreiten Facebook Google+ Twitter
Load more